Geschafft/Done

Short English Summary: Today we did the last stage of our big tour through Germany. We arrived at Ostritz, the home town of Beate. Before we saw some „easternmost“ places of Germany: The easternmost small town (Rothenburg), the easternmost city (Görlitz, very beautiful), the easternmost point etc. Many things are called „easternmnost“ here. On one of the following days we will do an additional tour to the source of the river Neiße in the Cech republic, which will really conclude our journey.

Das ist wohl mein letzter Bericht auf dieser Tour, da wir gestern endlich an unserem Ziel angekommen sind, nämlich in Beates Heimatstadt Ostritz. Diese letzte Etappe war mit insgesamt etwas über 90km noch einmal eine von den längeren. Aber sie wurde uns im wahrsten Sinne versüßt von einem Kaffee-Aufenthalt in Görlitz bei Beates Bruder mit Monis leckerem Zupfkuchen. Und, entgegen unseren Befürchtungen von Samstag, hat der große Regen mit Gewitter gewartet bis wir sicher und trocken im Haus von Beates Mutter waren. Alles in allem war es also ein gelungener Abschluss unserer großen Deutschlandtour.

Östlichster Punkt Deutschlands/Easternmost Point of Germany

Vor allem auch deswegen, weil es an der Strecke auch noch so einiges zu sehen gab, besonders die „östlichsten Punkte“ haben sich gehäuft: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind wir gestern durch die östlichste Kleinstadt Deutschlands (Rothenburg/Oberlausitz),  die östlichste Stadt (Görlitz) mit der östlichsten Brauerei (nicht Landskron, sondern die Obermühle in Görlitz), den östlichsten Punkt (zwischen Deschka und Zentendorf) und die östlichste Ortschaft (Zentendorf) gefahren, wobei fast alle diese Orte auch noch mehr zu bieten haben als diesen etwas zufälligen Superlativ. Auf alle Fälle merkt man, dass wir jetzt im äußersten Osten Deutschlands angekommen sind.

Die östlichste Kleinstadt Rothenburg/The Easternmost Small Town Rothenburg

Da, wie schon erwähnt, für gestern großer Regen und Gewitter angekündigt waren, die vor allem gegen Nachmittag immer stärker werden sollten, sind wir gestern für unsere Verhältnisse recht früh aufgestanden (außerdem gab es in der Pension sowieso nur von 8 bis 9 Uhr Frühstück),  so dass wir schon gegen 9 Uhr losfahren konnten. Zu unserer Überraschung war das Wetter aber erst einmal schön, d.h. zumindest ohne Regen dafür schon recht warm und schwül, so dass es also losging wie auch an den Tagen zuvor. Der Weg war auch wieder ausgezeichnet, führte immer mal wieder durch schattige, kühle Waldabschnitte mehr oder weniger nahe an der Neiße entlang. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen gab es vielleicht mehr kurze aber knackige Steigungen, die wir aber auch gut bewältigen konnten. Als wir etwas von der Neiße wegfahren mussten, gab es eine kleine Unsicherheit über den Weg (ich war gerade etwas vorgefahren), die sich aber mit einem Anruf, GPS und Komoot lösen ließ.

Durch das Neißetal/Through the Valley of the River Neiße

Die erste nennenswerte Stadt nach Bad Muskau war dann das schon erwähnte Rothenburg, das neben dem Prädikat „östlichste Kleinstadt“ auch noch über einen schönen Marktplatz mit Rathaus und Kirche verfügt. Von dort sind wir dann an der „Geheimen Welt von Turisede“ (ehemals Kulturinsel Einsiedel), einem „Abenteuerfreizeitpark“, vorbeigekommen, der sich nahe dem östlichsten Ort Deutschlands Zentendorf befindet. In Zentendorf haben wir dann noch in Abweichung von unserem Plan einen Abstecher zum östlichsten Punkt Deutschlands gemacht, der durch einen Stein markiert ist und neben einem Rastplatz, den wir auch zur Mittagspause genutzt haben, über ein „Zipfelbuch“ verfügt. Der Weg dorthin war zwar nicht so für Rahrräder geeignet (er ging mehr oder weniger quer über eine Wiese), aber auch nicht schlechter als manche Abschnitte auf den offiziellen Radwegen, die wir während der letzten sieben Wochen fahren mussten.

Marktplatz von Rothenburg/Market Place of Rothenburg

Kurz nach dem östlichsten Punkt haben wir dann Stephan und Moni getroffen, die uns von Görlitz entgegen gekommen sind und mit denen wir dann bis nach Görlitz zum schon erwähnten Kaffeetrinken gefahren sind. Obwohl ich schon oft in Görlitz war, aber meist nur beim Umsteigen in Bahnhofsnähe oder zum schnellen Einkauf, musste ich gestern feststellen, dass Görlitz noch viel schöner ist als ich es in Erinnerung hatte. Auch wenn es schon zweimal bei der Bewerbung als UNESCO-Welterbe gescheitert ist, einmal in den 90’ern weil Dresden, das seinen Titel mittlerweile zurückgegeben hat, vorgezogen wurde, dann vor ein paar Jahren, weil die Bewerbung wohl nicht ausreichend die Einzigartigkeit Görlitz aufzeigen konnte, schließlich gibt es schöne historische Altstädte viele in Deutschland, von denen wir einige auf unsere Tour sehen konnten und die auch Welterbe sind, und im Rest der Welt. Nichtsdestotrotz ist es auch ohne Welterbe-Titel sehr sehenswert und allemal eine Reise wert.

Collage von Görlitz/Collage of Görlitz

Die letzten 20km von Görlitz nach Ostritz waren dann mal wieder ein Wettrennen mit dem Regen. Wir fuhren bei Stephan los, als die ersten dunklen Wolken am Himmel zu sehen waren, bekamen dann unterwegs schon die ersten Tropfen ab und, kaum waren wir in Ostritz, begann das Donnergrollen und der Regen wurde immer heftiger und hörte auch die ganze Nacht nicht mehr auf. Mal wieder Glück gehabt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass wohl ein Baum auf die Zugstrecke nach Ostritz gestürzt ist, zumindest fuhren keine Züge nach Ostritz mit einem entsprechenden Hinweis in der App.

Eisenbahnviadukt über die Neiße/Railroad Viaduct across the Neiße

Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass wir gestern natürlich auch an dem berühmten untergegangen Ort in einem untergegangenen Land mit dem mittlerweile schon längst verschrotteten Feuerwehrauto, ihr wisst schon, was ich meine, vorbeigekommen sind.

Unser Ziel/Our Destination

Damit sind wir sowohl am Ende als auch am Anfang von allem angekommen, vor allem natürlich am Ende unserer Deutschlandreise und am Ende dieses Blogs. Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß dabei, uns zu folgen und an unseren Erlebnissen teilzunehmen. Ich bedanke mich bei allen, die bis hierhin durchgehalten haben und mir immer mal wieder durch Kommentare hier oder auf anderen Kanälen gezeigt haben, dass es tatsächlich auf Leute gibt, die das hier lesen. Mir hat die Tour und darüber zu berichten jedenfalls viel Freude gemacht und es wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Wenn man unterwegs ist, hat man so viele Ideen für Neues…

Die letzte Etappe als Komoot-Tracks:

Bad Muskau – Görlitz

Görlitz – Ostritz

P.S.: Vielleicht schreibe ich doch noch etwas von unserem Ausflug zur Neiße-Quelle, den wir in den nächsten Tagen planen. Schaut also ruhig noch einmal vorbei.

Das Flüsschen Neiße/The Tiny River Neiße

Short English Summary: Today we left the river Oder behind us and continued our cycling tour at the river Neiße, which is the second river which forms the border between Germany and Poland since the Second World War. Although it is small river, it was determined by Soviet leader Stalin as border, what divided some German cities which laid at both sides of the river like Guben, where we stay this night. We did a small detour today to see the abbey Neuzelle, which was built in the baroque times and has a beautiful church and a garden in baroque style.

Jetzt sind wir endlich an der (Lausitzer) Neiße angekommen, womit wir am letzten Fluss angekommen sind und damit endgültig der Schlussspurt unserer Deutschlandtour begonnen hat. Jetzt sind es nur noch 160km bis Ostritz und die Versuchung ist jeden Tag groß, sich einfach in den Zug zu setzen und die verbleibenden Kilometer bequem in wenigen Stunden im Zug zurückzulegen statt sich noch einmal in den Sattel zu setzen und weiterzuradeln. Aber heute haben wir der Versuchung widerstanden und sind von Frankfurt in den Gubener Vorort Großbreesen gefahren, was auch durch das Wetter erleichtert wurde, da es zwar immer noch sehr heiß (um die 30°C) war, aber nicht mehr ganz so heiß und vor allem nicht mehr so schwül wie gestern. Weiterhin war es  immer mal wieder etwas bewölkt, so dass auch die Sonne nicht so brannte. Wenn sie aber rauskam und wir gerade durch schattenloses Gebiet fuhren, war es wieder sehr anstrengenden, besonders wenn auch noch Gegenwind dazukam.

Die Neiße kurz vor der Mündung in die Oder/The River Neiße short before the confluence into the Oder

Nichtsdestotrotz haben wir unsere heutige Etappe so gut geschafft, dass wir sogar noch einen kleinen Abstecher von unserem Weg zum Kloster Neuzelle machen konnten, was Beates besonderer Wunsch war, da sie davon schon viel gehört hat, aber trotz vieler Wallfahrten, die von Ostritz dorthin stattgefunden haben, noch die dort war. Und ich muss sagen, der Abstecher hat sich gelohnt. Die Klosterkirche ist reichlich mit barocker Pracht ausgestattet und auch der Klostergarten ist ein typischer Barockpark mit strenger Symmetrie, dessen Struktur noch weitgehend erhalten ist. Alles ist außerdem sehr schön restauriert. Damit bestätigt sich, was ich gestern schon gesagt habe, dass man, um etwas interessantes zu sehen und etwas Abwechslung zu haben, vom Oder-Radweg sich von der Oder entfernen muss.

Kloster Neuzelle/Abbey Neuzelle
Impressionen von Neuzelle/Impressions of Neuzelle

Heute haben wir uns dann endgültig von der Oder verabschiedet, da sie bei Ratzdorf nach Osten und damit nach Polen abbiegt und die Neiße, die dort in die Oder mündet, die Rolle des Grenzflusses und unseres Leitflusses übernimmt. Neben der Oder nimmt sich die Neiße, selbst bei ihrer Mündung, doch recht klein und unscheinbar aus, so dass man den Zusammenfluss kaum zwischen dem ganzen grünen Bewuchs erkennen konnte. Trotzdem wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg als Grenzfluss bestimmt und trennt seitdem Polen von Deutschland.

Mündung der Neiße in die Oder/Confluence of the River Neiße into the River Oder

Getrennt von seinem historischen Stadtzentrum ist seitdem auch Guben, das es mit Gubin in Polen und Guben in Deutschland jetzt gleich zweimal gibt. Nach dem Krieg wurde im deutschen Restteil ein neues Stadtzentrum aufgebaut, d urch das wir morgen fahren werden. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Vorstellung, was uns dort erwartet. Aber wir werden sehen. Wir haben übrigens eine etwas indirekte persönliche Beziehung zu Guben: In der DDR hieß die Stadt nämlich offiziell „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, zum Andenken an den ersten und einzigen Präsidenten der DDR, der dort geboren wurde, wie auch die Straße in Berlin, in der Beate wohnte, als ich sie vor über 30 Jahren kennenlernte, damals Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße) hieß.

An einem anderen städtebaulichen Produkt des Sozialismus sind wir heute nur am Rande vorbei gefahren, nämlich Eisenhüttenstadt, das unter dem Namen Stalinstadt in den 1950er Jahren als Planstadt gegründet wurde, um dem Eisenhüttenkombinat Ost als Wohnstadt zu dienen. Da sind wir aber nur durch den Stadtteil Fürstenberg gefahren, eine alte, historische Stadt aus dem 13. Jh., die mit Stalinstadt in den 1960er Jahren zu Eisenhüttenstadt fusioniert wurde (siehe auch Wikipedia).

Unser morgiger Zielort Bad Muskau verdankt seine Bekanntheit einer noch länger vergangenen Zeit, nämlich dem Fürst-Pückler-Park, der gleichzeitig das nächste und letzte UNESCO-Welterbe in einer langen Liste von Welterbestätten, die wir auf unserer Reise gesehen haben, sein wird. Aber davor müssen wir erst noch ungefähr 70km bei immer noch starker Hitze um die 30°C radeln. Wenn es aber so wie heute sein wird, ist es erträglich.

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Kuriosität erwähnen, die die Weggeführung manchmal mit sich bringt, die mich kurzfristig aber etwas irritiert hat. Eigentlich fahren wir ja seit Rieth mehr oder weniger nach Süden, manchmal auch ein bisschen nach Osten. Als wir aber heute, nachdem wir Frankfurt verlassen hatten, plötzlich direkt nach Norden fuhren, war ich schon etwas verwirrt und dachte kurzzeitig, wir hätten uns verfahren. Da aber sowohl die Beschilderung als auch meine Navigation den Weg als den richtigen anzeigten, dachte ich, dass es damit wohl seine Richtigkeit haben wird. Und tatsächlich, nach ein paar Kilometern machte der Weg eine scharfe Kurve nach Südosten und wir waren wieder an der Oder. Die „falsche Richtung“ war nötig, um dem Brieskower See zu umfahren.

Brieskower See/Brieskow Lake

Und noch eine Besonderheit unserer heutigen Tour fällt mir gerade ein.  Kurz hinter Frankfurt gab es ein Stück Weg, vor dem im Reiseführer als besonders gefährlich gewarnt wurde, da es zum einen auf einer steilen und kurvigen Straße entlang führte, die außerdem auch noch stark befahren sei. Aber in der Realität hat sich das als gar nicht zu schlimm herausgestellt, da wir sowohl schon steilere Weg hochgefahren sind als auch schlimmeren Verkehr, vor allem auf Rügen, erlebt haben.

Damit schließe ich für heute mit dem Track unserer heutigen Tour.

Alles Gut/Everything Fine

Short English Summary: After three days of inactivity because of bad internet connection and my tiredness, I pick up blogging again. We are all fine and continue our tour. Today we stay in the world heritage city of Stralsund, a former city of the Hanse. Yesterday, we did an excursion to another small island near Rügen which is called Hiddensee, an island with a rich diversity of landscapes and without any motorized traffic beside e-bikes. On Monday we cycled through the national park „Jasmund“ with its beech forests and saw the Königsstuhl (king’s chair), a famous cliff of Rügen and Cap Arcona.

Nachdem wir gerade noch einen Stadtrundgang mit Niels durch Stralsund gemacht haben, schreibe ich endlich mal wieder ein paar Zeilen auf, auch wenn ich schon recht müde bin. Da ich aber die letzten zwei Tage nichts geschrieben habe, nicht weil nichts passiert wäre oder weil, noch schlimmer, etwas Schlimmes passiert wäre und wir krank oder verletzt wären, sondern ganz banal, weil kein stabiles Internet verfügbar und ich ziemlich k.o. war, möchte ich euch heute doch wieder kurz berichten, was wir so erlebt haben, damit nicht wieder besorgte Anfragen kommen, ob noch alles in Ordnung mit uns ist. Auf alle Fälle sind wir gesund und munter und radeln jeden Tag fleißig weiter.

Rathaus von Stralsund/City Hall of Stralsund

Stralsund ist übrigens die erste und wahrscheinlich auch letzte Stadt, die wir auf unserer Tour zwei Mal angefahren sind, abgesehen von Sassnitz, wo wir auch zweimal waren, aber einmal mit dem Zug. Durch Stralsund sind wir am letzten Donnerstag schon einmal gefahren, bevor wir unseren einwöchigen Urlaub im Urlaub auf Rügen begonnen haben. Aber diesmal übernachten wir auch hier und haben uns die Zeit genommen, diese sehr sehenswerte Stadt unter Niels Führung anzuschauen. Zusammen mit Wismar, das wir letzte Woche schon besucht haben, ist Stralsund UNESCO-Welterbe und man kann auch viele Ähnlichkeiten erkennen. Was aber komplett anders ist und mich auch überrascht hat, ist, dass die Stadt nicht nur am Meer, oder genauer dem Strelasund, liegt, sondern auch von Teichen und Parks umgeben ist.

Teiche in Stralsund/Ponds in Stralsund

Den Weg nach Stralsund begannen wir heute Morgen in Gingst, ein Städtchen, über das es nichts weiter zu berichten gibt. Danach fuhren wir aber über noch eine weitere kleine Insel, nämlich Ummanz, die aber über eine Brücke erreichbar ist und die vor allem bei Vogelfreund*innen beliebt ist. Vor allem Kraniche soll man dort sehen können, die wir aber nicht gesehen haben, dafür aber viele andere. Der Rest des Weges war dann wieder unter der Rubrik „herausfordernde Wege“ abzuhaken. Landschaftlich schön am Meer entlang und am Ende mit schönen Blicken auf Stralsund war der Untergrund teilweise nur sehr schwer zu befahren und wir wurden ordentlich durchgerüttelt.

Blick auf Stralsund/View to Stralsund

Durchgerüttelt wurden wir auch gestern während unseres Ausflugs auf Hiddensee, den wir außerplanmäßig noch eingeschoben hatten, da wir bislang schneller unterwegs waren als geplant. Wir fuhren so ziemlich jeden so halbwegs befahrbaren Weg der Insel ab und auch einige eigentlich nicht mit Fahrrädern befahrbare. Nur vor dem Steindamm „Schwarzer Peter“, auf dem wir doch zu sehr durchgeschüttelt wurden, schreckten wir dann zurück. Besonders auch, weil wir dort mal wieder eine kleine Panne hatten: Durch das Gerüttele ist nämlich mein Scheinwerfer abgebrochen, was ich aber glücklicherweise wieder reparieren konnte. Den Alternativweg, den wir dann wählten, um an das Südende der Insel zu kommen, war aber auch nicht viel besser, anstatt über grob verfugter Steine, mussten wir durch tiefe Schlammfurchen und am Ende durch tiefen Sand fahren, haben es aber geschafft, am Leuchtturm in Gellen anzukommen.

Leuchtturm Gellen auf Hiddensee/Light House Gellen on Hiddensee

Hiddensees Landschaft ist übrigens trotz der Kleinheit der Insel sehr vielfältig, von der Steilküste im Norden, über Heidelandschaft in der Mitte bis zu Sandlandschaft im Süden wird viel geboten, was neben uns auch viele weitere Tagestourist*innen anlockte. Aber trotz der vielen Menschen, die sich von den Fähren auf die Insel ergossen, war die Insel, abgesehen von den Hotspots, an denen sich viele Menschen treffen, angenehm ruhig, was wohl auch daran liegt, dass es dort keinerlei motorisierten Verkehr, abgesehen von E-Bikes, gibt.

Blick über Hiddensee/View over Hiddensee

Nachdem wir zurück auf Rügen in Schaprode an der Fähre noch einmal Jens, Manuela, Charlotte und Daniel getroffen hatten, die auch gestern einen Hiddensee-Ausflug gemacht hatten (Schade, dass sie uns nichts davon gesagt hatten, dann hätten wir sie auch auf Hiddensee treffen können), mussten wir leider ganz im Gegenteil ein paar Kilometer auf einer viel befahrenen Landstraße fahren, was vor allem bei knappen Überholmanövern, die immer mal wieder vorkommen, teilweise sehr furchteinflößend war. Aber auch das haben wir gemeistert und kamen für unsere Verhältnisse, und auch für deutsche Orte auf dem Land, recht spät in Gingst an, wo uns aber der örtliche Dönerladen, der entgegen seiner offiziellen Öffnungszeiten auch noch nach 20 Uhr Pizza und Falafel verkaufte, vor einer hungrigen Nacht rettete. Das bestätigt wieder eine der Erkenntnisse, die wir auf unserer Tour über Deutschland gewonnen haben: Auf Döner ist immer Verlass, wenn es auch nicht immer ein kulinarischer Höhepunkt ist.

Buchenwald im Nationalpark „Jasmund“/Beech Forest in the National Park „Jasmund“

Höhepunkte ganz anderer Art haben wir am Montag erlebt, nachdem wir Sassnitz nach fast vier Tagen Mini-Urlaub verlassen hatten. Zuerst mussten wir nämlich den Berg hoch fahren, was zwar kein richtig hoher Berg war, sondern nur der Nationalpark Jasmund mit seinem auch zum Welterbe zählenden Buchenwäldern, aber gleich am Anfang noch mit dem Frühstück im Magen und kalten Muskeln war es doch eine kleine Herausforderung. Belohnt wurden wir dann mit einem Ausblick auf den Königsstuhl, nein nicht dem in Heidelberg, sondern den berühmten Kreidefelsen gleichen Namens im Nationalpark. Weiter gingen die Höhepunkte dann mit dem Fischerdorf Vitt am Fuße des Kap Arkona und dem Kap an der Nordspitze von Rügen selbst.

Fischerdorf Vitt mit Blick auf Kap Arkona/Fishermen’s Village Vitt with View to Cap Arcona

Ein Tiefpunkt war aber folgendes Schild, bzw. die Kombination von Schildern, die mich auf unserer Tour schon oft aufgeregt haben:

Was soll das?/What does that mean?(Please, push your bike)

Ist das ein Radweg und ich darf dort fahren, oder ist es kein Radweg und ich muss mein Fahrrad schieben? Aber ein Radweg, auf dem man sein Fahrrad schieben muss, gibt für mich keinen Sinn. Leider findet man so etwas immer wieder.

Das war jetzt in aller Kürze die Zusammenfassung der letzten drei Tage. Nach unserer einwöchigen Rügenrundfahrt geht es morgen und übermorgen auf dem Ostseeküsten-Weg weiter bis Usedom, von wo dann mit dem Oder-Neiße-Radweg der letzte Abschnitt unserer großen Deutschlandtour startet.

Hier sind zum Abschluss noch die Routen der letzten Tage:

Sassnitz – Wiek

Wiek – Schaprode

Hiddensee

Schaprode – Gingst

Gingst – Stralsund

Ein Inselruhetag/A Day of Rest on the Island

Short English Summary: Today we make another day of rest. Yesterday we cycled from Barth over Stralsund to Putbus on the Island of Rügen, which is the biggest German island. Here we stay a couple of days with friends and do some more trips around the island. Over two third of our tour through Germany is done, we will need only about two weeks to our final destination.

Nachdem wir den gestrigen Abend mit Manuela und ihren Eltern damit verbracht haben, Geschichten aus der untergegangenen DDR auszutauschen, wobei ich mangels Erfahrung eher Zuhörer war, melde ich mich jetzt zu ungewohnter Zeit am frühen Nachmittag mit meinem Tagesbericht. Bevor ich heute zum Schreiben kam, haben wir jedoch erst einmal Ruhetagsaktivitäten absolviert, wie Wäsche waschen, Fahrräder auf Vordermann bringen und einkaufen, und administrative Tätigkeiten erledigt, wie z.B. Rechnungen bezahlen, die auch im Urlaub eintreffen. Außerdem habe ich mir einen neuen Helm gekauft, nachdem bei meinem alten Rissspuren zu sehen waren. Jetzt sind wir wieder bereit, morgen zu unserer nächsten Tour über die Insel Rügen zu starten, auf der wir seit gestern sind.

Obwohl wir jetzt seit fast drei Wochen an Nord- oder Ostsee entlang fahren ist Rügen tatsächlich die erste Insel, die wir befahren, da wir die nordfriesischen Inseln links liegen gelassen haben und uns auch die eigentlich vom Ostseeküsten-Radweg vorgesehene Tour über Fehmarn gespart haben. Dafür werden wir hier gleich 6 Tage, inkl. zweier Ruhetage, bleiben, schließlich ist Rügen die größte deutsche Insel, deren Umfahrung 4 Tage braucht und außerdem Wohnort unserer Freunde Manuela und Jens ist, weswegen wir gleich zwei Ruhetage, nämlich heute und am Sonntag, eingeplant haben. Der Ruhetag am Sonntag war eigentlich so nicht vorgesehen, da aber die gestrige Etappe mit knapp unter 50km doch eher kurz gewesen wäre, und die ursprünglich für morgen eingeplante mit noch nicht einmal 40km sehr kurz gewesen wäre, haben wir beide kurzerhand zu einer Tour von fast 90km zusammengelegt, was gerade noch in unserem Tagespensum liegt, und uns damit noch einen weiteren Ruhetag am Sonntag verschafft, an dem wir dann auch Jens treffen können, der im Moment gerade nicht zuhause ist.

Bevor wir gestern nach Rügen kamen, sind wir aber erst einmal von Barth bis Stralsund gefahren, was zwar eine schöne Tour bei weiterhin angenehmem, nicht zu heißem Sommerwetter war, worüber es aber nicht viel zu berichten gibt, außer dass wir immer wieder schöne Ausblicke auf den Bodden oder die Ostsee hatten und gut vorankamen, da es so gut wie keine Steigungen gab und auch der Wind uns nicht unangenehm aufgefallen ist. Durch Stralsund sind wir einfach nur durchgefahren, da wir am Dienstag nach unserer Umfahrung von Rügen noch einmal durch Stralsund kommen werden und dann auch dort übernachten werden.

Blick auf Stralsund/View to Stralsund

Nach Passieren des Rügendamms waren wir dann auf der Insel und haben uns, wie oben schon erwähnt, entschieden noch bis Putbus weiter zu fahren. Auf der Insel hat sich die Landschaft mal wieder signifikant geändert: Während die letzten Tage fast komplett flach waren, wurde es auf Rügen wieder zunehmend hügeliger und auch erst einmal kein Wald mehr, sondern riesige Felder ohne Schatten, was dann doch etwas anstrengend war bei der heißen Augustsonne. Und auch der Straßenbelag oder besser die Oberfläche des Weges, denn von Straße konnte man nur selten reden, hat sich wieder start geändert bzw. wurde sehr vielfältig. Das Stück von Barth nach Stralsund war bis auf ein paar Stücke Kopfsteinpflaster in Barth und Stralsund doch weitgehend asphaltiert, während auf Rügen von gut ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis vollkommen unbefestigten Waldwegen und geschotterten Feldwegen alles vorhanden war. Aber am beängstigendsten waren die schmalen Landstraßen mit gutem Belag, die aber sehr stark von riesigen Traktoren mit großen Anhängern befahren wurden, vor denen man kaum ausweichen konnte. Und just gestern wurde hier in der Nähe von Sassnitz tatsächlich eine Radfahrerin von einem Traktor tot gefahren, was uns zeigte, dass unsere Angst nicht ganz unbegründet war. Dann lieber doch völlig kaputte Wege, auf denen man kaum vorankommt, als lebensgefährliche gut asphaltierte Straßen. Wir sind aber glücklicherweise gut in Putbus angekommen, von wo wir dann mit dem Zug nach Sassnitz gefahren sind und von wo wir dann morgen wieder mit dem Rad noch einmal nach Sassnitz fahren werden. Das hört sich etwas umständlich an, ermöglicht uns aber die Zeit hier in Sassnitz bei Freunden zu verbringen und nicht zuletzt die leidige Quartierssuche, die doch immer einen gutes Quäntchen Zeit beansprucht und meist nicht mit einem Schnäppchen endet, zu umgehen.

Brücke nach Rügen/Bridge to Rügen

Aber immerhin sind wir jetzt schon nach einem Monat in Rügen angekommen und haben immer, auch hier an der Ostsee in der Hochsaison, noch eine halbwegs bezahlbare Unterkunft gefunden, wovon wir nicht so überzeugt waren, als wir vor jetzt über einem Monat in Heidelberg gestartet sind. In diesem Monat haben wir jetzt insgesamt 2100km mit dem Rad zurückgelegt, waren an 28 Tagen auf dem Rad und sind dabei durch 8 Bundesländer gekommen, haben unzählige Welterbe und andere schöne Städte und Landschaften gesehen, sind durch Nationalparks gefahren und konnten ein sehr guten Einblick in die Vielfalt Deutschlands gewinnen (siehe auch unsere Komoot-Collection).

Unsere gemachten Touren in der Übersicht/Overview of our done trips

Und sind noch nicht am Ende. Gestern haben wir jedoch festgestellt, dass wir gar nicht mehr so viele Etappen vor uns haben, in gut zwei Wochen können wir an unserem Ziel in Ostritz sein, eine halbe Woche früher als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem daran, dass wir Hamburg, entgegen unseren ursprünglichen Planungen, übersprungen haben, damit Beate besser nach Heidelberg kam, und an manchen Tagen, wie gestern, doch mehr gefahren sind, als ursprünglich gedacht.

Aber vielleicht ergibt sich unterwegs auch noch die Chance für einen lohnenswerten Umweg, für den wir jetzt auch noch Zeit hätten. Eine Idee war, einen Abstecher nach Hiddensee zu machen, angesichts der damit verbundenen Kosten für Fähre und Unterkunft haben wir davon jedoch wieder Abstand genommen. Aber vielleicht findet sich auch noch etwas anderes.  Das ist der Vorteil, wenn man noch nicht alles bis ins Details im Voraus geplant hat, man hat immer mal wieder die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen.

Bevor ich meinen Zweitagesbericht beende noch eine kleine Ergänzung in der Rubrik lustige Ortsnamen: Gestern sind wir durch den kleinen Ort „Schabernack“ gefahren und das war tatsächlich kein Witz (siehe oben).

Das Ende von Schabernack/“See you“ in the village Schabernack (Schabernack means joke in German)

Zu allerletzt wie immer die gestrige Tour als Komoot-Track zum Nachradeln.

Hinter Gittern/Behind Bars

Short English Summary: Today we crossed another border between two German states: From Schleswig-Holstein to Mecklenburg-Vorpommern, where the former was part of Western Germany and the latter of Easter Germany. Our destination today was Wismar, whose old town is part of the UNESCO world’s heritage. There we stay in a hotel which was a former prison and in which the rooms are called „cells“.

Nachdem sich die Zellentür nun endgültig für diese Nacht hinter uns geschlossen hat, kann ich die Zeit nutzen wieder etwas über diesen Tag zu schreiben. Bevor wir in Neustadt gestartet sind, haben wir erst noch ein paar Einkäufe erledigt, so dass wir etwas später los kamen als sonst. Da wir aber das nächste bikeline-Buch in Neustadt nicht bekommen konnten, der Buchladen in Wismar, bei dem wir es dann reserviert haben, aber nur bis 18 Uhr auf hatte und wir wieder über 80km vor uns hatten, war ich mir nicht sicher, ob wir es rechtzeitig schaffen würden, um das Buch noch abzuholen. Aber, als kleiner Vorgriff, wir waren dann doch schon ungefähr um 17.30Uhr in Wismar, wenn es auch am Morgen noch nicht so danach ausgesehen hatte.

Überfahrt von Travemünde zum Priwall/Ferry Ride from Travemünde to Priwall

Denn nach nicht viel mehr als 5km wollte Beate in Sierksdorf für eine kleine Toillettenpause  anhalten. Da dort aber der Strand gerade noch leer war und die Ostsee so einladend blau schimmerte, überkam mich die Lust mal schnell reinzuspringen und ein paar Minuten zu schwimmen, was ich dann auch getan habe. Dadurch war es aber schon fast 12 Uhr bis wir richtig losgefahren sind. Außerdem haben wir den Fehler gemacht, getrennt wieder loszufahren, damit Beate ein bisschen Vorsprung hat, den ich bald wieder einzuholen gedachte. Wie es aber so geht, irgendwie bin ich dann doch wieder an Beate vorbeigefahren ohne es zu merken.  Zu allem Überfluss fand Beate aufgrund einer Umleitung nicht wieder auf den richtigen Weg zurück, so dass sie wieder an mir vorbei fuhr, während ich auf sie wartete. Aber am Ende haben wir uns dann glücklich wieder an der Fähre in Travemünde getroffen. Leider konnte Beate deswegen die Steilküste zwischen Timmendorfer Strand und Travemünde nicht sehen, was der Höhepunkt für mich während dieses Teil unserer heutigen Etappe war.

Steilküste bei Travemünde/Cliff Line near Travemünde

Während wir hier an der Küste entlang radeln ergeben sich immer wieder Beziehungen zu Urlauben oder Erlebnissen, die wir in der Vergangenheit hatten. In Kiel z.B. bei Klara mit ihrer Familie mit zwei kleinen Kindern sind uns viele Dinge eingefallen, die wir mit unseren Kinder erlebt haben, gestern bei der Fahrt zum Fehmarnsunt, unser Urlaub mit Sanja und Edina, den wir vor einigen Jahren dort verbracht haben. Das war übrigens auch der Grund, warum wir nicht die Schleife über Fehmarn mitnehmen wollten, da wir damals schon recht viel mit dem Rad gefahren sind und deswegen dachten, das meiste schon gesehen zu haben. Außerdem ist im Moment die Fehmarnsuntbrücke für Fahrräder gesperrt, weswegen es etwas umständlich gewesen wäre, dort hinzukommen.

Ein weiterer Urlaub, an den ich heute denken musste, war noch gar nicht so lange her. Zum letzten Jahreswechsel war ich nämlich mit meiner Schwester auf der Insel Poel, die in der Bucht vor Wismar liegt. Und als wir dort waren, haben wir natürlich auch Wismar mehrere Besuche abgestattet. Aber im Sommer ist die Stadt noch viel schöner als im grauen Winter, wobei sie mir damals auch schon sehr gefallen hat, was keine Kunst ist, schließlich ist die Altstadt zusammen mit der von Stralsund Welterbe der UNESCO (ich weiß gar nicht, das wievielte Welterbe wir jetzt schon auf unserer Tour gesehen haben, manchmal denke ich, es ist schon fast etwas besonderes in Deutschland kein Welterbe zu haben).

Blick auf die Insel Poel/View to the Island of Poel

Und noch eine Beziehung zu einem vergangenen Urlaub verbinde ich mit Wismar, nämlich unseren Urlaub in Rerik, nicht weit von Wismar, das wir morgen durchfahren werden. Damals musste ich während des Urlaubs zurück nach Heidelberg fahren, da ich ein Bewerbungsgespräch in Karlsruhe hatte, was aber nicht sehr erfolgreich war, weshalb ich heute immer noch bei SAP arbeite. Was mir aber noch viel eindringlicher im Gedächtnis blieb, ist Nadjeschdas paralleler Aufenthalt in Montpellier. Ich glaube, es war ihr erster Urlaub ohne uns, sie war damals 12 Jahre alt und mit dem Stadtjugendring zum Jugendaustausch in Heidelbergs Partnerstadt. Leider hat es am Anfang für sie gar nicht gepasst, sie kam mit ihrer Gastfamilie nicht zurecht und mit ihren rudimentären Französischkenntnissen war auch die Kommunikation schwer. Deswegen rief sie uns ständig über das Mobiltelefon an, das wir ihr für den Notfall mitgegeben hatten. Da es aber so viele Notfälle gab und Telefonieren von Frankreich nach Deutschland damals noch teuer war, war das Guthaben schnell aufgebraucht, so dass wir ständig nachladen mussten, bis plötzlich überhaupt kein Anruf mehr kam, was uns noch mehr in Sorge brachte. Wie sich dann aber glücklicherweise herausstellte, war eine Lösung gefunden worden, in dem Nadjeschda zu einer anderen Familie kam, bei der auch schon ihre Freundin war. Da das ja kein Notfall mehr war, wurden wir auch nicht darüber informiert, dass es ihr wieder gut ging.

Das besondere an dieser Reise ist, dass diese ganzen isolierten Orte, die man mal aufgesucht hat, plötzlich in eine räumliche Beziehung gebracht werden. Während es vorher einzelne Punkte auf der Landkarte waren, die man mit dem Zug anfährt und dann wieder nach Hause zurückkehrt, fährt man jetzt diese Orte nach und nach an, stellt fest, wie nah oder fern sie zueinander liegen, und wie sich zwischen ihnen Land und Leute ändern. Heute hat sich z.B. auch wieder die Erscheinung der Ostseeküste signifikant geändert. Während die letzten Tage die Küste eher flach war mit einigen Hügel im Hinterland, gibt es hier immer mehr Steilküsten, was das Radfahren die Küste entlang noch etwas abwechslungsreicher, aber auch anstrengender, macht mit dem ständigen Auf und Ab, was mir aber auch besser gefällt. Die Steigungen sind zwar immer kurz, aber unter Umständen doch recht steil. Aber so gibt es auch immer wieder kleine sportliche Herausforderungen auf der Strecke.

Mit dem Passieren von Travemünde bzw. dem Priwall haben wir auch wieder eine Bundeslandgrenze überschritten, diesmal die zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die früher auch die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten war. Deswegen war an der Grenze auch ein Gedenkstein aufgestellt, der dieser Teilung gedachte. Dort haben Beate und ich natürlich auch eine kleine Gedenkminute eingelegt, schließlich sind wir in unterschiedlichen deutschen Staaten aufgewachsen und hätten uns ohne die friedliche Revolution in der DDR, die letzten Endes auch diese Grenze zu einer einfachen Bundeslandgrenze gemacht hat, wahrscheinlich nie kennenlernen können.

Gedenkstein an der ehem. deutsch-deutschen Grenze/Memorial at the former German-German Border

Noch ein anderer Unterschied in der Landschaft heute war, dass die Küste hier oft einem Waldstreifen hat, was besonders bei der Sommersonne, die jetzt fast durchgehend scheint, das Radfahren angenehmer durch Schatten und etwas Kühle, obwohl die Temperaturen für unsere Verhältnisse doch recht angenehm sind (gerade war im Wetterbericht von 37°C die Rede, während es hier um die 25°C sind).

Blick auf das Meer/View to the Sea

Eine letzte Sache, die ich heute noch kurz erwähnen möchte, ist die Katastrophe der Cap Arcona, die sich in den letzten Kriegstagen 1945 in der Lübecker Bucht vor Neustadt ereignet hat und bei der 4600 KZ-Häftlinge ums Leben kamen. In Neustadt gibt es ein eigenes Museum dazu und immer wieder an der Küste hier gibt es Gedenkstätten, wo Opfer angespült wurden. Auch auf der Insel Poel, wo wir zum Jahreswechsel waren, gab es eine etwas größere Gedenkstätte, an der auch etwas zu den Hintergründen erklärt wurde.

Und nun muss ich auch noch meinen Eingangssatz auflösen. Wir schlafen heute nämlich in einem Hotel, das früher eine Jugendarrestanstalt war, das „Kittchen“ heißt und in dem die Zimmer „Zellen“ heißen.

Hier noch unsere heutige Tour: Neustadt-Wismar.

Solo in den Bergen/Solo in the Mountains

Short English Summary: Today I stayed alone in Flensburg and used the time for an excursion on the Ochsenweg (oxen way or Hærvejen) from Flensburg to Schleswig. There I saw the castle Gottorf, one of the most prominent buildings in the state of Schleswig-Holstein, the city Schleswig with its remarkable cathedral, and Haithabu, an old city of the Vikings in middle age.

Für die, die wissen, wo wir gerade sind, mag diese Überschrift etwas seltsame klingen, aber  in der Tat habe ich heute Beates Abwesenheit ausgenutzt, einen kleinen Abstecher ins Binnenland von Schleswig-Holstein zu unternehmen, und bin dabei ein Stück auf dem Ochsenweg, einem historischen Weg durch die kimbrische Halbinsel, der früher ein bedeutender Weg für den Viehtrieb war (deswegen sein Name), aber schon seit der Bronzezeit besteht und auch Heerweg genannt wird, unter anderem durch die Fröruper Berge gefahren. Die höchste Erhebung war zwar 60m ü.NN, aber durch das ständige Auf und Ab kam ich am Ende doch auf 400 Höhenmeter.

Singletrail auf dem Ochsenweg/Single Trail on the Ochsenweg (Oxen Way or Hærvejen)

Irgendjemand hat mal von diesem Weg geschwärmt, so dass ich die Gelegenheit nutzen wollte, wenigstens ein Stück davon zu fahren. Leider hat dieser jemand vergessen zu erwähren, dass es eher ein Mountainbike-Weg ist, es ging nämlich über Stock und Stein durch den Wald, Single-Trails entlang und immer wieder durch matschige Abschnitte, so dass mein Rad jetzt nicht mehr grau sondern braun ist. Ich war nur froh, dass ich froh, dass ich vor unserer Abreise meine profillosen Sportreifen noch durch etwas robustere Tourenreifen ausgetauscht hatte. Mit den alten hatte ich schon auf dem Weg zwischen Heidelberg und Walldorf öfter mal einen Platten. Aber heute ging, bis auf den Dreck, alles gut.

Schloss Gottorf/Castle Gottorf

Da ich natürlich heute keine Zeit hatte, den ganzen Ochsenweg zu fahren, schließlich werden das so um die 450km sein, habe ich mir nur den Abschnitt von Flensburg bis Schleswig herausgepickt. Und Schleswig war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer wieder auf unserer Tour erlebt haben und hoffentlich weiter erleben werden. Bis auf die Tatsache, dass Schleswig dem Bundesland Schleswig-Holstein den ersten Teil des Namens gegeben hat, wusste ich nichts über diese Stadt. Um so überraschter war ich, als ich als erstes das Schoss Gottorf, einem der bedeutendsten Profanbauten Schleswig-Holsteins (Wikipeadia), erblickte, noch bevor ich Schleswig erreichte.

Schleswig mit Dom und Schlei/Schleswig with Cathedral and Schlei

Aber damit noch nicht genug, malerisch an der Schlei, einem schmalen Meeresarm der Ostsee, gelegen, hat Schleswig auch noch eine schöne Altstadt und vor allem einen Dom, mit einem prächtigen Holzschnitzaltar zu bieten. Ich weiß nicht, wie viele Figuren dort zu sehen sind, aber man kann gar nicht mehr aufhören, immer wieder neue zu entdecken. Schon allein dafür hat sich die Fahrt gelohnt.

Altar im Schleswiger Dom/Altar in Schleswig’s Cathedral

Und am Ende meines Ausflugs bin ich auch noch an der alten Wikingerstadt Haithabu und dem Danewerk, der mittelalterlichen dänischen Grenzbefestigung, die beide zusammen als UNESCO-Welterbe anerkannt sind, vorbeigefahren. Von dem Danewerk kann man auch heute noch den Verlauf der Erdwälle erkennen und in Haithabu gibt es ein Museum und ein paar nach archäologischen Funden rekonstruierte Häuser zu sehen.

Rekonstruierte Wikingerhäuser/Reconstructed Vikings‘ Houses

Alles in Allem war heute also wieder ein sehr abwechslungsreicher, überraschender und lehrreicher Tag für mich. Da ich gestern nichts geschrieben habe, jetzt aber noch eine Kurzzusammenfassung. Gestern morgen habe ich erst Beate zum Bahnhof gebracht, dann eine kleine Laufrunde durch die Marienhölzung, einem kleinen Waldgebiet in Flensburg und gleichzeitig ihre höchste Erhebung, gemacht und war dann noch im Kino in der Vorabendvorstellung. Leider habe ich danach nichts mehr zu essen bekommen, da ich mich erst nicht so richtig entscheiden konnte, auf was ich Lust hatte und dann plötzlich um 21 Uhr alles zugemacht hat bzw. in den noch geöffneten Restaurants auch die Küchen schon aufgehört hatten zu arbeiten. Deshalb habe ich noch ein schnelles Eis in der auch gerade schließenden Eisdiele geholt und damit meinen Tag ohne richtiges Abendessen beschlossen. Aber so richtig Hunger hatte ich sowieso nicht und zur Not hätte ich auch noch Brot und Käse gehabt.

Morgen kommt dann Beate wieder nach Flensburg zurück und wir werden dann den vierten Abschnitt unserer Deutschlandtour mit dem Ostseeküstenradweg beginnen. Dabei bin ich tatsächlich gespannt, wie das vor allem mit den Unterkünften weitergehen wird. Für morgen haben wir schon ein Hotel, am Freitag werden wir bei unserer Nichte Klara in Kiel schlafen und für Samstag habe ich auch schon ein Hotel zwischen Oldenburg und Heiligenhafen gefunden. Aber für Sonntag, wenn wir eigentlich bis Grömitz fahren wollen, habe ich noch nichts gefunden, weder bei Bett&Bike noch bei booking.com noch bei Komoot. Es bleibt also spannend. Falls also jemand, der oder die das liest, eine Idee hat, lasst es uns bitte wissen.

Und hier meine gestrige Laufrunde und meine heutige Fahrradtour:

Laufrunde durch die Marienhölzung

Ochsenweg zwischen Flensburg und Schleswig