Wie schon angekündigt haben wir gestern noch als Ergänzung und Vervollständigung unserer Deutschlandtour einen Ausflug zur Neißequelle unternommen. Diesmal sind wir aber zuerst mit dem Zug gefahren, um dann bergab von der Quelle nach Ostritz zu fahren und uns die größten Anstiege zu ersparen. Ganz ohne Anstiege ging es aber trotzdem nicht, denn, obwohl wir fast 400 Höhenmeter nach unten mussten, führte die erste Hälfte der Tour durch Iser- und Jeschkengebirge auch immer mal wieder nach oben, so dass wir am Ende doch auch 770 m nach oben fahren mussten (und insgesamt 1160m nach unten). Damit haben wir einen neuen Rekord aufgestellt. Bei keiner unserer Touren unserer Reise mussten wir mehr Höhenmeter bewältigen, obwohl wir nicht einmal auf den Jeschken, der verlockend mit seinem beeindruckenden Fernsehturm bei Liberec auftauchte, gefahren sind. Das wären noch einmal 500m mehr gewesen, was allein mich nicht abgeschreckt hätte, eher angespornt, sondern die Tatsache, dass nur eine viel befahrene Straße hinaufführte.
Der Jeschken mit Fernsehturm
Insgesamt war diese Tour noch einmal wie eine Zusammenfassung unserer ganzen Reise. Wir hatten eigentlich noch einmal alles, was wir unterwegs immer wieder hatten. Seien es die Wege, die von ausgezeichnet ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis völlig abgewirtschafteten, löchrigen Straßen und unbefestigten Waldwegen reichten, außerdem viel befahrene Fernverkehrsstraßen und einsame Wege, seien es die Landschaften mit Mittelgebirge und lieblichen Flusstälern, Dörfern und schönen Städtchen. Auch das Wetter bot noch einmal alles auf: Sonne, Wolken, teilweise unangenehmen Gegenwind, sogar ein paar Tropfen Regen erfrischten uns.
Zittau
Und auch, am meisten überraschend, entdeckten wir nach all den Fähren, mit denen wir über Flüsse und Meeresarme gefahren sind, eine kleine Seilfähre, mit der wir über die Neiße übersetzen konnten und die man ähnlich wie die an der Fulda selbst mit der Hand bedienen musste. Im Unterschied zur Fuldafähre musste man aber nicht kurbeln, sondern sich am Seil ziehend auf die andere Seite bewegen. Und natürlich hatten wir auch ein paar Missverständnisse bzgl. des Weges, was uns zu ein paar kleinen Umwegen zwang.
Seilfähre über die Neiße
Und zu guter Letzt erlitten wir auch noch, wie am ersten Tag, eine kleine Panne an Beates Rad, dessen Ständer plötzlich seltsam und bedenklich herunterhing, anscheinend hatte sich nach all dem Geruppel und Gehoppel doch noch eine Schraube gelöst. Aber obwohl wir trotz Multifunktionswerkzeug den passenden Schlüssel nicht dabei hatten, ist es uns mit etwas Improvisation doch gelungen, den Ständer wieder so fest zu bekommen, dass wir weiter fahren konnten. Das einzige, was gestern gefehlt hat und was wir auf unserer Gesamttour reichlich gesehen haben, war das Meer. Aber das wäre mitten im Binnenland auch etwas zu viel verlangt gewesen.
Was wir jedoch gestern erlebt haben, zum Glück aber nicht während unserer Tour, war eine abenteuerliche Zugfahrt. Als wir in Ostritz abfuhren, war noch alles gut, aber schon während der Fahrt nach Zittau mussten wir in der Bahn-App lesen, dass der Zug nach Liberec Verspätung haben würde, was den Anschluss dort nach Lučany in Gefahr bringen würde. In Zittau angekommen, begann das bekannte Spiel: Erst 5min Verspätung (der Anschluss würde gerade noch so reichen), dann 10min (jetzt wird es mit dem Anschluss knapp), dann 15 min (ziemlich sicher klappt der Anschluss nicht mehr), schließlich 30min (OK, der nächste Zug fährt eine Stunde später, den werden wir dann sicher noch bekommen). Am Ende waren es dann 35min, das Abenteuer aber noch nicht zu Ende, denn auf der Hälfte der Strecke nach Liberec hieß es dann, dass der Zug gar nicht bis Liberec führe, sondern nur bis Chrastava, und man dort noch einmal umsteigen müsse. Aber das hat dann geklappt, so dass wir noch gut zu dem Zug nach Lučany (den eine Stunde später, als ursprünglich geplant) kamen und von Lučany zur Neißequelle, genauer zur Quelle der Wiesenthaler Neiße, radeln konnten.
Dreiländerpunkt Deutschland/Polen/Tschechien
Somit ist unsere Tour jetzt endgültig zu Ende, der Kreis hat sich gewissermaßen geschlossen, wir sind im Mittelgebirge gestartet und auch dort wieder angekommen, haben eine Quelle erreicht und mit Tschechien noch ein weiteres deutsches Nachbarland befahren.
Short English Summary: Today we did the last stage of our big tour through Germany. We arrived at Ostritz, the home town of Beate. Before we saw some „easternmost“ places of Germany: The easternmost small town (Rothenburg), the easternmost city (Görlitz, very beautiful), the easternmost point etc. Many things are called „easternmnost“ here. On one of the following days we will do an additional tour to the source of the river Neiße in the Cech republic, which will really conclude our journey.
Das ist wohl mein letzter Bericht auf dieser Tour, da wir gestern endlich an unserem Ziel angekommen sind, nämlich in Beates Heimatstadt Ostritz. Diese letzte Etappe war mit insgesamt etwas über 90km noch einmal eine von den längeren. Aber sie wurde uns im wahrsten Sinne versüßt von einem Kaffee-Aufenthalt in Görlitz bei Beates Bruder mit Monis leckerem Zupfkuchen. Und, entgegen unseren Befürchtungen von Samstag, hat der große Regen mit Gewitter gewartet bis wir sicher und trocken im Haus von Beates Mutter waren. Alles in allem war es also ein gelungener Abschluss unserer großen Deutschlandtour.
Östlichster Punkt Deutschlands/Easternmost Point of Germany
Vor allem auch deswegen, weil es an der Strecke auch noch so einiges zu sehen gab, besonders die „östlichsten Punkte“ haben sich gehäuft: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind wir gestern durch die östlichste Kleinstadt Deutschlands (Rothenburg/Oberlausitz), die östlichste Stadt (Görlitz) mit der östlichsten Brauerei (nicht Landskron, sondern die Obermühle in Görlitz), den östlichsten Punkt (zwischen Deschka und Zentendorf) und die östlichste Ortschaft (Zentendorf) gefahren, wobei fast alle diese Orte auch noch mehr zu bieten haben als diesen etwas zufälligen Superlativ. Auf alle Fälle merkt man, dass wir jetzt im äußersten Osten Deutschlands angekommen sind.
Die östlichste Kleinstadt Rothenburg/The Easternmost Small Town Rothenburg
Da, wie schon erwähnt, für gestern großer Regen und Gewitter angekündigt waren, die vor allem gegen Nachmittag immer stärker werden sollten, sind wir gestern für unsere Verhältnisse recht früh aufgestanden (außerdem gab es in der Pension sowieso nur von 8 bis 9 Uhr Frühstück), so dass wir schon gegen 9 Uhr losfahren konnten. Zu unserer Überraschung war das Wetter aber erst einmal schön, d.h. zumindest ohne Regen dafür schon recht warm und schwül, so dass es also losging wie auch an den Tagen zuvor. Der Weg war auch wieder ausgezeichnet, führte immer mal wieder durch schattige, kühle Waldabschnitte mehr oder weniger nahe an der Neiße entlang. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen gab es vielleicht mehr kurze aber knackige Steigungen, die wir aber auch gut bewältigen konnten. Als wir etwas von der Neiße wegfahren mussten, gab es eine kleine Unsicherheit über den Weg (ich war gerade etwas vorgefahren), die sich aber mit einem Anruf, GPS und Komoot lösen ließ.
Durch das Neißetal/Through the Valley of the River Neiße
Die erste nennenswerte Stadt nach Bad Muskau war dann das schon erwähnte Rothenburg, das neben dem Prädikat „östlichste Kleinstadt“ auch noch über einen schönen Marktplatz mit Rathaus und Kirche verfügt. Von dort sind wir dann an der „Geheimen Welt von Turisede“ (ehemals Kulturinsel Einsiedel), einem „Abenteuerfreizeitpark“, vorbeigekommen, der sich nahe dem östlichsten Ort Deutschlands Zentendorf befindet. In Zentendorf haben wir dann noch in Abweichung von unserem Plan einen Abstecher zum östlichsten Punkt Deutschlands gemacht, der durch einen Stein markiert ist und neben einem Rastplatz, den wir auch zur Mittagspause genutzt haben, über ein „Zipfelbuch“ verfügt. Der Weg dorthin war zwar nicht so für Rahrräder geeignet (er ging mehr oder weniger quer über eine Wiese), aber auch nicht schlechter als manche Abschnitte auf den offiziellen Radwegen, die wir während der letzten sieben Wochen fahren mussten.
Marktplatz von Rothenburg/Market Place of Rothenburg
Kurz nach dem östlichsten Punkt haben wir dann Stephan und Moni getroffen, die uns von Görlitz entgegen gekommen sind und mit denen wir dann bis nach Görlitz zum schon erwähnten Kaffeetrinken gefahren sind. Obwohl ich schon oft in Görlitz war, aber meist nur beim Umsteigen in Bahnhofsnähe oder zum schnellen Einkauf, musste ich gestern feststellen, dass Görlitz noch viel schöner ist als ich es in Erinnerung hatte. Auch wenn es schon zweimal bei der Bewerbung als UNESCO-Welterbe gescheitert ist, einmal in den 90’ern weil Dresden, das seinen Titel mittlerweile zurückgegeben hat, vorgezogen wurde, dann vor ein paar Jahren, weil die Bewerbung wohl nicht ausreichend die Einzigartigkeit Görlitz aufzeigen konnte, schließlich gibt es schöne historische Altstädte viele in Deutschland, von denen wir einige auf unsere Tour sehen konnten und die auch Welterbe sind, und im Rest der Welt. Nichtsdestotrotz ist es auch ohne Welterbe-Titel sehr sehenswert und allemal eine Reise wert.
Collage von Görlitz/Collage of Görlitz
Die letzten 20km von Görlitz nach Ostritz waren dann mal wieder ein Wettrennen mit dem Regen. Wir fuhren bei Stephan los, als die ersten dunklen Wolken am Himmel zu sehen waren, bekamen dann unterwegs schon die ersten Tropfen ab und, kaum waren wir in Ostritz, begann das Donnergrollen und der Regen wurde immer heftiger und hörte auch die ganze Nacht nicht mehr auf. Mal wieder Glück gehabt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass wohl ein Baum auf die Zugstrecke nach Ostritz gestürzt ist, zumindest fuhren keine Züge nach Ostritz mit einem entsprechenden Hinweis in der App.
Eisenbahnviadukt über die Neiße/Railroad Viaduct across the Neiße
Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass wir gestern natürlich auch an dem berühmten untergegangen Ort in einem untergegangenen Land mit dem mittlerweile schon längst verschrotteten Feuerwehrauto, ihr wisst schon, was ich meine, vorbeigekommen sind.
Unser Ziel/Our Destination
Damit sind wir sowohl am Ende als auch am Anfang von allem angekommen, vor allem natürlich am Ende unserer Deutschlandreise und am Ende dieses Blogs. Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß dabei, uns zu folgen und an unseren Erlebnissen teilzunehmen. Ich bedanke mich bei allen, die bis hierhin durchgehalten haben und mir immer mal wieder durch Kommentare hier oder auf anderen Kanälen gezeigt haben, dass es tatsächlich auf Leute gibt, die das hier lesen. Mir hat die Tour und darüber zu berichten jedenfalls viel Freude gemacht und es wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Wenn man unterwegs ist, hat man so viele Ideen für Neues…
P.S.: Vielleicht schreibe ich doch noch etwas von unserem Ausflug zur Neiße-Quelle, den wir in den nächsten Tagen planen. Schaut also ruhig noch einmal vorbei.
Short English Summary: Today we did our second to last stage on our big trip through Germany. It went from Guben (Lower Lusatia) to Bad Muskau (Upper Lusatia), where we visited the UNESCO world heritage park „Fürst Pückler“. Furthermore, Upper Lusatia is the home of Beate, therefore the header which is part of the refrain of the Upper Lusatia anthem. The river Neiße flows quite naturally through the landscape which makes cycling pleasant because of its various views.
Endlich sind wir fast zum Abschluss unserer großen Tour durch Deutschland nach 7 Wochen und 3000km auf dem Rad in der Oberlausitz, Beates „Geliebtem Heimatland“ angekommen. Heute haben wir mit dem Überfahren der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen kurz vor Bad Muskau außerdem das letzte Bundesland unserer Reise erreicht. Damit kommt unser großes Abenteuer mit großen Schritten seinem Ende entgegen, nach so vielen Stunden im Sattel, so vielen schönen und auch einigen weniger schönen Tagen, Städten, Dörfern, Landschaften kommt jetzt doch etwas Wehmut auf, dass es schon wieder fast vorbei ist, obwohl ich mich in den letzten Tagen auf darauf gefreut habe, nicht jeden Tag Rad fahren zu müssen, sondern auch einfach mal nichts tun kann.
Landschaft an der Neiße/Scenic View of the Neiße
Heute jedoch war noch einmal ein richtig schöner Tag zum Radfahren, zwar noch immer um die 30°C, aber aufgrund wechselnder Bewölkung und auch abwechslungsreicher Landschaft, die auch immer mal wieder Schatten bot, und nur leichtem Wind war das Fahren sehr angenehm. Darüber hinaus war auch der Weg so gut, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu fahren. Kurz nach Guben wollte ich nämlich mal wieder etwas schneller fahren, weil der Radweg gerade so schlön glatt war und die weitere Strecke auch ziemlich klar. Ich dachte, wenn der Weg wieder schlechter wird oder eine unklare Abzweigung, kann ich dann auf Beate warten. Aber der Weg wurde nicht schlechter, die Ausschilderung war klar und so bin ich immer weiter gefahren, bis ich dann in Forst (Lausitz) doch einmal angehalten habe, um nicht gleich die ganze Strecke bis Bad Muskau durchzufahren. Da war ich dann aber schon ungefähr 40km gefahren.
Unterbrochene Brücke in Forst/Broken Bridge in Forst
Forst ist für mich übrigens die Stadt der abgebrochenen Brücken, denn dort gibt es immer noch mehrere Brücken, die wohl im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört wurden, danach aber nie wieder aufgebaut noch komplett abgerissen wurden. Außerdem gibt es aber dort noch den „Ostdeutschen Rosengarten“, einen Park mit vielen verschiedenen Rosensorten, den wir aber nicht besucht haben, sondern an dem wir nur vorbei gefahren sind.
Neues Schloss im Fürst-Pückler-Park/New Castle in the Park „Fürst Pückler“
Besucht haben wir aber heute Abend noch den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, der wirklich einen (oder sogar mehrere) Besuch wert ist. Vor allem bei dem schönen Wetter heute ist es eine wahre Pracht die ganzen Blumen, Bäume und modellierten Landschaften mit Wasserläufen, Seen und Hügeln zu sehen. Wir sind nur reichlich eine Stunde durch den Park gewandelt, hätten aber sicherlich noch viel länger dort bleiben können, wenn nicht unser Hunger und unsere Müdigkeit ihren Tribut verlangt hätten und wir uns dann nicht lieber etwas zum Abendessen gesucht hätten.
Blumen und Bäume im Fürst-Pückler-Park/Flowers and Trees in the Park „Fürst Pückler“
Interessant ist auch, dass die Neiße, die ja, wie gestern schon geschrieben, ein eher kleiner Fluss ist, mitten durch den Park geht, so dass er in einen polnischen und einen deutschen Teil geteilt ist, aber seit jetzt ungefähr zwanzig Jahren durch wieder aufgebaute Brücken im Park wieder als ein Park zu genießen ist. Auch daran sieht man, wie beliebig die Grenzziehung mit der Neiße als Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg war, Städte wurden zweigeteilt, Beziehungen zwischen Dörfern und Handelsrouten unterbrochen und auch Parks und Wälder geteilt. Aber wenn man die Vorgeschichte betrachtet, kann man nur sagen, selber schuld, schließlich hat das Deutsche Reich noch viel schlimmere Verbrechen begangen als nur willkürliche Grenzen gezogen.
Brücke über die Neiße im Fürst-Pückler-Park/Bridge over the River Neiße in Park „Fürst Pückler“
Aber abgesehen von der Geschichte ist die Neiße ein schönes Flüsschen und es macht Spaß an ihr entlang zu fahren. Da sie so klein ist und nicht als Wasserstraße begradigt wurde, schlängelt sie sich weitgehend natürlich durch die Landschaft, durchfließt Wiesen und Wälder, vorbei an einzelnen kleinen Städten und Dörfern, so dass das Fahren doch sehr abwechslungsreich ist.
Wald an der Neiße/Forrest at the Neiße
Morgen steht uns dann unsere allerletzte Etappe bis Ostritz bevor, die aus zweierlei Hinsicht herausfordernd zu werden droht. Zum einen ist sie mit fast 90km eine von unseren längsten, da wir nicht in Görlitz 20km vor Ostritz nicht noch einmal übernachten wollten, und zum Anderen ist nach einer Woche schönen Wetter und Hitze schlechtes Wetter mit Abkühlung, was ja noch angenehm wäre, aber auch viel Regen und Gewitter angekündigt. Mal sehen, wie wir das überstehen werden, aber vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Jedenfalls haben wir uns zum Kaffee bei Beates Bruder in Görlitz angemeldet, so weit sollten wir also mindestens kommen.
Wer sich übrigens über die Überschrift gewundert hat, sie ist ein Zitat aus dem Refrain des Oberlausitz-Lieds. Und hier gibt es auch noch den Link zu unserer heutigen Tour.
Short English Summary: Today we left the river Oder behind us and continued our cycling tour at the river Neiße, which is the second river which forms the border between Germany and Poland since the Second World War. Although it is small river, it was determined by Soviet leader Stalin as border, what divided some German cities which laid at both sides of the river like Guben, where we stay this night. We did a small detour today to see the abbey Neuzelle, which was built in the baroque times and has a beautiful church and a garden in baroque style.
Jetzt sind wir endlich an der (Lausitzer) Neiße angekommen, womit wir am letzten Fluss angekommen sind und damit endgültig der Schlussspurt unserer Deutschlandtour begonnen hat. Jetzt sind es nur noch 160km bis Ostritz und die Versuchung ist jeden Tag groß, sich einfach in den Zug zu setzen und die verbleibenden Kilometer bequem in wenigen Stunden im Zug zurückzulegen statt sich noch einmal in den Sattel zu setzen und weiterzuradeln. Aber heute haben wir der Versuchung widerstanden und sind von Frankfurt in den Gubener Vorort Großbreesen gefahren, was auch durch das Wetter erleichtert wurde, da es zwar immer noch sehr heiß (um die 30°C) war, aber nicht mehr ganz so heiß und vor allem nicht mehr so schwül wie gestern. Weiterhin war es immer mal wieder etwas bewölkt, so dass auch die Sonne nicht so brannte. Wenn sie aber rauskam und wir gerade durch schattenloses Gebiet fuhren, war es wieder sehr anstrengenden, besonders wenn auch noch Gegenwind dazukam.
Die Neiße kurz vor der Mündung in die Oder/The River Neiße short before the confluence into the Oder
Nichtsdestotrotz haben wir unsere heutige Etappe so gut geschafft, dass wir sogar noch einen kleinen Abstecher von unserem Weg zum Kloster Neuzelle machen konnten, was Beates besonderer Wunsch war, da sie davon schon viel gehört hat, aber trotz vieler Wallfahrten, die von Ostritz dorthin stattgefunden haben, noch die dort war. Und ich muss sagen, der Abstecher hat sich gelohnt. Die Klosterkirche ist reichlich mit barocker Pracht ausgestattet und auch der Klostergarten ist ein typischer Barockpark mit strenger Symmetrie, dessen Struktur noch weitgehend erhalten ist. Alles ist außerdem sehr schön restauriert. Damit bestätigt sich, was ich gestern schon gesagt habe, dass man, um etwas interessantes zu sehen und etwas Abwechslung zu haben, vom Oder-Radweg sich von der Oder entfernen muss.
Kloster Neuzelle/Abbey NeuzelleImpressionen von Neuzelle/Impressions of Neuzelle
Heute haben wir uns dann endgültig von der Oder verabschiedet, da sie bei Ratzdorf nach Osten und damit nach Polen abbiegt und die Neiße, die dort in die Oder mündet, die Rolle des Grenzflusses und unseres Leitflusses übernimmt. Neben der Oder nimmt sich die Neiße, selbst bei ihrer Mündung, doch recht klein und unscheinbar aus, so dass man den Zusammenfluss kaum zwischen dem ganzen grünen Bewuchs erkennen konnte. Trotzdem wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg als Grenzfluss bestimmt und trennt seitdem Polen von Deutschland.
Mündung der Neiße in die Oder/Confluence of the River Neiße into the River Oder
Getrennt von seinem historischen Stadtzentrum ist seitdem auch Guben, das es mit Gubin in Polen und Guben in Deutschland jetzt gleich zweimal gibt. Nach dem Krieg wurde im deutschen Restteil ein neues Stadtzentrum aufgebaut, d urch das wir morgen fahren werden. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Vorstellung, was uns dort erwartet. Aber wir werden sehen. Wir haben übrigens eine etwas indirekte persönliche Beziehung zu Guben: In der DDR hieß die Stadt nämlich offiziell „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, zum Andenken an den ersten und einzigen Präsidenten der DDR, der dort geboren wurde, wie auch die Straße in Berlin, in der Beate wohnte, als ich sie vor über 30 Jahren kennenlernte, damals Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße) hieß.
An einem anderen städtebaulichen Produkt des Sozialismus sind wir heute nur am Rande vorbei gefahren, nämlich Eisenhüttenstadt, das unter dem Namen Stalinstadt in den 1950er Jahren als Planstadt gegründet wurde, um dem Eisenhüttenkombinat Ost als Wohnstadt zu dienen. Da sind wir aber nur durch den Stadtteil Fürstenberg gefahren, eine alte, historische Stadt aus dem 13. Jh., die mit Stalinstadt in den 1960er Jahren zu Eisenhüttenstadt fusioniert wurde (siehe auch Wikipedia).
Unser morgiger Zielort Bad Muskau verdankt seine Bekanntheit einer noch länger vergangenen Zeit, nämlich dem Fürst-Pückler-Park, der gleichzeitig das nächste und letzte UNESCO-Welterbe in einer langen Liste von Welterbestätten, die wir auf unserer Reise gesehen haben, sein wird. Aber davor müssen wir erst noch ungefähr 70km bei immer noch starker Hitze um die 30°C radeln. Wenn es aber so wie heute sein wird, ist es erträglich.
Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Kuriosität erwähnen, die die Weggeführung manchmal mit sich bringt, die mich kurzfristig aber etwas irritiert hat. Eigentlich fahren wir ja seit Rieth mehr oder weniger nach Süden, manchmal auch ein bisschen nach Osten. Als wir aber heute, nachdem wir Frankfurt verlassen hatten, plötzlich direkt nach Norden fuhren, war ich schon etwas verwirrt und dachte kurzzeitig, wir hätten uns verfahren. Da aber sowohl die Beschilderung als auch meine Navigation den Weg als den richtigen anzeigten, dachte ich, dass es damit wohl seine Richtigkeit haben wird. Und tatsächlich, nach ein paar Kilometern machte der Weg eine scharfe Kurve nach Südosten und wir waren wieder an der Oder. Die „falsche Richtung“ war nötig, um dem Brieskower See zu umfahren.
Brieskower See/Brieskow Lake
Und noch eine Besonderheit unserer heutigen Tour fällt mir gerade ein. Kurz hinter Frankfurt gab es ein Stück Weg, vor dem im Reiseführer als besonders gefährlich gewarnt wurde, da es zum einen auf einer steilen und kurvigen Straße entlang führte, die außerdem auch noch stark befahren sei. Aber in der Realität hat sich das als gar nicht zu schlimm herausgestellt, da wir sowohl schon steilere Weg hochgefahren sind als auch schlimmeren Verkehr, vor allem auf Rügen, erlebt haben.
Damit schließe ich für heute mit dem Track unserer heutigen Tour.
Short English Summary: Today we cycled from Lubmin to Swinemünde (Świnoujście) on the island of Usedom which is divided between Germany and Poland. Unfortunately, we had a lof of rain and had to struggle with some badly indicated deviations, but arrived at the end luckily in Swinemünde, from where we will start the last part of our tour, the Oder-Neiße-Trail along the German-Polish border.
Nun sind wir nach reichlich zwei Wochen am Ende des (deutschen Teils des) Ostseeküsten-Radwegs angekommen (der komplette Weg führt übrigens über 8000km rund um die ganze Ostsee über Russland, Litauen, Letland, Estland, Finland und Schweden) und haben zum zweiten Mal auf unserer Tour eine deutsche Grenze zu einem Nachbarland, nämlich Polen, überschritten. An dieser Grenze, auch bekannt unter dem Namen Oder-Neiße-Grenze, werden wir jetzt die nächsten acht Tage mehr oder weniger direkt entlangfahren. Dabei weiß ich gar nicht, ob wir sie auch noch einmal überschreiten werden oder ob wir ab morgen dann immer in Deutschland bleiben werden. Das werden wir dann von Tag zu Tag sehen. Aber da es an Oder und Neiße mehrere Städte gibt, die einen deutschen und einen polnischen Teil haben, kann ich mir schon vorstellen, dass wir zumindest gelegentlich auch die Fluss-Seiten wechseln werden. Heute jedenfalls übernachten wir in Swinemünde, kurz hinter der deutsch-polnischen Grenze auf Usedom, da auf der deutschen Seite in Ahlbeck und Heringsdorf die noch verfügbaren Unterkünfte viel zu teuer für uns waren.
Grenze zwischen Polen und Deutschland auf Usedom/Border between Poland and Germany on Usedom
Jetzt sitzen wir also in unserer Pension in Swinemünde, haben gerade gut zu Abend gegessen und sind zum Glück wieder trocken. Während nämlich ganz Deutschland unter einer Hitzewelle zu leiden scheint, gibt es hier frischen Wind, kühlendenden Regen und angenehme Temperaturen um die 20°C. Da lässt es sich doch viel angenehmer radeln als bei Hitze und prasselndem Sonnenschein. Wobei, um ehrlich zu sein, so richtig angenehm war es heute natürlich doch nicht. Ein bisschen weniger Wind, der teilweise schon fast stürmig war und leider nicht immer von hinten kam, und vor allem weniger Regen hätten den Tag noch viel angenehmer machen können. Während wir den ersten Regenguss noch halbwegs gut in einem trockenen Supermarkt überstanden, wurden wir später, als es richtig loslegte und so schnell nicht mehr aufhörte, doch mal wieder so richtig nass. Zu allem Überfluss mussten wir an der Pension auch noch draußen im Regen warten, bis uns endlich jemand öffnete. Gerade als wir dachten, endlich ins Trockene zu kommen, war dies besonders frustrierend, kalt und nass im Regen warten zu müssen. Aber zum Glück kam dann doch relativ schnell jemand und wir konnten unsere nassen Klamotten ausziehen und abtropfen lassen. Hoffentlich sind sie bis morgen wieder trocken.
Gestern Abend waren wir noch in der Ostsee baden und haben noch den schönen Sonnenuntergang in Lubmin bewundert und heute sind wir durch Regen gefahren. So unterschiedlich können die Tage sein. Aber auch die Orte am Weg sind sehr unterschiedlich, auch wenn sie sich alle Ostseebad nennen. Lubmin, wo wir gestern waren, hat mir zum Beispiel viel besser gefallen als viele andere, obwohl es nicht so bekannt ist und auch nicht so tolle Bäderarchitektur besitzt, wie die Bäder hier auf Usedom, die schon beeindruckend sind, mit den vielen an kleine Paläste erinnernden Gebäuden. Aber vielleicht deswegen ist es nicht so überlaufen und hektisch wie die anderen Bäder, was es für mich zu meinem Geheimfavoriten macht, obwohl ich wahrscheinlich trotzdem keine Lust hätte, dort einen längeren Urlaub zu verbringen.
Sonnenuntergang vor Lubmin/Sunset in Lubmin
Heute konnten wir zu unserer Rubrik „wirre Umleitungen“ wieder ein Beispiel hinzufügen. In Wolgast war der Radweg auf der einen Seite der Peenebrücke gesperrt, weswegen der Radverkehr auf der anderen Seite entlang geleitet wurde. Leider war das erste Umleitungsschild so unklar, dass wir erst einmal falsch fuhren, dann aber die richtige Umleitung fanden, die aber plötzlich vor einer Treppe auf die Brücke endete. Wir mussten also unsere Räder allen Ernstes mit Gepäck die Treppe hochtragen. Ich frage mich, wie das andere Leute machen sollen, die vielleicht noch mit schweren E-Bikes unterwegs sind und nicht mehr so viel Kraft haben, ein Rad eine Treppe hochzutragen. Da hätte sich bestimmt auch eine bessere Lösung finden lassen. Wir trugen also unsere Räder die Treppe hoch, fuhren über die Brücke und waren dann auf Usedom.
Peenestrom in Wolgast
Dort angekommen fühlten wir uns ein bisschen wie in einem Katastrophenfilm: Ein heftiger Wind wehte uns entgegen, der allerhand Staub aufwirbelte, und eine schier endlose Schlange von Autos kam uns entgegen, die die Insel verlassen wollten. Es machte den Eindruck, ein Riesensturm kommt auf und alle versuchen noch im letzten Moment der Katastrophe zu entkommen. In Wirklichkeit war es aber wohl nur der übliche Rückreiseverkehr am Wochenende und hatte nichts mit dem Wetter zu tun. Und wir freuten uns, dass wir nicht in dem Stau stehen mussten, sondern einfach daran vorbeifahren konnten. Leider haben wir vor lauter Freude übersehen, dass wir gar nicht an der Straße entlang fahren mussten, sondern schon gleich am Anfang hätten abbiegen müssen. Deshalb mussten wir dann wieder einen Kilometer zurückfahren, um zu dem schönen Weg durch die Küstenwälder von Usedom zurückzukommen. Dieser Weg war sehr abwechslungsreich und bot auch ein paar kleine sportliche Herausforderungen, ständig ging es auf und ab, und an zwei Stellen gab es sogar 16% Steigung, aber immer nur ganz kurz, so dass man mit etwas Schwung gut hochkommen konnte.
Stau vor Wolgast/Traffic Jam in front of Wolgast
Unsere Mittagspause haben wir übrigens in Kölpinsee verbracht, wo meine Tante vor einigen Jahren einen Urlaub verbracht hat, was sie uns heute Morgen noch erzählt hat. Deshalb, liebe Margot, hier noch ein spezielles Bild für dich vom Kölpinsee:
Der Kölpinsee auf Usedom/Kölpinsee on the island of Usedom
Überhaupt gab es heute wieder Gelegenheit an verschiedene Urlaube der Vergangenheit zu denken, wie zum Beispiel Beates traumatische Kinderkur in Zinnowitz oder unser weniger traumatische Urlaub im gleichen Ort mit Nadjeschda (damals hatten wir noch nur ein Kind) und der Familie von Beates Bruder. Beates Schwester war zur gleichen Zeit dort mit ihrem Sohn Jakob zu einer Kur. Von diesem Urlaub gibt es zwei ikonische Erinnerungen in unserer Familie: Einmal, dass Jakob ständig brechen musste, weil er nie rechtzeitig aufhören konnte zu essen, und zum anderen eine Paddeltour auf dem Achterwasser, von dem es ein Bild mit Klara und Nadjeschda in voller Montur im Paddelboot gibt. Und noch ein weiterer Urlaub kam uns in Erinnerung: Vor einigen Jahren haben Beate und Sanja Urlaub auf Usedom gemacht und Sanja war dabei Reiten.
Morgen beginnt dann der fünfte und letzte Abschnitt unserer Deutschlandtour mit der ersten Etappe auf dem Oder-Neiße-Radweg bis Anklam, wo wir mal wieder einen Ruhetag einlegen werden. Aber bis dahin stehen uns noch 70km bei hoffentlich besserem Wetter als heute bevor.
Hier ist noch unsere heutige Tour wieder wegen eines technischen Problems in zwei Teile aufgeteilt:
Short English Summary: Today was a peaceful day at the Baltic coast, on which we cycled from Wismar to Warnemünde, one the many spas here. The weather was splendid and we enjoyed the whole day and the wonderful sceneries.
Hafen von Warnemünde/Port of Warnemünde
Wahrscheinlich wird es heute ein eher kurzer Artikel werden, da heute eigentlich nicht viel Berichtenswertes passiert ist, was nicht heißt, dass es heute langweilig war, aber es war einfach ein ruhiger, entspannter Tag. Es gab immer wieder schöne Ausblicke. z.B. auf die Insel Poel, auf das Salzhaff und natürlich auf die Ostsee, die Steigungen hielten sich in Grenzen, Wind gab es auch kaum und selbst die Sonne, die den ganzen Tag ununterbrochen schien, sorgte nicht für zu große Hitze. Wir fuhren gemütlich und entspannt unseren Weg und waren am frühen Nachmittag schon in Warnemünde, was aber, wie auch die anderen Ostseebäder, die wir heute passierten, wie Kühlungsborn und Heiligendamm, alles andere als ruhig war, sondern voller Menschen, die um die Wette Fischbrötchen und Ostsee–Souvenirs kauften.
Unser Hotel in Wismar/Our Hotel in Wismar, called „Kittchen“ (prison)
Nachdem wir uns aus unserem Kittchen haben entlassen lassen, fuhren wir noch ein Stück durch Wismar, dann halb um die Insel Poel auf dem Festland herum, bevor wir dann durch Rerik kamen, wo wir, wie gestern schon erwähnt, vor vielen Jahren schon einmal Urlaub gemacht hatten. Ich hatte den Eindruck sogar ein paar Dinge dort wieder zu erkennen.
Noch ein Blick auf Poel/Another View to Poel
Da ich vor einiger Zeit über die Qualität des Radwegs und vor allem über die Beschilderung von Umleitungen geschimpft habe, muss ich heute ganz im Gegenteil ein Lob aussprechen. Seit wir in Mecklenburg fahren, war der Ostseeküsten–Radweg fast immer in sehr gutem Zustand, meist asphaltiert oder mit festem Kies und nur hin und wieder, vor allem in Wismar, Kopfsteinpflaster. Und außerdem war die Umleitung, die wir heute wegen eines Hangrutsches an der Küste machen mussten, vorbildlich ausgeschildert. Übrigens war die Baustelle, die mich auf dem Weg nach Eckernförde am Freitag so aufgeregt hat, sogar schon in unserem bikeline-Radführer mit Umgehung beschrieben, wie auch die heutige Umfahrung, so dass nichts schiefgehen konnte.
Genießen der Aussicht/Enjoying the View
Wir kamen heute so gut und zügig voran, dass wir neben unserer obligatorischen Mittagspause noch eine kleine Zwischenpause an einem idyllischen Plätzchen mit grandiosem Blick auf die Ostsee bis Fehmarn kurz vor Warnemünde machen konnten und einfach den schönen Tag genossen haben, bevor wir uns wieder in den Trubel gestürzt haben.
Morgen wird es wahrscheinlich so weitergehen wie heute, wettermäßig sicherlich, und auch landschaftlich vermute ich. Wir werden durch Graal-Müritz fahren, wo ich mit Edina und Sanja vor mittlerweile 16 Jahren zur Kur war und dann über Darß und Zingst nach Barth fahren, wo wir übernachten werden.
Zum Schluss mal wieder der Komoot-Track von heute.
Short English Summary: Since I didn’t have time yesterday to write something because we spent a lot of time on planing the next days, I summarize two days today. Yesterday we went from Kiel to Gremersdorf, a small village on the highway to the island of Fehmarn, and today from Gremersdorf to Neustadt in Holstein. We had two days of good weather with sunshine and no rain. Today, Beate and me cycled partly different ways because the planned way was to long for Beate so that she did a shortcut. I cycled about 20km more and had a challange to catch her up which I failed, but then realized that I passed her nevertheless. The night we stay at Neustadt, a beautiful small town near the Baltic Sea.
Während Beate ihren obligatorischen Sonntagabend-Tatort schaut, versuche ich noch ein paar Gedanken und Erlebnisse über die letzten beiden Tage aufzuschreiben. Den gestrigen Abend nutzten wir mal wieder zu weiteren Planung unserer Reise, die jetzt bis nächsten Montag weitgehend steht. Leider stellte sich das wieder als nicht so einfach dar, zum einen, weil nur noch wenige bezahlbare Quartiere dort frei sind, wo wir sie gerne hätten, zum anderen, weil dann auch noch solche Zusatz-Erschwernisse wie am nächsten Wochenende nicht fahrende Fähren auf Rügen hinzukommen. Letzteres mag für Autofahrende ärgerlich sein, wenn man 50km Umweg machen muss, für uns als Radfahrende ist das aber ein k.o.-Kriterium, weil dann plötzlich die mit 80km geplante Tour 130km lang wird. Deshalb mussten wir die Abfolge unserer Rügen-Etappen umdrehen. Wir fahren jetzt nicht im Uhrzeigersinn um Rügen, sondern im Gegenuhrzeigersinn und hoffen, dass dann die Reparatur an der Fähre, wie angekündigt, am Montag Nachmittag fertig ist und wir sie am Dienstag Morgen nützen können.
Diese ganze Planerei und Umplanerei hat uns dann den ganzen gestrigen Abend gekostet, obwohl wir in Ermangelung von Alternativen in Gremersdorf sowieso nichts anderes machen konnten. Das Hotel in Gremersdorf war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer mal wieder auf unserer Reise erleben, diesmal aber eher eine negative, nach den vielen positiven. Eigentlich hatten wir uns ein kleines gemütliches Dorfhotel vorgestellt, fanden dann aber ein unpersönliches Autobahnhotel mit überfordertem und überlastetem Personal vor, in dessen Restaurant (das einzige im Dorf) ist bis auf Vorspeisen nichts vegetarisches zu essen gab. Außer dem Hotel, einer Tankstelle und einem Autohaus gab es in diesem Dorf nichts weiteres, so dass wir nach dem schnellen Abendessen genügend Zeit für unsere Planung hatten. Aber wie schon erwähnt, hat das dann so lange gedauert, dass ich zu müde war, um noch etwas zu bloggen.
Neustadt in Holstein
Heute dagegen sind wir in Neustadt in Holstein, ein süßes, kleines Städtchen, das im Gegensatz zur Nachbarstadt Grömitz, in der wir ursprünglich übernachten wollten, nicht so überlaufen ist und in dem wir ein Brauhaus gefunden haben, in dem wir gut Abend essen konnten. Und trotz unseres Stadtbummels habe ich jetzt noch ein bisschen Zeit, euch zu erzählen, was wir so erlebt haben.
Hafen von Neustadt/Harbor of Neustadt
Aber generell ist die Ostseeküste eine eher ambivalente Sache, auf der einen Seite landschaftlich sehr reizvoll, abwechslungsreich, mit Sandstränden am Meer, sanften Hügeln im Binnenlanden, schönen Städten, aber auf der anderen Seite hoffnungslos überlaufene Ostseebäder mit riesigen Hotel- und Ferienwohnungskomplexen und Trubel ohne Ende. In Heiligenhafen konnte man z.B. sehen, dass Plattenbauviertel wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal von osteuropäischen Städten sind, wenn sie auch im Osten eher noch größer sind.
Blick auf Heiligenhafen/View to Heiligenhafen
Grömitz scheint auch eher in die Rubrik überlaufenes Ostseebad zu fallen, während Neustadt, wie schon gesagt, eher übersichtlich und ruhig ist, aber deswegen haben wir hier auch noch ein halbwegs bezahlbares Hotel gefunden, was in Grömitz nicht möglich war. Der Nachteil dabei war nur, dass wir deswegen 20km mehr als ursprünglich geplant fahren mussten, was sich dann am Ende mit einigen zusätzlichen Kilometer aufgrund von Verfahren zu 100km summierte. Glücklicherweise gab es für Beate aber eine Abkürzung, da der Hinweg zur Fehmarnsuntbrücke nur 200m vom Rückweg entfernt verlief, so dass Beate die Abkürzung nehmen konnte, während ich noch bis zur Fehmarnsuntbrücke gefahren bin, was ungefähr 20km mehr waren. Für mich hatte das auch den Vorteil, dass ich heute mal mein eigenes Tempo fahren konnte, ohne auf Beate warten zu müssen. Da ich so schneller als sie war, rechnete ich damit, sie ungefähr nach 2 1/2h wieder einzuholen. Als ich nach dieser Zeit Beate noch nicht eingeholt hatte, rief ich sie an, um herauszufinden, wo sie wäre, und musste dabei feststellen, dass ich sie schon überholt hatte, ohne sie eingeholt zu haben. Wahrscheinlich sind wir geringfügig unterschiedliche Wege gefahren, so dass wir uns nicht gesehen haben. So habe ich dann noch ein paar Minuten gewartet, bis Beate wieder bei mir war.
Fehmarnsunt mit Brücke/Fehmarnsunt and Bridge
Während ich am Freitag so frustriert ob des schlechten Wetters war, haben die letzten beiden Tagen mich wieder versöhnt: Kein Tropfen Regen (zumindest am Tag, letzte Nacht hat es ziemlich viel geregnet), Sonnenschein und zumindest gestern Wind aus der richtigen Richtung. Heute dagegen war der Wind teilweise ziemlich heftig, vor allem ein langes Stück auf dem Deich, auf dem wir voll im Wind waren, mussten wir ganz schön gegen den Wind ankämpfen.
So, jetzt ist der Tatort gleich fertig und auch ich mit meinem heutigen Artikel. Morgen werden wir nach Wismar fahren, wo wir in einem ehemaligen Gefängnis übernachten werden. Ich bin gespannt, wie das sein wird. Zum Abschluss noch wie immer unsere heutige Tour bzw. meine Tour, Beates ist ohne den Schlenker zum Fehmarnsunt: Gremersdorf-Neustadt, und auch noch die von gestern: Kiel-Gremersdorf.
Short English Summary: Today we hit the first German border after three weeks of cycling, a part of our tour went through the south of Denmark. This was the most northern part, from now on we will slowly head to the south again. We finally left the North Sea and reached with Flensburg the first city on the Baltic Sea. Flensburg is a beautiful city with a nice old town and a historic harbor, which is also the center of the Danish minority in Germany.
Nach drei Wochen und einem Tag Fahrt haben wir endlich erstmalig eine deutsche Staatsgrenze überschritten, nämlich die zwischen Deutschland und Dänemark. Damit haben wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und bewegen uns ab heute langsam wieder gen Süden, wobei wir heute schon im äußersten Süden waren, nämlich dem von Dänemark (Süderjütland). Dabei fällt mir ein Missverständnis ein, dass ich vor vielen Jahren während meines Erasmusjahrs in Florenz hatte. Damals las ich ein (italienisches) Buch über die Kunstgeschichte Italiens, in dem immer wieder vom Einfluss der nordici die Rede war, was ich für mich mit Nordländer wie Dänemark oder Schweden übersetzte und mich darüber wunderte, wie diese Länder so großen Einfluss auf Italien ausüben konnten, bis mir irgendwann klar wurde, dass aus italienischer Perspektive die Nordländer Deutschland und Frankreich sind, womit alles viel mehr Sinn ergab. So waren wir heute also gleichzeitig im äußersten Norden Deutschlands und im äußersten Süden Dänemarks an einem Tag, wobei man sich in Flensburg, unserem heutigen Zielort, auch teilweise noch wie in Dänemark fühlen kann, so viel hört und liest man Dänisch.
Deutsch-Dänische Grenze/Border between Germany and Denmark
Aber mit den Sprachen in Schleswig-Holstein ist es sowieso eine spannende Sache; obwohl es hier nur ungefähr 3 Millionen Einwohner gibt, gibt es gleich vier offizielle Sprachen: Hochdeutsch, Niederdeutsch (auch Platt genannt), (Nord-)Friesisch und Dänisch. Außerdem ist auch noch Romanes als Minderheitensprache anerkannt. In Meldorf z.B. waren die Straßennamen auch in Niederdeutsch angeschrieben, in Nordfriesland teilweise in Friesisch, so nannte das Ortseingangsschild von Niebüll auch Naibel als friesischen Namen. Weiterhin gibt es noch Südjütisch (Plattdänisch), Petuh und Missingsch (siehe auch Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein).
Haus der dänischen Minderheit in Schleswig/House of the Danish Minority in Germany
So sind wir heute also vom Niebüll im Nordfriesischen Sprachraum nach Flensburg im Dänischen Sprachraum gefahren, außerdem von einem Meer, der Nordsee, zu einem anderen Meer, der Ostsee, und, bis auf einen kleinen Abstecher nach Dänemark immer im gleichen Bundesland geblieben. In Frankreich gibt es einen Wanderweg, der auch von einem Meer, nämlich dem Mittelmeer, an ein anderes Meer, den Atlantik, führt, wozu man ungefähr 60 Etappen braucht, während wir heute von Meer zu Meer kaum mehr als 60km gefahren sind. Also Schleswig-Holstein bietet Abwechslung auf engstem Raum.
Strand in Wassersleben/Beach in Wassersleben
Abwechslungsreich war auch die Landschaft und das Wetter und unsere Unterkunft. Heute morgen fuhren wir bei leichtem Nieselregen unweit der Westküste in flachem Land von unserer kleinen Bett&Bike-Pension mit persönlicher Betreuung los, fuhren dann quer durchs Binnenland, wo die Landschaft zunehmend hügeliger und waldreicher wurde und die Sonne immer mehr zum Vorschein kam, und kamen dann am Nachmittag im überraschend hügeligen Flensburg bei strahlendem Sonnenschein an, wo wie Quartier in einem großen Gästehaus bezogen, in dem man den Schlüssel nach der Internetbuchung und -bezahlung absolut anynom über einen per e-Mail verschickten Code aus einem Schlüsselsafe holen konnte, wobei ich nicht sagen will, dass das Gästehaus schlecht ist, die Zimmer sind freundlich, sparsam, aber gemütlich eingerichtet und sauber. Aber sonst ist es das genaue Gegenteil von unserer gestrigen Unterkunft.
Waldstück in Dänemark/Forestal Area in Denmark
Auch Flensburg ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Niebüll. Während Niebüll ruhig und verschlafen, ohne besondere Sehenswürdigkeiten und interessante Bauwerke ist, ist Flensburg eine lebhafte Stadt mit sehenswerter Altstadt, einigen alten Kirchen im Stil der Backsteingotik, einem historischen Hafen, um den sich zahlreiche Cafès und Restaurants angesiedelt haben, und malerischen Ausblicken auf die Flensburger Förde. Ich denke, ich werde hier die nächsten zwei Tage, während Beate nach Heidelberg und wieder zurück fährt, gut verbringen können.
Der Hafen von Flensburg/The harbor of Flensburg
Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, dass die Landschaft vor Flensburg wieder etwas hügeliger geworden ist, zwar weit entfernt von den Mittelgebirgen, die wir in der ersten Woche durchquert haben, aber immerhin haben wir heute wieder 270 Höhenmeter überwunden. Und vor allem den letzten Anstieg vor Flensburg hat Beate völlig freiwillig, in Abweichung vom geplanten Weg an der Förde entlang, mit großem Elan, so dass ich kaum mitgekommen bin, erklommen. Offensichtlich beginnt sich das dreiwöchige Training bislang auszuzahlen…
Damit ihr das auch auf der Karte nachvollziehen könnt, hier unsere heutige Tour: Niebüll-Flensburg.
Heute hat sich unsere Reise wie richtiger Urlaub angefühlt, der sie ja tatsächlich auch ist. Ich meine jetzt, wie der Klischee-Urlaub mit Sonne und Meer, blauer Himmel, Ruhe und Entspannung. Schon beim Aufbruch in Meldorf schien die Sonne, der Himmel strahlte mit Chagall um die Wette (wobei dessen Blau eher etwas dunkel ist) und kein Wölkchen weit und breit zu sehen. Sogar die Temperatur war außerhalb des Ortes noch angenehm, was sich aber im Laufe des Tages noch etwas ändern sollte, jedoch blieb es immer gut aushaltbar, da zwar wenig, aber doch immer ein leichter Wind wehte, der für etwas Kühlung sorgte. Und über allem schwebte eine große Urlaubstagsruhe. Ich weiß auch nicht so richtig, ob dies an meiner Stimmung lag, ob es heute tatsächlich besonders ruhig war oder ob es hier vielleicht immer besonders ruhig ist, schließlich gibt es hier keine großen Städte, die überfüllten Touristenorte wie Büsum waren immer schnell durchfahren und sonst gab es nur Deich, blöckende Schafe, und, wenn überhaupt, sich sachte drehende Windradflügel, von Zeit zu Zeit ein Auto, oder ein in der Ferne brummender Rasenmäher oder eine andere landwirtschaftliche Maschine. Es schien, als hätte die ganze Region heute Urlaub gemacht.
Sich sanft-drehende Windräder/Gently Spinning Windmills
Wobei wir noch in einem anderen Sinn beim Motto unseres heutigen Tages wären. Orte am Rande des Weges erinnerten mich an vergangene Urlaube. Dies begann mit Friedrichskoog, unweit unseres Übernachtungsortes Meldorf (an das ich mich übrigens nicht mehr erinnern konnte, aber wahrscheinlich waren wir dort nicht). Als Jugendlicher verbrachten wir nämlich mit der Familie in Friedrichskoog einen Sommerurlaub. Es war unser erster Urlaub an der Nordsee, bislang waren meine Schwester und ich nur das tunesische Mittelmeer gewöhnt, und dachten, alle Meere sehen so aus. Deswegen waren wir schon enttäuscht, als wir in Friedrichskoog ankamen, den Deich erklommen haben und – kein Meer sagen, sondern nur eine Matchwüste, Watt genannt. Aber auch bei Flut lud das Meer nicht zum Planschen, Schwimmen oder Toben ein, da es viel zu flach war, kein Sandstrand vorhanden war und zu allem Überdruss auch noch ständig durch Buhnen unterbrochen war. Da auch die mitgebrachten Räder ob des Windes nur selten zum Einsatz kamen, saßen wir meist in der Ferienwohnung beim Spielen oder Fernsehklotzen (es waren, glaube ich, auch noch irgendwelche Olympischen Spiele oder so). Aber zumindest bei ersterem waren wir sehr kreativ, wir entwickelten weitere Varianten unseres damaligen Lieblingsspiels „Canasta“. Um wieviel besser hatte es damals die Familie meiner Tante getroffen, die zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer weiter nördlich in St.-Peter-Ording Urlaub machten (das wir übrigens morgen auch durchfahren werden). Bei einem Besuch dort mussten wir feststellen, dass es dort den erwarteten Sandstrand mit Jubel und Trubel gab und man auch ohne sich den Bauch aufzuschlitzen dort schwimmen konnte. Eigentlich wollte ich danach nie wieder an die Nordsee, habe aber mittlerweile meine Meinung revidiert und weiß jetzt auch die ökologische und touristische Qualität des Wattenmeers zu schätzen.
Noch einen weiteren Urlaub, oder, um genau zu sein, waren es sogar mehrere, so genau weiß ich aber die Anzahl nicht mehr, konnten wir heute nacherleben. Einige Male waren wir mit unseren Kindern und teilweise auch mit Beates Schwester und ihren Eltern auf einem Bauernhof in Hedwigenkoog bzw. Westerkoog in der Nähe von Büsum. Diesem Bauernhof, dem Ferienhof Folger, statteten wir heute bei einem kurzen Abstecher vom Weg einen Besuch ab und trafen tatsächlich Carmen, die Besitzerin, an und hielten ein kurzes Schwätzchen mit ihr und frischten alte Erinnerungen auf. Viele Dinge sind noch genauso wie vor über 15 Jahren, aber einiges hat sich auch geändert. Leider ist Reimer, der Bauer, inzwischen gestorben, der damals aufgrund einer Wetter mit Beate die Hundehütte mit dem Tieflader auf den Balkon unserer Ferienwohnung bugsierte. Außerdem hat Carmen nach dem Tod ihres Mannes die Kühe und damit auch den Melkroboter abgeschafft, der uns damals so fasziniert hatte. Mit dem Melkroboter konnten sich die Kühe jederzeit selbst melken lassen, was für die Feriengäste immer ein faszinierendes Schauspiel war.
Unser altes Ferienhaus auf dem Folger-Hof/Our Summer Cottage on Folger’s Farm
Nach Westerkoog fuhren wir in einer kleinen Abweichung vom Nordseeküsten-Radweg in einer Schleife noch über Tönning, das einen malerischen alten Hafen hat, wo wir auch eine kleine Mittagspause machten. Damit sind wir nicht über das Eidersperrwerk gefahren, dass wir noch von damals in schlechter Erinnerung hatten, als wir mit Nadjeschda (sie war damals sechs Jahre alt) mit dem Rad von Westerkoog dorthin fuhren. Während der Hinweg noch ganz gut ging bzw. vom Rückenwind erleichtert wurde, war der Rückweg für alle eine wahre Geduldsprobe. Weitere Details möchte ich euch ersparen, aber unsere Familie hat es überlebt. Edina, du hattest damals übrigens Glück: Du warst noch so klein und durftest im Kindersitz gefahren werden.
Historischer Hafen von Tönning/Historical Harbor of Tönning
Wenn man so durchs Land reist, kommen einem nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten oder Verbindungen von Orten zu Personen, sondern man kann auch kuriose oder überraschende Orts- und Straßennamen kennenlernen. Heute z.B. endete unsere Tour in Welt, wo man übrigens wohl denkt, wenn man schon in Welt ist, braucht man keine Verbindung mehr zur Welt, weshalb es auch keinen Mobilfunk gibt (Bernhard: Wieder ein Auftrag an dich :)), selbst das WLAN in unserer Pension ist äußerst wackelig. Aber sonst ist es ein gemütliches kleines Dorf mit einem guten „Welt-Cafè„, wo wir gleich unsere zweite Hauptmahlzeit eingenommen haben.
Mannheim
Eine andere Überraschung erlebten wir heute Morgen, als wir plötzlich (nach über 1200 km Radeln von Heidelberg aus) an Mannheim vorbeiradelten, was aber, wenn überhaupt, nur aus einer handvoll quadratischen Häusern besteht. Gestern sind wir auch durch die (Blomesche) Wildnis gefahren und in Glückstadt durch die „Namenlose Straße“ geschlendert. Und natürlich der Name „Glückstadt“ selbst ist Programm, wobei der Gründer wohl trotz des Namens mit der Stadt nicht so viel Glück hatte. Unterwegs passierten wir auch schon Friedlos und Sorga und einige andere Orte mit kuriosen Namen (Mückenloch fällt mir da gerade noch ein), die mir jetzt entfallen sind.
Namenlose Straße/Street without Name
Wer diesen Blog regelmäßig liest, dem wird wohl aufgefallen sein, dass ich gestern nichts geschrieben habe. Dies lag, wie immer, nicht daran, dass gestern nichts passiert ist, sondern, dass ich zu müde war, um noch etwas aufzuschreiben. Den Abend gestern haben wir nämlich hauptsächlich mit der weiteren Planung unserer Reise und dem Buchen entsprechender Unterkünfte verbracht. Bis nächsten Donnerstag ist jetzt alles in trockenen Tüchern, wir müssen nur noch am richtigen Tag am richtigen Ort sein. Dabei fällt mir noch ein anderer kurioser Name ein: Am nächsten Donnerstag werden wir in „Hunhoi“ übernachten, für uns hörte sich das irgendwie wie Hanoi an und würde uns als Name einer vietnamesischen Stadt nicht so überraschen, wie als Name eines schleswig-holsteinischen Dorfes. Außerdem habe ich alle bislang gemachten Touren zu einer Komoot-Collection zusammengefasst. Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen, denke ich:
Gefahrene Etappen/Cycled Stages
Was gibt es noch über gestern zu berichten? Das Wetter war gestern angenehm mild, nach dem Regentag vorgestern eine wahre Wohltat. Was uns aber nicht daran hinderte, mal wieder getrennte Wege zu fahren. Da ich kurz nach der Abfahrt in Glückstadt feststellte, dass meine Kette nach doch jetzt wieder einigen hundert Kilometern und dem Regenwetter vom Vortag geschmiert werden musste, hielt ich kurz an, um dies zu tun, was dann aber doch etwas länger dauerte, da ich auch gleich noch den ganzen Dreck, der sich angesammelt hatte, entfernt habe. Als ich dann ein paar Kilometer später dachte, jetzt müsste ich Beate doch eingeholt haben, sie aber weit und breit nicht zu sehen war, griff ich dann doch zum Telefon, um nachzufragen, wo sie gerade wäre. Und wie befürchtet, war sie nicht auf dem gleichen Weg wie ich, sondern, und das war das lustige daran, an genau der gleichen Stelle wie ich, nur auf der anderen Seite des Deiches. Dies merkten wir dadurch, dass Beate beschrieb, sie sähe die Spitze eines rot-weißen Leuchtturms hinter dem Deich, was just der Leuchtturm war, vor dem ich gerade stand. Da sage noch einmal jemand, Leuchttürme hätten bei Tageslicht an Land keinen Nutzen.
Rot-weißer Leuchtturm hinter dem Deich/Red-white Lighthouse behind the dike
Und noch einen kleinen Schrecken bekamen wir gestern, als plötzlich Beates Tasche nach einer Holperstrecke, von denen es hier einige gibt (Kopfsteinpflaster, Rasensteine u.ä. als Untergrund), nur noch halb am Fahrrad hing. Eine erste Untersuchung ließ schlimmes befürchten: Es sah so aus als wäre eine Befestigung herausgerissen. Bei näherem Hinschauen stellte sich aber heraus, dass nur eine Mutter von der zugehörigen Schraube abgefallen war und das glücklicherweise innerhalb der Tasche, so dass wir die Mutter in der Tasche schnell gefunden hatten und sie wieder festschrauben konnten und damit recht schnell wieder weiterfahren konnten.
Weiterfahren und eine neue Überraschung erleben: Tatsächlich mussten wir im sonst flachen Land eine Steigung erklimmen, die uns durch einen kleinen Wald führten, den wir dort auch nicht erwartet hatten und der auch noch als „Wolfstreifgebiet“ ausgewiesen war. Eine kurze Recherche ergab, dass laut Nabu tatsächlich in Schleswig-Holstein 2022/23 zwei Paare und ein Einzelwolf nachgewiesen worden waren. Wenn man die Anti-Wolfs-Plakate der Schafzüchter hier sieht, könnte man aber denken, es sind hunderte.
Short English Summary: Today we went from Cuxhaven to Glückstadt and took a ferry across the river Elbe to bypass Hamburg and save two days for Beate’s travel to Heidelberg and back again. Part of our tour today led through a nowhere land without variety, just fields and a strait street. Since we are on the Elbe-Radweg we met several people who want to cycle to Dresden and beyond along the Elbe, but we will leave the Elbe-Radweg tomorrow and stay at the North Sea coast.
Ein weiterer Tag unserer Reise ist vergangen. Mittlerweile sind wir schon in Schleswig-Holstein, dem siebten Bundesland, durch das wir fahren. Ich schreibe euch heute aus der Jugendherberge in Glückstadt, das wir mit der Fähre über die Elbe unter Umgehung von Hamburg erreicht haben. Aber es scheint, dass nicht nur wir diese Abkürzung wählen. Zumindest war am Fähranleger eine lange Fahrzeugschlange, obwohl ständig eine Fähre fuhr: Kaum hatte eine abgelegt, schon legte die nächste an, und das immer weiter. Trotzdem denke ich, dass für Kraftfahrzeuge die Wartezeit nicht unerheblich ist (wir konnten mit den Rädern einfach auf die Fähre fahren), aber wahrscheinlich immer noch bedeutend schneller als der Umweg über Hamburg.
Fähre über die Elbe/Ferry across the Elbe
Dass wir jetzt in einer Jugendherberge sind, kommt auch für uns etwas überraschend, da wir ja schon lange dem Jugendalter entwachsen sind. Aber in der hiesigen Jugendherberge war noch ein Doppelzimmer frei und trotz der Mitgliedschaft im DJH, die wir erwerben mussten, immer noch billiger als die anderen Hotels vor Ort. Aber wahrscheinlich wird das die einzige Jugendherberge für uns bleiben, zumindest in den nächsten Tagen waren in den Jugendherbergen am Weg nur noch Betten im 6er-Zimmer frei, was wir dann doch nicht wollten.
Blick aus dem Zimmer der Jugendherberge in Glückstadt/View from the Window of the Youth Hostel in Glückstadt
Bei dem Stichwort Übernachtung bzw. Hotel fällt mir noch etwas ein, was ich schon gestern erzählen wollte, dann aber vergessen habe. Unser Hotel in Cuxhaven hieß nämlich „Münchner Löwenbräu“, wer aber angesichts des Namens jetzt gedacht hätte, dass es von irgendwelchen Exil-Bayern, die es in den Norden verschlagen hat, betrieben würde, hätte komplett falsch gelegen. Das Betreiber-Paar sah nämlich eher so aus, als käme es aus Vietnam oder Thailand und hat auch kein bisschen bayrisch gesprochen. Aber vielleicht sind sie ja doch aus München, wer weiß.
Ein ähnliches Erlebnis von gestern wollte ich euch auch noch gerne mitteilen, dass auch mit Thailand oder zumindest mit Thai-Massage zu tun hat. Kurz hinter Bremerhaven sind wir nämlich durch ein kleines Dorf gefahren an einem Haus vorbei, vor dem viele Autos standen und an dem eine thailändische Fahne wehte. Bei näherem Hinsehen konnten wir Werbung für Thai-Massage erkennen und einige Frauen, die vor dem Haus wahrscheinlich auf ihren Massage-Termin warteten. In diesem Dorf scheint Thai-Massage sehr populär zu sein. Auch etwas, was mich überrascht hat, dort zu sehen. Aber das ist das Schöne an einer solchen Tour, man sieht immer wieder Überraschendes und hat die Chance seine eigenen Erwartungen und Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen. Und man sieht, wie vielfältig Deutschland geworden ist, außer beim Fast-Food, da gibt es immer nur Döner und Pizza, am besten im gleichen Laden.
Den einzigen Laden, den wir heute besucht haben, war aber kein Döner-Laden, sondern der Buchladen, in dem wir unser bikeline Radtourenbuch abgeholt haben, was diesmal auch tatsächlich geklappt hat. Schon nach dem Frühstück hatte ich eine Benachrichtigungs-Mail, dass es abholbereit ist, und im Buchladen lag es tatsächlich dann schon bereit. Leider haben wir wegen des Umwegs über die Buchhandlung unseren Weg nicht gleich wieder gefunden und mussten erst ein paar Kilometer durch das Gewerbegebiet von Cuxhaven fahren, obwohl der richtige Weg am Meer bzw. am Deich entlang nur 100 Meter entfernt, aber durch Bahngleise getrennt, verlief. Aber irgendwann gab es dann doch einen Bahnübergang, an dem wir auf die andere Seite wechseln konnten.
Jedoch war dieser Abschnitt im Vergleich zu einem späteren regelrecht interessant und abwechslungsreich. Denn gerade zur Zeit als es heute, nach zwei Sonnentagen, wieder zu regnen anfing, fuhren wir mehr als 10km kerzengerade durch flaches Land, in dem sich ein Getreidefeld an das andere reihte, selten unterbrochen von ein paar Büschen und ganz vereinzelt von einem Baum, ohne Ziel vor Augen durchs Nirgendwo. Durch den Nieselregen war auch die Sicht nur sehr begrenzt, aber auch, wenn man hätte weiterschauen können, hätte man sicherlich nur Getreidefelder gesehen. Und gerade als die Landschaft wieder etwas abwechslungsreicher wurde, der Regen nachließ und die Sonne sogar etwas raus kam und wir dachten, das Schlimmste überstanden zu haben, gerieten wir in einen richtig heftigen Regenguss, der darüber hinaus von heftigen Gegenwind begleitet war. Und als wir endlich in Freiburg an der Elbe einen Unterstand erreicht hatten, hörte es schon wieder auf. Und als wir wieder weiter fahren wollten, fing es wieder an zu regnen, und das gleich ein paar Mal.
Freiburg an der Elbe
Interessanterweise haben wir heute zwei Gruppen von Radler*innen getroffen, die ein ähnliches Ziel wie wir haben. Zuerst ein Paar, das nach Bautzen möchte und dann drei Tschech*innen, die nach Liberec wollen. Aber so überraschend ist das auch nicht, denn heute sind wir den Anfang des Elberadwegs gefahren, den auch die anderen jedoch bis Dresden fahren wollen, und nicht wie wir nur bis Wischhafen, von wo die Fähre nach Glückstadt gefahren ist. Wenn wir erzählen, welchen Weg wir nach Ostritz fahren wollen, ernten wir aber nur ehrfurchtsvolles Staunen. Aber schaffen müssen wir es halt auch noch, bislang läuft es jedoch ganz gut, hoffen wir, dass es weiter so bleibt.
Bevor wir aber in den Regen und das Nirgendwo kamen, sind wir heute auch mal auf der See- bzw. Elbseite (mir ist nicht so ganz klar, was noch Elbe ist und was schon Nordsee, aber wahrscheinlich ist der Übergang auch fließend) des Deiches gefahren, was etwas mühseliger ist, da wir ständig die Tore, die die Schafe am Davonlaufen hindern sollen, öffnen und schließen müssen. Dafür haben wir auch mehr gesehen: Das Meer auf der einen Seite, den Deich mit den Schafen auf der anderen und wir mitten drin.
Übrigens wird unsere playlist ständig erweitert. Gerade habe ich die Arie „Che farò senza Euridice?“ aus der Oper „Orfeo ed Euridice“ von Gluck hinzugefügt, da ich daran manchmal denken muss, wenn ich so vor mich hinradele und mich dann umschaue und plötzlich Beate verschwunden ist. Aber zum Glück muss Beate nicht zurück in die Unterwelt, sondern taucht früher oder später dann doch hinter der letzten Biegung auf, so dass ich mir die Frage nicht beantworten muss, was ich ohne Beate tun sollte. Wobei, nächste Woche habe ich zweieinhalb Tage in Flensburg, da muss ich dann schon etwas finden, was ich ohne Beate tun werde.