Zweite Ankunft in Sassnitz/Second Arrival in Sassnitz

Short English Summary: On a rainy day we do our second day of rest in Sassnitz. Yesterday we cycled from Putbus to Sassnitz, which we had already done on Thursday by train. On the way, we crossed several nature reserves, including the „Kleiner Zicker“ a small headland with cliffs. We also saw the spas Sellin and Binz and the huge complex of Prora, a former Nazi spa and later GDR army barracks.

Wir haben mal wieder alles richtig gemacht. Während ich gemütlich im warmen und trockenen Haus unserer Freunde in Sassnitz sitze und diese Zeilen schreibe, schaue ich dem ergiebigen Regen draußen zu und freue mich, heute nicht Fahrrad fahren zu müssen. Wie vorgestern schon geschrieben, sind wir am Donnerstag zwei Abschnitte gefahren, die ursprünglich als zwei Etappen geplant waren, damit wir hier zwei Ruhetage machen können. Nach Konsultation der Wettervorhersage für dieses Wochenende entschieden wir uns, die Ruhetage nicht am Stück zu machen, sondern gestern zu fahren und uns heute noch einmal auszuruhen und damit zum Einen dem Regen zu entgehen, den es jetzt tatsächlich gibt, und zum Anderen auch noch etwas Zeit mit Jens, Charlotte und Niels zu verbringen, die erst gestern Abend hier eingetroffen sind.

So sind wir also gestern zuerst wieder mit dem Zug nach Putbus gefahren, wo wir am Donnerstag aufgehört hatten, und dann wieder nach Sassnitz, diesmal aber mit dem Rad, gefahren, wo wir dann gestern Abend nach einem schönen Tag mit idealem Fahrradwetter, wenig Sonne, milde Temperaturen, kein Regen und wenig Wind, ein zweites Mal angekommen sind.

Während das Wetter sehr gut für uns war, setzte sich die durchwachsene Qualität der Wege von Donnerstag fort. Während wir teilweise selbst daran Schuld waren, wie z.B. kurz nach Anfang unserer gestrigen Tour, wo wir statt der Straße den Waldweg durch das Naturschutzgebiet Goor-Muglitz genommen haben, der aber noch halbwegs gut zu befahren war, gab es an anderen Stellen keine Alternativen, so dass wir ordentlich durchgeschüttelt wurden und manchmal auch eine Vollbremsung im Sand machen mussten. Aber das unangenehmste Stück war ein Stück Straße, das wir nicht umgehen konnten und auf dem gerade am Donnerstag ein Fahradfahrerin zu Tode gekommen ist. Aber auch das haben wir gut überstanden. Eine letzte Herausforderung hielt das Finale der gestrigen Tour noch für uns bereit, als wir hier in Sassnitz über Kopfsteinpflaster vom Hafen den Berg hochfahren mussten, was somit gleich zwei Schwierigkeiten auf einmal bedeutete.

Naturschutzgebiet Goor-Muglitz/Nature Reserve Goor-Muglitz

Aber nicht nur das Wetter war gestern schön, auch die Insel bot uns gestern wieder viel Abwechslung und interessante Fortbewegungsmöglichkeiten. In Moritzdorf gab es eine Ruderfähre über den Baaber Bek, die aber gestern nicht mit einem Ruderboot sondern mit einem Motorboot betrieben wurde, da der Verkehr zu stark war. Aber an manchen Tagen rudert der Fährmann wohl tatsächlich Menschen und Fahrräder mit reiner Muskelkraft die ungefähr 50m von Ufer zu Ufer. Aber auch mit dem Motorboot war es eine schöne Abwechslung.

Fähre über den Baaber Bek/Ferry across the Baaber Bek

Kurz nach der Ruderfähre gab es mal wieder eine dieser kleinen, giftigen Steigungen, die zwar nur 30 Höhenmeter überwinden, das aber auf einer Strecke von nur wenigen hundert Metern, was dann auch eine Steigung von 13% bedeutet, was mittlerweile aber für uns nach all dem Training der letzten Wochen keine Problem mehr bereitet. Belohnt wurden wir dann bei einem Abstecher zum Kleinen Zicker, einer kleinen Landspitze mit schönem Ausblick auf Meer und Felsklippen.

Rügener Berge/Mountains on Rügen
Kleiner Zicker

Zwei weitere Höhepunkte, zumindest was die Topographie betraf (immerhin 70m über dem Meer), erklommen wir dann im Wald zwischen Sellin und Binz, was landschaftlich sehr reizvoll war, aber (siehe oben) schwierig ohne Mountainbike zu bewältigen war. Damit sind wir dann übrigens doch nach Binz und anschließend auch durch Prora gefahren, was mir vorher nicht so ganz klar war. Aber wenn wir einfach die Küste entlang fahren, ist es dann wiederum doch nicht überraschend auch dort vorbei zu kommen. Vor einigen Jahren, als wir noch keine Kinder hatten (ich glaube, Beate war damals gerade mit Nadjeschda schwanger), also vor sehr vielen Jahren, haben wir schon einmal in Binz Urlaub gemacht und waren damals auch in Prora. Ich hatte den auch als „Koloss von Rügen“ (siehe auch Wikipedia) bekannten Gebäudekomplex, der im dritten Reich als KdF-Ferienkomplex angelegt wurde und zur DDR-Zeit als Kaserne genutzt wurde, aber gar nicht mehr so riesig in Erinnerung, jedoch erstrecken sich die übrig gebliebenen Teile auf über 2,5km Länge, während er ursprünglich sogar 4,5km lang war.

Teilkomplex in Prora/Parts of Building Complex in Prora
Ruinen von Prora/Ruins of Prora

Und am Ende des Tages nach dem letzten Anstieg waren wir dann wieder, wie schon am Donnerstag Abend, in Sassnitz, wo wir uns heute freuen, nicht in den Regen raus zu müssen, sondern bei Tee, Spielen und angeregten Gesprächen den Tag verbringen werden. Morgen werden wir dann Sassnitz endgültig verlassen und in drei Tagen die Umrundung der Insel beenden, worin jetzt doch ein Ausflug auf die Insel Hiddensee eingeschlossen ist. Wir haben doch noch eine halbwegs bezahlbare Möglichkeit gefunden mit der Fähre nach Hiddensee und wieder zurück zu kommen und eine entsprechende Übernachtung.

Hafen von Sassnitz/Port of Sassnitz

Die gestrige Tour gibt es in zwei Teiltracks wegen eines technischen Problems bei der Aufzeichnung:

Putbus-Sassnitz (Teil 1)

Putbus-Sassnitz (Teil 2)

Ein Inselruhetag/A Day of Rest on the Island

Short English Summary: Today we make another day of rest. Yesterday we cycled from Barth over Stralsund to Putbus on the Island of Rügen, which is the biggest German island. Here we stay a couple of days with friends and do some more trips around the island. Over two third of our tour through Germany is done, we will need only about two weeks to our final destination.

Nachdem wir den gestrigen Abend mit Manuela und ihren Eltern damit verbracht haben, Geschichten aus der untergegangenen DDR auszutauschen, wobei ich mangels Erfahrung eher Zuhörer war, melde ich mich jetzt zu ungewohnter Zeit am frühen Nachmittag mit meinem Tagesbericht. Bevor ich heute zum Schreiben kam, haben wir jedoch erst einmal Ruhetagsaktivitäten absolviert, wie Wäsche waschen, Fahrräder auf Vordermann bringen und einkaufen, und administrative Tätigkeiten erledigt, wie z.B. Rechnungen bezahlen, die auch im Urlaub eintreffen. Außerdem habe ich mir einen neuen Helm gekauft, nachdem bei meinem alten Rissspuren zu sehen waren. Jetzt sind wir wieder bereit, morgen zu unserer nächsten Tour über die Insel Rügen zu starten, auf der wir seit gestern sind.

Obwohl wir jetzt seit fast drei Wochen an Nord- oder Ostsee entlang fahren ist Rügen tatsächlich die erste Insel, die wir befahren, da wir die nordfriesischen Inseln links liegen gelassen haben und uns auch die eigentlich vom Ostseeküsten-Radweg vorgesehene Tour über Fehmarn gespart haben. Dafür werden wir hier gleich 6 Tage, inkl. zweier Ruhetage, bleiben, schließlich ist Rügen die größte deutsche Insel, deren Umfahrung 4 Tage braucht und außerdem Wohnort unserer Freunde Manuela und Jens ist, weswegen wir gleich zwei Ruhetage, nämlich heute und am Sonntag, eingeplant haben. Der Ruhetag am Sonntag war eigentlich so nicht vorgesehen, da aber die gestrige Etappe mit knapp unter 50km doch eher kurz gewesen wäre, und die ursprünglich für morgen eingeplante mit noch nicht einmal 40km sehr kurz gewesen wäre, haben wir beide kurzerhand zu einer Tour von fast 90km zusammengelegt, was gerade noch in unserem Tagespensum liegt, und uns damit noch einen weiteren Ruhetag am Sonntag verschafft, an dem wir dann auch Jens treffen können, der im Moment gerade nicht zuhause ist.

Bevor wir gestern nach Rügen kamen, sind wir aber erst einmal von Barth bis Stralsund gefahren, was zwar eine schöne Tour bei weiterhin angenehmem, nicht zu heißem Sommerwetter war, worüber es aber nicht viel zu berichten gibt, außer dass wir immer wieder schöne Ausblicke auf den Bodden oder die Ostsee hatten und gut vorankamen, da es so gut wie keine Steigungen gab und auch der Wind uns nicht unangenehm aufgefallen ist. Durch Stralsund sind wir einfach nur durchgefahren, da wir am Dienstag nach unserer Umfahrung von Rügen noch einmal durch Stralsund kommen werden und dann auch dort übernachten werden.

Blick auf Stralsund/View to Stralsund

Nach Passieren des Rügendamms waren wir dann auf der Insel und haben uns, wie oben schon erwähnt, entschieden noch bis Putbus weiter zu fahren. Auf der Insel hat sich die Landschaft mal wieder signifikant geändert: Während die letzten Tage fast komplett flach waren, wurde es auf Rügen wieder zunehmend hügeliger und auch erst einmal kein Wald mehr, sondern riesige Felder ohne Schatten, was dann doch etwas anstrengend war bei der heißen Augustsonne. Und auch der Straßenbelag oder besser die Oberfläche des Weges, denn von Straße konnte man nur selten reden, hat sich wieder start geändert bzw. wurde sehr vielfältig. Das Stück von Barth nach Stralsund war bis auf ein paar Stücke Kopfsteinpflaster in Barth und Stralsund doch weitgehend asphaltiert, während auf Rügen von gut ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis vollkommen unbefestigten Waldwegen und geschotterten Feldwegen alles vorhanden war. Aber am beängstigendsten waren die schmalen Landstraßen mit gutem Belag, die aber sehr stark von riesigen Traktoren mit großen Anhängern befahren wurden, vor denen man kaum ausweichen konnte. Und just gestern wurde hier in der Nähe von Sassnitz tatsächlich eine Radfahrerin von einem Traktor tot gefahren, was uns zeigte, dass unsere Angst nicht ganz unbegründet war. Dann lieber doch völlig kaputte Wege, auf denen man kaum vorankommt, als lebensgefährliche gut asphaltierte Straßen. Wir sind aber glücklicherweise gut in Putbus angekommen, von wo wir dann mit dem Zug nach Sassnitz gefahren sind und von wo wir dann morgen wieder mit dem Rad noch einmal nach Sassnitz fahren werden. Das hört sich etwas umständlich an, ermöglicht uns aber die Zeit hier in Sassnitz bei Freunden zu verbringen und nicht zuletzt die leidige Quartierssuche, die doch immer einen gutes Quäntchen Zeit beansprucht und meist nicht mit einem Schnäppchen endet, zu umgehen.

Brücke nach Rügen/Bridge to Rügen

Aber immerhin sind wir jetzt schon nach einem Monat in Rügen angekommen und haben immer, auch hier an der Ostsee in der Hochsaison, noch eine halbwegs bezahlbare Unterkunft gefunden, wovon wir nicht so überzeugt waren, als wir vor jetzt über einem Monat in Heidelberg gestartet sind. In diesem Monat haben wir jetzt insgesamt 2100km mit dem Rad zurückgelegt, waren an 28 Tagen auf dem Rad und sind dabei durch 8 Bundesländer gekommen, haben unzählige Welterbe und andere schöne Städte und Landschaften gesehen, sind durch Nationalparks gefahren und konnten ein sehr guten Einblick in die Vielfalt Deutschlands gewinnen (siehe auch unsere Komoot-Collection).

Unsere gemachten Touren in der Übersicht/Overview of our done trips

Und sind noch nicht am Ende. Gestern haben wir jedoch festgestellt, dass wir gar nicht mehr so viele Etappen vor uns haben, in gut zwei Wochen können wir an unserem Ziel in Ostritz sein, eine halbe Woche früher als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem daran, dass wir Hamburg, entgegen unseren ursprünglichen Planungen, übersprungen haben, damit Beate besser nach Heidelberg kam, und an manchen Tagen, wie gestern, doch mehr gefahren sind, als ursprünglich gedacht.

Aber vielleicht ergibt sich unterwegs auch noch die Chance für einen lohnenswerten Umweg, für den wir jetzt auch noch Zeit hätten. Eine Idee war, einen Abstecher nach Hiddensee zu machen, angesichts der damit verbundenen Kosten für Fähre und Unterkunft haben wir davon jedoch wieder Abstand genommen. Aber vielleicht findet sich auch noch etwas anderes.  Das ist der Vorteil, wenn man noch nicht alles bis ins Details im Voraus geplant hat, man hat immer mal wieder die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen.

Bevor ich meinen Zweitagesbericht beende noch eine kleine Ergänzung in der Rubrik lustige Ortsnamen: Gestern sind wir durch den kleinen Ort „Schabernack“ gefahren und das war tatsächlich kein Witz (siehe oben).

Das Ende von Schabernack/“See you“ in the village Schabernack (Schabernack means joke in German)

Zu allerletzt wie immer die gestrige Tour als Komoot-Track zum Nachradeln.