Der letzte Anfang/The Last Beginning

Short English Summary: Yesterday we started the last part of our tour, the Oder-Neiße-Trail, through Germany at Swinemünde (Świnoujście) in the Polish part of the island of Usedom. We left the island near Zecherin and crossed the Peenestrom once again. The destination of our yesterday’s tour was Anklam, an old but nowadays rather small town with a rich history which is the native town of Otto Lilienthal, a pioneer of human flying. Here we will have the last day of rest during our tour and relax in a hotel with sauna and swimming pool.

Start in Swinemünde/Start in Swinemünde

So langsam geht unsere Tour schon wieder zu Ende, wenn uns auch noch eine Woche bevorsteht, aber nach sechs verradelten Wochen, beginnt sich schon etwas Wehmut einzustellen und es beginnen die letzten Male: Gestern das letzte Mal am Meer, es sei denn man ist etwas großzügig und zählt, das Stettiner Haff, das wir erst am Dienstag verlassen werden auch noch dazu, seit gestern sind wir außerdem auf unserem letzten Fernradweg, nämlich dem Oder-Neiße-Radweg, unterwegs, heute haben wir unseren letzten Ruhetag vor Ostritz, wo wir dann nach aktueller Planung am nächsten Sonntag, in genau einer Woche, ankommen werden.

Peenestrom

Aber noch steht eine Woche vor uns, die sicherlich auch noch eine Reihe von tollen Erlebnissen, schönen Landschaften und interessanten Städten bieten wird. Anklam, wo wir seit gestern Abend sind, ist auch wieder einer dieser Städte, von denen ich bis vor Kurzem kaum den Namen gekannt habe, geschweige denn, dass ich etwas über sie gewusst hätte, noch sie auf der Karte hätte lokalisieren können. Hier angekommen konnte ich feststellen, das auch Anklam eine alte Stadt mit reicher Geschichte ist und heute hauptsächlich als Geburtsort des Flugpioniers Otto Lilienthal bekannt ist, woran man hier auch allen Ortes erinnert wird. Außerdem wird sie, wie auch Wolgast, das wir am Freitag durchfahren haben, als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet, was letzten Endes auch der Grund ist, warum wir hier sind, nachdem wir zwei Tage über die Insel Usedom gefahren sind. Übrigens hatten wir an der Zecheriner Brücke, neben der in Wolgast die einzige Brücke nach Usedom, einen ähnlichen Effekt wie am Freitag in Wolgast. Nur dass sich gestern der Verkehr auf die Insel staute und nicht wie in Wolgast von der Insel.

Zecheriner Brücke über den Peenestrom/Bridge of Zecherin across the Peenestrom

Interessanterweise sind wir auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs, haben bislang aber weder die Oder noch erst recht nicht die Neiße gesehen. Es sei denn, man betrachtet das Stettiner Haff, das auch Oderhaff genannt wir, als Teil der Oder. Aber eher heißt der Radweg wohl Oder-Neiße-Radweg, weil er an der deutsch-polnischen Grenze entlang geht, die etwas vereinfachend als Oder-Neiße-Grenze bezeichnet wird, obwohl sie mitten durch Usedom und das Stettiner Haff geht, und deshalb eher Usedom-Haff-Oder-Neiße-Grenze heißen müsste, was aber nicht so griffig wäre.

Vögel am Peenestrom/Birds at the Peenestrom

Jedenfalls sind wir nicht mehr an der Ostseeküste unterwegs und damit auch nicht mehr auf dem Iron-Curtain-Trail, der seit Travemünde identisch mit dem Ostseeküsten-Radweg war und der auch noch weiter an der Ostsee entlang geht, an der polnischen, russischen (Kaliningrader), litauischen, lettischen, estnischen und dann wieder russischen (Petersburger) Küste bis zur finisch-russischen Grenze, der er dann bis hoch in den Norden bis zur norwegisch-russischen Grenze folgt (von der ich bis gerade eben noch gar nichts gewusst habe). Ab Travemünde in der anderen Richtung führt er entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, dann weiter an der deutsch-tschechischen, österreichisch-tschechischen und österreichisch-sklowakischen Grenze, weiter an den Grenzen Ungarns, Sloweniens, Kroatiens, Serbiens, Rumäniens, Bulgariens, Nordmazedoniens, Griechenlands und der Türkei bis ans Schwarze Meer, also an der Grenze des ehemaligen Ostblocks bzw. Eisernen Vorhangs entlang. Das wäre bestimmt auch eine interessante Tour, aber große Teile sind wahrscheinlich eher auf der Karte zu finden als tatsächlich gut ausgebaute oder wenigstens halbwegs sicher zu befahrende Radwege und teilweise wahrscheinlich momentan gar nicht zu erreichen (die russischen Teile).

Deswegen bleiben wir dieses Jahr hauptsächlich in Deutschland, wo zwar auch nicht alles gut ist, aber wahrscheinlich immer noch besser als zum Beispiel auf dem Balkan. Gestern hatten wir in Swinemünde diesen typischen Grenzeffekt, den man an den unterschiedlichstens Grenzen, sei es zwischen Staaten, Bundesländern oder manchmal auch zwischen Landkreisen oder Gemeinden, immer wieder finden kann: Von Swinemünde bis zur deutschen Grenze war der Radweg gut ausgebaut und endete genau an der Grenze dann plötzlich, wo ich dachte: Typisch deutsch, die Nachbarländer bauen eine Straße, Zugstrecke oder eben auch einen Radweg und auf deutscher Seite fehlt der Anschluss. Nach 200m fing der Radweg dann auch auf der deutschen Seite wieder an, war aber in einem deutlich schlechteren Zustand. Schade.

Blick auf Anklam/View to Anklam

Manchmal sind aber auch gut ausgebaute Radwege nicht so schön zu fahren, wie gestern der an der B110 entlang nach Anklam, der zwar schön glatt war und auch angenehm durch den Wald ging, aber leider parallel zu der, zumindest gestern, sehr stark befahrenen Straße nach Usedom (siehe oben), was nach einigen Kilometern doch nervig war. Zum Glück ging ein großes Teilstück zwischendurch dann abseits von der Straße durch den Wald, was wir dann wieder sehr genossen haben und auch für unsere Mittagspause genutzt haben.

Markplatz von Anklam/Market Square of Anklam

Zur Belohnung für unsere viele Radfahrerei haben wir uns hier in Anklam übrigens ein Hotel mit Wellness-Bereich mit Pool und Sauna für unseren Ruhetag geleistet, was wir gestern mit einem Saunagang auch gleich genutzt haben und ich denke, heute werden wir das auch noch einmal machen, um für die letzten gut 500km gestärkt zu sein. Aber vielleicht werden es ja sogar noch ein paar mehr. Wir sind gerade dabei zu überlegen, ob wir nicht noch einen Epilog von der Neißequelle nach Ostritz anhängen, was auch in einem Tag machbar wäre. Aber hier sind wir noch im ersten Planungsstadium.

Was wir schon gemacht haben könnt ihr wie immer auch hier sehen.

Nass in Polen/Wet in Poland

Short English Summary: Today we cycled from Lubmin to Swinemünde (Świnoujście) on the island of Usedom which is divided between Germany and Poland. Unfortunately, we had a lof of rain and had to struggle with some badly indicated deviations, but arrived at the end luckily in Swinemünde, from where we will start the last part of our tour, the Oder-Neiße-Trail along the German-Polish border.

Nun sind wir nach reichlich zwei Wochen am Ende des (deutschen Teils des) Ostseeküsten-Radwegs angekommen (der komplette Weg führt übrigens über 8000km rund um die ganze Ostsee über Russland, Litauen, Letland, Estland, Finland und Schweden) und haben zum zweiten Mal auf unserer Tour eine deutsche Grenze zu einem Nachbarland, nämlich Polen, überschritten. An dieser Grenze, auch bekannt unter dem Namen Oder-Neiße-Grenze, werden wir jetzt die nächsten acht Tage mehr oder weniger direkt entlangfahren. Dabei weiß ich gar nicht, ob wir sie auch noch einmal überschreiten werden oder ob wir ab morgen dann immer in Deutschland bleiben werden. Das werden wir dann von Tag zu Tag sehen. Aber da es an Oder und Neiße mehrere Städte gibt, die einen deutschen und einen polnischen Teil haben, kann ich mir schon vorstellen, dass wir zumindest gelegentlich auch die Fluss-Seiten wechseln werden. Heute jedenfalls übernachten wir in Swinemünde, kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze auf Usedom, da auf der deutschen Seite in Ahlbeck und Heringsdorf die noch verfügbaren Unterkünfte viel zu teuer für uns waren.

Grenze zwischen Polen und Deutschland auf Usedom/Border between Poland and Germany on Usedom

Jetzt sitzen wir also in unserer Pension in Swinemünde, haben gerade gut zu Abend gegessen und sind zum Glück wieder trocken. Während nämlich ganz Deutschland unter einer Hitzewelle zu leiden scheint, gibt es hier frischen Wind, kühlendenden Regen und angenehme Temperaturen um die 20°C. Da lässt es sich doch viel angenehmer radeln als bei Hitze und prasselndem Sonnenschein. Wobei, um ehrlich zu sein, so richtig angenehm war es heute natürlich doch nicht. Ein bisschen weniger Wind, der teilweise schon fast stürmig war und leider nicht immer von hinten kam, und vor allem weniger Regen hätten den Tag noch viel angenehmer machen können. Während wir den ersten Regenguss noch halbwegs gut in einem trockenen Supermarkt überstanden, wurden wir später, als es richtig loslegte und so schnell nicht mehr aufhörte, doch mal wieder so richtig nass. Zu allem Überfluss mussten wir an der Pension auch noch draußen im Regen warten, bis uns endlich jemand öffnete. Gerade als wir dachten, endlich ins Trockene zu kommen, war dies besonders frustrierend, kalt und nass im Regen warten zu müssen. Aber zum Glück kam dann doch relativ schnell jemand und wir konnten unsere nassen Klamotten ausziehen und abtropfen lassen. Hoffentlich sind sie bis morgen wieder trocken.

Gestern Abend waren wir noch in der Ostsee baden und haben noch den schönen Sonnenuntergang in Lubmin bewundert und heute sind wir durch Regen gefahren. So unterschiedlich können die Tage sein. Aber auch die Orte am Weg sind sehr unterschiedlich, auch wenn sie sich alle Ostseebad nennen. Lubmin, wo wir gestern waren, hat mir zum Beispiel viel besser gefallen als viele andere, obwohl es nicht so bekannt ist und auch nicht so tolle Bäderarchitektur besitzt, wie die Bäder hier auf Usedom, die schon beeindruckend sind, mit den vielen an kleine Paläste erinnernden Gebäuden. Aber vielleicht deswegen ist es nicht so überlaufen und hektisch wie die anderen Bäder, was es für mich zu meinem Geheimfavoriten macht, obwohl ich wahrscheinlich trotzdem keine Lust hätte, dort einen längeren Urlaub zu verbringen.

Sonnenuntergang vor Lubmin/Sunset in Lubmin

Heute konnten wir zu unserer Rubrik „wirre Umleitungen“ wieder ein Beispiel hinzufügen. In Wolgast war der Radweg auf der einen Seite der Peenebrücke gesperrt, weswegen der Radverkehr auf der anderen Seite entlang geleitet wurde. Leider war das erste Umleitungsschild so unklar, dass wir erst einmal falsch fuhren, dann aber die richtige Umleitung fanden, die aber plötzlich vor einer Treppe auf die Brücke endete. Wir mussten also unsere Räder allen Ernstes mit Gepäck die Treppe hochtragen. Ich frage mich, wie das andere Leute machen sollen, die vielleicht noch mit schweren E-Bikes unterwegs sind und nicht mehr so viel Kraft haben, ein Rad eine Treppe hochzutragen. Da hätte sich bestimmt auch eine bessere Lösung finden lassen. Wir trugen also unsere Räder die Treppe hoch, fuhren über die Brücke und waren dann auf Usedom.

Peenestrom in Wolgast

Dort angekommen fühlten wir uns ein bisschen wie in einem Katastrophenfilm: Ein heftiger Wind wehte uns entgegen, der allerhand Staub aufwirbelte, und eine schier endlose Schlange von Autos kam uns entgegen, die die Insel verlassen wollten. Es machte den Eindruck, ein Riesensturm kommt auf und alle versuchen noch im letzten Moment der Katastrophe zu entkommen. In Wirklichkeit war es aber wohl nur der übliche Rückreiseverkehr am Wochenende und hatte nichts mit dem Wetter zu tun. Und wir freuten uns, dass wir nicht in dem Stau stehen mussten, sondern einfach daran vorbeifahren konnten. Leider haben wir vor lauter Freude übersehen, dass wir gar nicht an der Straße entlang fahren mussten, sondern schon gleich am Anfang hätten abbiegen müssen. Deshalb mussten wir dann wieder einen Kilometer zurückfahren, um zu dem schönen Weg durch die Küstenwälder von Usedom zurückzukommen. Dieser Weg war sehr abwechslungsreich und bot auch ein paar kleine sportliche Herausforderungen, ständig ging es auf und ab, und an zwei Stellen gab es sogar 16% Steigung, aber immer nur ganz kurz, so dass man mit etwas Schwung gut hochkommen konnte.

Stau vor Wolgast/Traffic Jam in front of Wolgast

Unsere Mittagspause haben wir übrigens in Kölpinsee verbracht, wo meine Tante vor einigen Jahren einen Urlaub verbracht hat, was sie uns heute Morgen noch erzählt hat. Deshalb, liebe Margot, hier noch ein spezielles Bild für dich vom Kölpinsee:

Der Kölpinsee auf Usedom/Kölpinsee on the island of Usedom

Überhaupt gab es heute wieder Gelegenheit an verschiedene Urlaube der Vergangenheit zu denken, wie zum Beispiel Beates traumatische Kinderkur in Zinnowitz oder unser weniger traumatische Urlaub im gleichen Ort mit Nadjeschda (damals hatten wir noch nur ein Kind) und der Familie von Beates Bruder. Beates Schwester war zur gleichen Zeit dort mit ihrem Sohn Jakob zu einer Kur. Von diesem Urlaub gibt es zwei ikonische Erinnerungen in unserer Familie: Einmal, dass Jakob ständig brechen musste, weil er nie rechtzeitig aufhören konnte zu essen, und zum anderen eine Paddeltour auf dem Achterwasser, von dem es ein Bild mit Klara und Nadjeschda in voller Montur im Paddelboot gibt. Und noch ein weiterer Urlaub kam uns in Erinnerung: Vor einigen Jahren haben Beate und Sanja Urlaub auf Usedom gemacht und Sanja war dabei Reiten.

Morgen beginnt dann der fünfte und letzte Abschnitt unserer Deutschlandtour mit der ersten Etappe auf dem Oder-Neiße-Radweg bis Anklam, wo wir mal wieder einen Ruhetag einlegen werden. Aber bis dahin stehen uns noch 70km bei hoffentlich besserem Wetter als heute bevor.

Hier ist noch unsere heutige Tour wieder wegen eines technischen Problems in zwei Teile aufgeteilt:

Lubmin – Swinemünde (Teil 1)

Lubmin – Swinemünde (Teil 2)