Zwei Flüsse, ein Tag / Two Rivers, One Day

Short English Summary: Today we cycled our longest tour so far, 90 km from Eßfeld via Würzburg, along the river Main to Gemünden, and then along the small river Sinn to Altengronau. Again we had a lot of rain, but also some sunny moments. We were accompanied by our friend Bernhard, who also plans a longer cycling tour through big parts of Europe. We saw a lot of beautiful cities and villages, typical for this region of Germany, on our way.

Gerade habe ich den gestrigen Tagesbericht noch beendet und jetzt möchte ich auch noch etwas über unseren heutigen Tag schreiben. Dieser brachte uns die bislang längste Etappe von Eßfeld  über Würzburg, entlang des Mains bis Gemünden und dann Sinn aufwärts bis Altengronau,  wo wir heute übernachten. Insgesamt fast 90km und auch wieder einige Höhenmeter. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen fuhren wir aber nicht zu zweit, sondern in Begleitung von Bernhard, der übrigens auch eine noch größere Tour als wir quer durch Europa von Schottland nach Griechenland plant. Da kam ihm eine kleine Trainingstour mit uns gerade recht.

Gruppenbild mit Bernhards Mama/ Group Picture with Bernhard’s Mum

Leider begleitete uns heute außerdem auch noch unser alter Bekannter der Regen wieder. Kurz nachdem wir losgefahren waren, fing es wieder zu regnen an, so dass wir Würzburg wieder im Regen erreichten. Man könnte fast den Eindruck haben, es regnet immer in Würzburg. Der Regen war zwar nicht so stark, aber nach einiger Zeit wurde es dann doch ungemütlich. Zum Glück hat es dann auch irgendwann wieder aufgehört. Aber nachdem ich heute gelesen habe, dass es dieses Jahr soviel geregnet hat, wie schon seit 140 Jahren nicht mehr, wird es wohl so weitergehen. Aber andererseits, wenn es auch nervig ist bei Regen Rad zu fahren, wäre es zwar anders, aber wahrscheinlich auch nicht angenehmer, wenn wir bei 35°C und stechendem Sonnenschein fahren müssten. Vielleicht ist es so doch angenehmer, aber sicherlich weniger belastend für den Körper. Aber morgen soll es komplett trocken sein und erst am Samstag wieder regnen. Mal sehen, ob das stimmt.

Karlstadt

Jedenfalls hörte es irgendwann wieder auf zu regnen und wurde dann richtig angenehm, trocken und nicht zu warm. In Karlstadt, immer noch am Main, hatten wir ungefähr die Hälfte unseres heutigen Wegs geschafft und nahmen in der für die hiesige Gegend typischen Kleinstadt mit Fachwerk-Altstadt und Burg einen kleinen Imbiss ein. Danach ging es dann weiter nach Gemünden, wo wir wieder vor einem kurzen Regenschauer Unterschlupf suchten, und dann in das Sinntal, das zweite Flusstal unserer heutigen Etappe. Aber welch ein Gegensatz zum Maintal. Während das Maintal eher groß und hektisch ist mit großen, lauten Straßen, mehr oder weniger großen Städten, wobei es auch ein paar idyllische Stellen gibt, ist es im Sinntal regelrecht still trotz zweier Zugtrassen, aber auch viel Natur und nur gelegentlich ein Dorf. Aber natürlich ist der Main auch viel größer und wird als Schifffahrtsstraße genutzt, während die kleine Sinn noch frei ihrem Lauf folgen kann, was auch wir taten.

Am Main / At the River Main

Interessanterweise haben viele Dörfer im Sinntal „Sinn“ im Namen, wie Untersinn, Mittelsinn, Burgsinn, Obersinn etc. Auch der Ort Altengronau, in dem wir gerade sind, gehört mit einigen anderen Orten zur Gemeinde Sinntal, zu der übrigens auch Sterbfritz gehört, wo wir vor ein paar Jahren mit Beates Geschwistern ein paar Tage Urlaub gemacht haben. Ganz in der Nähe werden wir morgen vorbeifahren.

Im Sinntal / In the Vallay of River Sinn

Hier angekommen tranken wir im einzigen geöffneten gastronomischen Betrieb des Ortes, den Bäcker im Netto, mit Bernhard noch einen Kaffee bzw. Tee, bevor Bernhard wieder nach Gemünden zurückfuhr und wir den Tag in unserem Bett + Bike + Breakfast beschlossen.

Liebliche Umleitung/ Lovely Deviation

Short English Summary: Yesterday I hadn’t time to write  because we stayed at Bernhard’s parent place and sit together with a glass of wine at the evening. Over the day we war happy because we managed to find shelter against the rain several time just in time. We cycled through the „Liebliches Taubertal“ (lovely valley of the river Tauber) but with some deviations. Further we did a short visit of Wertheim at the confluence of Tauber and Main. The final stop of yesterday’s stage was Würzburg from where we travelled by train to Bernhard’s home village Eßfeld.

Diesmal schreibe ich meinen Bericht erst am Morgen. Ich sitze hier im Haus unseres Freundes Bernhard in Eßfeld, was auch der Grund ist, warum ich gestern keine Zeit und Lust mehr hatte zu schreiben, da wir am Abend noch bei einem Glas Wein zusammensaßen und es mir danach zu spät wurde, bzw. ich zu müde war, um noch etwas zu berichten.

Aber jetzt der Reihe nach. Gestern Morgen fuhren wir nach dem Frühstück bei angenehmen Wetter in Tauberbischofsheim los. Über das Wetter wird später noch mehr zu berichten sein, wie überhaupt das Wetter bei so einem Radurlaub, wie wir in machen, eine doch recht große Rolle spielt, bislang aber eher die des unerwünschten, lästigen Bekannten, der immer zum falschen Zeitpunkt auftaucht. Gestern Morgen jedoch ließ es sich erst einmal gut an und wir fuhren frohgemut los. Aber schon nach wenigen Kilometern machte eine andere Bekannte auf sich aufmerksam: die Umleitung. Und war gleich in zweifacher Ausführung. Knapp hinter Tauberbischofsheim gab es die erste kleine Umleitung, die aber im Unterschied zu der am Montag am Neckar klar beschildert war, so dass wir nicht noch zusätzliche Umwege in Kauf nehmen mussten.

Die zweite war dann etwas größer. Anstatt direkt an der Tauber entlang zu fahren, wurden wir großräumig über eine parallele Landstraße umgeleitet, auf der es zwar nicht allzu viel Verkehr gab, die aber trotzdem nicht so schön zu fahren war. Aber dank der Umleitung konnten wir durch Niklashausen fahren, den Heimatort des „Pfeifers von Niklashausen“, dessen traurige Geschichte über Machtmissbrauch, Desinformationspolitik und Lügen in der Zeit der Reformation uns Bernhard gerade am Sonntag erzählt hat.

Die Burg von Gamburg / The Castle of Gamburg

In Gamburg ging es dann wieder zurück auf den Radweg „Liebliches Taubertal“. Bevor ich über diesen nächsten Abschnitt berichte, noch ein kleiner Funfact über Gamburg: Dort gibt es eine Bürgerinitiative, die gegen ein Brückengeländer an der alten Tauberbrücke kämpft. Aber nun zum „Lieblichen Taubertal“: Tatsächlich passt dieser Titel auf die Landschaft rund um den Fluß, der sich durch sein Tal windet und hauptsächlich durch Wald fließt, aber kein Tal ohne Hänge, weswegen Beate zumindest das Fahren nicht so lieblich empfand, da es doch immer wieder kurze steile Passagen gab.

Liebliches Taubertal/Lovely Taubertal (Valley of the River Tauber)

Unser erstes Zwischenziel gestern war Wertheim, am Zusammenfluss von Tauber und Main. Auch Wertheim ist wie Tauberbischofsheim eine schöne kleine Stadt mit vielen reich verzierten Fachwerkhäusern in der Altstadt und einer Burg hoch über der Stadt. Da wir aber noch weiterwollten, haben wir nur einen kurzen Rundgang durch die Altstadt gemacht und sind dann bald wieder weiter gefahren.

Burg über Wertheim/Castle at Wertheim
Brücke über die Tauber mit Kunstinstallation/Bridge over the River Tauber with Art Installation

Das nächste Stück unseres Weges führte dann am Main entlang, auf einem Radweg an einer vielbefahrenen Straße, was nicht mehr ganz so lieblich war. Aber schon bald bog die Straße dann etwas vom Main ab, so dass das Fahren wieder etwas ruhiger wurde. Aber auch wir verließen bald den Main wieder (heute werden wir wieder an ihm entlangfahren) und fuhren über Hügel mehr oder weniger direkt nach Würzburg. Zwischendurch machten wir eine Rast auf freiem Feld, bei der wir schon von Weitem ein Gebiet mit heftigem Regen sehen konnten. Da es aber noch weit entfernt war, machte es uns erst einmal keine Sorgen. Als es aber ein paar Minuten später schon deutlich näher war, machten wir uns dann doch auf und schafften es tatsächlich in letzter Minute noch im nächsten Ort einen überdachten Unterstand zu finden, bevor es begann wie aus allen Kübeln zu schütten. Glücklicherweise war der Regen zwar sehr heftig, aber nicht so lange, so dass wir bald wieder weiter fahren konnten.

Der Main / The River Main

Eine ähnliche Situation erlebten wir etwas später noch einmal, so dass wir doch fast trocken am späten Nachmittag in Würzburg eintrafen. Dort wollten wir uns mit Bernhard treffen. Da es aber mittlerweile wieder stark regnete, kam Bernhard doch nicht und wir verbrachten etwas Zeit zu zweit in einem Cafè, bevor wir zum Bahnhof fuhren, um von dort mit dem Zug nach Goßmannsdorf, von wo aus es nicht mehr so weit bis Eßfeld ist.

Würzburg bei Regen / Würzburg in the Rain

Aber Zitat Beate: „Auf einer viertelstündigen Fahrt mit dem Zug kann man mehr erleben, als den ganzen Tag auf dem Fahrrad“. Ganz so schlimm war es nicht, aber doch etwas aufregend, da wir erst den Bahnhof in Würzburg nicht so schnell gefunden hatten, wie wir dachten und deswegen erst in allerletzter Minute zum Zug kamen. Dieser war aber schon recht voll, insbesondere waren schon einige andere Räder drin, so dass wir Mühe hatten mit unseren vollbepackten Rädern noch reinzukommen. Nachdem wir das geschafft hatten, mussten wir aber bei der Fahrkartenkontrolle feststellen, dass man in Würzburg ein Fahhradticket braucht, was wir natürlich nicht hatten. Von Schaffner vor die Wahl gestellt, wieder auszusteigen oder über die Bahn-App noch eine Tageskarte Fahrrad zu kaufen, haben wir uns natürlich für letzteres entschieden, obwohl auch das nicht so einfach war, weil diese Funktion in der App gut versteckt ist.

Nach kurzer Fahr erreichten wir dann aber doch Goßmannsdorf, wo uns Bernhard schon erwartete, so dass wir mit ihm dann nach Eßfeld radeln konnten. Leider hatte der Regen noch nicht aufgehört, so dass wir am Ende doch noch nass geworden sind, bis wir in Bernhards Elternhaus eintrafen. Dort aßen wir zu Abend und saßen dann, wie schon eingangs erwähnt nach einem kleinen Spaziergang rund um Eßfeld am Abend noch in der Küche zusammen.

Heute geht es dann weiter nach Sinntal durch die Röhn, auch wieder eine anstrengende Tour. Da das Tracking während unserer zweiten Regenpause abgebrochen ist, kann ich von unserer gestrigen Tour keinen Link hinzufügen. Aber hoffentlich klappt es heute wieder. Auch die Bilder zu diesem Artikel muss ich später nachliefern (mittlerweile geschehen), da der Mobilfunkempfang hier zu schlecht ist und ich vergessen habe Bernhard nach dem WLAN-Passwort zu fragen und deswegen die Bandbreite nur für Texte reicht.