Epilog

Beate an der Neißequelle

Wie schon angekündigt haben wir gestern noch als Ergänzung und Vervollständigung unserer Deutschlandtour einen Ausflug zur Neißequelle unternommen. Diesmal sind wir aber zuerst mit dem Zug gefahren, um dann bergab von der Quelle nach Ostritz zu fahren und uns die größten Anstiege zu ersparen. Ganz ohne Anstiege ging es aber trotzdem nicht, denn, obwohl wir fast 400 Höhenmeter nach unten mussten, führte die erste Hälfte der Tour durch Iser- und Jeschkengebirge auch immer mal wieder nach oben, so dass wir am Ende doch auch 770 m nach oben fahren mussten (und insgesamt 1160m nach unten). Damit haben wir einen neuen Rekord aufgestellt. Bei keiner unserer Touren unserer Reise mussten wir mehr Höhenmeter bewältigen, obwohl wir nicht einmal auf den Jeschken, der verlockend mit seinem beeindruckenden Fernsehturm bei Liberec auftauchte, gefahren sind. Das wären noch einmal 500m mehr gewesen, was allein mich nicht abgeschreckt hätte, eher angespornt, sondern die Tatsache, dass nur eine viel befahrene Straße hinaufführte.

Der Jeschken mit Fernsehturm

Insgesamt war diese Tour noch einmal wie eine Zusammenfassung unserer ganzen Reise. Wir hatten eigentlich noch einmal alles, was wir unterwegs immer wieder hatten. Seien es die Wege, die von ausgezeichnet ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis völlig abgewirtschafteten, löchrigen Straßen und unbefestigten Waldwegen reichten, außerdem viel befahrene Fernverkehrsstraßen und einsame Wege, seien es die Landschaften mit Mittelgebirge und lieblichen Flusstälern, Dörfern und schönen Städtchen. Auch das Wetter bot noch einmal alles auf: Sonne, Wolken, teilweise unangenehmen Gegenwind, sogar ein paar Tropfen Regen erfrischten uns.

Zittau

Und auch, am meisten überraschend, entdeckten wir nach all den Fähren, mit denen wir über Flüsse und Meeresarme gefahren sind, eine kleine Seilfähre, mit der wir über die Neiße übersetzen konnten und die man ähnlich wie die an der Fulda selbst mit der Hand bedienen musste. Im Unterschied zur Fuldafähre musste man aber nicht kurbeln, sondern sich am Seil ziehend auf die andere Seite bewegen. Und natürlich hatten wir auch ein paar Missverständnisse bzgl. des Weges, was uns zu ein paar kleinen Umwegen zwang.

Seilfähre über die Neiße

Und zu guter Letzt erlitten wir auch noch, wie am ersten Tag, eine kleine Panne an Beates Rad, dessen Ständer plötzlich seltsam und bedenklich herunterhing, anscheinend hatte sich nach all dem Geruppel und Gehoppel doch noch eine Schraube gelöst. Aber obwohl wir trotz Multifunktionswerkzeug den passenden Schlüssel nicht dabei hatten, ist es uns mit etwas Improvisation doch gelungen, den Ständer wieder so fest zu bekommen, dass wir weiter fahren konnten. Das einzige, was gestern gefehlt hat und was wir auf unserer Gesamttour reichlich gesehen haben, war das Meer. Aber das wäre mitten im Binnenland auch etwas zu viel verlangt gewesen.

Was wir jedoch gestern erlebt haben, zum Glück aber nicht während unserer Tour, war eine abenteuerliche Zugfahrt. Als wir in Ostritz abfuhren, war noch alles gut, aber schon während der Fahrt nach Zittau mussten wir in der Bahn-App lesen, dass der Zug nach Liberec Verspätung haben würde, was den Anschluss dort nach Lučany in Gefahr bringen würde. In Zittau angekommen, begann das bekannte Spiel: Erst 5min Verspätung (der Anschluss würde gerade noch so reichen), dann 10min (jetzt wird es mit dem Anschluss knapp), dann 15 min (ziemlich sicher klappt der Anschluss nicht mehr), schließlich 30min (OK, der nächste Zug fährt eine Stunde später, den werden wir dann sicher noch bekommen). Am Ende waren es dann 35min, das Abenteuer aber noch nicht zu Ende, denn auf der Hälfte der Strecke nach Liberec hieß es dann, dass der Zug gar nicht bis Liberec führe, sondern nur bis Chrastava, und man dort noch einmal umsteigen müsse. Aber das hat dann geklappt, so dass wir noch gut zu dem Zug nach Lučany (den eine Stunde später, als ursprünglich geplant) kamen und von Lučany zur Neißequelle, genauer zur Quelle der Wiesenthaler Neiße, radeln konnten.

Dreiländerpunkt Deutschland/Polen/Tschechien

Somit ist unsere Tour jetzt endgültig zu Ende, der Kreis hat sich gewissermaßen geschlossen, wir sind im Mittelgebirge gestartet und auch dort wieder angekommen, haben eine Quelle erreicht und mit Tschechien noch ein weiteres deutsches Nachbarland befahren.

Hier noch die allerletzte Etappe als Komoot-Tour.

Ruhetag/Day of Rest

Short English Summary: Today was our first day of rest after 6 days and about 450km of cycling. In addition to a temporary fix of my bike and some cleaning of bike and clothes, I did a small forest run and a tour through the city, which is very beautiful with all its well restored half-timbered buildings in the picturesque Fulda valley.

Heute war unser erster geplanter Ruhetag nach sechs Tagen und ungefähr 450 km Radfahren. Nichtsdestotrotz möchte ich heute ein paar Gedanken und Erlebnisse niederschreiben, denn auch am Ruhetag ist nicht nichts passiert.

Zuerst habe ich heute mein Fahrrad wieder flott gemacht, hauptsächlich indem ich meinen Sattel notdürftig geklebt habe, so dass es hoffentlich bis Kassel halten wird. Außerdem habe ich den gröbsten Schmutz von den Regenfahrten der letzten Tage entfernt und die Kette wieder geschmiert, so dass morgen hoffentlich wieder alles wie geschmiert läuft. Außerdem haben wir auch unsere Wäsche gewaschen, was nach einer Woche dringend nötig war.

Rathaus von Melsungen/Melsungen Town Hall

Und zu guter Letzt haben wir auch noch einen Spaziergang durch Melsungen unternommen, das sehr malerisch am Ufer der Fulda liegt und mit über 350 meist schön sanierten Fachwerkhäusern aufwarten kann. In der Altstadt gibt es fast kein Nicht-Fachwerkhaus. Außerdem ist Melsungen auch noch als Sitz des Medizintechnik- und Pharmaunternehmen B. Braun bekannt, das außerhalb der Altstadt die Stadt mit seinen Werken und Verwaltungsgebäuden prägt, und als Namensgeber für den Handballbundesligisten MT Melsungen, der aber in Kassel seine Heimspiele austrägt. Alles in Allem ist Melsungen eine sehr schöne Stadt und sicher eine Reise wert, wenn man einen Eindruck bekommen will, wie deutsche Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit ausgesehen haben.

Blick vom Fuldaufer auf die Bartenwetzer-Brücke/View from the Fulda banks to the Bartenwetzer Bridge

Nach einer Woche Unterwegssein ist es auch an der Zeit ein erstes Zwischenfazit unserer Reise zu ziehen. Bislang hat alles im Großen und Ganzen gut geklappt, wir haben unsere geplanten Etappen geschafft und sind vor größeren Pannen und anderen Unfällen verschont geblieben. Wenn auch das Wetter nicht immer ideal war, teilweise sogar richtig schlecht, war es nie so schlimm, dass wir nicht weiterfahren konnten oder wollten (außer am ersten Tag, als wir kurz vor unserem Ziel in die S-Bahn gestiegen sind, da wir zu durchnäßt und unterkühlt waren). Wir haben viel schöne Landschaft gesehen und genausoviele schöne Städte (ich wusste gar nicht, in wie vielen Städten es noch so viele gut erhaltenen bzw. restaurierte Fachwerkhäuser gibt). Auch ein paar sportliche Herausforderungen hielt unsere Tour für uns bereit und sogar ein paar Überraschungen, wie die handbetriebene Seilfähre über die Fulda gestern. Viele Erinnerungen an vergangene Urlaube oder Erlebnisse, die wir in den durchfahrenen Regionen erlebt haben, wurden wieder geweckt und der räumliche Zusammenhang verschiedener Orte, die wir zu unterschiedlichen Gelegenheiten kennengelernt haben, wurde uns klarer. So ist z.B. die Nachbarstadt von Melsungen Hessisch Lichtenau, in der mein Schulfreund Thomas bei der Bundeswehr war (Viele Grüße an dich, Thomas, falls du das liest). Eigentlich wusste ich nie so genau, wo das liegt, außer „irgendwo in Hessen, ganz weit weg“. Nachdem ich gestern einen Wegweiser „20km Hessisch Lichtenau“ gesehen habe, kann ich das viel besser einordnen. Also kurz gesagt, alle Erwartungen wurden erfüllt und wir erwarten freudig die zweite Woche unserer Deutschlandtour.

Noch eine kleine Bitte: Meine Motivation zu schreiben, würde noch größer sein, wenn ihr von Zeit zu Zeit einen Kommentar oder wenigstens ein Like hinterlassen könntet, damit ich merke, dass das hier auch gelesen wird.

Collage von Melsungen

Statt einer Radroute heute meine Laufrunde zum Nachlaufen: Laufrunde Melsungen.

Dem Gewitter entronnen/Escaped from Thunderstorm

Short English Summary: Today we cycled from Schlitz along the river Fulda to Melsungen. In the morning we had really summer weather but in the afternoon we were followed by a thunderstorm but managed to reach Melsungen dry. On our way we passed Rotenburg a nice typical German city with half-timbered buildings. Another attraction was the ferry over the Fulda, which is manually driven by the passengers.

Um bei meinem Lieblingsthema zu bleiben, starte ich heute wieder mit dem Wetter. Wenn wir nur bis Mittag gefahren wären, hätte ich geschrieben: Heute war der erste richtige Sommertag, wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein durch die Fuldawiesen, genossen die Landschaft und erfreuten uns an den angenehmen Temperaturen. Was aber natürlich immer noch wahr ist, aber leider nicht den ganzen Tag betraf, sondern nur den Vormittag. Aber immerhin, die Tendenz ist positiv. Wie jedoch gestern schon erwähnt, waren für heute Nachmittag Gewitter angesagt, weswegen wir auch schon früher als sonst losgefahren sind.

Landschaft an der Fulda/ Countryside upon Fulda

Aber nicht nur wegen des Wetters sind wir früh aufgestanden, sondern auch weil wir in Rotenburg an der Fulda ein Buch abholen wollten, das wir per Internet zur Abholung in Rotenburg bei einer Buchhandlung bestellt hatten, die aber Samstag nur bis 13 Uhr aufhat. Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum wir ein Buch bestellen, das wir während der Fahrt dann abholen müssen. Da aber Beate die bikeline Radtourenbücher so mag, ich aber dagegen war die 8 Bücher, die wir für unsere ganze Tour brauchen, die ganze Zeit mit uns zu schleppen, bestellen wir jedes Buch in eine Buchhandlung an unserem Weg, kurz bevor wir es brauchen. Deshalb haben wir heute das Buch für den Weser-Radweg, den wir am Montag erreichen werden, in Rotenburg gekauft und mussten deshalb die etwas mehr als 50km bis kurz vor 13 Uhr schaffen, was uns auch locker gelang.

Rotenburg an der Fulda

In Rotenburg, das auch sehr schön an der Fulda gelegen mit vielen Fachwerkhäusern aufwarten kann, fand gerade ein Stadtfest statt mit einer Riesendartscheibe, die ich extra für dich, Luca (ich hoffe, du liest das, oder wenigstens Edina, um es dir zu zeigen), fotografiert habe. Das Fest nahmen wir dann auch zum Anlass, gleich unsere Mittagspause zu machen, die aber recht kurz geriet, da schon dunkle Gewitterwolken aufzogen und wir deswegen, möglichst schnell weiterkommen wollten, um die Wahrscheinlichkeit zu vergrößern, trocken in Melsungen, unserem heutigen Zielort, anzukommen, was uns tatsächlich gelang. So fuhren wir also immer mit den dunklen Wolken im Rücken mit frischem Wind von der Seite dem Gewitter davon. Aber auch in Melsungen blieb es erst einmal trocken, da das Gewitter tatsächlich südlich an uns vorbeizog. Nur nach dem Abendessen wären wir fast noch nass geworden, aber es regnete nur ein paar Tropfen, so dass wir heute endgültig von Regen verschont blieben.

Riesendartscheibe/Giant Dart Board

Was haben wir heute sonst noch so erlebt? Wie schon oben kurz erwähnt, führte die erste Hälfte unserer heutigen Etappe durch Natur an der Fulda entlang, weite Wiesen, sanfte Hänge und immer wieder der Fluss. Unterwegs sahen wir diese schöne Verbindung von Natur und Technik, in der ein Storchenpaar einen Funkmast als Nestplatz genutzt hat (Extra für dich, Bernhard):

Storchenpaar im Nest auf einem Funkmast/Stork Couple in a Nest on a Cell Phone Mast

Aber das ungewöhnlichste Erlebnis heute war sicherlich die Fährfahrt über die Fulda. Bei der Planung wunderten wir uns schon, warum es bei so einem kleinen Fluss eine Fähre gibt, deren Unterhalt doch viel zu aufwändig für den Nutzen ist. Aber es war keine normale Fähre von einem Menschen bedient mit einem Motorschiff bedient, sondern eine Seilfähre mit manuellem Selbstbetrieb. Sie bestand aus einem Metallkäfig, der an einem Stahlseil aufgehängt war, das über die Fulda gespannt war. Die Fahrgäste mussten mitsamt ihren Rädern in den Käfig einsteigen, den Käfig schließen und dann kräftig kurbeln, was die Fähre langsam in Bewegung setzte und sie dann in Zeitlupe über den Fluss trieb.

Manuell betriebene Fähre über die Fulda/Manually Driven Ferry over the Fulda

Das war der spaßige Teil der Überfahrt. Leider gab es auch einen etwas weniger angenehmen Teil: Wir, d.h. ich (Stefan), mussten den ersten Schaden an unseren Rädern verdauen. Wie schon vor unserer Abfahrt befürchtet ging heute mein Sattel endgültig kaputt. Eigentlich wollte ich ihn noch letzte Woche austauschen, aber kam dann nicht mehr dazu, weswegen ich mit dem schon etwas angeknacksten Sattel losgefahren bin. Heute unterwegs stellte ich schon fest, dass der Bruch größer wurde. Deshalb beschloss ich, am Montag in Kassel definitiv zum nächsten Radladen zu gehen, um einen neuen zu kaufen. Leider hat der alte nicht mehr so lange gehalten. An der Fähre fiel er beim Verladen des Rades einfach ab. Nach der Überfahrt konnte ich ihn zwar notdürftig wieder feststecken, aber so richtig gut hielt es nicht mehr, auf den letzten 10km ist er ungefähr drei mal wieder abgefallen. Leider machen in Melsungen alle Radläden samstags um 13 Uhr zu und erst am Dienstag Morgen wieder auf, so dass ich tatsächlich am Montag erst in Kassel mich um einen neuen Sattel kümmern kann. Da muss ich mir morgen noch etwas einfallen lassen, denn nach Kassel sind es fast 40km, da möchte ich nicht alle paar Kilometer den Sattel wieder einstecken.

Nun wie (fast) immer zum Abschluss: Unser Weg heute zum Nachradeln.