Hinter Gittern/Behind Bars

Short English Summary: Today we crossed another border between two German states: From Schleswig-Holstein to Mecklenburg-Vorpommern, where the former was part of Western Germany and the latter of Easter Germany. Our destination today was Wismar, whose old town is part of the UNESCO world’s heritage. There we stay in a hotel which was a former prison and in which the rooms are called „cells“.

Nachdem sich die Zellentür nun endgültig für diese Nacht hinter uns geschlossen hat, kann ich die Zeit nutzen wieder etwas über diesen Tag zu schreiben. Bevor wir in Neustadt gestartet sind, haben wir erst noch ein paar Einkäufe erledigt, so dass wir etwas später los kamen als sonst. Da wir aber das nächste bikeline-Buch in Neustadt nicht bekommen konnten, der Buchladen in Wismar, bei dem wir es dann reserviert haben, aber nur bis 18 Uhr auf hatte und wir wieder über 80km vor uns hatten, war ich mir nicht sicher, ob wir es rechtzeitig schaffen würden, um das Buch noch abzuholen. Aber, als kleiner Vorgriff, wir waren dann doch schon ungefähr um 17.30Uhr in Wismar, wenn es auch am Morgen noch nicht so danach ausgesehen hatte.

Überfahrt von Travemünde zum Priwall/Ferry Ride from Travemünde to Priwall

Denn nach nicht viel mehr als 5km wollte Beate in Sierksdorf für eine kleine Toillettenpause  anhalten. Da dort aber der Strand gerade noch leer war und die Ostsee so einladend blau schimmerte, überkam mich die Lust mal schnell reinzuspringen und ein paar Minuten zu schwimmen, was ich dann auch getan habe. Dadurch war es aber schon fast 12 Uhr bis wir richtig losgefahren sind. Außerdem haben wir den Fehler gemacht, getrennt wieder loszufahren, damit Beate ein bisschen Vorsprung hat, den ich bald wieder einzuholen gedachte. Wie es aber so geht, irgendwie bin ich dann doch wieder an Beate vorbeigefahren ohne es zu merken.  Zu allem Überfluss fand Beate aufgrund einer Umleitung nicht wieder auf den richtigen Weg zurück, so dass sie wieder an mir vorbei fuhr, während ich auf sie wartete. Aber am Ende haben wir uns dann glücklich wieder an der Fähre in Travemünde getroffen. Leider konnte Beate deswegen die Steilküste zwischen Timmendorfer Strand und Travemünde nicht sehen, was der Höhepunkt für mich während dieses Teil unserer heutigen Etappe war.

Steilküste bei Travemünde/Cliff Line near Travemünde

Während wir hier an der Küste entlang radeln ergeben sich immer wieder Beziehungen zu Urlauben oder Erlebnissen, die wir in der Vergangenheit hatten. In Kiel z.B. bei Klara mit ihrer Familie mit zwei kleinen Kindern sind uns viele Dinge eingefallen, die wir mit unseren Kinder erlebt haben, gestern bei der Fahrt zum Fehmarnsunt, unser Urlaub mit Sanja und Edina, den wir vor einigen Jahren dort verbracht haben. Das war übrigens auch der Grund, warum wir nicht die Schleife über Fehmarn mitnehmen wollten, da wir damals schon recht viel mit dem Rad gefahren sind und deswegen dachten, das meiste schon gesehen zu haben. Außerdem ist im Moment die Fehmarnsuntbrücke für Fahrräder gesperrt, weswegen es etwas umständlich gewesen wäre, dort hinzukommen.

Ein weiterer Urlaub, an den ich heute denken musste, war noch gar nicht so lange her. Zum letzten Jahreswechsel war ich nämlich mit meiner Schwester auf der Insel Poel, die in der Bucht vor Wismar liegt. Und als wir dort waren, haben wir natürlich auch Wismar mehrere Besuche abgestattet. Aber im Sommer ist die Stadt noch viel schöner als im grauen Winter, wobei sie mir damals auch schon sehr gefallen hat, was keine Kunst ist, schließlich ist die Altstadt zusammen mit der von Stralsund Welterbe der UNESCO (ich weiß gar nicht, das wievielte Welterbe wir jetzt schon auf unserer Tour gesehen haben, manchmal denke ich, es ist schon fast etwas besonderes in Deutschland kein Welterbe zu haben).

Blick auf die Insel Poel/View to the Island of Poel

Und noch eine Beziehung zu einem vergangenen Urlaub verbinde ich mit Wismar, nämlich unseren Urlaub in Rerik, nicht weit von Wismar, das wir morgen durchfahren werden. Damals musste ich während des Urlaubs zurück nach Heidelberg fahren, da ich ein Bewerbungsgespräch in Karlsruhe hatte, was aber nicht sehr erfolgreich war, weshalb ich heute immer noch bei SAP arbeite. Was mir aber noch viel eindringlicher im Gedächtnis blieb, ist Nadjeschdas paralleler Aufenthalt in Montpellier. Ich glaube, es war ihr erster Urlaub ohne uns, sie war damals 12 Jahre alt und mit dem Stadtjugendring zum Jugendaustausch in Heidelbergs Partnerstadt. Leider hat es am Anfang für sie gar nicht gepasst, sie kam mit ihrer Gastfamilie nicht zurecht und mit ihren rudimentären Französischkenntnissen war auch die Kommunikation schwer. Deswegen rief sie uns ständig über das Mobiltelefon an, das wir ihr für den Notfall mitgegeben hatten. Da es aber so viele Notfälle gab und Telefonieren von Frankreich nach Deutschland damals noch teuer war, war das Guthaben schnell aufgebraucht, so dass wir ständig nachladen mussten, bis plötzlich überhaupt kein Anruf mehr kam, was uns noch mehr in Sorge brachte. Wie sich dann aber glücklicherweise herausstellte, war eine Lösung gefunden worden, in dem Nadjeschda zu einer anderen Familie kam, bei der auch schon ihre Freundin war. Da das ja kein Notfall mehr war, wurden wir auch nicht darüber informiert, dass es ihr wieder gut ging.

Das besondere an dieser Reise ist, dass diese ganzen isolierten Orte, die man mal aufgesucht hat, plötzlich in eine räumliche Beziehung gebracht werden. Während es vorher einzelne Punkte auf der Landkarte waren, die man mit dem Zug anfährt und dann wieder nach Hause zurückkehrt, fährt man jetzt diese Orte nach und nach an, stellt fest, wie nah oder fern sie zueinander liegen, und wie sich zwischen ihnen Land und Leute ändern. Heute hat sich z.B. auch wieder die Erscheinung der Ostseeküste signifikant geändert. Während die letzten Tage die Küste eher flach war mit einigen Hügel im Hinterland, gibt es hier immer mehr Steilküsten, was das Radfahren die Küste entlang noch etwas abwechslungsreicher, aber auch anstrengender, macht mit dem ständigen Auf und Ab, was mir aber auch besser gefällt. Die Steigungen sind zwar immer kurz, aber unter Umständen doch recht steil. Aber so gibt es auch immer wieder kleine sportliche Herausforderungen auf der Strecke.

Mit dem Passieren von Travemünde bzw. dem Priwall haben wir auch wieder eine Bundeslandgrenze überschritten, diesmal die zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die früher auch die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten war. Deswegen war an der Grenze auch ein Gedenkstein aufgestellt, der dieser Teilung gedachte. Dort haben Beate und ich natürlich auch eine kleine Gedenkminute eingelegt, schließlich sind wir in unterschiedlichen deutschen Staaten aufgewachsen und hätten uns ohne die friedliche Revolution in der DDR, die letzten Endes auch diese Grenze zu einer einfachen Bundeslandgrenze gemacht hat, wahrscheinlich nie kennenlernen können.

Gedenkstein an der ehem. deutsch-deutschen Grenze/Memorial at the former German-German Border

Noch ein anderer Unterschied in der Landschaft heute war, dass die Küste hier oft einem Waldstreifen hat, was besonders bei der Sommersonne, die jetzt fast durchgehend scheint, das Radfahren angenehmer durch Schatten und etwas Kühle, obwohl die Temperaturen für unsere Verhältnisse doch recht angenehm sind (gerade war im Wetterbericht von 37°C die Rede, während es hier um die 25°C sind).

Blick auf das Meer/View to the Sea

Eine letzte Sache, die ich heute noch kurz erwähnen möchte, ist die Katastrophe der Cap Arcona, die sich in den letzten Kriegstagen 1945 in der Lübecker Bucht vor Neustadt ereignet hat und bei der 4600 KZ-Häftlinge ums Leben kamen. In Neustadt gibt es ein eigenes Museum dazu und immer wieder an der Küste hier gibt es Gedenkstätten, wo Opfer angespült wurden. Auch auf der Insel Poel, wo wir zum Jahreswechsel waren, gab es eine etwas größere Gedenkstätte, an der auch etwas zu den Hintergründen erklärt wurde.

Und nun muss ich auch noch meinen Eingangssatz auflösen. Wir schlafen heute nämlich in einem Hotel, das früher eine Jugendarrestanstalt war, das „Kittchen“ heißt und in dem die Zimmer „Zellen“ heißen.

Hier noch unsere heutige Tour: Neustadt-Wismar.

Überholen ohne einzuholen/Passing without Catching up

Short English Summary: Since I didn’t have time yesterday to write something because we spent a lot of time on planing the next days, I summarize two days today. Yesterday we went from Kiel to Gremersdorf, a small village on the highway to the island of Fehmarn, and today from Gremersdorf to Neustadt in Holstein. We had two days of good weather with sunshine and no rain. Today, Beate and me cycled partly different ways because the planned way was to long for Beate so that she did a shortcut. I cycled about 20km more and had a challange to catch her up which I failed, but then realized that I passed her nevertheless. The night we stay at Neustadt, a beautiful small town near the Baltic Sea.

Während Beate ihren obligatorischen Sonntagabend-Tatort schaut, versuche ich noch ein paar Gedanken und Erlebnisse über die letzten beiden Tage aufzuschreiben. Den gestrigen Abend nutzten wir mal wieder zu weiteren Planung unserer Reise, die jetzt bis nächsten Montag weitgehend steht. Leider stellte sich das wieder als nicht so einfach dar, zum einen, weil nur noch wenige bezahlbare Quartiere dort frei sind, wo wir sie gerne hätten, zum anderen, weil dann auch noch solche Zusatz-Erschwernisse wie am nächsten Wochenende nicht fahrende Fähren auf Rügen hinzukommen. Letzteres mag für Autofahrende ärgerlich sein, wenn man 50km Umweg machen muss, für uns als Radfahrende ist das aber ein k.o.-Kriterium, weil dann plötzlich die mit 80km geplante Tour 130km lang wird. Deshalb mussten wir die Abfolge unserer Rügen-Etappen umdrehen. Wir fahren jetzt nicht im Uhrzeigersinn um Rügen, sondern im Gegenuhrzeigersinn und hoffen, dass dann die Reparatur an der Fähre, wie angekündigt, am Montag Nachmittag fertig ist und wir sie am Dienstag Morgen nützen können.

Diese ganze Planerei und Umplanerei hat uns dann den ganzen gestrigen Abend gekostet, obwohl wir in Ermangelung von Alternativen in Gremersdorf sowieso nichts anderes machen konnten. Das Hotel in Gremersdorf war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer mal wieder auf unserer Reise erleben, diesmal aber eher eine negative, nach den vielen positiven. Eigentlich hatten wir uns ein kleines gemütliches Dorfhotel vorgestellt, fanden dann aber ein unpersönliches Autobahnhotel mit überfordertem und überlastetem Personal vor, in dessen Restaurant (das einzige im Dorf) ist bis auf Vorspeisen nichts vegetarisches zu essen gab. Außer dem Hotel, einer Tankstelle und einem Autohaus gab es in diesem Dorf nichts weiteres, so dass wir nach dem schnellen Abendessen genügend Zeit für unsere Planung hatten. Aber wie schon erwähnt, hat das dann so lange gedauert, dass ich zu müde war, um noch etwas zu bloggen.

Neustadt in Holstein

Heute dagegen sind wir in Neustadt in Holstein, ein süßes, kleines Städtchen, das im Gegensatz zur Nachbarstadt Grömitz, in der wir ursprünglich übernachten wollten, nicht so überlaufen ist und in dem wir ein Brauhaus gefunden haben, in dem wir gut Abend essen konnten. Und trotz unseres Stadtbummels habe ich jetzt noch ein bisschen Zeit, euch zu erzählen, was wir so erlebt haben.

Hafen von Neustadt/Harbor of Neustadt

Aber generell ist die Ostseeküste eine eher ambivalente Sache, auf der einen Seite landschaftlich sehr reizvoll, abwechslungsreich, mit Sandstränden am Meer, sanften Hügeln im Binnenlanden, schönen Städten, aber auf der anderen Seite hoffnungslos überlaufene Ostseebäder mit riesigen Hotel- und Ferienwohnungskomplexen und Trubel ohne Ende. In Heiligenhafen konnte man z.B. sehen, dass Plattenbauviertel wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal von osteuropäischen Städten sind, wenn sie auch im Osten eher noch größer sind.

Blick auf Heiligenhafen/View to Heiligenhafen

Grömitz scheint auch eher in die Rubrik überlaufenes Ostseebad zu fallen, während Neustadt, wie schon gesagt, eher übersichtlich und ruhig ist, aber deswegen haben wir hier auch noch ein halbwegs bezahlbares Hotel gefunden, was in Grömitz nicht möglich war. Der Nachteil dabei war nur, dass wir deswegen 20km mehr als ursprünglich geplant fahren mussten, was sich dann am Ende mit einigen zusätzlichen Kilometer aufgrund von Verfahren zu 100km summierte. Glücklicherweise gab es für Beate aber eine Abkürzung, da der Hinweg zur Fehmarnsuntbrücke nur 200m vom Rückweg entfernt verlief, so dass Beate die Abkürzung nehmen konnte, während ich noch bis zur Fehmarnsuntbrücke gefahren bin, was ungefähr 20km mehr waren. Für mich hatte das auch den Vorteil, dass ich heute mal mein eigenes Tempo fahren konnte, ohne auf Beate warten zu müssen. Da ich so schneller als sie war, rechnete ich damit, sie ungefähr nach 2 1/2h wieder einzuholen. Als ich nach dieser Zeit Beate noch nicht eingeholt hatte, rief ich sie an, um herauszufinden, wo sie wäre, und musste dabei feststellen, dass ich sie schon überholt hatte, ohne sie eingeholt zu haben. Wahrscheinlich sind wir geringfügig unterschiedliche Wege gefahren, so dass wir uns nicht gesehen haben. So habe ich dann noch ein paar Minuten gewartet, bis Beate wieder bei mir war.

Fehmarnsunt mit Brücke/Fehmarnsunt and Bridge

Während ich am Freitag so frustriert ob des schlechten Wetters war, haben die letzten beiden Tagen mich wieder versöhnt: Kein Tropfen Regen (zumindest am Tag, letzte Nacht hat es ziemlich viel geregnet), Sonnenschein und zumindest gestern Wind aus der richtigen Richtung. Heute dagegen war der Wind teilweise ziemlich heftig, vor allem ein langes Stück auf dem Deich, auf dem wir voll im Wind waren, mussten wir ganz schön gegen den Wind ankämpfen.

So, jetzt ist der Tatort gleich fertig und auch ich mit meinem heutigen Artikel. Morgen werden wir nach Wismar fahren, wo wir in einem ehemaligen Gefängnis übernachten werden. Ich bin gespannt, wie das sein wird. Zum Abschluss noch wie immer unsere heutige Tour bzw. meine Tour, Beates ist ohne den Schlenker zum Fehmarnsunt: Gremersdorf-Neustadt, und auch noch die von gestern: Kiel-Gremersdorf.

Von Förde zu Förde/From Fjord to Fjord

Short English Summary: Today we went from the Flensburg Fjord to the Kiel Fjord, where we only cycled to Eckernförde and took the train for the remainder to Kiel. Unfortunately, it was bad weather with a lof of rain the whole day. The night we will stay with Klara, one of our nieces, in Kiel.

Diesmal zögere ich etwas über den Tag zu schreiben, weil ich fürchte, dass es insgesamt eher wenig erbaulich werden wird. Aber mal sehen, vielleicht fällt mir beim Schreiben doch etwas schönes ein. Heute war wieder so ein Tag, an dem man hofft, dass der Wetterbericht nicht richtig ist, dann aber betrübt feststellen muss, dass er doch ziemlich genau das Wetter vorhergesagt hat. So begann der Tag also mit leichtem Regen, wobei wir beim Frühstück noch hoffnungsvoll waren, da es nur ein paar Tropfen regnete. Doch bis wir dann endlich losgefahren sind, hatte es sich richtig eingeregnet, so dass wir gleich unsere komplette Regenkleidung anzogen und dann in strömenden Regen starteten.

Nachdem wir gestern die Flensburger Förde fast umrundet hatten, führte uns der Weg heute entlang der Ostseeküste über die Schleimündung und die Eckernförder Bucht zur Kieler Förde, was, wie gestern schon angekündigt, fast 120km gewesen wären. Aber ziemlich bald wurde uns klar, dass wir das nicht bis 18Uhr schaffen würden, die Zeit, zu der wir uns mit Klara in Kiel verabredet hatten. Vor allem da zu dem Regen auch noch bei Nässe schwer zu befahrende, durchnässte Schotterwege als Untergrund dazukamen, so dass wir nur sehr langsame vorankamen, was außerdem auch keinen besonderen Spaß machte. Manchmal hatte man den Eindruck, der Weg wurde absichtlich auf möglichst schlechtem Untergrund geführt, so dass ich für mich die Regel aufstellte, wenn an einer Kreuzung unklar ist, wo es weitergeht, ist es bestimmt der weniger gute Weg.

Durchnässter Weg am Ostseestrand/Wet Way at the Beach of the Baltic Sea

Aber ich wollte ja auch etwas positives schreiben: Der Matsch von vorgestern wurde heute komplett vom Regen abgespült, dafür aber durch Sand und anderen Dreck ersetzt. Irgendwann gegen Mittag wurde es dann aber heller und es hörte dann auch auf zu regnen, so dass ich in Kappeln an der Schleimündung, dann doch auch ein paar Bilder machen konnte.

Kappeln an der Schleimündung/Kappeln at the Mouth of the Schlei

Leider wird hier der Ostseeradweg (und andere touristische Radwege) bei der Baustellenplanung nicht so richtig Ernst genommen. Wiederholt standen wir plötzlich vor gesperrten Wegen ohne Hinweis auf eine Umleitung oder andere weiterführende Informationen, so z.B. auch in Damp, wo der Strandweg einfach gesperrt war und als einzige sichtbare Alternative der Sandstrand selbst vorhanden war. Zum Glück sind wir mit modernen Kommunikationsmitteln und entsprechenden Apps ausgestattet, so dass wir uns eine eigene Umleitung erstellen konnten. In anderen Regionen, z.B. an der Tauber und auch an der Weser, haben wir aber durchaus erlebt, dass explizite Umleitungen beschrieben und auch ausgeschildert waren. Wie auch immer, wir haben einen Weg gefunden und mussten unsere Räder nicht durch den Sand schieben.

Ende des Radwegs/End of the cycle way

Zu guter Letzt erreichten wir dann, nach mehreren neuen Regenschauern, Eckernförde, was übrigens bei schönem Wetter bestimmt auch schön ist. Dort entschieden wir dann endgültig, das letzte Stück nach Kiel mit dem Zug zu fahren, obwohl ich mir bis zuletzt offen gehalten hatte, doch noch wenigstens alleine mit dem Rad zu fahren. Aber da es schon nach 16 Uhr war und ich die verbleibenden 35km heute wahrscheinlich nur mit Mühe in zwei Stunden gescahfft hätte und einfach heute keine Lust mehr hatte, vor ich dann auch mit Beate im Zug, so dass jetzt in unserer Route eine kleine Lücke sein wird. Trotzdem sind wir bislang 1600km gefahren und haben damit die Hälfte der geschätzten 3200km für die ganze Tour geschafft.

Der Hafen von Eckernförde/The Habor of Eckernförde

Und jetzt sitzen wir bei Klaras Familie auf dem Sofa und erholen uns erst einmal von dem Tag und hoffen, dass nicht mehr viele ähnliche folgen werden. Trotzdem hier unser aufgezeichneter Track.

Solo in den Bergen/Solo in the Mountains

Short English Summary: Today I stayed alone in Flensburg and used the time for an excursion on the Ochsenweg (oxen way or Hærvejen) from Flensburg to Schleswig. There I saw the castle Gottorf, one of the most prominent buildings in the state of Schleswig-Holstein, the city Schleswig with its remarkable cathedral, and Haithabu, an old city of the Vikings in middle age.

Für die, die wissen, wo wir gerade sind, mag diese Überschrift etwas seltsame klingen, aber  in der Tat habe ich heute Beates Abwesenheit ausgenutzt, einen kleinen Abstecher ins Binnenland von Schleswig-Holstein zu unternehmen, und bin dabei ein Stück auf dem Ochsenweg, einem historischen Weg durch die kimbrische Halbinsel, der früher ein bedeutender Weg für den Viehtrieb war (deswegen sein Name), aber schon seit der Bronzezeit besteht und auch Heerweg genannt wird, unter anderem durch die Fröruper Berge gefahren. Die höchste Erhebung war zwar 60m ü.NN, aber durch das ständige Auf und Ab kam ich am Ende doch auf 400 Höhenmeter.

Singletrail auf dem Ochsenweg/Single Trail on the Ochsenweg (Oxen Way or Hærvejen)

Irgendjemand hat mal von diesem Weg geschwärmt, so dass ich die Gelegenheit nutzen wollte, wenigstens ein Stück davon zu fahren. Leider hat dieser jemand vergessen zu erwähren, dass es eher ein Mountainbike-Weg ist, es ging nämlich über Stock und Stein durch den Wald, Single-Trails entlang und immer wieder durch matschige Abschnitte, so dass mein Rad jetzt nicht mehr grau sondern braun ist. Ich war nur froh, dass ich froh, dass ich vor unserer Abreise meine profillosen Sportreifen noch durch etwas robustere Tourenreifen ausgetauscht hatte. Mit den alten hatte ich schon auf dem Weg zwischen Heidelberg und Walldorf öfter mal einen Platten. Aber heute ging, bis auf den Dreck, alles gut.

Schloss Gottorf/Castle Gottorf

Da ich natürlich heute keine Zeit hatte, den ganzen Ochsenweg zu fahren, schließlich werden das so um die 450km sein, habe ich mir nur den Abschnitt von Flensburg bis Schleswig herausgepickt. Und Schleswig war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer wieder auf unserer Tour erlebt haben und hoffentlich weiter erleben werden. Bis auf die Tatsache, dass Schleswig dem Bundesland Schleswig-Holstein den ersten Teil des Namens gegeben hat, wusste ich nichts über diese Stadt. Um so überraschter war ich, als ich als erstes das Schoss Gottorf, einem der bedeutendsten Profanbauten Schleswig-Holsteins (Wikipeadia), erblickte, noch bevor ich Schleswig erreichte.

Schleswig mit Dom und Schlei/Schleswig with Cathedral and Schlei

Aber damit noch nicht genug, malerisch an der Schlei, einem schmalen Meeresarm der Ostsee, gelegen, hat Schleswig auch noch eine schöne Altstadt und vor allem einen Dom, mit einem prächtigen Holzschnitzaltar zu bieten. Ich weiß nicht, wie viele Figuren dort zu sehen sind, aber man kann gar nicht mehr aufhören, immer wieder neue zu entdecken. Schon allein dafür hat sich die Fahrt gelohnt.

Altar im Schleswiger Dom/Altar in Schleswig’s Cathedral

Und am Ende meines Ausflugs bin ich auch noch an der alten Wikingerstadt Haithabu und dem Danewerk, der mittelalterlichen dänischen Grenzbefestigung, die beide zusammen als UNESCO-Welterbe anerkannt sind, vorbeigefahren. Von dem Danewerk kann man auch heute noch den Verlauf der Erdwälle erkennen und in Haithabu gibt es ein Museum und ein paar nach archäologischen Funden rekonstruierte Häuser zu sehen.

Rekonstruierte Wikingerhäuser/Reconstructed Vikings‘ Houses

Alles in Allem war heute also wieder ein sehr abwechslungsreicher, überraschender und lehrreicher Tag für mich. Da ich gestern nichts geschrieben habe, jetzt aber noch eine Kurzzusammenfassung. Gestern morgen habe ich erst Beate zum Bahnhof gebracht, dann eine kleine Laufrunde durch die Marienhölzung, einem kleinen Waldgebiet in Flensburg und gleichzeitig ihre höchste Erhebung, gemacht und war dann noch im Kino in der Vorabendvorstellung. Leider habe ich danach nichts mehr zu essen bekommen, da ich mich erst nicht so richtig entscheiden konnte, auf was ich Lust hatte und dann plötzlich um 21 Uhr alles zugemacht hat bzw. in den noch geöffneten Restaurants auch die Küchen schon aufgehört hatten zu arbeiten. Deshalb habe ich noch ein schnelles Eis in der auch gerade schließenden Eisdiele geholt und damit meinen Tag ohne richtiges Abendessen beschlossen. Aber so richtig Hunger hatte ich sowieso nicht und zur Not hätte ich auch noch Brot und Käse gehabt.

Morgen kommt dann Beate wieder nach Flensburg zurück und wir werden dann den vierten Abschnitt unserer Deutschlandtour mit dem Ostseeküstenradweg beginnen. Dabei bin ich tatsächlich gespannt, wie das vor allem mit den Unterkünften weitergehen wird. Für morgen haben wir schon ein Hotel, am Freitag werden wir bei unserer Nichte Klara in Kiel schlafen und für Samstag habe ich auch schon ein Hotel zwischen Oldenburg und Heiligenhafen gefunden. Aber für Sonntag, wenn wir eigentlich bis Grömitz fahren wollen, habe ich noch nichts gefunden, weder bei Bett&Bike noch bei booking.com noch bei Komoot. Es bleibt also spannend. Falls also jemand, der oder die das liest, eine Idee hat, lasst es uns bitte wissen.

Und hier meine gestrige Laufrunde und meine heutige Fahrradtour:

Laufrunde durch die Marienhölzung

Ochsenweg zwischen Flensburg und Schleswig

Overtourism in St. Peter-Ording

Short English Summary: Our today’s stage went from Welt (German for world), a small villlage on the pininsula of Eiderstedt, to Husum, the birth place of Thedor Storm, a famous German Poet of the 19th century. We also saw St. Peter-Ording, a popular sea resort, which was very crowded today.

Heute schreibe ich euch standesgemäß aus dem Theoder-Storm-Hotel in Husum, die Geburtsstadt des Dichters, in der alles an ihren, wie man so sagt, größten Sohn erinnert. An fast jedem (alten) Haus steht, dass entweder Theodor Storm dort gewohnt hätte oder eine seiner Geschichten, Gedichte, Erzählungen gespielt hätten oder es sonst irgendwie mit ihm in Beziehung steht oder es heißt einfach Theodor-Storm-xxx, wie unser Hotel. Aber vom allgegenwärtigen Theodor abgesehen ist Husum auch sonst eine nette, quirlige Stadt mit schönen Häusern und einem belebten Hafenviertel.

Theodor-Storm-Denkmal/Theodor Storm Memorial

Es ist auf so einer Reise immer wieder spannend in eine neue Stadt einzufahren, die man noch nie zuvor gesehen hat und über die man auch nicht so viel weiß. Man weiß nicht so richtig, was einen erwartet und ist immer wieder aufs Neue überrascht, wenn man dann in der Stadt ist, was es Schönes zu sehen gibt, oder auch was vielleicht nicht so schön ist. Und das immer wieder, jeden Tag, oft auch mehrmals.

Husumer Hafenviertel/Harbour Quarter of Husum

Heute haben wir außer unserem Tagesendpunkt auch St. Peter-Ording angesteuert, das ich aus meiner Jugend in so guter Erinnerung hatte. Heute war ich hingegen heilfroh, dass dort die Hotelpreise jenseits von allem, was wir uns vorstellen konnten, waren und wir deshalb das kleine, beschauliche und vor allem ruhige Welt als Übernachtungsort gewählt hatten. In St. Peter-Ording dagegen Menschen aller Ortens. Man musste sogar anstehen, um zu Fuß zum Strand zu gehen, ganz zu schweigen von der Blechkaravane, die sich zu den Strandparkplätzen hinzog. Unglücklicherweise führte der Radweg genau in die Gegenrichtung der ankommenden Autos, so dass für uns kaum ein Durchkommen war. Nichtsdestotrotz konnten wir St. Peter-Ording dann doch recht schnell wieder verlassen und konnten die Ruhe der Halbinsel Eiderstedt weiter genießen und auch einige weitere schöne Dörfer mit reetgedeckten Häusern durchfahren.

Zufahrt zum Strand von St. Peter-Ording/Entry to the Beach of St. Peter-Ording

Obwohl unsere Route „Nordseeküstenroute“ heißt, war heute von der Nordsee recht wenig zu sein oder genau genommen gar nichts. Entweder war das Meer hinter dem Deich versteckt oder wir fuhren gleich so weit von der Küste entfert mitten über die Halbinsel, dass sowieso kein Meer zu sehen wäre. Morgen wird sich das aber hoffentlich wieder ändern.

Eine andere Sache ist mir heute noch aufgefallen. Während man am Weser-Radweg den Eindruck hatte, alle warten geradezu auf Radelnde, Hotels, Gaststätten, selbst die Landwirt*innen am Weg oder in nicht allzu großer Entfernung stellen Schilder auf „Radfahrer willkommen“, bieten in kleinen Kiosken Erfrischungen auf Vertrauensbasis an, werben mit Strom zum E-Bike aufladen usw. Selbst die Kirchen bezeichnen sich als Radkirchen und bieten neben geistlicher Einkehr ganz profan und pragmatisch Trinkwasser an, so hat man hier an der Nordsee eher den Eindruck, Radfahrende werden als auch-Touristen gerade so gedultet, aber besser wäre es schon, wenn sie einfach wie alle anderen auch mit dem Auto kämen.

Da es heute schon von Anfang an recht schwül und warm war, suchten wir in der Mittagszeit nach einer Bank an einem schattigen Ort, um eine kleine Mittagspause zu machen. Aber wir mussten sage und schreibe über eine Stunde fahren, bevor wir in dem kleinen Ort Uelvesbüll endlich eine Bank mit etwas Schatten fanden. Darüberhinaus gab es dort auch noch eine Toilette und eine kleine Hütte „Geben und Nehmen“, in dem man noch brauchbare aber nicht mehr gebrauchte Dinge abstellen konnte und sich dafür etwas anderes mitnehmen konnte. Und, Nadjeschda, Edina und Sanja aufgepasst, dort habe ich das gefunden:

Blattglas aus Uelvesbüll

Neben dem Glas haben wir dort auch Wasser für unsere Trinkflaschen gefunden und konnten dann gestärkt die letzten Kilometer bis Husum in Angriff nehmen.

Uelvesbüll

Einen weiteren Unterschied zwischen den Radwegen ist mir auch noch aufgefallen. Während an Fulda und Weser hauptsächlich E-Bikes unterwegs waren und wir mit unseren klassischen Rädern eher Exoten waren, sind hier an der Nordsee ungefähr die Hälfte der Leute ohne Motorunterstützung unterwegs. Das kann sicherlich auch daran liegen, dass an den Flüssen eher ältere den Weg beradelt haben, während hier auch viele Jüngere und Familien mit Kindern die Radwege bevölkern, oft auch eher Tagesausflügler*innen als Radreisende.

Morgen steht dann unser letzter Abschnitt auf der Nordseeküstenroute bevor, die uns nach Niebüll bringen wird. Da für morgen Nachmittag Gewitter und Regen angekündigt sind, haben wir schon mal Alternativen geplant, falls wir es nicht rechtzeitig nach Niebüll schaffen sollten. Wir könnten z.B. nur bis Dagebüll fahren und von dort weiter mit dem Zug nach Niebüll, dann hätten wir ungefähr 20 km gespart, aber wir hoffen, dass das nicht nötig sein wird, weswegen wir auch nicht so spät hier losfahren wollen.

Zum Schluss wie immer unsere heutige Tour zum Nachradeln.

Ein schöner Sommersonnenurlaubstag/A Beautiful Summer’s Day

Heute hat sich unsere Reise wie richtiger Urlaub angefühlt, der sie ja tatsächlich auch ist. Ich meine jetzt, wie der Klischee-Urlaub mit Sonne und Meer, blauer Himmel, Ruhe und Entspannung. Schon beim Aufbruch in Meldorf schien die Sonne, der Himmel strahlte mit Chagall um die Wette (wobei dessen Blau eher etwas dunkel ist) und kein Wölkchen weit und breit zu sehen. Sogar die Temperatur war außerhalb des Ortes noch angenehm, was sich aber im Laufe des Tages noch etwas ändern sollte, jedoch blieb es immer gut aushaltbar, da zwar wenig, aber doch immer ein leichter Wind wehte, der für etwas Kühlung sorgte. Und über allem schwebte eine große Urlaubstagsruhe. Ich weiß auch nicht so richtig, ob dies an meiner Stimmung lag, ob es heute tatsächlich besonders ruhig war oder ob es hier vielleicht immer besonders ruhig ist, schließlich gibt es hier keine großen Städte, die überfüllten Touristenorte wie Büsum waren immer schnell durchfahren und sonst gab es nur Deich, blöckende Schafe, und, wenn überhaupt, sich sachte drehende Windradflügel, von Zeit zu Zeit ein Auto, oder ein in der Ferne brummender Rasenmäher oder eine andere landwirtschaftliche Maschine. Es schien, als hätte die ganze Region heute Urlaub gemacht.

Sich sanft-drehende Windräder/Gently Spinning Windmills

Wobei wir noch in einem anderen Sinn beim Motto unseres heutigen Tages wären. Orte am Rande des Weges erinnerten mich an vergangene Urlaube. Dies begann mit Friedrichskoog, unweit unseres Übernachtungsortes Meldorf (an das ich mich übrigens nicht mehr erinnern konnte, aber wahrscheinlich waren wir dort nicht). Als Jugendlicher verbrachten wir nämlich mit der Familie in Friedrichskoog einen Sommerurlaub. Es war unser erster Urlaub an der Nordsee, bislang waren meine Schwester und ich nur das tunesische Mittelmeer gewöhnt, und dachten, alle Meere sehen so aus. Deswegen waren wir schon enttäuscht, als wir in Friedrichskoog ankamen, den Deich erklommen haben und – kein Meer sagen, sondern nur eine Matchwüste, Watt genannt. Aber auch bei Flut lud das Meer nicht zum Planschen, Schwimmen oder Toben ein, da es viel zu flach war, kein Sandstrand vorhanden war und zu allem Überdruss auch noch ständig durch Buhnen unterbrochen war. Da auch die mitgebrachten Räder ob des Windes nur selten zum Einsatz kamen, saßen wir meist in der Ferienwohnung beim Spielen oder Fernsehklotzen (es waren, glaube ich, auch noch irgendwelche Olympischen Spiele oder so). Aber zumindest bei ersterem waren wir sehr kreativ, wir entwickelten weitere Varianten unseres damaligen Lieblingsspiels „Canasta“. Um wieviel besser hatte es damals die Familie meiner Tante getroffen, die zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer weiter nördlich in St.-Peter-Ording Urlaub machten (das wir übrigens morgen auch durchfahren werden). Bei einem Besuch dort mussten wir feststellen, dass es dort den erwarteten Sandstrand mit Jubel und Trubel gab und man auch ohne sich den Bauch aufzuschlitzen dort schwimmen konnte. Eigentlich wollte ich danach nie wieder an die Nordsee, habe aber mittlerweile meine Meinung revidiert und weiß jetzt auch die ökologische und touristische Qualität des Wattenmeers  zu schätzen.

Noch einen weiteren Urlaub, oder, um genau zu sein, waren es sogar mehrere, so genau weiß ich aber die Anzahl nicht mehr, konnten wir heute nacherleben. Einige Male waren wir mit unseren Kindern und teilweise auch mit Beates Schwester und ihren Eltern auf einem Bauernhof in Hedwigenkoog bzw. Westerkoog in der Nähe von Büsum. Diesem Bauernhof, dem Ferienhof Folger, statteten wir heute bei einem kurzen Abstecher vom Weg einen Besuch ab und trafen tatsächlich Carmen, die Besitzerin, an und hielten ein kurzes Schwätzchen mit ihr und frischten alte Erinnerungen auf. Viele Dinge sind noch genauso wie vor über 15 Jahren, aber einiges hat sich auch geändert. Leider ist Reimer, der Bauer, inzwischen gestorben, der damals aufgrund einer Wetter mit Beate die Hundehütte mit dem Tieflader auf den Balkon unserer Ferienwohnung bugsierte. Außerdem hat Carmen nach dem Tod ihres Mannes die Kühe und damit auch den Melkroboter abgeschafft, der uns damals so fasziniert hatte. Mit dem Melkroboter konnten sich die Kühe jederzeit selbst melken lassen, was für die Feriengäste immer ein faszinierendes Schauspiel war.

Unser altes Ferienhaus auf dem Folger-Hof/Our Summer Cottage on Folger’s Farm

Nach Westerkoog fuhren wir in einer kleinen Abweichung vom Nordseeküsten-Radweg in einer Schleife noch über Tönning, das einen malerischen alten Hafen hat, wo wir auch eine kleine Mittagspause machten. Damit sind wir nicht über das Eidersperrwerk gefahren, dass wir noch von damals in schlechter Erinnerung hatten, als wir mit Nadjeschda (sie war damals sechs Jahre alt) mit dem Rad von Westerkoog dorthin fuhren. Während der Hinweg noch ganz gut ging bzw. vom Rückenwind erleichtert wurde, war der Rückweg für alle eine wahre Geduldsprobe. Weitere Details möchte ich euch ersparen, aber unsere Familie hat es überlebt. Edina, du hattest damals übrigens Glück: Du warst noch so klein und durftest im Kindersitz gefahren werden.

Historischer Hafen von Tönning/Historical Harbor of Tönning

Wenn man so durchs Land reist, kommen einem nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten oder Verbindungen von Orten zu Personen, sondern man kann auch kuriose oder überraschende Orts- und Straßennamen kennenlernen. Heute z.B. endete unsere Tour in Welt, wo man übrigens wohl denkt, wenn man schon in Welt ist, braucht man keine Verbindung mehr zur Welt, weshalb es auch keinen Mobilfunk gibt (Bernhard: Wieder ein Auftrag an dich :)), selbst das WLAN in unserer Pension ist äußerst wackelig. Aber sonst ist es ein gemütliches kleines Dorf mit einem guten „Welt-Cafè„, wo wir gleich unsere zweite Hauptmahlzeit eingenommen haben.

Mannheim

Eine andere Überraschung erlebten wir heute Morgen, als wir plötzlich (nach über 1200 km Radeln von Heidelberg aus) an Mannheim vorbeiradelten, was aber, wenn überhaupt, nur aus einer handvoll quadratischen Häusern besteht. Gestern sind wir auch durch die (Blomesche) Wildnis gefahren und in Glückstadt durch die „Namenlose Straße“ geschlendert. Und natürlich der Name „Glückstadt“ selbst ist Programm, wobei der Gründer wohl trotz des Namens mit der Stadt nicht so viel Glück hatte. Unterwegs passierten wir auch schon Friedlos und Sorga und einige andere Orte mit kuriosen Namen (Mückenloch fällt mir da gerade noch ein), die mir jetzt entfallen sind.

Namenlose Straße/Street without Name

Wer diesen Blog regelmäßig liest, dem wird wohl aufgefallen sein, dass ich gestern nichts geschrieben habe. Dies lag, wie immer, nicht daran, dass gestern nichts passiert ist, sondern, dass ich zu müde war, um noch etwas aufzuschreiben. Den Abend gestern haben wir nämlich hauptsächlich mit der weiteren Planung unserer Reise und dem Buchen entsprechender Unterkünfte verbracht. Bis nächsten Donnerstag ist jetzt alles in trockenen Tüchern, wir müssen nur noch am richtigen Tag am richtigen Ort sein. Dabei fällt mir noch ein anderer kurioser Name ein: Am nächsten Donnerstag werden wir in „Hunhoi“ übernachten, für uns hörte sich das irgendwie wie Hanoi an und würde uns als Name einer vietnamesischen Stadt nicht so überraschen, wie als Name eines schleswig-holsteinischen Dorfes. Außerdem habe ich alle bislang gemachten Touren zu einer Komoot-Collection zusammengefasst. Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen, denke ich:

Gefahrene Etappen/Cycled Stages

Was gibt es noch über gestern zu berichten? Das Wetter war gestern angenehm mild, nach dem Regentag vorgestern eine wahre Wohltat. Was uns aber nicht daran hinderte, mal wieder getrennte Wege zu fahren. Da ich kurz nach der Abfahrt in Glückstadt feststellte, dass meine Kette nach doch jetzt wieder einigen hundert Kilometern und dem Regenwetter vom Vortag geschmiert werden musste, hielt ich kurz an, um dies zu tun, was dann aber doch etwas länger dauerte, da ich auch gleich noch den ganzen Dreck, der sich angesammelt hatte, entfernt habe. Als ich dann ein paar Kilometer später dachte, jetzt müsste ich Beate doch eingeholt haben, sie aber weit und breit nicht zu sehen war, griff ich dann doch zum Telefon, um nachzufragen, wo sie gerade wäre. Und wie befürchtet, war sie nicht auf dem gleichen Weg wie ich, sondern, und das war das lustige daran, an genau der gleichen Stelle wie ich, nur auf der anderen Seite des Deiches. Dies merkten wir dadurch, dass Beate beschrieb, sie sähe die Spitze eines rot-weißen Leuchtturms hinter dem Deich, was just der Leuchtturm war, vor dem ich gerade stand. Da sage noch einmal jemand, Leuchttürme hätten bei Tageslicht an Land keinen Nutzen.

Rot-weißer Leuchtturm hinter dem Deich/Red-white Lighthouse behind the dike

Und noch einen kleinen Schrecken bekamen wir gestern, als plötzlich Beates Tasche nach einer Holperstrecke, von denen es hier einige gibt (Kopfsteinpflaster, Rasensteine u.ä. als Untergrund), nur noch halb am Fahrrad hing. Eine erste Untersuchung ließ schlimmes befürchten: Es sah so aus als wäre eine Befestigung herausgerissen. Bei näherem Hinschauen stellte sich aber heraus, dass nur eine Mutter von der zugehörigen Schraube abgefallen war und das glücklicherweise innerhalb der Tasche, so dass wir die Mutter in der Tasche schnell gefunden hatten und sie wieder festschrauben konnten und damit recht schnell wieder weiterfahren konnten.

Weiterfahren und eine neue Überraschung erleben: Tatsächlich mussten wir im sonst flachen Land eine Steigung erklimmen, die uns durch einen kleinen Wald führten, den wir dort auch nicht erwartet hatten und der auch noch als „Wolfstreifgebiet“ ausgewiesen war. Eine kurze Recherche ergab, dass laut Nabu tatsächlich in Schleswig-Holstein 2022/23 zwei Paare und ein Einzelwolf nachgewiesen worden waren. Wenn man die Anti-Wolfs-Plakate der Schafzüchter hier sieht, könnte man aber denken, es sind hunderte.

Links zu unseren Touren gestern und heute:

Glückstadt-Meldorf

Meldorf-Welt