Epilog

Beate an der Neißequelle

Wie schon angekündigt haben wir gestern noch als Ergänzung und Vervollständigung unserer Deutschlandtour einen Ausflug zur Neißequelle unternommen. Diesmal sind wir aber zuerst mit dem Zug gefahren, um dann bergab von der Quelle nach Ostritz zu fahren und uns die größten Anstiege zu ersparen. Ganz ohne Anstiege ging es aber trotzdem nicht, denn, obwohl wir fast 400 Höhenmeter nach unten mussten, führte die erste Hälfte der Tour durch Iser- und Jeschkengebirge auch immer mal wieder nach oben, so dass wir am Ende doch auch 770 m nach oben fahren mussten (und insgesamt 1160m nach unten). Damit haben wir einen neuen Rekord aufgestellt. Bei keiner unserer Touren unserer Reise mussten wir mehr Höhenmeter bewältigen, obwohl wir nicht einmal auf den Jeschken, der verlockend mit seinem beeindruckenden Fernsehturm bei Liberec auftauchte, gefahren sind. Das wären noch einmal 500m mehr gewesen, was allein mich nicht abgeschreckt hätte, eher angespornt, sondern die Tatsache, dass nur eine viel befahrene Straße hinaufführte.

Der Jeschken mit Fernsehturm

Insgesamt war diese Tour noch einmal wie eine Zusammenfassung unserer ganzen Reise. Wir hatten eigentlich noch einmal alles, was wir unterwegs immer wieder hatten. Seien es die Wege, die von ausgezeichnet ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis völlig abgewirtschafteten, löchrigen Straßen und unbefestigten Waldwegen reichten, außerdem viel befahrene Fernverkehrsstraßen und einsame Wege, seien es die Landschaften mit Mittelgebirge und lieblichen Flusstälern, Dörfern und schönen Städtchen. Auch das Wetter bot noch einmal alles auf: Sonne, Wolken, teilweise unangenehmen Gegenwind, sogar ein paar Tropfen Regen erfrischten uns.

Zittau

Und auch, am meisten überraschend, entdeckten wir nach all den Fähren, mit denen wir über Flüsse und Meeresarme gefahren sind, eine kleine Seilfähre, mit der wir über die Neiße übersetzen konnten und die man ähnlich wie die an der Fulda selbst mit der Hand bedienen musste. Im Unterschied zur Fuldafähre musste man aber nicht kurbeln, sondern sich am Seil ziehend auf die andere Seite bewegen. Und natürlich hatten wir auch ein paar Missverständnisse bzgl. des Weges, was uns zu ein paar kleinen Umwegen zwang.

Seilfähre über die Neiße

Und zu guter Letzt erlitten wir auch noch, wie am ersten Tag, eine kleine Panne an Beates Rad, dessen Ständer plötzlich seltsam und bedenklich herunterhing, anscheinend hatte sich nach all dem Geruppel und Gehoppel doch noch eine Schraube gelöst. Aber obwohl wir trotz Multifunktionswerkzeug den passenden Schlüssel nicht dabei hatten, ist es uns mit etwas Improvisation doch gelungen, den Ständer wieder so fest zu bekommen, dass wir weiter fahren konnten. Das einzige, was gestern gefehlt hat und was wir auf unserer Gesamttour reichlich gesehen haben, war das Meer. Aber das wäre mitten im Binnenland auch etwas zu viel verlangt gewesen.

Was wir jedoch gestern erlebt haben, zum Glück aber nicht während unserer Tour, war eine abenteuerliche Zugfahrt. Als wir in Ostritz abfuhren, war noch alles gut, aber schon während der Fahrt nach Zittau mussten wir in der Bahn-App lesen, dass der Zug nach Liberec Verspätung haben würde, was den Anschluss dort nach Lučany in Gefahr bringen würde. In Zittau angekommen, begann das bekannte Spiel: Erst 5min Verspätung (der Anschluss würde gerade noch so reichen), dann 10min (jetzt wird es mit dem Anschluss knapp), dann 15 min (ziemlich sicher klappt der Anschluss nicht mehr), schließlich 30min (OK, der nächste Zug fährt eine Stunde später, den werden wir dann sicher noch bekommen). Am Ende waren es dann 35min, das Abenteuer aber noch nicht zu Ende, denn auf der Hälfte der Strecke nach Liberec hieß es dann, dass der Zug gar nicht bis Liberec führe, sondern nur bis Chrastava, und man dort noch einmal umsteigen müsse. Aber das hat dann geklappt, so dass wir noch gut zu dem Zug nach Lučany (den eine Stunde später, als ursprünglich geplant) kamen und von Lučany zur Neißequelle, genauer zur Quelle der Wiesenthaler Neiße, radeln konnten.

Dreiländerpunkt Deutschland/Polen/Tschechien

Somit ist unsere Tour jetzt endgültig zu Ende, der Kreis hat sich gewissermaßen geschlossen, wir sind im Mittelgebirge gestartet und auch dort wieder angekommen, haben eine Quelle erreicht und mit Tschechien noch ein weiteres deutsches Nachbarland befahren.

Hier noch die allerletzte Etappe als Komoot-Tour.

Geschafft/Done

Short English Summary: Today we did the last stage of our big tour through Germany. We arrived at Ostritz, the home town of Beate. Before we saw some „easternmost“ places of Germany: The easternmost small town (Rothenburg), the easternmost city (Görlitz, very beautiful), the easternmost point etc. Many things are called „easternmnost“ here. On one of the following days we will do an additional tour to the source of the river Neiße in the Cech republic, which will really conclude our journey.

Das ist wohl mein letzter Bericht auf dieser Tour, da wir gestern endlich an unserem Ziel angekommen sind, nämlich in Beates Heimatstadt Ostritz. Diese letzte Etappe war mit insgesamt etwas über 90km noch einmal eine von den längeren. Aber sie wurde uns im wahrsten Sinne versüßt von einem Kaffee-Aufenthalt in Görlitz bei Beates Bruder mit Monis leckerem Zupfkuchen. Und, entgegen unseren Befürchtungen von Samstag, hat der große Regen mit Gewitter gewartet bis wir sicher und trocken im Haus von Beates Mutter waren. Alles in allem war es also ein gelungener Abschluss unserer großen Deutschlandtour.

Östlichster Punkt Deutschlands/Easternmost Point of Germany

Vor allem auch deswegen, weil es an der Strecke auch noch so einiges zu sehen gab, besonders die „östlichsten Punkte“ haben sich gehäuft: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind wir gestern durch die östlichste Kleinstadt Deutschlands (Rothenburg/Oberlausitz),  die östlichste Stadt (Görlitz) mit der östlichsten Brauerei (nicht Landskron, sondern die Obermühle in Görlitz), den östlichsten Punkt (zwischen Deschka und Zentendorf) und die östlichste Ortschaft (Zentendorf) gefahren, wobei fast alle diese Orte auch noch mehr zu bieten haben als diesen etwas zufälligen Superlativ. Auf alle Fälle merkt man, dass wir jetzt im äußersten Osten Deutschlands angekommen sind.

Die östlichste Kleinstadt Rothenburg/The Easternmost Small Town Rothenburg

Da, wie schon erwähnt, für gestern großer Regen und Gewitter angekündigt waren, die vor allem gegen Nachmittag immer stärker werden sollten, sind wir gestern für unsere Verhältnisse recht früh aufgestanden (außerdem gab es in der Pension sowieso nur von 8 bis 9 Uhr Frühstück),  so dass wir schon gegen 9 Uhr losfahren konnten. Zu unserer Überraschung war das Wetter aber erst einmal schön, d.h. zumindest ohne Regen dafür schon recht warm und schwül, so dass es also losging wie auch an den Tagen zuvor. Der Weg war auch wieder ausgezeichnet, führte immer mal wieder durch schattige, kühle Waldabschnitte mehr oder weniger nahe an der Neiße entlang. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen gab es vielleicht mehr kurze aber knackige Steigungen, die wir aber auch gut bewältigen konnten. Als wir etwas von der Neiße wegfahren mussten, gab es eine kleine Unsicherheit über den Weg (ich war gerade etwas vorgefahren), die sich aber mit einem Anruf, GPS und Komoot lösen ließ.

Durch das Neißetal/Through the Valley of the River Neiße

Die erste nennenswerte Stadt nach Bad Muskau war dann das schon erwähnte Rothenburg, das neben dem Prädikat „östlichste Kleinstadt“ auch noch über einen schönen Marktplatz mit Rathaus und Kirche verfügt. Von dort sind wir dann an der „Geheimen Welt von Turisede“ (ehemals Kulturinsel Einsiedel), einem „Abenteuerfreizeitpark“, vorbeigekommen, der sich nahe dem östlichsten Ort Deutschlands Zentendorf befindet. In Zentendorf haben wir dann noch in Abweichung von unserem Plan einen Abstecher zum östlichsten Punkt Deutschlands gemacht, der durch einen Stein markiert ist und neben einem Rastplatz, den wir auch zur Mittagspause genutzt haben, über ein „Zipfelbuch“ verfügt. Der Weg dorthin war zwar nicht so für Rahrräder geeignet (er ging mehr oder weniger quer über eine Wiese), aber auch nicht schlechter als manche Abschnitte auf den offiziellen Radwegen, die wir während der letzten sieben Wochen fahren mussten.

Marktplatz von Rothenburg/Market Place of Rothenburg

Kurz nach dem östlichsten Punkt haben wir dann Stephan und Moni getroffen, die uns von Görlitz entgegen gekommen sind und mit denen wir dann bis nach Görlitz zum schon erwähnten Kaffeetrinken gefahren sind. Obwohl ich schon oft in Görlitz war, aber meist nur beim Umsteigen in Bahnhofsnähe oder zum schnellen Einkauf, musste ich gestern feststellen, dass Görlitz noch viel schöner ist als ich es in Erinnerung hatte. Auch wenn es schon zweimal bei der Bewerbung als UNESCO-Welterbe gescheitert ist, einmal in den 90’ern weil Dresden, das seinen Titel mittlerweile zurückgegeben hat, vorgezogen wurde, dann vor ein paar Jahren, weil die Bewerbung wohl nicht ausreichend die Einzigartigkeit Görlitz aufzeigen konnte, schließlich gibt es schöne historische Altstädte viele in Deutschland, von denen wir einige auf unsere Tour sehen konnten und die auch Welterbe sind, und im Rest der Welt. Nichtsdestotrotz ist es auch ohne Welterbe-Titel sehr sehenswert und allemal eine Reise wert.

Collage von Görlitz/Collage of Görlitz

Die letzten 20km von Görlitz nach Ostritz waren dann mal wieder ein Wettrennen mit dem Regen. Wir fuhren bei Stephan los, als die ersten dunklen Wolken am Himmel zu sehen waren, bekamen dann unterwegs schon die ersten Tropfen ab und, kaum waren wir in Ostritz, begann das Donnergrollen und der Regen wurde immer heftiger und hörte auch die ganze Nacht nicht mehr auf. Mal wieder Glück gehabt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass wohl ein Baum auf die Zugstrecke nach Ostritz gestürzt ist, zumindest fuhren keine Züge nach Ostritz mit einem entsprechenden Hinweis in der App.

Eisenbahnviadukt über die Neiße/Railroad Viaduct across the Neiße

Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass wir gestern natürlich auch an dem berühmten untergegangen Ort in einem untergegangenen Land mit dem mittlerweile schon längst verschrotteten Feuerwehrauto, ihr wisst schon, was ich meine, vorbeigekommen sind.

Unser Ziel/Our Destination

Damit sind wir sowohl am Ende als auch am Anfang von allem angekommen, vor allem natürlich am Ende unserer Deutschlandreise und am Ende dieses Blogs. Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß dabei, uns zu folgen und an unseren Erlebnissen teilzunehmen. Ich bedanke mich bei allen, die bis hierhin durchgehalten haben und mir immer mal wieder durch Kommentare hier oder auf anderen Kanälen gezeigt haben, dass es tatsächlich auf Leute gibt, die das hier lesen. Mir hat die Tour und darüber zu berichten jedenfalls viel Freude gemacht und es wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Wenn man unterwegs ist, hat man so viele Ideen für Neues…

Die letzte Etappe als Komoot-Tracks:

Bad Muskau – Görlitz

Görlitz – Ostritz

P.S.: Vielleicht schreibe ich doch noch etwas von unserem Ausflug zur Neiße-Quelle, den wir in den nächsten Tagen planen. Schaut also ruhig noch einmal vorbei.

„Oberlausitz, geliebtes Heimatland“/“Upper Lusatia, my Beloved Home“

Short English Summary: Today we did our second to last stage on our big trip through Germany. It went from Guben (Lower Lusatia) to Bad Muskau (Upper Lusatia), where we visited the UNESCO world heritage park „Fürst Pückler“. Furthermore, Upper Lusatia is the home of Beate, therefore the header which is part of the refrain of the Upper Lusatia anthem. The river Neiße flows quite naturally through the landscape which makes cycling pleasant because of its various views.

Endlich sind wir fast zum Abschluss unserer großen Tour durch Deutschland nach 7 Wochen und 3000km auf dem Rad in der Oberlausitz, Beates „Geliebtem Heimatland“ angekommen. Heute haben wir mit dem Überfahren der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen kurz vor Bad Muskau außerdem das letzte Bundesland unserer Reise erreicht. Damit kommt unser großes Abenteuer mit großen Schritten seinem Ende entgegen, nach so vielen Stunden im Sattel, so vielen schönen und auch einigen weniger schönen Tagen, Städten, Dörfern, Landschaften kommt jetzt doch etwas Wehmut auf, dass es schon wieder fast vorbei ist, obwohl ich mich in den letzten Tagen auf darauf gefreut habe, nicht jeden Tag Rad fahren zu müssen, sondern auch einfach mal nichts tun kann.

Landschaft an der Neiße/Scenic View of the Neiße

Heute jedoch war noch einmal ein richtig schöner Tag zum Radfahren, zwar noch immer um die 30°C, aber aufgrund wechselnder Bewölkung und auch abwechslungsreicher Landschaft, die auch immer mal wieder Schatten bot, und nur leichtem Wind war das Fahren sehr angenehm. Darüber hinaus war auch der Weg so gut, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu fahren. Kurz nach Guben wollte ich nämlich mal wieder etwas schneller fahren, weil der Radweg gerade so schlön glatt war und die weitere Strecke auch ziemlich klar. Ich dachte, wenn der Weg wieder schlechter wird oder eine unklare Abzweigung, kann ich dann auf Beate warten. Aber der Weg wurde nicht schlechter, die Ausschilderung war klar und so bin ich immer weiter gefahren, bis ich dann in Forst (Lausitz) doch einmal angehalten habe, um nicht gleich die ganze Strecke bis Bad Muskau durchzufahren. Da war ich dann aber schon ungefähr 40km gefahren.

Unterbrochene Brücke in Forst/Broken Bridge in Forst

Forst ist für mich übrigens die Stadt der abgebrochenen Brücken, denn dort gibt es immer noch mehrere Brücken, die wohl im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört wurden, danach aber nie wieder aufgebaut noch komplett abgerissen wurden. Außerdem gibt es aber dort noch den „Ostdeutschen Rosengarten“, einen Park mit vielen verschiedenen Rosensorten, den wir aber nicht besucht haben, sondern an dem wir nur vorbei gefahren sind.

Neues Schloss im Fürst-Pückler-Park/New Castle in the Park „Fürst Pückler“

Besucht haben wir aber heute Abend noch den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, der wirklich einen (oder sogar mehrere) Besuch wert ist. Vor allem bei dem schönen Wetter heute ist es eine wahre Pracht die ganzen Blumen, Bäume und modellierten Landschaften mit Wasserläufen, Seen und Hügeln zu sehen. Wir sind nur reichlich eine Stunde durch den Park gewandelt, hätten aber sicherlich noch viel länger dort bleiben können, wenn nicht unser Hunger und unsere Müdigkeit ihren Tribut verlangt hätten und wir uns dann nicht lieber etwas zum Abendessen gesucht hätten.

Blumen und Bäume im Fürst-Pückler-Park/Flowers and Trees in the Park „Fürst Pückler“

Interessant ist auch, dass die Neiße, die ja, wie gestern schon geschrieben, ein eher kleiner Fluss ist, mitten durch den Park geht, so dass er in einen polnischen und einen deutschen Teil geteilt ist, aber seit jetzt ungefähr zwanzig Jahren durch wieder aufgebaute Brücken im Park wieder als ein Park zu genießen ist. Auch daran sieht man, wie beliebig die Grenzziehung mit der Neiße als Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg war, Städte wurden zweigeteilt, Beziehungen zwischen Dörfern und Handelsrouten unterbrochen und auch Parks und Wälder geteilt. Aber wenn man die Vorgeschichte betrachtet, kann man nur sagen, selber schuld, schließlich hat das Deutsche Reich noch viel schlimmere Verbrechen begangen als nur willkürliche Grenzen gezogen.

Brücke über die Neiße im Fürst-Pückler-Park/Bridge over the River Neiße in Park „Fürst Pückler“

Aber abgesehen von der Geschichte ist die Neiße ein schönes Flüsschen und es macht Spaß an ihr entlang zu fahren. Da sie so klein ist und nicht als Wasserstraße begradigt wurde, schlängelt sie sich weitgehend natürlich durch die Landschaft, durchfließt Wiesen und Wälder, vorbei an einzelnen kleinen Städten und Dörfern, so dass das Fahren doch sehr abwechslungsreich ist.

Wald an der Neiße/Forrest at the Neiße

Morgen steht uns dann unsere allerletzte Etappe bis Ostritz bevor, die aus zweierlei Hinsicht herausfordernd zu werden droht. Zum einen ist sie mit fast 90km eine von unseren längsten, da wir nicht in Görlitz 20km vor Ostritz nicht noch einmal übernachten wollten, und zum Anderen ist nach einer Woche schönen Wetter und Hitze schlechtes Wetter mit Abkühlung, was ja noch angenehm wäre, aber auch viel Regen und Gewitter angekündigt. Mal sehen, wie wir das überstehen werden, aber vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Jedenfalls haben wir uns zum Kaffee bei Beates Bruder in Görlitz angemeldet, so weit sollten wir also mindestens kommen.

Wer sich übrigens über die Überschrift gewundert hat, sie ist ein Zitat aus dem Refrain des Oberlausitz-Lieds. Und hier gibt es auch noch den Link zu unserer heutigen Tour.

Ein Tag im Oderbruch/A Day in the Oderbruch

Short English Summary: Our today’s stage headed from Zollbrücke in the Oderbruch, a former marshland which was drained in the 18th century to create land for agriculture, to Frankfurt (Oder), the birth place of Heinrich v. Kleist and place of studies of C.P.E. Bach, the most famous son of Johann Sebastian Bach.

Nach der Hitzeschlacht gestern war das Fahren heute wieder eine schweißtreibende Angelegenheit, es war zwar nicht mehr ganz so heiß wie gestern, aber immer noch knapp über 30°C und sehr schwül. Der Regen in der Nacht hat kaum zur Abkühlung geführt, aber die Luft sehr feucht gemacht, so dass es am Morgen als wir in Zollbrücke losfuhren schon 24°C war und das große Schwitzen gleich losging.

Kulturhafen Groß Neuendorf/Port of culture Groß Neuendorf

Landschaftsmäßig ging es auch wieder, wie es gestern aufgehört hatte: Fluss, Deich und Felder und der Radweg entweder auf dem Deich oder hinter dem Deich. Es ist schon faszinierend, wie lange man hier im Oderbruch fahren kann, ohne ein Gebäude, geschweige denn eine Siedlung oder sogar eine größere Ortschaft zu sehen. Es ist hier sehr dünn besiedelt, vor allem direkt an der Oder gibt es wenig Abwechslung. Wahrscheinlich muss man mehr von der Oder in das Oderbruch hineinfahren, um die Dörfer dort zu sehen, die auch durchaus sehenswerte Orte und Gebäude bieten sollen. Davon haben wir aber nichts gesehen, stattdessen nur landwirtschaftliche Nutzfläche, die im 18. Jahrhundert durch die Trockenlegung des Oderbruchs und die Verlegung der Oder an dessen Ostgrenze entstanden ist und damit Lebensraum für neue Kolonist*innen bot. Es muss in dieser Zeit schon ein riesiges Unternehmen gewesen sein, eine so große Fläche einzudeichen, den Fluss und seine Nebenflüsse zu verlegen und damit das Gebiet trockenzulegen. Vor der Trockenlegung muss das Oderbruch wohl so ähnlich wie der Spreewald ausgesehen haben. Teilweise wird heute wohl auch wieder diskutiert aus Hochwasserschutzgründen dem Fluss wieder mehr Raum zu geben und Flächen wieder vernässen zu lassen.

Universität Viadrina/University Viadrina

Unser Ziel heute war am Südende des Oderbruchs die Stadt Frankfurt (Oder), die neben der Namensgleichheit mit dem Wohn- und Studienort unserer Tochter Nadjeschda auch noch weitere Highlights zu bieten hat. Zum einen ist sie Geburtsstadt von Heinrich v. Kleist, was hier überall zu sehen ist, und außerdem auch Studienort von Carl Philipp Emanuel Bach, worauf auch an jedem Laternenmast hingewiesen wird. Davon abgesehen ist Frankfurt Sitz der Europa-Universität Viadrina und besitzt ein paar schön restaurierte bzw. rekonstruierte Gebäude.

Erinnerung an C.P.E. Bach/Memento of C.P.E. Bach

Morgen geht es dann erst weiter an der Oder aufwärts, bevor wir dann mit der Neiße den letzten Fluss unserer Reise erreichen werden, den wir dann noch bis zu seiner Quelle folgen wollen. Aber bis dahin müssen wir noch ein paar Tage radeln. Was wir heute geradelt sind, könnt ihr hier sehen.

Rathaus von Frankfurt/City Hall of Frankfurt

Hitzeschlacht an der Oder/A very hot Day at the Oder

Short English Summary: Our tour today followed the Oder from Mescherin to Zollbrücke. The first highlight of the day was the national park „Unteres Odertal“ (lower Oder valley), which consist of the delta of the Oder with all its confluences and islands, weadows, and ponds, which was a great pleasure to see. Unfortunately, the day was very hot, which made the cycling very hard in the afternoon, especially since the scenery was a little boring then, only the straight dike in the full sun without much variety.

Während in Deutschland generell gestern der bislang heißeste Tag des Jahres war, mussten wir heute den heißesten Tag unserer Tour bewältigen. Die höchste Temperatur waren hier heute 34°C, was für uns dadurch noch etwas erschwert wurde, dass es hier wenig bis keinen Schatten gab. Während ich am Vormittag, als es noch nicht so heiß war, von der Landschaft im unteren Odertal begeistert war mit dem vielen Wasser, den Flussarmen und Teichen, und den vielen kleinen Inselchen mit zahllosen Vögeln, fand ich es heute Nachmittag, nachdem wir das Flussdelta hinter uns gelassen hatten und auf dem mehr oder weniger schnurgeraden Deich in der prallen Mittagssonne ohne Schatten fuhren, nicht mehr so angenehm, da auch der hauptsächlich von vorne kommende Wind nur wenig Kühlung brachte. Aber wir haben es überstanden und jetzt soll es jeden Tag etwas kühler werden, wenn es auch morgen doch noch einmal über 30°C werden soll.

Nationalpark „Unteres Odertal“/National Park „Unteres Odertal“ (lower oder valley)

Irgendwie hat mich das an meine Wanderung nach Venedig erinnert (wer Details nachlesen will, kann das immer noch in meinem alten Blog tun), als ich auch gegen Ende der Wanderung, nachdem eigentlich die schwierigsten Teile schon geschafft waren, und ich nur noch drei Flachetappen durch die Po-Ebene mit aber zwischen 30 und 40 Kilometern Länge (zu Fuß, nicht mit dem Rad!) hinter mich bringen musste und die Hitze ähnlich unerträglich war (vielleicht sogar noch etwas heißer). Auch dort wurde die Landschaft nach all den Bergen plötzlich ziemlich eintönig, viel Straße am Fluss entlang durch hauptsächlich landwirtschaftlich genutztes Gebiet und kein Ende abzusehen. Damals habe ich mir ein Fahrrad gewünscht, mit dem ich die 5km langweilige, gerade Straße in vielleicht 15 Minuten statt einer Stunde gefahren wäre. Aber heute ging es mir auf den 15 Kilometern ab Hohenwutzen, wo wir ein spätes Mittagessen eingenommen hatten, ähnlich, obwohl ich auf dem Rad saß. Aber auch diese Stunde haben wir geschafft und sitzen jetzt in Zollbrücke auf einer Bank für unserer Pension, schauen auf den Deich und beobachten die vorbeisausenden Radler*innen.

Blick vom Deich in Zollbrücke/View from the dike in Zollbrücke

Aber noch ein paar Worte zum Oderdelta. Die Oder spaltet sich dort nicht nur in zwei Hauptarme auf, wie gestern geschrieben, sondern darüber hinaus in zahllose kleine Flüsschen und zusätzlich angelegte Kanäle, die dadurch immer wieder Inseln erzeugen, und außerdem gibt es dazwischen immer wieder kleine Teiche. Das war eine willkommene Abwechslung zu all dem Meer, dass wir die letzten vier Wochen fast täglich gesehen haben, was auch, vor allem an der Ostsee, sehr schön war, aber gegen Ende doch immer wieder mehr oder weniger das gleiche war. So sind wir jetzt wieder an einem Fluss angekommen, nachdem wir vor fast 7 Wochen an einem Fluss gestartet sind und wo wir uns als von Rhein und Donau geübte Fluss-Radler*innen am wohlsten fühlen, wobei ich auch Lust hätte mal im Gebirge Fahrrad zu fahren, aber ich glaube da muss ich bei Beate noch viel Überzeugungsarbeit leisten bzw. gleich alleine oder mit jemandem anderen fahren.

Unteres Odertal/Lower Oder Valley

Neben der schönen Natur, die wir vor allem im unteren Odertal gesehen haben, war unser heutiges Highlight ein kleines Unglück, das dazu geführt hat, dass ich heute am Ende 15km mehr als Beate gefahren bin, aber dafür fast 2 Stunden in meinem eigenen Tempo fahren konnte, was ich auch genossen habe. Nachdem wir heute Morgen ungefähr 5km gefahren waren, fiel Beate nämlich plötzlich auf, dass sie ihre Trinkflasche in der Pension vergessen hatte, was bei der angekündigten Hitze äußerst ungünstig war. Deshalb bin ich kurzer Hand wieder zurückgefahren, habe mich dabei sogar noch etwas verfahren, obwohl ich eigentlich nur den selben Weg hätte zurückfahren müssen, und habe die Flasche, die noch genau dort in der Lobby der Pension stand, wo Beate sie abgestellt hatte, geholt. Dann began die Aufholjagd, da Beate mittlerweile weitergefahren war und deshalb eine reichliche halbe Stunde Vorsprung hatte. Leider gab es in Gartz an der Oder eine Stelle, an der der Wegweiser des Oder-Neiße-Radwegs definitiv falsch war. Meine Navigation zeigte an, dass ich nach links muss, aber das Schild zeigte ganz klar gerade aus. Da Beate die Navigation nicht hatte, bin ich davon ausgegangen, dass sie sicher gerade aus gefahren ist (was sie übrigens auch gemacht hat, wie ich später erfuhr), was ich dann auch tat. Als ich dann nach ungefähr 2km mitten im Verkehr auf der Bundesstraße nach Schwedt fuhr ohne irgendwo einen Radweg zu sehen, fuhr ich dann doch wieder zurück zu der Kreuzung und nahm den von der Navigation vorgeschlagenen Weg, der sich dann auch als richtig herausstellte, da er dann direkt wieder an die Oder und durch wunderbare, autoverkehrslose Landschaft führte. Zwischendurch rief ich noch Beate an, um herauszufinden, wie sie gefahren ist. Sie ist tatsächlich auch geradeaus gefahren, da sie den Wegweiser gar nicht gesehen hat, hat dann aber relativ schnell jemanden gefragt und ist dann den richtigen Weg gefahren. Am Ende haben wir uns dann kurz hinter Schwedt wieder getroffen und sind den Rest des Tages zusammengeradelt.

Juliusturm in Schwedt/Julius Tower in Schwedt

Zum Schluss meines Tagesberichts noch ein paar Informationen zu unserem Übernachtungsort Zollbrücke, der aus nicht viel mehr als ein paar Häusern besteht, aber mindestens drei Gasthäuser hat, die aber leider Dienstags und Mittwochs geschlossen haben, und, sehr unerwartet hier, quasi am Ende der Welt, ein Theater: Das Theater am Rand, das von April bis Dezember ohne Sommerpause an den Wochenenden Programm anbietet. Leider ist heute Mittwoch und deswegen das Theater, wie auch alles andere, geschlossen.

Unsere Pension in Zollbrücke/Our bed and breakfast place in Zollbrücke

Soviel von heute aus dem jetzt schon wieder viel angenehmeren Oderland. Hier ist noch unsere heutige Route.

Endlich an der Oder/Finally at the Oder

Short English Summary: Today we finally reached the river Oder, or more precisely the Western Oder, since the river branches here and the two branches unite in Stettin (Szczecin) again. With the Oder we also reached the next federal state on our tour, which is called Brandenburg. In addition to the change of the state also the type of landscape changed. From the coastal forrests which were dominant at the coast to a highly agriculturally used hill land. Tomorrow, we will cycle through the national park „Unteres Odertal“ (lower valley of the Oder).

Hinweisschild auf die Westoder/Information Sign for the River Westoder (Western Oder)

Nachdem ich schon seit drei Tagen davon rede, haben wir heute endlich die Oder erreicht, wenn auch erst am Ende unserer Etappe in unserem Zielort Mescherin, und werden jetzt die nächsten drei Tage an ihr entlang fahren. Um genau zu sein, ist es die Westoder, die wir heute erreicht haben, da sich die Oder ein paar Kilometer oderaufwärts von hier in zwei Arme aufspaltet, die sich dann bei Stettin wieder vereinen. Unsere Pension ist direkt am Oderufer und wir haben einen schönen Blick auf den Fluss von unserem Zimmer aus.

Alter Bahndamm durch Kiefernwald/Old railroad through pinewood

Damit haben wir jetzt endgültig die Ostsee bzw. das Stettiner Haff verlassen und sind jetzt richtig im Binnenland, was man auch an der Veränderung der Landschaft merken konnte. Während wir am Vormittag noch durch einen typischen Kiefernwald, den wir von der Küste jetzt reichlich gewohnt waren, fuhren, führte unser Weg dann hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutzte, leicht hügelige Landschaft, so dass die heutige Tour auch aufgrund des am Ende uns entgegenwehenden Windes doch auch recht anstrengend wurde, vor allem auch, weil die Hitze jetzt auch uns erreicht hat. Außerdem betrug die Länge unserer Etappe heute ungefähr 85km, was eine der eher längeren für uns war. Deshalb waren wir dann bei unserer Ankunft in Mescherin auch ziemlich k.o. und mussten erst einmal schlafen.

Landschaft in der Uckermark/Landscape in Uckermark

Morgen soll es dann noch etwas heißer werden, aber dann müssen wir 10km weniger fahren, aber der Wind soll auch etwas auffrischen und wieder auf Südwest drehen, wenn auch wir wieder nach Südwest fahren. Alles in allem wird es wohl wieder anstrengend werden. Aber da wir durch den Nationalpark „Unteres Odertal“ fahren werden, hoffen wir, als Entschädigung dafür wenigstens tolle Natur zu sehen.

Wenn ich übrigens gestern geschrieben habe, dass Ueckermünde die letzte Stadt vor Schwedt war, die wir morgen erreichen werden, war das nicht ganz richtig. Wir sind heute durch Penkun gefahren, das zwar weniger als 2000 Einwohner hat, aber trotzdem eine Stadt ist (eine der kleinsten Deutschlands), ein sehenswertes Schloss hat und von einigen Seen umgeben ist, was aber nichts daran ändert, dass die Gegend hier eher dünn besiedelt ist und hauptsächlich kleinere Dörfer anzutreffen sind. Das macht aber das Radfahren auch manchmal ganz angenehm, weil es lange Strecken ohne Unterbrechung durch Siedlungen oder Kreuzungen und insgessamt wenig Verkehr gibt, so dass man auch mal eine halbe Stunde schnell fahren kann, was ich heute auch ausgenutzt habe.

Schloss von Penkun/Castle of Penkun

Mit Penkun haben wir übrigens auch Mecklenburg-Vorpommern verlassen und befinden uns jetzt im nächsten Bundesland auf unserer Reise, nämlich in Brandenburg und dort im Landkreis Uckermark. Interessanterweise ist die Uckermark nach dem gleichen Fluss benannt worden wie Ueckermünde, der jedoch in Brandenburg Ucker und in Vorpommern Uecker heißt.

Damit ihr nachvollziehen könnt, was wir heute geleistet haben, hier noch der Link zu unserer heutigen Tour.

Nass in Polen/Wet in Poland

Short English Summary: Today we cycled from Lubmin to Swinemünde (Świnoujście) on the island of Usedom which is divided between Germany and Poland. Unfortunately, we had a lof of rain and had to struggle with some badly indicated deviations, but arrived at the end luckily in Swinemünde, from where we will start the last part of our tour, the Oder-Neiße-Trail along the German-Polish border.

Nun sind wir nach reichlich zwei Wochen am Ende des (deutschen Teils des) Ostseeküsten-Radwegs angekommen (der komplette Weg führt übrigens über 8000km rund um die ganze Ostsee über Russland, Litauen, Letland, Estland, Finland und Schweden) und haben zum zweiten Mal auf unserer Tour eine deutsche Grenze zu einem Nachbarland, nämlich Polen, überschritten. An dieser Grenze, auch bekannt unter dem Namen Oder-Neiße-Grenze, werden wir jetzt die nächsten acht Tage mehr oder weniger direkt entlangfahren. Dabei weiß ich gar nicht, ob wir sie auch noch einmal überschreiten werden oder ob wir ab morgen dann immer in Deutschland bleiben werden. Das werden wir dann von Tag zu Tag sehen. Aber da es an Oder und Neiße mehrere Städte gibt, die einen deutschen und einen polnischen Teil haben, kann ich mir schon vorstellen, dass wir zumindest gelegentlich auch die Fluss-Seiten wechseln werden. Heute jedenfalls übernachten wir in Swinemünde, kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze auf Usedom, da auf der deutschen Seite in Ahlbeck und Heringsdorf die noch verfügbaren Unterkünfte viel zu teuer für uns waren.

Grenze zwischen Polen und Deutschland auf Usedom/Border between Poland and Germany on Usedom

Jetzt sitzen wir also in unserer Pension in Swinemünde, haben gerade gut zu Abend gegessen und sind zum Glück wieder trocken. Während nämlich ganz Deutschland unter einer Hitzewelle zu leiden scheint, gibt es hier frischen Wind, kühlendenden Regen und angenehme Temperaturen um die 20°C. Da lässt es sich doch viel angenehmer radeln als bei Hitze und prasselndem Sonnenschein. Wobei, um ehrlich zu sein, so richtig angenehm war es heute natürlich doch nicht. Ein bisschen weniger Wind, der teilweise schon fast stürmig war und leider nicht immer von hinten kam, und vor allem weniger Regen hätten den Tag noch viel angenehmer machen können. Während wir den ersten Regenguss noch halbwegs gut in einem trockenen Supermarkt überstanden, wurden wir später, als es richtig loslegte und so schnell nicht mehr aufhörte, doch mal wieder so richtig nass. Zu allem Überfluss mussten wir an der Pension auch noch draußen im Regen warten, bis uns endlich jemand öffnete. Gerade als wir dachten, endlich ins Trockene zu kommen, war dies besonders frustrierend, kalt und nass im Regen warten zu müssen. Aber zum Glück kam dann doch relativ schnell jemand und wir konnten unsere nassen Klamotten ausziehen und abtropfen lassen. Hoffentlich sind sie bis morgen wieder trocken.

Gestern Abend waren wir noch in der Ostsee baden und haben noch den schönen Sonnenuntergang in Lubmin bewundert und heute sind wir durch Regen gefahren. So unterschiedlich können die Tage sein. Aber auch die Orte am Weg sind sehr unterschiedlich, auch wenn sie sich alle Ostseebad nennen. Lubmin, wo wir gestern waren, hat mir zum Beispiel viel besser gefallen als viele andere, obwohl es nicht so bekannt ist und auch nicht so tolle Bäderarchitektur besitzt, wie die Bäder hier auf Usedom, die schon beeindruckend sind, mit den vielen an kleine Paläste erinnernden Gebäuden. Aber vielleicht deswegen ist es nicht so überlaufen und hektisch wie die anderen Bäder, was es für mich zu meinem Geheimfavoriten macht, obwohl ich wahrscheinlich trotzdem keine Lust hätte, dort einen längeren Urlaub zu verbringen.

Sonnenuntergang vor Lubmin/Sunset in Lubmin

Heute konnten wir zu unserer Rubrik „wirre Umleitungen“ wieder ein Beispiel hinzufügen. In Wolgast war der Radweg auf der einen Seite der Peenebrücke gesperrt, weswegen der Radverkehr auf der anderen Seite entlang geleitet wurde. Leider war das erste Umleitungsschild so unklar, dass wir erst einmal falsch fuhren, dann aber die richtige Umleitung fanden, die aber plötzlich vor einer Treppe auf die Brücke endete. Wir mussten also unsere Räder allen Ernstes mit Gepäck die Treppe hochtragen. Ich frage mich, wie das andere Leute machen sollen, die vielleicht noch mit schweren E-Bikes unterwegs sind und nicht mehr so viel Kraft haben, ein Rad eine Treppe hochzutragen. Da hätte sich bestimmt auch eine bessere Lösung finden lassen. Wir trugen also unsere Räder die Treppe hoch, fuhren über die Brücke und waren dann auf Usedom.

Peenestrom in Wolgast

Dort angekommen fühlten wir uns ein bisschen wie in einem Katastrophenfilm: Ein heftiger Wind wehte uns entgegen, der allerhand Staub aufwirbelte, und eine schier endlose Schlange von Autos kam uns entgegen, die die Insel verlassen wollten. Es machte den Eindruck, ein Riesensturm kommt auf und alle versuchen noch im letzten Moment der Katastrophe zu entkommen. In Wirklichkeit war es aber wohl nur der übliche Rückreiseverkehr am Wochenende und hatte nichts mit dem Wetter zu tun. Und wir freuten uns, dass wir nicht in dem Stau stehen mussten, sondern einfach daran vorbeifahren konnten. Leider haben wir vor lauter Freude übersehen, dass wir gar nicht an der Straße entlang fahren mussten, sondern schon gleich am Anfang hätten abbiegen müssen. Deshalb mussten wir dann wieder einen Kilometer zurückfahren, um zu dem schönen Weg durch die Küstenwälder von Usedom zurückzukommen. Dieser Weg war sehr abwechslungsreich und bot auch ein paar kleine sportliche Herausforderungen, ständig ging es auf und ab, und an zwei Stellen gab es sogar 16% Steigung, aber immer nur ganz kurz, so dass man mit etwas Schwung gut hochkommen konnte.

Stau vor Wolgast/Traffic Jam in front of Wolgast

Unsere Mittagspause haben wir übrigens in Kölpinsee verbracht, wo meine Tante vor einigen Jahren einen Urlaub verbracht hat, was sie uns heute Morgen noch erzählt hat. Deshalb, liebe Margot, hier noch ein spezielles Bild für dich vom Kölpinsee:

Der Kölpinsee auf Usedom/Kölpinsee on the island of Usedom

Überhaupt gab es heute wieder Gelegenheit an verschiedene Urlaube der Vergangenheit zu denken, wie zum Beispiel Beates traumatische Kinderkur in Zinnowitz oder unser weniger traumatische Urlaub im gleichen Ort mit Nadjeschda (damals hatten wir noch nur ein Kind) und der Familie von Beates Bruder. Beates Schwester war zur gleichen Zeit dort mit ihrem Sohn Jakob zu einer Kur. Von diesem Urlaub gibt es zwei ikonische Erinnerungen in unserer Familie: Einmal, dass Jakob ständig brechen musste, weil er nie rechtzeitig aufhören konnte zu essen, und zum anderen eine Paddeltour auf dem Achterwasser, von dem es ein Bild mit Klara und Nadjeschda in voller Montur im Paddelboot gibt. Und noch ein weiterer Urlaub kam uns in Erinnerung: Vor einigen Jahren haben Beate und Sanja Urlaub auf Usedom gemacht und Sanja war dabei Reiten.

Morgen beginnt dann der fünfte und letzte Abschnitt unserer Deutschlandtour mit der ersten Etappe auf dem Oder-Neiße-Radweg bis Anklam, wo wir mal wieder einen Ruhetag einlegen werden. Aber bis dahin stehen uns noch 70km bei hoffentlich besserem Wetter als heute bevor.

Hier ist noch unsere heutige Tour wieder wegen eines technischen Problems in zwei Teile aufgeteilt:

Lubmin – Swinemünde (Teil 1)

Lubmin – Swinemünde (Teil 2)

Kopfsteine ohne Ende/Cobblestones without End

Short English Summary: After we left the island of Rügen yesterday, we went onshore from Stralsund via Greifswald to Lubmin. A big part of our stage today led over a cobbled road, which was hard to travel on, but nevertheless a wonderful alley with a lot of old trees. In addition, we saw the nature reserve Lanken and took a bath in the Greifswalder Bodden, a part of teh Baltic Sea.

Blick aus unserem Hotelzimmer auf Rügen und Greifswalder Bodden/View from our hotel room to Rügen and Greifswalder Bodden

Mit Blick auf den Greifswalder Bodden und Rügen schreibe ich heute meinen Tagesbericht aus Lubmin, dem Endpunkt unserer heutigen Etappe. Auch wenn wir gestern Rügen verlassen haben, lässt es uns noch nicht so richtig los, von Stralsund aus haben wir es natürlich gesehen, aber auch unterwegs heute konnte man es immer wieder sehen. Aber morgen werden wir dann auf Usedom sein, dann werden wir Rügen endgültig hinter uns gelassen haben.

Blick nach Rügen vom Naturschutzgebiet Lanken/View to Rügen from Nature Reserve Lanken

Unsere erste Zwischenstation auf dem Weg nach Lubmin war Greifswald, aber der Weg dorthin war alles andere als ein Zuckerschlecken. Denn er führte auf einer wunderschönen Allee mit alten Bäumen entlang, deren einziger aber entscheidender Nachteil für uns der Straßenbelag war, der aus historischem Kopfsteinpflaster bestand. So sind wir also 15 km auf Kopfsteinpflaster nach Greifswald gehoppelt, was zwar nicht ganz so schlimm war wie befürchtet, aber trotzdem ganz schön anstrengend. Leider habe ich dabei mal wieder ein Teil meines Fahrrads verloren, diesmal die Abdeckung meiner Federgabel, was aber wahrscheinlich nicht wesentlich für die Funktion ist, außer dass ich die Dämpfung jetzt nicht mehr justieren kann, was ich aber sowieso nie gemacht habe. Anstatt der Abdeckung habe ich jetzt ein Stück Panzertape darübergeklebt, damit kein Dreck eindringen kann. Wenn wir mal bei einem Radladen vorbei kommen, kann ich mal nachfragen, ob sie ein Ersatzteil haben.

Allee zwischen Stralsund und Greifswald/Alley from Stralsund to Greifswald

Nach Greifswald war der Weg dann erst einmal wieder gut zu befahren und führte weiterhin schön auf dem alten Treidelpfad am Ryck, der Fluss an dem Greifswald liegt, nach Wiek, wo der Ryck in den dänischen Wiek mündet. Diesen umrundeten wir und durchfuhren dann noch das Naturschutzgebiet Lanken, was auch sehr schön war, aber eigentlich gar nicht erlaubt war, da dort der Radweg gerade neu gemacht wird und deswegen gesperrt war. Aber wir sind dann einfach durch die Baustelle gefahren, da wir lieber dort langfahren wollten als über die Straße.

Treidelpfad am Ryck/Towpath alongside river Ryck

Jetzt sind wir, wie schon erwähnt, in Lubmin eines der vielen Seebäder an der Küste, das auch in der Vergangenheit als Standort des größten DDR-Kernkrafwerks „Greifswald“ bekannt war, das immer sich immer noch im Rückbau befindet. Diesem haben wir aber keinen Besuch abgestattet, sondern stattdessen ein Bad im Greifswalder Bodden genommen, da der Strand und die Seebrücke von Lubmin direkt vor unserem Hotel sind.

Seebrücke von Lubmin/Pier of Lubmin

Und hier noch unsere heutige Tour auf Komoot: Stralsund-Lubmin.

Alles Gut/Everything Fine

Short English Summary: After three days of inactivity because of bad internet connection and my tiredness, I pick up blogging again. We are all fine and continue our tour. Today we stay in the world heritage city of Stralsund, a former city of the Hanse. Yesterday, we did an excursion to another small island near Rügen which is called Hiddensee, an island with a rich diversity of landscapes and without any motorized traffic beside e-bikes. On Monday we cycled through the national park „Jasmund“ with its beech forests and saw the Königsstuhl (king’s chair), a famous cliff of Rügen and Cap Arcona.

Nachdem wir gerade noch einen Stadtrundgang mit Niels durch Stralsund gemacht haben, schreibe ich endlich mal wieder ein paar Zeilen auf, auch wenn ich schon recht müde bin. Da ich aber die letzten zwei Tage nichts geschrieben habe, nicht weil nichts passiert wäre oder weil, noch schlimmer, etwas Schlimmes passiert wäre und wir krank oder verletzt wären, sondern ganz banal, weil kein stabiles Internet verfügbar und ich ziemlich k.o. war, möchte ich euch heute doch wieder kurz berichten, was wir so erlebt haben, damit nicht wieder besorgte Anfragen kommen, ob noch alles in Ordnung mit uns ist. Auf alle Fälle sind wir gesund und munter und radeln jeden Tag fleißig weiter.

Rathaus von Stralsund/City Hall of Stralsund

Stralsund ist übrigens die erste und wahrscheinlich auch letzte Stadt, die wir auf unserer Tour zwei Mal angefahren sind, abgesehen von Sassnitz, wo wir auch zweimal waren, aber einmal mit dem Zug. Durch Stralsund sind wir am letzten Donnerstag schon einmal gefahren, bevor wir unseren einwöchigen Urlaub im Urlaub auf Rügen begonnen haben. Aber diesmal übernachten wir auch hier und haben uns die Zeit genommen, diese sehr sehenswerte Stadt unter Niels Führung anzuschauen. Zusammen mit Wismar, das wir letzte Woche schon besucht haben, ist Stralsund UNESCO-Welterbe und man kann auch viele Ähnlichkeiten erkennen. Was aber komplett anders ist und mich auch überrascht hat, ist, dass die Stadt nicht nur am Meer, oder genauer dem Strelasund, liegt, sondern auch von Teichen und Parks umgeben ist.

Teiche in Stralsund/Ponds in Stralsund

Den Weg nach Stralsund begannen wir heute Morgen in Gingst, ein Städtchen, über das es nichts weiter zu berichten gibt. Danach fuhren wir aber über noch eine weitere kleine Insel, nämlich Ummanz, die aber über eine Brücke erreichbar ist und die vor allem bei Vogelfreund*innen beliebt ist. Vor allem Kraniche soll man dort sehen können, die wir aber nicht gesehen haben, dafür aber viele andere. Der Rest des Weges war dann wieder unter der Rubrik „herausfordernde Wege“ abzuhaken. Landschaftlich schön am Meer entlang und am Ende mit schönen Blicken auf Stralsund war der Untergrund teilweise nur sehr schwer zu befahren und wir wurden ordentlich durchgerüttelt.

Blick auf Stralsund/View to Stralsund

Durchgerüttelt wurden wir auch gestern während unseres Ausflugs auf Hiddensee, den wir außerplanmäßig noch eingeschoben hatten, da wir bislang schneller unterwegs waren als geplant. Wir fuhren so ziemlich jeden so halbwegs befahrbaren Weg der Insel ab und auch einige eigentlich nicht mit Fahrrädern befahrbare. Nur vor dem Steindamm „Schwarzer Peter“, auf dem wir doch zu sehr durchgeschüttelt wurden, schreckten wir dann zurück. Besonders auch, weil wir dort mal wieder eine kleine Panne hatten: Durch das Gerüttele ist nämlich mein Scheinwerfer abgebrochen, was ich aber glücklicherweise wieder reparieren konnte. Den Alternativweg, den wir dann wählten, um an das Südende der Insel zu kommen, war aber auch nicht viel besser, anstatt über grob verfugter Steine, mussten wir durch tiefe Schlammfurchen und am Ende durch tiefen Sand fahren, haben es aber geschafft, am Leuchtturm in Gellen anzukommen.

Leuchtturm Gellen auf Hiddensee/Light House Gellen on Hiddensee

Hiddensees Landschaft ist übrigens trotz der Kleinheit der Insel sehr vielfältig, von der Steilküste im Norden, über Heidelandschaft in der Mitte bis zu Sandlandschaft im Süden wird viel geboten, was neben uns auch viele weitere Tagestourist*innen anlockte. Aber trotz der vielen Menschen, die sich von den Fähren auf die Insel ergossen, war die Insel, abgesehen von den Hotspots, an denen sich viele Menschen treffen, angenehm ruhig, was wohl auch daran liegt, dass es dort keinerlei motorisierten Verkehr, abgesehen von E-Bikes, gibt.

Blick über Hiddensee/View over Hiddensee

Nachdem wir zurück auf Rügen in Schaprode an der Fähre noch einmal Jens, Manuela, Charlotte und Daniel getroffen hatten, die auch gestern einen Hiddensee-Ausflug gemacht hatten (Schade, dass sie uns nichts davon gesagt hatten, dann hätten wir sie auch auf Hiddensee treffen können), mussten wir leider ganz im Gegenteil ein paar Kilometer auf einer viel befahrenen Landstraße fahren, was vor allem bei knappen Überholmanövern, die immer mal wieder vorkommen, teilweise sehr furchteinflößend war. Aber auch das haben wir gemeistert und kamen für unsere Verhältnisse, und auch für deutsche Orte auf dem Land, recht spät in Gingst an, wo uns aber der örtliche Dönerladen, der entgegen seiner offiziellen Öffnungszeiten auch noch nach 20 Uhr Pizza und Falafel verkaufte, vor einer hungrigen Nacht rettete. Das bestätigt wieder eine der Erkenntnisse, die wir auf unserer Tour über Deutschland gewonnen haben: Auf Döner ist immer Verlass, wenn es auch nicht immer ein kulinarischer Höhepunkt ist.

Buchenwald im Nationalpark „Jasmund“/Beech Forest in the National Park „Jasmund“

Höhepunkte ganz anderer Art haben wir am Montag erlebt, nachdem wir Sassnitz nach fast vier Tagen Mini-Urlaub verlassen hatten. Zuerst mussten wir nämlich den Berg hoch fahren, was zwar kein richtig hoher Berg war, sondern nur der Nationalpark Jasmund mit seinem auch zum Welterbe zählenden Buchenwäldern, aber gleich am Anfang noch mit dem Frühstück im Magen und kalten Muskeln war es doch eine kleine Herausforderung. Belohnt wurden wir dann mit einem Ausblick auf den Königsstuhl, nein nicht dem in Heidelberg, sondern den berühmten Kreidefelsen gleichen Namens im Nationalpark. Weiter gingen die Höhepunkte dann mit dem Fischerdorf Vitt am Fuße des Kap Arkona und dem Kap an der Nordspitze von Rügen selbst.

Fischerdorf Vitt mit Blick auf Kap Arkona/Fishermen’s Village Vitt with View to Cap Arcona

Ein Tiefpunkt war aber folgendes Schild, bzw. die Kombination von Schildern, die mich auf unserer Tour schon oft aufgeregt haben:

Was soll das?/What does that mean?(Please, push your bike)

Ist das ein Radweg und ich darf dort fahren, oder ist es kein Radweg und ich muss mein Fahrrad schieben? Aber ein Radweg, auf dem man sein Fahrrad schieben muss, gibt für mich keinen Sinn. Leider findet man so etwas immer wieder.

Das war jetzt in aller Kürze die Zusammenfassung der letzten drei Tage. Nach unserer einwöchigen Rügenrundfahrt geht es morgen und übermorgen auf dem Ostseeküsten-Weg weiter bis Usedom, von wo dann mit dem Oder-Neiße-Radweg der letzte Abschnitt unserer großen Deutschlandtour startet.

Hier sind zum Abschluss noch die Routen der letzten Tage:

Sassnitz – Wiek

Wiek – Schaprode

Hiddensee

Schaprode – Gingst

Gingst – Stralsund

Ein Inselruhetag/A Day of Rest on the Island

Short English Summary: Today we make another day of rest. Yesterday we cycled from Barth over Stralsund to Putbus on the Island of Rügen, which is the biggest German island. Here we stay a couple of days with friends and do some more trips around the island. Over two third of our tour through Germany is done, we will need only about two weeks to our final destination.

Nachdem wir den gestrigen Abend mit Manuela und ihren Eltern damit verbracht haben, Geschichten aus der untergegangenen DDR auszutauschen, wobei ich mangels Erfahrung eher Zuhörer war, melde ich mich jetzt zu ungewohnter Zeit am frühen Nachmittag mit meinem Tagesbericht. Bevor ich heute zum Schreiben kam, haben wir jedoch erst einmal Ruhetagsaktivitäten absolviert, wie Wäsche waschen, Fahrräder auf Vordermann bringen und einkaufen, und administrative Tätigkeiten erledigt, wie z.B. Rechnungen bezahlen, die auch im Urlaub eintreffen. Außerdem habe ich mir einen neuen Helm gekauft, nachdem bei meinem alten Rissspuren zu sehen waren. Jetzt sind wir wieder bereit, morgen zu unserer nächsten Tour über die Insel Rügen zu starten, auf der wir seit gestern sind.

Obwohl wir jetzt seit fast drei Wochen an Nord- oder Ostsee entlang fahren ist Rügen tatsächlich die erste Insel, die wir befahren, da wir die nordfriesischen Inseln links liegen gelassen haben und uns auch die eigentlich vom Ostseeküsten-Radweg vorgesehene Tour über Fehmarn gespart haben. Dafür werden wir hier gleich 6 Tage, inkl. zweier Ruhetage, bleiben, schließlich ist Rügen die größte deutsche Insel, deren Umfahrung 4 Tage braucht und außerdem Wohnort unserer Freunde Manuela und Jens ist, weswegen wir gleich zwei Ruhetage, nämlich heute und am Sonntag, eingeplant haben. Der Ruhetag am Sonntag war eigentlich so nicht vorgesehen, da aber die gestrige Etappe mit knapp unter 50km doch eher kurz gewesen wäre, und die ursprünglich für morgen eingeplante mit noch nicht einmal 40km sehr kurz gewesen wäre, haben wir beide kurzerhand zu einer Tour von fast 90km zusammengelegt, was gerade noch in unserem Tagespensum liegt, und uns damit noch einen weiteren Ruhetag am Sonntag verschafft, an dem wir dann auch Jens treffen können, der im Moment gerade nicht zuhause ist.

Bevor wir gestern nach Rügen kamen, sind wir aber erst einmal von Barth bis Stralsund gefahren, was zwar eine schöne Tour bei weiterhin angenehmem, nicht zu heißem Sommerwetter war, worüber es aber nicht viel zu berichten gibt, außer dass wir immer wieder schöne Ausblicke auf den Bodden oder die Ostsee hatten und gut vorankamen, da es so gut wie keine Steigungen gab und auch der Wind uns nicht unangenehm aufgefallen ist. Durch Stralsund sind wir einfach nur durchgefahren, da wir am Dienstag nach unserer Umfahrung von Rügen noch einmal durch Stralsund kommen werden und dann auch dort übernachten werden.

Blick auf Stralsund/View to Stralsund

Nach Passieren des Rügendamms waren wir dann auf der Insel und haben uns, wie oben schon erwähnt, entschieden noch bis Putbus weiter zu fahren. Auf der Insel hat sich die Landschaft mal wieder signifikant geändert: Während die letzten Tage fast komplett flach waren, wurde es auf Rügen wieder zunehmend hügeliger und auch erst einmal kein Wald mehr, sondern riesige Felder ohne Schatten, was dann doch etwas anstrengend war bei der heißen Augustsonne. Und auch der Straßenbelag oder besser die Oberfläche des Weges, denn von Straße konnte man nur selten reden, hat sich wieder start geändert bzw. wurde sehr vielfältig. Das Stück von Barth nach Stralsund war bis auf ein paar Stücke Kopfsteinpflaster in Barth und Stralsund doch weitgehend asphaltiert, während auf Rügen von gut ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis vollkommen unbefestigten Waldwegen und geschotterten Feldwegen alles vorhanden war. Aber am beängstigendsten waren die schmalen Landstraßen mit gutem Belag, die aber sehr stark von riesigen Traktoren mit großen Anhängern befahren wurden, vor denen man kaum ausweichen konnte. Und just gestern wurde hier in der Nähe von Sassnitz tatsächlich eine Radfahrerin von einem Traktor tot gefahren, was uns zeigte, dass unsere Angst nicht ganz unbegründet war. Dann lieber doch völlig kaputte Wege, auf denen man kaum vorankommt, als lebensgefährliche gut asphaltierte Straßen. Wir sind aber glücklicherweise gut in Putbus angekommen, von wo wir dann mit dem Zug nach Sassnitz gefahren sind und von wo wir dann morgen wieder mit dem Rad noch einmal nach Sassnitz fahren werden. Das hört sich etwas umständlich an, ermöglicht uns aber die Zeit hier in Sassnitz bei Freunden zu verbringen und nicht zuletzt die leidige Quartierssuche, die doch immer einen gutes Quäntchen Zeit beansprucht und meist nicht mit einem Schnäppchen endet, zu umgehen.

Brücke nach Rügen/Bridge to Rügen

Aber immerhin sind wir jetzt schon nach einem Monat in Rügen angekommen und haben immer, auch hier an der Ostsee in der Hochsaison, noch eine halbwegs bezahlbare Unterkunft gefunden, wovon wir nicht so überzeugt waren, als wir vor jetzt über einem Monat in Heidelberg gestartet sind. In diesem Monat haben wir jetzt insgesamt 2100km mit dem Rad zurückgelegt, waren an 28 Tagen auf dem Rad und sind dabei durch 8 Bundesländer gekommen, haben unzählige Welterbe und andere schöne Städte und Landschaften gesehen, sind durch Nationalparks gefahren und konnten ein sehr guten Einblick in die Vielfalt Deutschlands gewinnen (siehe auch unsere Komoot-Collection).

Unsere gemachten Touren in der Übersicht/Overview of our done trips

Und sind noch nicht am Ende. Gestern haben wir jedoch festgestellt, dass wir gar nicht mehr so viele Etappen vor uns haben, in gut zwei Wochen können wir an unserem Ziel in Ostritz sein, eine halbe Woche früher als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem daran, dass wir Hamburg, entgegen unseren ursprünglichen Planungen, übersprungen haben, damit Beate besser nach Heidelberg kam, und an manchen Tagen, wie gestern, doch mehr gefahren sind, als ursprünglich gedacht.

Aber vielleicht ergibt sich unterwegs auch noch die Chance für einen lohnenswerten Umweg, für den wir jetzt auch noch Zeit hätten. Eine Idee war, einen Abstecher nach Hiddensee zu machen, angesichts der damit verbundenen Kosten für Fähre und Unterkunft haben wir davon jedoch wieder Abstand genommen. Aber vielleicht findet sich auch noch etwas anderes.  Das ist der Vorteil, wenn man noch nicht alles bis ins Details im Voraus geplant hat, man hat immer mal wieder die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen.

Bevor ich meinen Zweitagesbericht beende noch eine kleine Ergänzung in der Rubrik lustige Ortsnamen: Gestern sind wir durch den kleinen Ort „Schabernack“ gefahren und das war tatsächlich kein Witz (siehe oben).

Das Ende von Schabernack/“See you“ in the village Schabernack (Schabernack means joke in German)

Zu allerletzt wie immer die gestrige Tour als Komoot-Track zum Nachradeln.