Das Flüsschen Neiße/The Tiny River Neiße

Short English Summary: Today we left the river Oder behind us and continued our cycling tour at the river Neiße, which is the second river which forms the border between Germany and Poland since the Second World War. Although it is small river, it was determined by Soviet leader Stalin as border, what divided some German cities which laid at both sides of the river like Guben, where we stay this night. We did a small detour today to see the abbey Neuzelle, which was built in the baroque times and has a beautiful church and a garden in baroque style.

Jetzt sind wir endlich an der (Lausitzer) Neiße angekommen, womit wir am letzten Fluss angekommen sind und damit endgültig der Schlussspurt unserer Deutschlandtour begonnen hat. Jetzt sind es nur noch 160km bis Ostritz und die Versuchung ist jeden Tag groß, sich einfach in den Zug zu setzen und die verbleibenden Kilometer bequem in wenigen Stunden im Zug zurückzulegen statt sich noch einmal in den Sattel zu setzen und weiterzuradeln. Aber heute haben wir der Versuchung widerstanden und sind von Frankfurt in den Gubener Vorort Großbreesen gefahren, was auch durch das Wetter erleichtert wurde, da es zwar immer noch sehr heiß (um die 30°C) war, aber nicht mehr ganz so heiß und vor allem nicht mehr so schwül wie gestern. Weiterhin war es  immer mal wieder etwas bewölkt, so dass auch die Sonne nicht so brannte. Wenn sie aber rauskam und wir gerade durch schattenloses Gebiet fuhren, war es wieder sehr anstrengenden, besonders wenn auch noch Gegenwind dazukam.

Die Neiße kurz vor der Mündung in die Oder/The River Neiße short before the confluence into the Oder

Nichtsdestotrotz haben wir unsere heutige Etappe so gut geschafft, dass wir sogar noch einen kleinen Abstecher von unserem Weg zum Kloster Neuzelle machen konnten, was Beates besonderer Wunsch war, da sie davon schon viel gehört hat, aber trotz vieler Wallfahrten, die von Ostritz dorthin stattgefunden haben, noch die dort war. Und ich muss sagen, der Abstecher hat sich gelohnt. Die Klosterkirche ist reichlich mit barocker Pracht ausgestattet und auch der Klostergarten ist ein typischer Barockpark mit strenger Symmetrie, dessen Struktur noch weitgehend erhalten ist. Alles ist außerdem sehr schön restauriert. Damit bestätigt sich, was ich gestern schon gesagt habe, dass man, um etwas interessantes zu sehen und etwas Abwechslung zu haben, vom Oder-Radweg sich von der Oder entfernen muss.

Kloster Neuzelle/Abbey Neuzelle
Impressionen von Neuzelle/Impressions of Neuzelle

Heute haben wir uns dann endgültig von der Oder verabschiedet, da sie bei Ratzdorf nach Osten und damit nach Polen abbiegt und die Neiße, die dort in die Oder mündet, die Rolle des Grenzflusses und unseres Leitflusses übernimmt. Neben der Oder nimmt sich die Neiße, selbst bei ihrer Mündung, doch recht klein und unscheinbar aus, so dass man den Zusammenfluss kaum zwischen dem ganzen grünen Bewuchs erkennen konnte. Trotzdem wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg als Grenzfluss bestimmt und trennt seitdem Polen von Deutschland.

Mündung der Neiße in die Oder/Confluence of the River Neiße into the River Oder

Getrennt von seinem historischen Stadtzentrum ist seitdem auch Guben, das es mit Gubin in Polen und Guben in Deutschland jetzt gleich zweimal gibt. Nach dem Krieg wurde im deutschen Restteil ein neues Stadtzentrum aufgebaut, d urch das wir morgen fahren werden. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Vorstellung, was uns dort erwartet. Aber wir werden sehen. Wir haben übrigens eine etwas indirekte persönliche Beziehung zu Guben: In der DDR hieß die Stadt nämlich offiziell „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, zum Andenken an den ersten und einzigen Präsidenten der DDR, der dort geboren wurde, wie auch die Straße in Berlin, in der Beate wohnte, als ich sie vor über 30 Jahren kennenlernte, damals Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße) hieß.

An einem anderen städtebaulichen Produkt des Sozialismus sind wir heute nur am Rande vorbei gefahren, nämlich Eisenhüttenstadt, das unter dem Namen Stalinstadt in den 1950er Jahren als Planstadt gegründet wurde, um dem Eisenhüttenkombinat Ost als Wohnstadt zu dienen. Da sind wir aber nur durch den Stadtteil Fürstenberg gefahren, eine alte, historische Stadt aus dem 13. Jh., die mit Stalinstadt in den 1960er Jahren zu Eisenhüttenstadt fusioniert wurde (siehe auch Wikipedia).

Unser morgiger Zielort Bad Muskau verdankt seine Bekanntheit einer noch länger vergangenen Zeit, nämlich dem Fürst-Pückler-Park, der gleichzeitig das nächste und letzte UNESCO-Welterbe in einer langen Liste von Welterbestätten, die wir auf unserer Reise gesehen haben, sein wird. Aber davor müssen wir erst noch ungefähr 70km bei immer noch starker Hitze um die 30°C radeln. Wenn es aber so wie heute sein wird, ist es erträglich.

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Kuriosität erwähnen, die die Weggeführung manchmal mit sich bringt, die mich kurzfristig aber etwas irritiert hat. Eigentlich fahren wir ja seit Rieth mehr oder weniger nach Süden, manchmal auch ein bisschen nach Osten. Als wir aber heute, nachdem wir Frankfurt verlassen hatten, plötzlich direkt nach Norden fuhren, war ich schon etwas verwirrt und dachte kurzzeitig, wir hätten uns verfahren. Da aber sowohl die Beschilderung als auch meine Navigation den Weg als den richtigen anzeigten, dachte ich, dass es damit wohl seine Richtigkeit haben wird. Und tatsächlich, nach ein paar Kilometern machte der Weg eine scharfe Kurve nach Südosten und wir waren wieder an der Oder. Die „falsche Richtung“ war nötig, um dem Brieskower See zu umfahren.

Brieskower See/Brieskow Lake

Und noch eine Besonderheit unserer heutigen Tour fällt mir gerade ein.  Kurz hinter Frankfurt gab es ein Stück Weg, vor dem im Reiseführer als besonders gefährlich gewarnt wurde, da es zum einen auf einer steilen und kurvigen Straße entlang führte, die außerdem auch noch stark befahren sei. Aber in der Realität hat sich das als gar nicht zu schlimm herausgestellt, da wir sowohl schon steilere Weg hochgefahren sind als auch schlimmeren Verkehr, vor allem auf Rügen, erlebt haben.

Damit schließe ich für heute mit dem Track unserer heutigen Tour.

Endlich an der Oder/Finally at the Oder

Short English Summary: Today we finally reached the river Oder, or more precisely the Western Oder, since the river branches here and the two branches unite in Stettin (Szczecin) again. With the Oder we also reached the next federal state on our tour, which is called Brandenburg. In addition to the change of the state also the type of landscape changed. From the coastal forrests which were dominant at the coast to a highly agriculturally used hill land. Tomorrow, we will cycle through the national park „Unteres Odertal“ (lower valley of the Oder).

Hinweisschild auf die Westoder/Information Sign for the River Westoder (Western Oder)

Nachdem ich schon seit drei Tagen davon rede, haben wir heute endlich die Oder erreicht, wenn auch erst am Ende unserer Etappe in unserem Zielort Mescherin, und werden jetzt die nächsten drei Tage an ihr entlang fahren. Um genau zu sein, ist es die Westoder, die wir heute erreicht haben, da sich die Oder ein paar Kilometer oderaufwärts von hier in zwei Arme aufspaltet, die sich dann bei Stettin wieder vereinen. Unsere Pension ist direkt am Oderufer und wir haben einen schönen Blick auf den Fluss von unserem Zimmer aus.

Alter Bahndamm durch Kiefernwald/Old railroad through pinewood

Damit haben wir jetzt endgültig die Ostsee bzw. das Stettiner Haff verlassen und sind jetzt richtig im Binnenland, was man auch an der Veränderung der Landschaft merken konnte. Während wir am Vormittag noch durch einen typischen Kiefernwald, den wir von der Küste jetzt reichlich gewohnt waren, fuhren, führte unser Weg dann hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutzte, leicht hügelige Landschaft, so dass die heutige Tour auch aufgrund des am Ende uns entgegenwehenden Windes doch auch recht anstrengend wurde, vor allem auch, weil die Hitze jetzt auch uns erreicht hat. Außerdem betrug die Länge unserer Etappe heute ungefähr 85km, was eine der eher längeren für uns war. Deshalb waren wir dann bei unserer Ankunft in Mescherin auch ziemlich k.o. und mussten erst einmal schlafen.

Landschaft in der Uckermark/Landscape in Uckermark

Morgen soll es dann noch etwas heißer werden, aber dann müssen wir 10km weniger fahren, aber der Wind soll auch etwas auffrischen und wieder auf Südwest drehen, wenn auch wir wieder nach Südwest fahren. Alles in allem wird es wohl wieder anstrengend werden. Aber da wir durch den Nationalpark „Unteres Odertal“ fahren werden, hoffen wir, als Entschädigung dafür wenigstens tolle Natur zu sehen.

Wenn ich übrigens gestern geschrieben habe, dass Ueckermünde die letzte Stadt vor Schwedt war, die wir morgen erreichen werden, war das nicht ganz richtig. Wir sind heute durch Penkun gefahren, das zwar weniger als 2000 Einwohner hat, aber trotzdem eine Stadt ist (eine der kleinsten Deutschlands), ein sehenswertes Schloss hat und von einigen Seen umgeben ist, was aber nichts daran ändert, dass die Gegend hier eher dünn besiedelt ist und hauptsächlich kleinere Dörfer anzutreffen sind. Das macht aber das Radfahren auch manchmal ganz angenehm, weil es lange Strecken ohne Unterbrechung durch Siedlungen oder Kreuzungen und insgessamt wenig Verkehr gibt, so dass man auch mal eine halbe Stunde schnell fahren kann, was ich heute auch ausgenutzt habe.

Schloss von Penkun/Castle of Penkun

Mit Penkun haben wir übrigens auch Mecklenburg-Vorpommern verlassen und befinden uns jetzt im nächsten Bundesland auf unserer Reise, nämlich in Brandenburg und dort im Landkreis Uckermark. Interessanterweise ist die Uckermark nach dem gleichen Fluss benannt worden wie Ueckermünde, der jedoch in Brandenburg Ucker und in Vorpommern Uecker heißt.

Damit ihr nachvollziehen könnt, was wir heute geleistet haben, hier noch der Link zu unserer heutigen Tour.

Wieder unterwegs/On the Road Again

Short English Summary: After one day of rest we continued our cycling tour with a nice stage on which we saw a lot of wunderful nature sceneries. It started with the peatland „Stadtbruch of Anklam“. Then we cycled along the coast of the Stettiner Haff (Lagoon of Stettin) and reached the German-Polish border once again, which we will follow till the end of our tour. The night we will stay in a small village directly at the border.

Nach so einem Ruhetag ist es schön, wieder unterwegs zu sein. Vor allem, wenn man eine so schöne Strecke durch ursprüngliche Natur und ruhige Gegenden wie heute fährt, die auch noch relativ kurz war. Das ist dann ein willkommener Wiedereinstieg ins Fahrradfahren und erlaubt die Erholung vom Ruhetag noch etwas fortzusetzen. Außerdem gab es wenig Wind und den auch noch von hinten (wir sind wieder in Richtung Osten unterwegs), keinen Regen und auch die Temperaturen sind noch moderat (um die 24°C), wenn es auch die nächsten Tage immer etwas wärmer werden soll, morgen schon 29°C, aber in Heidelberg soll es noch bedeutend heißer sein. Also genießen wir das Radeln und erfreuen uns an unserem Urlaub.

Anklamer Stadtbruch

Obwohl die Tour heute eher kurz war (57km) war sie sehr abwechslungsreich. Nach Anklam ging es zuerst durch das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch“, ein Torfmoor, das Teil des Naturparks „Flusslandschaft Peenetal“ ist und das nach der Aufgabe der Entwässerung nach einem Deichbruch wieder zunehmend vernässt und sich so einem natürlichen Zustand wieder annähert (siehe Wikipedia). Damit haben wir doch noch etwas Natur gefunden, was mir gestern bei Laufen nicht so richtig gelungen ist. Ich bin also einfach in die falsche Richtung gelaufen, obwohl ich auch nicht durch das ganze Gewerbebebiet, das wir vorher durchfahren haben, hätte laufen wollen.

Dann fuhren wir durch ein Waldgebiet, durch das der Radweg, wie Beate sich ausgedrückt hat, hindurch mäandert ist und auch wieder ein paar radtechnische Herausforderungen, wie Wurzeln und tiefen Sand, bereit hielt. Aber das kann uns nicht mehr erschüttern. Dafür konnten wir auch ein gutes Stück auf einer neuen, breiten, wenig befahrenen Straße fahren, die den in unserem Reiseführer speziell markierten „Spurplattenweg“ umging.

Blick vom Ueckermünder Strand nach Usedom/View from the beach of Ueckermünde to Usedom

Außerdem konnten wir immer mal wieder Blicke auf das Stettiner Haff werfen, das hier auch schöne Badestrände bietet, und, nachdem wir am Samstag die Insel verlassen hatten, auf Usedom. Es ist schon interessant, wie, durch die Wegführung oder auch topographische Gegebenheiten, immer wieder Orte auftauchen, die wir schon hinter uns gelassen haben. Ganz extrem war das natürlich in Stralsund, wo wir gleich dreimal an exakt der gleichen Stelle vorbeikamen, oder am Fehmarnsund, wo der Hinweg über die Halbinsel nur 400m vom Rückweg vorbeiführte, was Beate dazu nutzte, den Weg um 20km abzukürzen. Aber auch an anderen Stellen ergaben sich immer wieder Bezüge, so am Greifswalder Bodden, wo wir mehrmals nach Rügen schauen konnten, das wir ein paar Tage vorher umrundet hatten und das nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt lag, oder heute eben Usedom. Manchmal denkt man sich auch, warum wir überhaupt so viele Kilometer fahren, wenn eigentlich alles so nah ist. Am Samstag sahen wir z.B. nach zwei Tagen Usedom und vielleicht 100km Fahrt einen Wegweiser „39km Wolgast“. Das hätten wir also auch bedeutend kürzer haben können, hätten dabei aber natürlich nicht wo viel von Usedom gesehen. Und Ziel unserer Tour ist es auch nicht, möglichst schnell durch Deutschland zu kommen, sondern möglichst viel zu sehen und zu erleben. Hätten wir möglichst schnell von Heidelberg nach Ostritz fahren wollen, hätten wir das sicherlich locker auch in zwei Wochen schaffen können statt in sieben, aber dabei sicherlich auch interessante Regionen, Städte und Landschaften gesehen, aber bei weitem nicht so viele wie auf unserer jetzigen Tour. Deshalb nehmen wir gerne Umwege in Kauf in der Erwartung immer wieder neue Überraschungen zu erleben.

Blick auf die Zecheriner Brücke vom Stadtbruch/View from the Stadtbruch to the bridge of Zecherin

Heute Abend sind wir auch wieder an der polnischen Grenze angekommen, die wir jetzt für den Rest unserer Reise nicht mehr verlassen werden. An die Oder, eine der Namensgeberinnen der Grenze, werden wir aber erst morgen Abend in Mescherin kommen, ab wo die Grenze dann durch die Oder (und später durch die Lausitzer Neiße) verläuft, da bei der Etablierung der Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg es Polen und der Sowjetunion wichtig war, dass sowohl Swinemünde als auch Stettin nicht bei Deutschland bleiben und deshalb die Grenze weiter westlich der Oder gezogen wurde.

Nachdem wir heute durch Ueckermünde gefahren sind, sind wir auch ein bisschen in der Wildnis angekommen, denn bis Schwedt wird das die letzte Stadt gewesen sein, die wir durchqueren werden, was auch bei der Quartierssuche für heute und die nächsten Tage etwas Schwierigkeiten bereitete, da es hier nicht so viele Hotels und Pensionen gibt, aber wir haben für alle Nächte etwas gefunden. Aber deswegen haben wir auch die Gelegenheit genutzt am Campingplatz in Grambin die letzte Waschmaschine bis Frankfurt/Oder zu nutzen,um unsere Wäsche zu waschen, was in Anklam am Wochenende nicht möglich war. Jetzt haben wir also die Chance am Sonntag in Ostritz nicht völlig stinkig und dreckig anzukommen, sondern nur ein bisschen.

Marktplatz von Ueckermünde/Market Square of Ueckermünde

Das war es auch schon wieder, was ich vom ersten Tag der siebten Woche unserer Tour zu erzählen weiß, morgen geht es wieder weiter. Aber zuletzt noch wie immer unsere heutige Tour zum Nachvollziehen.