Overtourism in St. Peter-Ording

Short English Summary: Our today’s stage went from Welt (German for world), a small villlage on the pininsula of Eiderstedt, to Husum, the birth place of Thedor Storm, a famous German Poet of the 19th century. We also saw St. Peter-Ording, a popular sea resort, which was very crowded today.

Heute schreibe ich euch standesgemäß aus dem Theoder-Storm-Hotel in Husum, die Geburtsstadt des Dichters, in der alles an ihren, wie man so sagt, größten Sohn erinnert. An fast jedem (alten) Haus steht, dass entweder Theodor Storm dort gewohnt hätte oder eine seiner Geschichten, Gedichte, Erzählungen gespielt hätten oder es sonst irgendwie mit ihm in Beziehung steht oder es heißt einfach Theodor-Storm-xxx, wie unser Hotel. Aber vom allgegenwärtigen Theodor abgesehen ist Husum auch sonst eine nette, quirlige Stadt mit schönen Häusern und einem belebten Hafenviertel.

Theodor-Storm-Denkmal/Theodor Storm Memorial

Es ist auf so einer Reise immer wieder spannend in eine neue Stadt einzufahren, die man noch nie zuvor gesehen hat und über die man auch nicht so viel weiß. Man weiß nicht so richtig, was einen erwartet und ist immer wieder aufs Neue überrascht, wenn man dann in der Stadt ist, was es Schönes zu sehen gibt, oder auch was vielleicht nicht so schön ist. Und das immer wieder, jeden Tag, oft auch mehrmals.

Husumer Hafenviertel/Harbour Quarter of Husum

Heute haben wir außer unserem Tagesendpunkt auch St. Peter-Ording angesteuert, das ich aus meiner Jugend in so guter Erinnerung hatte. Heute war ich hingegen heilfroh, dass dort die Hotelpreise jenseits von allem, was wir uns vorstellen konnten, waren und wir deshalb das kleine, beschauliche und vor allem ruhige Welt als Übernachtungsort gewählt hatten. In St. Peter-Ording dagegen Menschen aller Ortens. Man musste sogar anstehen, um zu Fuß zum Strand zu gehen, ganz zu schweigen von der Blechkaravane, die sich zu den Strandparkplätzen hinzog. Unglücklicherweise führte der Radweg genau in die Gegenrichtung der ankommenden Autos, so dass für uns kaum ein Durchkommen war. Nichtsdestotrotz konnten wir St. Peter-Ording dann doch recht schnell wieder verlassen und konnten die Ruhe der Halbinsel Eiderstedt weiter genießen und auch einige weitere schöne Dörfer mit reetgedeckten Häusern durchfahren.

Zufahrt zum Strand von St. Peter-Ording/Entry to the Beach of St. Peter-Ording

Obwohl unsere Route „Nordseeküstenroute“ heißt, war heute von der Nordsee recht wenig zu sein oder genau genommen gar nichts. Entweder war das Meer hinter dem Deich versteckt oder wir fuhren gleich so weit von der Küste entfert mitten über die Halbinsel, dass sowieso kein Meer zu sehen wäre. Morgen wird sich das aber hoffentlich wieder ändern.

Eine andere Sache ist mir heute noch aufgefallen. Während man am Weser-Radweg den Eindruck hatte, alle warten geradezu auf Radelnde, Hotels, Gaststätten, selbst die Landwirt*innen am Weg oder in nicht allzu großer Entfernung stellen Schilder auf „Radfahrer willkommen“, bieten in kleinen Kiosken Erfrischungen auf Vertrauensbasis an, werben mit Strom zum E-Bike aufladen usw. Selbst die Kirchen bezeichnen sich als Radkirchen und bieten neben geistlicher Einkehr ganz profan und pragmatisch Trinkwasser an, so hat man hier an der Nordsee eher den Eindruck, Radfahrende werden als auch-Touristen gerade so gedultet, aber besser wäre es schon, wenn sie einfach wie alle anderen auch mit dem Auto kämen.

Da es heute schon von Anfang an recht schwül und warm war, suchten wir in der Mittagszeit nach einer Bank an einem schattigen Ort, um eine kleine Mittagspause zu machen. Aber wir mussten sage und schreibe über eine Stunde fahren, bevor wir in dem kleinen Ort Uelvesbüll endlich eine Bank mit etwas Schatten fanden. Darüberhinaus gab es dort auch noch eine Toilette und eine kleine Hütte „Geben und Nehmen“, in dem man noch brauchbare aber nicht mehr gebrauchte Dinge abstellen konnte und sich dafür etwas anderes mitnehmen konnte. Und, Nadjeschda, Edina und Sanja aufgepasst, dort habe ich das gefunden:

Blattglas aus Uelvesbüll

Neben dem Glas haben wir dort auch Wasser für unsere Trinkflaschen gefunden und konnten dann gestärkt die letzten Kilometer bis Husum in Angriff nehmen.

Uelvesbüll

Einen weiteren Unterschied zwischen den Radwegen ist mir auch noch aufgefallen. Während an Fulda und Weser hauptsächlich E-Bikes unterwegs waren und wir mit unseren klassischen Rädern eher Exoten waren, sind hier an der Nordsee ungefähr die Hälfte der Leute ohne Motorunterstützung unterwegs. Das kann sicherlich auch daran liegen, dass an den Flüssen eher ältere den Weg beradelt haben, während hier auch viele Jüngere und Familien mit Kindern die Radwege bevölkern, oft auch eher Tagesausflügler*innen als Radreisende.

Morgen steht dann unser letzter Abschnitt auf der Nordseeküstenroute bevor, die uns nach Niebüll bringen wird. Da für morgen Nachmittag Gewitter und Regen angekündigt sind, haben wir schon mal Alternativen geplant, falls wir es nicht rechtzeitig nach Niebüll schaffen sollten. Wir könnten z.B. nur bis Dagebüll fahren und von dort weiter mit dem Zug nach Niebüll, dann hätten wir ungefähr 20 km gespart, aber wir hoffen, dass das nicht nötig sein wird, weswegen wir auch nicht so spät hier losfahren wollen.

Zum Schluss wie immer unsere heutige Tour zum Nachradeln.

Vom Winde beflügelt/Quickened by the Wind

Short English Summary: Today we did the first stage on the North Sea coast from Bremerhaven to Cuxhaven. In Bremerhaven we saw the oversea ports, the we cycled behind the dike along the coast, before we reached Cuxhaven, a typical German seaside resort. Cycling was easy today, because we had a lot of tail wind.

Heute schreibe ich aus Cuxhaven, sozusagen vom Treffpunkt von Weser und Elbe. Hier endet der Weserradweg, und es beginnt der Elberadweg, den wir morgen auch für einen Tag folgen werden, während heute unser erster Tag an der Nordsee und auf der Nordseeküstenroute war, die wir aber morgen schon wieder verlassen werden, um dann aber ab übermorgen, ab Glückstadt, für die nächsten Tag auf ihr bis zur dänischen Grenze fahren werden. Interessanterweise gabeln sich Elberadweg und Nordseeküstenroute bei Otterndorf, um dann ab Stade wieder mehr oder weniger parallel zu verlaufen, wobei natürlicherweise der Elberadweg näher an der Elbe entlang führt und die Nordseeküstenroute einen etwas direkteren Weg nach Hamburg nimmt. Deshalb fahren wir morgen auch auf dem Elberadweg, da nur dieser durch Wischhafen führt, von wo die Fähre über die Elbe abfährt. Damit können wir dann zwei Tage für Beates Reise nach Heidelberg herausschinden, sehen dann aber leider Stade, Wedel und Elmshorn nicht, und natürlich auch nicht Hamburg, wo wir aber in letzter Zeit öfter waren und auch nicht so richtig Lust darauf haben, solange durch die Großstadt zu fahren.

Das Fahren ging heute jedenfalls sehr zügig. Vom Südwestwind angetrieben eilten wir regelrecht in drei Stunden von Bremerhaven nach Cuxhaven. Es war tatsächlich eine gute Idee (zumindest bislang), entgegen unseren ursprünglichen Plänen die Tour in diese Richtung zu machen. Die erste Idee war von Heidelberg nach Osten zu fahren, in Richtung Ostritz, um dann an Neiße und Oder zur Ostsee zu fahren und dann an den Ost- und Nordseeküsten in Richtung Westen, solange wir Zeit haben. Aber zum Einen gestaltete es sich schwierig, eine nicht zu schwere, radfahrgeeignete Strecke von Heidelberg nach Ostritz zu finden, zum Anderen erinnerten wir uns daran wie wir auf dem Rheinradweg spätestens ab Emmerich darüber geschimpft haben, wie anstrengend es ist ständig gegen den Wind zu fahren. Und da der Wind üblicherweise aus südwestlichen Richtungen kommt, hätte uns das gleiche auch diesmal, aber noch viel länger gedroht. Deswegen sind wir  bis jetzt hauptsächlich nach Norden gefahren, und ab morgen grob nach Osten und nur an Oder und Neiße müssen wir tendenziell mit Gegenwind rechnen, hoffen aber, dass der abseits vom Meer nicht so stark ist.

Um den Wetterblock abzuschließen, möchte ich noch den strahlenden Sonnenschein erwähnen, der uns den ganzen Tag begleitet hat und der diese Etappe zu einer rundum angenehmen gemacht hat. Nachdem wir gestern schon einen richtig schönen, entspannenden Urlaubstag genossen hatten, stand der heutige ihm in keinster Weise nach. Mir taten nur die Leute leid, die uns mit zusammengebissenen Lippen entgegen kamen und gegen den Wind ankämpften.

Blauer Himmel über dem Strand/Blue Sky over the Beach

Landschaftlich war es heute sehr abwechslungsreich, wenn man bei den Überseehäfen von Bremerhaven von Landschaft reden kann. Kilometerlang ging es an riesigen Parkplätzen entlang, auf denen tausende und abertausende Autos und andere Fahrzeuge entweder auf ihr Verladen und ihren Transport in die ganze Welt warteten oder vielleicht auch auf ihren Weitertransport innerhalb Europas. Bremerhaven scheint sich auf den Fahrzeugtransport spezialisiert zu haben, es gibt zwar auch Container-Terminals, die erschienen mir aber bei weitem nicht so ausgedehnt.

Container-Terminals von Bremerhaven/Container Terminals of Bremerhaven

Das Fahrradfahren durch das Hafengebiet war zwar nicht so angenehm, obwohl es einen ausgewiesenen und markierten Radweg durch das Gebiet gab, aber man merkte schon, dass der Radweg keinerlei Priorität hat und der Hafen primär ganz anderen Zwecken dient.

Blick vom Deich/View from the Dike

Nichtsdestotrotz sind wir gut durchgekommen und dann erst einmal am Nordseedeich entlang gefahren. Leider hat dieser die Aussicht aufs Meer versperrt, von Zeit zu Zeit konnte man aber auch auf den Deich fahren, um sich den Seewind ins Gesicht blasen zu lassen und ein paar Bilder mit Meer und Watt zu machen. So ging es dann einige Kilometer dahin, bis kurz vor Cuxhaven dann die touristischen Strände mit der gängigen Infrastruktur und Menschen über Menschen begannen, die wir dann den Rest unserer Fahrt bis in unser Hotel in Cuxhaven beobachten konnten. Interessant war die Prozession der Pferdewagen zu bestaunen, die vom Festland in Richtung der Insel Neuwerk durch das Watt fuhren.

Prozession von Pferdewagen zur Insel Neuwerk/Procession of Horse Carriages to the Island Neuwerk

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel über die Strandpromenade und durch die Stadt. Dabei wollten wir noch unseren nächsten bikeline Reiseführer für die Nordseeküste bis Dänemark bei Thalia abholen, was aber leider nicht so gut geklappt hat, wie das letzte  Mal. Obwohl bei der Bestellung als voraussichtlicher Abholtermin heute angegeben war, war das Buch noch nicht da. Aber die Buchhändlerin versicherte uns, dass es morgen da sein wird und sie die entsprechende Kiste morgen früh als erstes öffnen wird, damit wir das Buch gleich nach Ladenöffnung abholen können. Ich bin gespannt, ob das klappen wird.

Blick auf Cuxhaven/View to Cushaven

Nach dem Abendessen, das wir heute ortsangepasst in einem Fischrestaurant eingenommen haben, wobei ich für einen Abend mein Vegetariersein vergessen habe und einen Fischteller gegessen habe, haben wir wieder versucht, Übernachtungsquartiere für die weiteren Tage zu finden, was uns auch halbwegs gelungen ist. Aber wie gestern schon erwähnt, es wird immer schwieriger etwas zu finden, was noch in unser geplantes Budget passt. Es ist jetzt eben Hochsaison und die Küste sicherlich nicht die billigste deutsche Urlaubsregion. Aber obwohl die ersten Versuche erschreckend ob der hohen Preise waren, fand sich am Ende doch noch etwas, was halbwegs akzeptabel war, auch wenn wir dafür die Routenplanung etwas abändern mussten. Aber so lange es so weitergeht, ist alles gut, etwas Spannung muss ja auch dabei sein.

Hier ist noch unsere heutige Tour: Bremerhaven nach Cuxhaven.