Hitzeschlacht an der Oder/A very hot Day at the Oder

Short English Summary: Our tour today followed the Oder from Mescherin to Zollbrücke. The first highlight of the day was the national park „Unteres Odertal“ (lower Oder valley), which consist of the delta of the Oder with all its confluences and islands, weadows, and ponds, which was a great pleasure to see. Unfortunately, the day was very hot, which made the cycling very hard in the afternoon, especially since the scenery was a little boring then, only the straight dike in the full sun without much variety.

Während in Deutschland generell gestern der bislang heißeste Tag des Jahres war, mussten wir heute den heißesten Tag unserer Tour bewältigen. Die höchste Temperatur waren hier heute 34°C, was für uns dadurch noch etwas erschwert wurde, dass es hier wenig bis keinen Schatten gab. Während ich am Vormittag, als es noch nicht so heiß war, von der Landschaft im unteren Odertal begeistert war mit dem vielen Wasser, den Flussarmen und Teichen, und den vielen kleinen Inselchen mit zahllosen Vögeln, fand ich es heute Nachmittag, nachdem wir das Flussdelta hinter uns gelassen hatten und auf dem mehr oder weniger schnurgeraden Deich in der prallen Mittagssonne ohne Schatten fuhren, nicht mehr so angenehm, da auch der hauptsächlich von vorne kommende Wind nur wenig Kühlung brachte. Aber wir haben es überstanden und jetzt soll es jeden Tag etwas kühler werden, wenn es auch morgen doch noch einmal über 30°C werden soll.

Nationalpark „Unteres Odertal“/National Park „Unteres Odertal“ (lower oder valley)

Irgendwie hat mich das an meine Wanderung nach Venedig erinnert (wer Details nachlesen will, kann das immer noch in meinem alten Blog tun), als ich auch gegen Ende der Wanderung, nachdem eigentlich die schwierigsten Teile schon geschafft waren, und ich nur noch drei Flachetappen durch die Po-Ebene mit aber zwischen 30 und 40 Kilometern Länge (zu Fuß, nicht mit dem Rad!) hinter mich bringen musste und die Hitze ähnlich unerträglich war (vielleicht sogar noch etwas heißer). Auch dort wurde die Landschaft nach all den Bergen plötzlich ziemlich eintönig, viel Straße am Fluss entlang durch hauptsächlich landwirtschaftlich genutztes Gebiet und kein Ende abzusehen. Damals habe ich mir ein Fahrrad gewünscht, mit dem ich die 5km langweilige, gerade Straße in vielleicht 15 Minuten statt einer Stunde gefahren wäre. Aber heute ging es mir auf den 15 Kilometern ab Hohenwutzen, wo wir ein spätes Mittagessen eingenommen hatten, ähnlich, obwohl ich auf dem Rad saß. Aber auch diese Stunde haben wir geschafft und sitzen jetzt in Zollbrücke auf einer Bank für unserer Pension, schauen auf den Deich und beobachten die vorbeisausenden Radler*innen.

Blick vom Deich in Zollbrücke/View from the dike in Zollbrücke

Aber noch ein paar Worte zum Oderdelta. Die Oder spaltet sich dort nicht nur in zwei Hauptarme auf, wie gestern geschrieben, sondern darüber hinaus in zahllose kleine Flüsschen und zusätzlich angelegte Kanäle, die dadurch immer wieder Inseln erzeugen, und außerdem gibt es dazwischen immer wieder kleine Teiche. Das war eine willkommene Abwechslung zu all dem Meer, dass wir die letzten vier Wochen fast täglich gesehen haben, was auch, vor allem an der Ostsee, sehr schön war, aber gegen Ende doch immer wieder mehr oder weniger das gleiche war. So sind wir jetzt wieder an einem Fluss angekommen, nachdem wir vor fast 7 Wochen an einem Fluss gestartet sind und wo wir uns als von Rhein und Donau geübte Fluss-Radler*innen am wohlsten fühlen, wobei ich auch Lust hätte mal im Gebirge Fahrrad zu fahren, aber ich glaube da muss ich bei Beate noch viel Überzeugungsarbeit leisten bzw. gleich alleine oder mit jemandem anderen fahren.

Unteres Odertal/Lower Oder Valley

Neben der schönen Natur, die wir vor allem im unteren Odertal gesehen haben, war unser heutiges Highlight ein kleines Unglück, das dazu geführt hat, dass ich heute am Ende 15km mehr als Beate gefahren bin, aber dafür fast 2 Stunden in meinem eigenen Tempo fahren konnte, was ich auch genossen habe. Nachdem wir heute Morgen ungefähr 5km gefahren waren, fiel Beate nämlich plötzlich auf, dass sie ihre Trinkflasche in der Pension vergessen hatte, was bei der angekündigten Hitze äußerst ungünstig war. Deshalb bin ich kurzer Hand wieder zurückgefahren, habe mich dabei sogar noch etwas verfahren, obwohl ich eigentlich nur den selben Weg hätte zurückfahren müssen, und habe die Flasche, die noch genau dort in der Lobby der Pension stand, wo Beate sie abgestellt hatte, geholt. Dann began die Aufholjagd, da Beate mittlerweile weitergefahren war und deshalb eine reichliche halbe Stunde Vorsprung hatte. Leider gab es in Gartz an der Oder eine Stelle, an der der Wegweiser des Oder-Neiße-Radwegs definitiv falsch war. Meine Navigation zeigte an, dass ich nach links muss, aber das Schild zeigte ganz klar gerade aus. Da Beate die Navigation nicht hatte, bin ich davon ausgegangen, dass sie sicher gerade aus gefahren ist (was sie übrigens auch gemacht hat, wie ich später erfuhr), was ich dann auch tat. Als ich dann nach ungefähr 2km mitten im Verkehr auf der Bundesstraße nach Schwedt fuhr ohne irgendwo einen Radweg zu sehen, fuhr ich dann doch wieder zurück zu der Kreuzung und nahm den von der Navigation vorgeschlagenen Weg, der sich dann auch als richtig herausstellte, da er dann direkt wieder an die Oder und durch wunderbare, autoverkehrslose Landschaft führte. Zwischendurch rief ich noch Beate an, um herauszufinden, wie sie gefahren ist. Sie ist tatsächlich auch geradeaus gefahren, da sie den Wegweiser gar nicht gesehen hat, hat dann aber relativ schnell jemanden gefragt und ist dann den richtigen Weg gefahren. Am Ende haben wir uns dann kurz hinter Schwedt wieder getroffen und sind den Rest des Tages zusammengeradelt.

Juliusturm in Schwedt/Julius Tower in Schwedt

Zum Schluss meines Tagesberichts noch ein paar Informationen zu unserem Übernachtungsort Zollbrücke, der aus nicht viel mehr als ein paar Häusern besteht, aber mindestens drei Gasthäuser hat, die aber leider Dienstags und Mittwochs geschlossen haben, und, sehr unerwartet hier, quasi am Ende der Welt, ein Theater: Das Theater am Rand, das von April bis Dezember ohne Sommerpause an den Wochenenden Programm anbietet. Leider ist heute Mittwoch und deswegen das Theater, wie auch alles andere, geschlossen.

Unsere Pension in Zollbrücke/Our bed and breakfast place in Zollbrücke

Soviel von heute aus dem jetzt schon wieder viel angenehmeren Oderland. Hier ist noch unsere heutige Route.

Vom Winde beflügelt/Quickened by the Wind

Short English Summary: Today we did the first stage on the North Sea coast from Bremerhaven to Cuxhaven. In Bremerhaven we saw the oversea ports, the we cycled behind the dike along the coast, before we reached Cuxhaven, a typical German seaside resort. Cycling was easy today, because we had a lot of tail wind.

Heute schreibe ich aus Cuxhaven, sozusagen vom Treffpunkt von Weser und Elbe. Hier endet der Weserradweg, und es beginnt der Elberadweg, den wir morgen auch für einen Tag folgen werden, während heute unser erster Tag an der Nordsee und auf der Nordseeküstenroute war, die wir aber morgen schon wieder verlassen werden, um dann aber ab übermorgen, ab Glückstadt, für die nächsten Tag auf ihr bis zur dänischen Grenze fahren werden. Interessanterweise gabeln sich Elberadweg und Nordseeküstenroute bei Otterndorf, um dann ab Stade wieder mehr oder weniger parallel zu verlaufen, wobei natürlicherweise der Elberadweg näher an der Elbe entlang führt und die Nordseeküstenroute einen etwas direkteren Weg nach Hamburg nimmt. Deshalb fahren wir morgen auch auf dem Elberadweg, da nur dieser durch Wischhafen führt, von wo die Fähre über die Elbe abfährt. Damit können wir dann zwei Tage für Beates Reise nach Heidelberg herausschinden, sehen dann aber leider Stade, Wedel und Elmshorn nicht, und natürlich auch nicht Hamburg, wo wir aber in letzter Zeit öfter waren und auch nicht so richtig Lust darauf haben, solange durch die Großstadt zu fahren.

Das Fahren ging heute jedenfalls sehr zügig. Vom Südwestwind angetrieben eilten wir regelrecht in drei Stunden von Bremerhaven nach Cuxhaven. Es war tatsächlich eine gute Idee (zumindest bislang), entgegen unseren ursprünglichen Plänen die Tour in diese Richtung zu machen. Die erste Idee war von Heidelberg nach Osten zu fahren, in Richtung Ostritz, um dann an Neiße und Oder zur Ostsee zu fahren und dann an den Ost- und Nordseeküsten in Richtung Westen, solange wir Zeit haben. Aber zum Einen gestaltete es sich schwierig, eine nicht zu schwere, radfahrgeeignete Strecke von Heidelberg nach Ostritz zu finden, zum Anderen erinnerten wir uns daran wie wir auf dem Rheinradweg spätestens ab Emmerich darüber geschimpft haben, wie anstrengend es ist ständig gegen den Wind zu fahren. Und da der Wind üblicherweise aus südwestlichen Richtungen kommt, hätte uns das gleiche auch diesmal, aber noch viel länger gedroht. Deswegen sind wir  bis jetzt hauptsächlich nach Norden gefahren, und ab morgen grob nach Osten und nur an Oder und Neiße müssen wir tendenziell mit Gegenwind rechnen, hoffen aber, dass der abseits vom Meer nicht so stark ist.

Um den Wetterblock abzuschließen, möchte ich noch den strahlenden Sonnenschein erwähnen, der uns den ganzen Tag begleitet hat und der diese Etappe zu einer rundum angenehmen gemacht hat. Nachdem wir gestern schon einen richtig schönen, entspannenden Urlaubstag genossen hatten, stand der heutige ihm in keinster Weise nach. Mir taten nur die Leute leid, die uns mit zusammengebissenen Lippen entgegen kamen und gegen den Wind ankämpften.

Blauer Himmel über dem Strand/Blue Sky over the Beach

Landschaftlich war es heute sehr abwechslungsreich, wenn man bei den Überseehäfen von Bremerhaven von Landschaft reden kann. Kilometerlang ging es an riesigen Parkplätzen entlang, auf denen tausende und abertausende Autos und andere Fahrzeuge entweder auf ihr Verladen und ihren Transport in die ganze Welt warteten oder vielleicht auch auf ihren Weitertransport innerhalb Europas. Bremerhaven scheint sich auf den Fahrzeugtransport spezialisiert zu haben, es gibt zwar auch Container-Terminals, die erschienen mir aber bei weitem nicht so ausgedehnt.

Container-Terminals von Bremerhaven/Container Terminals of Bremerhaven

Das Fahrradfahren durch das Hafengebiet war zwar nicht so angenehm, obwohl es einen ausgewiesenen und markierten Radweg durch das Gebiet gab, aber man merkte schon, dass der Radweg keinerlei Priorität hat und der Hafen primär ganz anderen Zwecken dient.

Blick vom Deich/View from the Dike

Nichtsdestotrotz sind wir gut durchgekommen und dann erst einmal am Nordseedeich entlang gefahren. Leider hat dieser die Aussicht aufs Meer versperrt, von Zeit zu Zeit konnte man aber auch auf den Deich fahren, um sich den Seewind ins Gesicht blasen zu lassen und ein paar Bilder mit Meer und Watt zu machen. So ging es dann einige Kilometer dahin, bis kurz vor Cuxhaven dann die touristischen Strände mit der gängigen Infrastruktur und Menschen über Menschen begannen, die wir dann den Rest unserer Fahrt bis in unser Hotel in Cuxhaven beobachten konnten. Interessant war die Prozession der Pferdewagen zu bestaunen, die vom Festland in Richtung der Insel Neuwerk durch das Watt fuhren.

Prozession von Pferdewagen zur Insel Neuwerk/Procession of Horse Carriages to the Island Neuwerk

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel über die Strandpromenade und durch die Stadt. Dabei wollten wir noch unseren nächsten bikeline Reiseführer für die Nordseeküste bis Dänemark bei Thalia abholen, was aber leider nicht so gut geklappt hat, wie das letzte  Mal. Obwohl bei der Bestellung als voraussichtlicher Abholtermin heute angegeben war, war das Buch noch nicht da. Aber die Buchhändlerin versicherte uns, dass es morgen da sein wird und sie die entsprechende Kiste morgen früh als erstes öffnen wird, damit wir das Buch gleich nach Ladenöffnung abholen können. Ich bin gespannt, ob das klappen wird.

Blick auf Cuxhaven/View to Cushaven

Nach dem Abendessen, das wir heute ortsangepasst in einem Fischrestaurant eingenommen haben, wobei ich für einen Abend mein Vegetariersein vergessen habe und einen Fischteller gegessen habe, haben wir wieder versucht, Übernachtungsquartiere für die weiteren Tage zu finden, was uns auch halbwegs gelungen ist. Aber wie gestern schon erwähnt, es wird immer schwieriger etwas zu finden, was noch in unser geplantes Budget passt. Es ist jetzt eben Hochsaison und die Küste sicherlich nicht die billigste deutsche Urlaubsregion. Aber obwohl die ersten Versuche erschreckend ob der hohen Preise waren, fand sich am Ende doch noch etwas, was halbwegs akzeptabel war, auch wenn wir dafür die Routenplanung etwas abändern mussten. Aber so lange es so weitergeht, ist alles gut, etwas Spannung muss ja auch dabei sein.

Hier ist noch unsere heutige Tour: Bremerhaven nach Cuxhaven.

Ein anstrengender Tag/An Exhausting Day

Short English Summary: Today we had an exhausting day with several long and steep rises in the Rhön, another of the German Mittelgebirge. We crossed the divide between Rhein and Weser and will follow the river Fulda, one of the headwaters of the Weser, for the next days. The endpoint of our today’s stage is Schlitz, a city with many castles.

Vielleicht schreibe ich zu viel über das Wetter, aber wenn man den ganzen Tag draußen ist, spielt das Wetter eben eine sehr große Rolle. Heute haben wir es tatsächlich das erste Mal geschafft, den Tag ohne Regen zu verbringen. Teilweise war es richtig angenehm zu fahren, etwas Sonne, nicht zu viel, kein Regen und angenehme Temperaturen. Das war heute auch besonders wichtig, denn wir hatten eine der anspruchsvollsten Touren geplant durch die Rhön, unser nächstes Mittelgebirge auf unserer Tour, mit ein paar sehr langen und sehr steilen Steigungen. Insgesamt waren es zwar nicht die meisten Höhenmeter, aber die steilsten Anstiege. Ab jetzt geht es erstmal tendenziell abwärts (hoffentlich nur von der Höhe), wie auch heute auf der zweiten Hälfte. Dazwischen wird es zwar immer mal wieder kleine Anstiege geben, aber nicht so lange und steile.

Steiler Anstieg/Steep Rise

Heute hat sozusagen unsere Fahrt an der Weser begonnen. Nach dem längsten und steilsten Anstieg überquerten wir nämlich die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Ab jetzt fließt alles Richtung Weser, wie auch wir in diese Richtung fahren, angefangen mit der Fulda, einer der Quellflüsse der Weser, an der wir heute und die nächsten Tage entlang fahren werden, bevor wir dann ab Dienstag an der Weser bis Bremerhaven fahren werden.

Schutzhütte an der Rhein-Weser-Wasserscheide/Refuge at the Rhein Weser Divide

Aber bevor wir losfuhren, haben wir erst noch ein leckeres Frühstück in unserem Bett & Bike & Breakfast genossen. Dann ging es quer durch die Gemeinde Sinntal, die sich über viele Dörfer erstreckt, so dass wir gut 1 1/2 Stunden gebraucht haben. Einige Teile kannten wir noch von unserem Kurzurlaub vor ein paar Jahren in Sterbfritz, das auch zu Sinntal gehört. So haben wir z.B. die Burg Schwarzenfels erkannt, die wir damals besucht haben.

Beim Frühstück/At Breakfast
Burg Schwarzenfels/Castle Schwarenfels

Auch die Fulda haben wir vor ein paar Jahren schon besucht, als wir mit unseren Dresdner Freund*innen eine Paddeltour auf ihr gemacht haben. Falls ihr das lest, ihr Dresdner*innen: Erinnert ihr euch noch? An die Ausstiegsstelle in Pfordt konnten wir uns noch erinnern, das Cafè dort hatten wir aber etwas ruhiger in Erinnerung. Heute haben sich dort viele Motorradfahrer niedergelassen.

Die Fulda/The River Fulda
Motorrad-Treff in Pfordt/Biker Meeting in Pfordt

Das Ziel unserer heutigen Etappe war Schlitz, die Burgenstadt, in der ich auch schon einmal gewesen war, als meine Schwester dort ihr freiwilliges soziales Jahr gemacht hat. Und in einer der Burgen von Schlitz übernachten wir heute und schauen gerade Fußball (gerade hat Deutschland das Viertelfinale gegen Spanien verloren).

Die Burgenstadt Schlitz/The city of castles Schlitz

Mal sehen, wie es morgen weitergeht. Um wieder über mein Lieblingsthema Wetter zu sprechen, sind für morgen Nachmittag Gewitter angekündigt, weswegen wir morgen mal früher aufbrechen wollen, in der Hoffnung, noch vor dem Gewitter in Melsungen zu sein, wo wir dann zwei Tage bleiben werden, um uns mal nach fast 500 km einen Tag auszuruhen.

Heute gibt es auch wieder Links zu unserer Tour:

Teil 1

Teil 2