Hinter Gittern/Behind Bars

Short English Summary: Today we crossed another border between two German states: From Schleswig-Holstein to Mecklenburg-Vorpommern, where the former was part of Western Germany and the latter of Easter Germany. Our destination today was Wismar, whose old town is part of the UNESCO world’s heritage. There we stay in a hotel which was a former prison and in which the rooms are called „cells“.

Nachdem sich die Zellentür nun endgültig für diese Nacht hinter uns geschlossen hat, kann ich die Zeit nutzen wieder etwas über diesen Tag zu schreiben. Bevor wir in Neustadt gestartet sind, haben wir erst noch ein paar Einkäufe erledigt, so dass wir etwas später los kamen als sonst. Da wir aber das nächste bikeline-Buch in Neustadt nicht bekommen konnten, der Buchladen in Wismar, bei dem wir es dann reserviert haben, aber nur bis 18 Uhr auf hatte und wir wieder über 80km vor uns hatten, war ich mir nicht sicher, ob wir es rechtzeitig schaffen würden, um das Buch noch abzuholen. Aber, als kleiner Vorgriff, wir waren dann doch schon ungefähr um 17.30Uhr in Wismar, wenn es auch am Morgen noch nicht so danach ausgesehen hatte.

Überfahrt von Travemünde zum Priwall/Ferry Ride from Travemünde to Priwall

Denn nach nicht viel mehr als 5km wollte Beate in Sierksdorf für eine kleine Toillettenpause  anhalten. Da dort aber der Strand gerade noch leer war und die Ostsee so einladend blau schimmerte, überkam mich die Lust mal schnell reinzuspringen und ein paar Minuten zu schwimmen, was ich dann auch getan habe. Dadurch war es aber schon fast 12 Uhr bis wir richtig losgefahren sind. Außerdem haben wir den Fehler gemacht, getrennt wieder loszufahren, damit Beate ein bisschen Vorsprung hat, den ich bald wieder einzuholen gedachte. Wie es aber so geht, irgendwie bin ich dann doch wieder an Beate vorbeigefahren ohne es zu merken.  Zu allem Überfluss fand Beate aufgrund einer Umleitung nicht wieder auf den richtigen Weg zurück, so dass sie wieder an mir vorbei fuhr, während ich auf sie wartete. Aber am Ende haben wir uns dann glücklich wieder an der Fähre in Travemünde getroffen. Leider konnte Beate deswegen die Steilküste zwischen Timmendorfer Strand und Travemünde nicht sehen, was der Höhepunkt für mich während dieses Teil unserer heutigen Etappe war.

Steilküste bei Travemünde/Cliff Line near Travemünde

Während wir hier an der Küste entlang radeln ergeben sich immer wieder Beziehungen zu Urlauben oder Erlebnissen, die wir in der Vergangenheit hatten. In Kiel z.B. bei Klara mit ihrer Familie mit zwei kleinen Kindern sind uns viele Dinge eingefallen, die wir mit unseren Kinder erlebt haben, gestern bei der Fahrt zum Fehmarnsunt, unser Urlaub mit Sanja und Edina, den wir vor einigen Jahren dort verbracht haben. Das war übrigens auch der Grund, warum wir nicht die Schleife über Fehmarn mitnehmen wollten, da wir damals schon recht viel mit dem Rad gefahren sind und deswegen dachten, das meiste schon gesehen zu haben. Außerdem ist im Moment die Fehmarnsuntbrücke für Fahrräder gesperrt, weswegen es etwas umständlich gewesen wäre, dort hinzukommen.

Ein weiterer Urlaub, an den ich heute denken musste, war noch gar nicht so lange her. Zum letzten Jahreswechsel war ich nämlich mit meiner Schwester auf der Insel Poel, die in der Bucht vor Wismar liegt. Und als wir dort waren, haben wir natürlich auch Wismar mehrere Besuche abgestattet. Aber im Sommer ist die Stadt noch viel schöner als im grauen Winter, wobei sie mir damals auch schon sehr gefallen hat, was keine Kunst ist, schließlich ist die Altstadt zusammen mit der von Stralsund Welterbe der UNESCO (ich weiß gar nicht, das wievielte Welterbe wir jetzt schon auf unserer Tour gesehen haben, manchmal denke ich, es ist schon fast etwas besonderes in Deutschland kein Welterbe zu haben).

Blick auf die Insel Poel/View to the Island of Poel

Und noch eine Beziehung zu einem vergangenen Urlaub verbinde ich mit Wismar, nämlich unseren Urlaub in Rerik, nicht weit von Wismar, das wir morgen durchfahren werden. Damals musste ich während des Urlaubs zurück nach Heidelberg fahren, da ich ein Bewerbungsgespräch in Karlsruhe hatte, was aber nicht sehr erfolgreich war, weshalb ich heute immer noch bei SAP arbeite. Was mir aber noch viel eindringlicher im Gedächtnis blieb, ist Nadjeschdas paralleler Aufenthalt in Montpellier. Ich glaube, es war ihr erster Urlaub ohne uns, sie war damals 12 Jahre alt und mit dem Stadtjugendring zum Jugendaustausch in Heidelbergs Partnerstadt. Leider hat es am Anfang für sie gar nicht gepasst, sie kam mit ihrer Gastfamilie nicht zurecht und mit ihren rudimentären Französischkenntnissen war auch die Kommunikation schwer. Deswegen rief sie uns ständig über das Mobiltelefon an, das wir ihr für den Notfall mitgegeben hatten. Da es aber so viele Notfälle gab und Telefonieren von Frankreich nach Deutschland damals noch teuer war, war das Guthaben schnell aufgebraucht, so dass wir ständig nachladen mussten, bis plötzlich überhaupt kein Anruf mehr kam, was uns noch mehr in Sorge brachte. Wie sich dann aber glücklicherweise herausstellte, war eine Lösung gefunden worden, in dem Nadjeschda zu einer anderen Familie kam, bei der auch schon ihre Freundin war. Da das ja kein Notfall mehr war, wurden wir auch nicht darüber informiert, dass es ihr wieder gut ging.

Das besondere an dieser Reise ist, dass diese ganzen isolierten Orte, die man mal aufgesucht hat, plötzlich in eine räumliche Beziehung gebracht werden. Während es vorher einzelne Punkte auf der Landkarte waren, die man mit dem Zug anfährt und dann wieder nach Hause zurückkehrt, fährt man jetzt diese Orte nach und nach an, stellt fest, wie nah oder fern sie zueinander liegen, und wie sich zwischen ihnen Land und Leute ändern. Heute hat sich z.B. auch wieder die Erscheinung der Ostseeküste signifikant geändert. Während die letzten Tage die Küste eher flach war mit einigen Hügel im Hinterland, gibt es hier immer mehr Steilküsten, was das Radfahren die Küste entlang noch etwas abwechslungsreicher, aber auch anstrengender, macht mit dem ständigen Auf und Ab, was mir aber auch besser gefällt. Die Steigungen sind zwar immer kurz, aber unter Umständen doch recht steil. Aber so gibt es auch immer wieder kleine sportliche Herausforderungen auf der Strecke.

Mit dem Passieren von Travemünde bzw. dem Priwall haben wir auch wieder eine Bundeslandgrenze überschritten, diesmal die zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die früher auch die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten war. Deswegen war an der Grenze auch ein Gedenkstein aufgestellt, der dieser Teilung gedachte. Dort haben Beate und ich natürlich auch eine kleine Gedenkminute eingelegt, schließlich sind wir in unterschiedlichen deutschen Staaten aufgewachsen und hätten uns ohne die friedliche Revolution in der DDR, die letzten Endes auch diese Grenze zu einer einfachen Bundeslandgrenze gemacht hat, wahrscheinlich nie kennenlernen können.

Gedenkstein an der ehem. deutsch-deutschen Grenze/Memorial at the former German-German Border

Noch ein anderer Unterschied in der Landschaft heute war, dass die Küste hier oft einem Waldstreifen hat, was besonders bei der Sommersonne, die jetzt fast durchgehend scheint, das Radfahren angenehmer durch Schatten und etwas Kühle, obwohl die Temperaturen für unsere Verhältnisse doch recht angenehm sind (gerade war im Wetterbericht von 37°C die Rede, während es hier um die 25°C sind).

Blick auf das Meer/View to the Sea

Eine letzte Sache, die ich heute noch kurz erwähnen möchte, ist die Katastrophe der Cap Arcona, die sich in den letzten Kriegstagen 1945 in der Lübecker Bucht vor Neustadt ereignet hat und bei der 4600 KZ-Häftlinge ums Leben kamen. In Neustadt gibt es ein eigenes Museum dazu und immer wieder an der Küste hier gibt es Gedenkstätten, wo Opfer angespült wurden. Auch auf der Insel Poel, wo wir zum Jahreswechsel waren, gab es eine etwas größere Gedenkstätte, an der auch etwas zu den Hintergründen erklärt wurde.

Und nun muss ich auch noch meinen Eingangssatz auflösen. Wir schlafen heute nämlich in einem Hotel, das früher eine Jugendarrestanstalt war, das „Kittchen“ heißt und in dem die Zimmer „Zellen“ heißen.

Hier noch unsere heutige Tour: Neustadt-Wismar.

Überholen ohne einzuholen/Passing without Catching up

Short English Summary: Since I didn’t have time yesterday to write something because we spent a lot of time on planing the next days, I summarize two days today. Yesterday we went from Kiel to Gremersdorf, a small village on the highway to the island of Fehmarn, and today from Gremersdorf to Neustadt in Holstein. We had two days of good weather with sunshine and no rain. Today, Beate and me cycled partly different ways because the planned way was to long for Beate so that she did a shortcut. I cycled about 20km more and had a challange to catch her up which I failed, but then realized that I passed her nevertheless. The night we stay at Neustadt, a beautiful small town near the Baltic Sea.

Während Beate ihren obligatorischen Sonntagabend-Tatort schaut, versuche ich noch ein paar Gedanken und Erlebnisse über die letzten beiden Tage aufzuschreiben. Den gestrigen Abend nutzten wir mal wieder zu weiteren Planung unserer Reise, die jetzt bis nächsten Montag weitgehend steht. Leider stellte sich das wieder als nicht so einfach dar, zum einen, weil nur noch wenige bezahlbare Quartiere dort frei sind, wo wir sie gerne hätten, zum anderen, weil dann auch noch solche Zusatz-Erschwernisse wie am nächsten Wochenende nicht fahrende Fähren auf Rügen hinzukommen. Letzteres mag für Autofahrende ärgerlich sein, wenn man 50km Umweg machen muss, für uns als Radfahrende ist das aber ein k.o.-Kriterium, weil dann plötzlich die mit 80km geplante Tour 130km lang wird. Deshalb mussten wir die Abfolge unserer Rügen-Etappen umdrehen. Wir fahren jetzt nicht im Uhrzeigersinn um Rügen, sondern im Gegenuhrzeigersinn und hoffen, dass dann die Reparatur an der Fähre, wie angekündigt, am Montag Nachmittag fertig ist und wir sie am Dienstag Morgen nützen können.

Diese ganze Planerei und Umplanerei hat uns dann den ganzen gestrigen Abend gekostet, obwohl wir in Ermangelung von Alternativen in Gremersdorf sowieso nichts anderes machen konnten. Das Hotel in Gremersdorf war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer mal wieder auf unserer Reise erleben, diesmal aber eher eine negative, nach den vielen positiven. Eigentlich hatten wir uns ein kleines gemütliches Dorfhotel vorgestellt, fanden dann aber ein unpersönliches Autobahnhotel mit überfordertem und überlastetem Personal vor, in dessen Restaurant (das einzige im Dorf) ist bis auf Vorspeisen nichts vegetarisches zu essen gab. Außer dem Hotel, einer Tankstelle und einem Autohaus gab es in diesem Dorf nichts weiteres, so dass wir nach dem schnellen Abendessen genügend Zeit für unsere Planung hatten. Aber wie schon erwähnt, hat das dann so lange gedauert, dass ich zu müde war, um noch etwas zu bloggen.

Neustadt in Holstein

Heute dagegen sind wir in Neustadt in Holstein, ein süßes, kleines Städtchen, das im Gegensatz zur Nachbarstadt Grömitz, in der wir ursprünglich übernachten wollten, nicht so überlaufen ist und in dem wir ein Brauhaus gefunden haben, in dem wir gut Abend essen konnten. Und trotz unseres Stadtbummels habe ich jetzt noch ein bisschen Zeit, euch zu erzählen, was wir so erlebt haben.

Hafen von Neustadt/Harbor of Neustadt

Aber generell ist die Ostseeküste eine eher ambivalente Sache, auf der einen Seite landschaftlich sehr reizvoll, abwechslungsreich, mit Sandstränden am Meer, sanften Hügeln im Binnenlanden, schönen Städten, aber auf der anderen Seite hoffnungslos überlaufene Ostseebäder mit riesigen Hotel- und Ferienwohnungskomplexen und Trubel ohne Ende. In Heiligenhafen konnte man z.B. sehen, dass Plattenbauviertel wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal von osteuropäischen Städten sind, wenn sie auch im Osten eher noch größer sind.

Blick auf Heiligenhafen/View to Heiligenhafen

Grömitz scheint auch eher in die Rubrik überlaufenes Ostseebad zu fallen, während Neustadt, wie schon gesagt, eher übersichtlich und ruhig ist, aber deswegen haben wir hier auch noch ein halbwegs bezahlbares Hotel gefunden, was in Grömitz nicht möglich war. Der Nachteil dabei war nur, dass wir deswegen 20km mehr als ursprünglich geplant fahren mussten, was sich dann am Ende mit einigen zusätzlichen Kilometer aufgrund von Verfahren zu 100km summierte. Glücklicherweise gab es für Beate aber eine Abkürzung, da der Hinweg zur Fehmarnsuntbrücke nur 200m vom Rückweg entfernt verlief, so dass Beate die Abkürzung nehmen konnte, während ich noch bis zur Fehmarnsuntbrücke gefahren bin, was ungefähr 20km mehr waren. Für mich hatte das auch den Vorteil, dass ich heute mal mein eigenes Tempo fahren konnte, ohne auf Beate warten zu müssen. Da ich so schneller als sie war, rechnete ich damit, sie ungefähr nach 2 1/2h wieder einzuholen. Als ich nach dieser Zeit Beate noch nicht eingeholt hatte, rief ich sie an, um herauszufinden, wo sie wäre, und musste dabei feststellen, dass ich sie schon überholt hatte, ohne sie eingeholt zu haben. Wahrscheinlich sind wir geringfügig unterschiedliche Wege gefahren, so dass wir uns nicht gesehen haben. So habe ich dann noch ein paar Minuten gewartet, bis Beate wieder bei mir war.

Fehmarnsunt mit Brücke/Fehmarnsunt and Bridge

Während ich am Freitag so frustriert ob des schlechten Wetters war, haben die letzten beiden Tagen mich wieder versöhnt: Kein Tropfen Regen (zumindest am Tag, letzte Nacht hat es ziemlich viel geregnet), Sonnenschein und zumindest gestern Wind aus der richtigen Richtung. Heute dagegen war der Wind teilweise ziemlich heftig, vor allem ein langes Stück auf dem Deich, auf dem wir voll im Wind waren, mussten wir ganz schön gegen den Wind ankämpfen.

So, jetzt ist der Tatort gleich fertig und auch ich mit meinem heutigen Artikel. Morgen werden wir nach Wismar fahren, wo wir in einem ehemaligen Gefängnis übernachten werden. Ich bin gespannt, wie das sein wird. Zum Abschluss noch wie immer unsere heutige Tour bzw. meine Tour, Beates ist ohne den Schlenker zum Fehmarnsunt: Gremersdorf-Neustadt, und auch noch die von gestern: Kiel-Gremersdorf.

Von Förde zu Förde/From Fjord to Fjord

Short English Summary: Today we went from the Flensburg Fjord to the Kiel Fjord, where we only cycled to Eckernförde and took the train for the remainder to Kiel. Unfortunately, it was bad weather with a lof of rain the whole day. The night we will stay with Klara, one of our nieces, in Kiel.

Diesmal zögere ich etwas über den Tag zu schreiben, weil ich fürchte, dass es insgesamt eher wenig erbaulich werden wird. Aber mal sehen, vielleicht fällt mir beim Schreiben doch etwas schönes ein. Heute war wieder so ein Tag, an dem man hofft, dass der Wetterbericht nicht richtig ist, dann aber betrübt feststellen muss, dass er doch ziemlich genau das Wetter vorhergesagt hat. So begann der Tag also mit leichtem Regen, wobei wir beim Frühstück noch hoffnungsvoll waren, da es nur ein paar Tropfen regnete. Doch bis wir dann endlich losgefahren sind, hatte es sich richtig eingeregnet, so dass wir gleich unsere komplette Regenkleidung anzogen und dann in strömenden Regen starteten.

Nachdem wir gestern die Flensburger Förde fast umrundet hatten, führte uns der Weg heute entlang der Ostseeküste über die Schleimündung und die Eckernförder Bucht zur Kieler Förde, was, wie gestern schon angekündigt, fast 120km gewesen wären. Aber ziemlich bald wurde uns klar, dass wir das nicht bis 18Uhr schaffen würden, die Zeit, zu der wir uns mit Klara in Kiel verabredet hatten. Vor allem da zu dem Regen auch noch bei Nässe schwer zu befahrende, durchnässte Schotterwege als Untergrund dazukamen, so dass wir nur sehr langsame vorankamen, was außerdem auch keinen besonderen Spaß machte. Manchmal hatte man den Eindruck, der Weg wurde absichtlich auf möglichst schlechtem Untergrund geführt, so dass ich für mich die Regel aufstellte, wenn an einer Kreuzung unklar ist, wo es weitergeht, ist es bestimmt der weniger gute Weg.

Durchnässter Weg am Ostseestrand/Wet Way at the Beach of the Baltic Sea

Aber ich wollte ja auch etwas positives schreiben: Der Matsch von vorgestern wurde heute komplett vom Regen abgespült, dafür aber durch Sand und anderen Dreck ersetzt. Irgendwann gegen Mittag wurde es dann aber heller und es hörte dann auch auf zu regnen, so dass ich in Kappeln an der Schleimündung, dann doch auch ein paar Bilder machen konnte.

Kappeln an der Schleimündung/Kappeln at the Mouth of the Schlei

Leider wird hier der Ostseeradweg (und andere touristische Radwege) bei der Baustellenplanung nicht so richtig Ernst genommen. Wiederholt standen wir plötzlich vor gesperrten Wegen ohne Hinweis auf eine Umleitung oder andere weiterführende Informationen, so z.B. auch in Damp, wo der Strandweg einfach gesperrt war und als einzige sichtbare Alternative der Sandstrand selbst vorhanden war. Zum Glück sind wir mit modernen Kommunikationsmitteln und entsprechenden Apps ausgestattet, so dass wir uns eine eigene Umleitung erstellen konnten. In anderen Regionen, z.B. an der Tauber und auch an der Weser, haben wir aber durchaus erlebt, dass explizite Umleitungen beschrieben und auch ausgeschildert waren. Wie auch immer, wir haben einen Weg gefunden und mussten unsere Räder nicht durch den Sand schieben.

Ende des Radwegs/End of the cycle way

Zu guter Letzt erreichten wir dann, nach mehreren neuen Regenschauern, Eckernförde, was übrigens bei schönem Wetter bestimmt auch schön ist. Dort entschieden wir dann endgültig, das letzte Stück nach Kiel mit dem Zug zu fahren, obwohl ich mir bis zuletzt offen gehalten hatte, doch noch wenigstens alleine mit dem Rad zu fahren. Aber da es schon nach 16 Uhr war und ich die verbleibenden 35km heute wahrscheinlich nur mit Mühe in zwei Stunden gescahfft hätte und einfach heute keine Lust mehr hatte, vor ich dann auch mit Beate im Zug, so dass jetzt in unserer Route eine kleine Lücke sein wird. Trotzdem sind wir bislang 1600km gefahren und haben damit die Hälfte der geschätzten 3200km für die ganze Tour geschafft.

Der Hafen von Eckernförde/The Habor of Eckernförde

Und jetzt sitzen wir bei Klaras Familie auf dem Sofa und erholen uns erst einmal von dem Tag und hoffen, dass nicht mehr viele ähnliche folgen werden. Trotzdem hier unser aufgezeichneter Track.

An der Ostsee/At the Baltic Sea

Aus dem Fenster unseres Hotelzimmers blickend sehen wir Kühe auf der Weide vor dem Hintergrund der Ostsee bzw. der Flensburger Förde.  Nachdem ich Beate vom Zug abgeholt hatte, sind wir noch zu einer kleinen Nachmittagstour in das Dörfchen Hunhoi aufgebrochen. Aber auch wenn es nur eine relativ kurze Strecke war (nicht einmal 50km) hatte sie es doch in sich. Wie gestern schon ging es ständig bergauf und bergab, so dass wir am Ende doch wieder über 450 Höhenmeter waren. Aber die Mühen jeden kleines Aufstiegs von 0 auf 50m über dem Meer wurden durch einen mehr oder weniger grandiosen Ausblick auf das Meer und eine anschließende kurze Abfahrt belohnt. Ganz im Gegenteil zum ständigen auf und ab an der Nordsee, das immer nur auf den Deich führte und wieder hinunter und man meistens auch oben nur flaches Land gesehen hat.

Leider waren die Wege dafür nicht immer so gut zu befahren, aber so schlimm wie gestern war es nicht. Aber wir sind gespannt, wie es sich die nächsten zwei Wochen entwickeln wird, die wir planen an der Ostsee entlang zu fahren. Morgen wollen wir dann nach Kiel fahren, das aber fast 120km von hier entfernt ist. Ursprünglich waren zwei Etappen von ungeführ 85km geplant. Da wir aber heute nur knapp 50km gefahren sind, müssten wir morgen eigentlich wie gesagt  120km fahren. Aber ich habe mir schon ein paar Abkürzungen ausgedacht bzw. wir können auch ab Eckernförde mit dem Zug fahren und damit 30km einsparen. Das werden wir vom Wetter abhängig machen, das leider nach zwei sonnigen Tagen pünktlich zu Beates Rückkehr wieder regnerischer geworden ist. Besonders für morgen ist den ganzen Tag REgen angekündigt. Aber noch haben wir Hoffnung, dass es nicht so schlimm werden wird.

Viel mehr gibt es heute auch nicht zu berichten, außer dass ich schon ziemlich müde bin und deswegen gleich ins Bett gehen werde. Aber zum Schluss noch unsere heutige Tour.

Solo in den Bergen/Solo in the Mountains

Short English Summary: Today I stayed alone in Flensburg and used the time for an excursion on the Ochsenweg (oxen way or Hærvejen) from Flensburg to Schleswig. There I saw the castle Gottorf, one of the most prominent buildings in the state of Schleswig-Holstein, the city Schleswig with its remarkable cathedral, and Haithabu, an old city of the Vikings in middle age.

Für die, die wissen, wo wir gerade sind, mag diese Überschrift etwas seltsame klingen, aber  in der Tat habe ich heute Beates Abwesenheit ausgenutzt, einen kleinen Abstecher ins Binnenland von Schleswig-Holstein zu unternehmen, und bin dabei ein Stück auf dem Ochsenweg, einem historischen Weg durch die kimbrische Halbinsel, der früher ein bedeutender Weg für den Viehtrieb war (deswegen sein Name), aber schon seit der Bronzezeit besteht und auch Heerweg genannt wird, unter anderem durch die Fröruper Berge gefahren. Die höchste Erhebung war zwar 60m ü.NN, aber durch das ständige Auf und Ab kam ich am Ende doch auf 400 Höhenmeter.

Singletrail auf dem Ochsenweg/Single Trail on the Ochsenweg (Oxen Way or Hærvejen)

Irgendjemand hat mal von diesem Weg geschwärmt, so dass ich die Gelegenheit nutzen wollte, wenigstens ein Stück davon zu fahren. Leider hat dieser jemand vergessen zu erwähren, dass es eher ein Mountainbike-Weg ist, es ging nämlich über Stock und Stein durch den Wald, Single-Trails entlang und immer wieder durch matschige Abschnitte, so dass mein Rad jetzt nicht mehr grau sondern braun ist. Ich war nur froh, dass ich froh, dass ich vor unserer Abreise meine profillosen Sportreifen noch durch etwas robustere Tourenreifen ausgetauscht hatte. Mit den alten hatte ich schon auf dem Weg zwischen Heidelberg und Walldorf öfter mal einen Platten. Aber heute ging, bis auf den Dreck, alles gut.

Schloss Gottorf/Castle Gottorf

Da ich natürlich heute keine Zeit hatte, den ganzen Ochsenweg zu fahren, schließlich werden das so um die 450km sein, habe ich mir nur den Abschnitt von Flensburg bis Schleswig herausgepickt. Und Schleswig war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer wieder auf unserer Tour erlebt haben und hoffentlich weiter erleben werden. Bis auf die Tatsache, dass Schleswig dem Bundesland Schleswig-Holstein den ersten Teil des Namens gegeben hat, wusste ich nichts über diese Stadt. Um so überraschter war ich, als ich als erstes das Schoss Gottorf, einem der bedeutendsten Profanbauten Schleswig-Holsteins (Wikipeadia), erblickte, noch bevor ich Schleswig erreichte.

Schleswig mit Dom und Schlei/Schleswig with Cathedral and Schlei

Aber damit noch nicht genug, malerisch an der Schlei, einem schmalen Meeresarm der Ostsee, gelegen, hat Schleswig auch noch eine schöne Altstadt und vor allem einen Dom, mit einem prächtigen Holzschnitzaltar zu bieten. Ich weiß nicht, wie viele Figuren dort zu sehen sind, aber man kann gar nicht mehr aufhören, immer wieder neue zu entdecken. Schon allein dafür hat sich die Fahrt gelohnt.

Altar im Schleswiger Dom/Altar in Schleswig’s Cathedral

Und am Ende meines Ausflugs bin ich auch noch an der alten Wikingerstadt Haithabu und dem Danewerk, der mittelalterlichen dänischen Grenzbefestigung, die beide zusammen als UNESCO-Welterbe anerkannt sind, vorbeigefahren. Von dem Danewerk kann man auch heute noch den Verlauf der Erdwälle erkennen und in Haithabu gibt es ein Museum und ein paar nach archäologischen Funden rekonstruierte Häuser zu sehen.

Rekonstruierte Wikingerhäuser/Reconstructed Vikings‘ Houses

Alles in Allem war heute also wieder ein sehr abwechslungsreicher, überraschender und lehrreicher Tag für mich. Da ich gestern nichts geschrieben habe, jetzt aber noch eine Kurzzusammenfassung. Gestern morgen habe ich erst Beate zum Bahnhof gebracht, dann eine kleine Laufrunde durch die Marienhölzung, einem kleinen Waldgebiet in Flensburg und gleichzeitig ihre höchste Erhebung, gemacht und war dann noch im Kino in der Vorabendvorstellung. Leider habe ich danach nichts mehr zu essen bekommen, da ich mich erst nicht so richtig entscheiden konnte, auf was ich Lust hatte und dann plötzlich um 21 Uhr alles zugemacht hat bzw. in den noch geöffneten Restaurants auch die Küchen schon aufgehört hatten zu arbeiten. Deshalb habe ich noch ein schnelles Eis in der auch gerade schließenden Eisdiele geholt und damit meinen Tag ohne richtiges Abendessen beschlossen. Aber so richtig Hunger hatte ich sowieso nicht und zur Not hätte ich auch noch Brot und Käse gehabt.

Morgen kommt dann Beate wieder nach Flensburg zurück und wir werden dann den vierten Abschnitt unserer Deutschlandtour mit dem Ostseeküstenradweg beginnen. Dabei bin ich tatsächlich gespannt, wie das vor allem mit den Unterkünften weitergehen wird. Für morgen haben wir schon ein Hotel, am Freitag werden wir bei unserer Nichte Klara in Kiel schlafen und für Samstag habe ich auch schon ein Hotel zwischen Oldenburg und Heiligenhafen gefunden. Aber für Sonntag, wenn wir eigentlich bis Grömitz fahren wollen, habe ich noch nichts gefunden, weder bei Bett&Bike noch bei booking.com noch bei Komoot. Es bleibt also spannend. Falls also jemand, der oder die das liest, eine Idee hat, lasst es uns bitte wissen.

Und hier meine gestrige Laufrunde und meine heutige Fahrradtour:

Laufrunde durch die Marienhölzung

Ochsenweg zwischen Flensburg und Schleswig

Von Meer zu Meer/From Sea to Sea

Short English Summary: Today we hit the first German border after three weeks of cycling, a part of our tour went through the south of Denmark. This was the most northern part, from now on we will slowly head to the south again. We finally left the North Sea and reached with Flensburg the first city on the Baltic Sea. Flensburg is a beautiful city with a nice old town and a historic harbor, which is also the center of the Danish minority in Germany.

Nach drei Wochen und einem Tag Fahrt haben wir endlich erstmalig eine deutsche Staatsgrenze überschritten, nämlich die zwischen Deutschland und Dänemark. Damit haben wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und bewegen uns ab heute langsam wieder gen Süden, wobei wir heute schon im äußersten Süden waren, nämlich dem von Dänemark (Süderjütland). Dabei fällt mir ein Missverständnis ein, dass ich vor vielen Jahren während meines Erasmusjahrs in Florenz hatte. Damals las ich ein (italienisches) Buch über die Kunstgeschichte Italiens, in dem immer wieder vom Einfluss der nordici die Rede war, was ich für mich mit Nordländer wie Dänemark oder Schweden übersetzte und mich darüber wunderte, wie diese Länder so großen Einfluss auf Italien ausüben konnten, bis mir irgendwann klar wurde, dass aus italienischer Perspektive die Nordländer Deutschland und Frankreich sind, womit alles viel mehr Sinn ergab. So waren wir heute also gleichzeitig im äußersten Norden Deutschlands und im äußersten Süden Dänemarks an einem Tag, wobei man sich in Flensburg, unserem heutigen Zielort, auch teilweise noch wie in Dänemark fühlen kann, so viel hört und liest man Dänisch.

Deutsch-Dänische Grenze/Border between Germany and Denmark

Aber mit den Sprachen in Schleswig-Holstein ist es sowieso eine spannende Sache; obwohl es hier nur ungefähr 3 Millionen Einwohner gibt, gibt es gleich vier offizielle Sprachen: Hochdeutsch, Niederdeutsch (auch Platt genannt), (Nord-)Friesisch und Dänisch. Außerdem ist auch noch Romanes als Minderheitensprache anerkannt. In Meldorf z.B. waren die Straßennamen auch in Niederdeutsch angeschrieben, in Nordfriesland teilweise in Friesisch, so nannte das Ortseingangsschild von Niebüll auch Naibel als friesischen Namen. Weiterhin gibt es noch Südjütisch (Plattdänisch), Petuh und Missingsch (siehe auch Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein).

Haus der dänischen Minderheit in Schleswig/House of the Danish Minority in Germany

So sind wir heute also vom Niebüll im Nordfriesischen Sprachraum nach Flensburg im Dänischen Sprachraum gefahren, außerdem von einem Meer, der Nordsee, zu einem anderen Meer, der Ostsee, und, bis auf einen kleinen Abstecher nach Dänemark immer im gleichen Bundesland geblieben. In Frankreich gibt es einen Wanderweg, der auch von einem Meer, nämlich dem Mittelmeer, an ein anderes Meer, den Atlantik, führt, wozu man ungefähr 60 Etappen braucht, während wir heute von Meer zu Meer kaum mehr als 60km gefahren sind. Also Schleswig-Holstein bietet Abwechslung auf engstem Raum.

Strand in Wassersleben/Beach in Wassersleben

Abwechslungsreich war auch die Landschaft und das Wetter und unsere Unterkunft. Heute morgen fuhren wir bei leichtem Nieselregen unweit der Westküste in flachem Land von unserer kleinen Bett&Bike-Pension mit persönlicher Betreuung los, fuhren dann quer durchs Binnenland, wo die Landschaft zunehmend hügeliger und waldreicher wurde und die Sonne immer mehr zum Vorschein kam, und kamen dann am Nachmittag im überraschend hügeligen Flensburg bei strahlendem Sonnenschein an, wo wie Quartier in einem großen Gästehaus bezogen, in dem man den Schlüssel nach der Internetbuchung und -bezahlung absolut anynom über einen per e-Mail verschickten Code aus einem Schlüsselsafe holen konnte, wobei ich nicht sagen will, dass das Gästehaus schlecht ist, die Zimmer sind freundlich, sparsam, aber gemütlich eingerichtet und sauber. Aber sonst ist es das genaue Gegenteil von unserer gestrigen Unterkunft.

Waldstück in Dänemark/Forestal Area in Denmark

Auch Flensburg ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Niebüll. Während Niebüll ruhig und verschlafen, ohne besondere Sehenswürdigkeiten und interessante Bauwerke ist, ist Flensburg eine lebhafte Stadt mit sehenswerter Altstadt, einigen alten Kirchen im Stil der Backsteingotik, einem historischen Hafen, um den sich zahlreiche Cafès und Restaurants angesiedelt haben, und malerischen Ausblicken auf die Flensburger Förde. Ich denke, ich werde hier die nächsten zwei Tage, während Beate nach Heidelberg und wieder zurück fährt, gut verbringen können.

Der Hafen von Flensburg/The harbor of Flensburg

Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, dass die Landschaft vor Flensburg wieder etwas hügeliger geworden ist, zwar weit entfernt von den Mittelgebirgen, die wir in der ersten Woche durchquert haben, aber immerhin haben wir heute wieder 270 Höhenmeter überwunden. Und vor allem den letzten Anstieg vor Flensburg hat Beate völlig freiwillig, in Abweichung vom geplanten Weg an der Förde entlang, mit großem Elan, so dass ich kaum mitgekommen bin, erklommen. Offensichtlich beginnt sich das dreiwöchige Training bislang auszuzahlen…

Damit ihr das auch auf der Karte nachvollziehen könnt, hier unsere heutige Tour: Niebüll-Flensburg.

Hoch im Norden/High in the North

Short English Summary: Today we almost reached the most northern part of our tour, Niebüll near the Danish border. We cycled near the sea the whole day but will leave the North Sea tomorrow to head for Flensburg, where the Baltic coast route starts.

Mittlerweile haben wir nach drei Wochen Radfahren fast den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Nur noch wenige Kilometer trennen uns von der dänischen Grenze, die wir morgen auch kurz überfahren werden. Aber zu erst werde ich euch schreiben, was uns heute widerfahren ist und welche Gedanken uns so durch den Kopf gegangen sind.

Ähnlich wie gestern war heute wieder ein für Nordseeverhältnisse sehr heißer und vor allem schwüler Tag, aber das erwartete Gewitter hat sich bis jetzt noch nicht blicken lassen, wenn es auch jetzt schon bedeutend kühler und bewölkter geworden ist. Wahrscheinlich wird es in der Nacht noch losbrechen. Aber dann sind wir sicher im Trockenen und bis morgen früh ist hoffentlich alles vorbei (mit dem Unwetter meine ich, unsere Tour ist lange noch nicht vorbei). Heute sind wir in einer Bed&Bike-Pension in Niebüll abgestiegen, die von einer sehr netten und fürsorglichen Frau betrieben wird.

Während der gestrige Abschnitt unserer großen Tour etwas eintönig war und wir wenig von der Nordsee gesehen haben, war es heute wieder abwechslungsreicher und es ging immer, bis auf die letzten 20km von Dagebüll nach Niebüll, nahe am Meer entlang, teilweise gefühlt sogar mitten durch, zumindest war rechts und links Wasser. Der Nachteil der Wegführung so nah am Meer sind die vielen Tore, die man überwinden muss. Es geht immer Tor auf, Tor zu, Deich hoch, Deich runter, Tor auf, Tor zu, Deich hoch und wieder runter usw. Bestimmt haben wir heute 50 mal ein Tor in einem Deichschutzzaun geöffnet und wieder geschlossen. Dafür hatten wir weitgehend asphaltierte Wege und wenig Holperstrecken, so dass ich die Abschnitte zwischen zwei Deichtoren immer mal wieder zu kleinen Sprints nutzen konnte.

Inseln im Meer/Islands in the Sea

Landschaftlich war es auch abwechslungsreich: Salzwiesen, Watt, am Horizont im Meer einige Halligen oder Inseln, Siele, Kooge (oder was ist der Plural von Koog?), Vögel, Schafe, alles, was man von so einem Tag an der  Nordsee erwartet und über allem eine fast himmliche Ruhe, abgesehen von Vogelgezwitscher und einem gelegentlichen Schafblöken waren die Rollgeräusche unserer Fahrräder die einzigen hörbaren Geräusche.

Vögel for Windrädern/Birds in front of Windmills
Schafe vor Meer/Sheep in front of the Sea

Beim Stichwort Himmel fallen mir auch gleich wieder ein paar neue Beispiele für unsere Rubrik bemerkenswerte Ortsnamen ein. Heute waren wir in „Süden“, „Westen“, und „Norden“ (nur „Osten“ haben wir nicht gesehen), sind knapp an „England“ vorbeigefahren (dabei dachten wir, dass wir im Frühjahr bei unserem Urlaub in der Bretagne schon nahe an England bzw. den britischen Kanalinseln waren, aber heute sind wir nur einen Kilometer an England vorbeigefahren), waren „Oben“ und „Unten“ und zum Höhepunkt fuhren wir durch „Gotteswohnung“ und sahen „Gotteskoog“. Da war es auch zu verschmerzen, dass es hier in Niebüll außer dem Terminal, an dem die Autos auf die Züge nach Sylt verladen werden, nichts besonderes zu sehen gab.

Wegweiser in Nordfriesland/Signpost in Northern Frisia

Ein anderes Motiv, dass sich durch unsere Reise zieht, sind die diversen Dagegen-Initiativen. Ich glaube, worauf sich alle Deutschen einigen können, ist, dass man gegen irgendetwas sein muss, seien es die Windräder in Heidelberg  („Keine Windkraft in unserem Wald“), die Brückengeländer in Gamburg, die Wölfe überall oder hier in Schobüll die Holzhäuser („Keine Holzhäuser in Schobüll“), es findet sich immer irgendetwas, gegen das es sich zu protestieren lohnt. Damit will ich nicht sagen, dass es per se schlecht ist, auf Missstände hinzuweisen oder gegen Projekte zu protestieren, bei denen der Schaden den Nutzen übersteigt. Im Gegenteil halte ich es für eine wichtige Errungenschaft der Demokratie, dass sich jede*r mit ihren/seinen Bedenken zu Wort melden darf, Verbündete suchen und Protest organisieren darf. Aber manchmal erscheint es aus etwas Distanz schon sehr kurios, wogegen alles protestiert wird. Wenn ich hier so durch die Landschaft voller Windräder radele, die offenbar keinen einzigen davon abhalten hier Urlaub zu machen oder zu einer Verarmung der Vogelwelt führen, überlege ich mir, was ein Mensch von hier wohl über oben zitiertes Protestplakat bzgl. der Windräder im Wald denken mag. Vielleicht das gleiche, was mir bei dem Protest gegen Holzhäuser in den Sinn kommt: Haben die hier keine anderen Probleme?

Die einzige halbwegs schattige Bank heute/The only Bench in the Shadow today

Mittlerweile hat es übrigens zu regnen angefangen, aber es ist nicht so schlimm, dass wir von der Terrasse in unser Zimmer gehen müssen. Morgen werden wir dann die Nordsee endgültig verlassen und auf dem Nord-Ostsee-Radweg nach Flensburg fahren, von wo der Ostseeküstenradweg, der für die nächsten zweieinhalb Wochen unsere Richtschnur sein wird, startet.

Hier also unsere letzte Nordsee-Etappe: Husum-Niebüll.

Vom Winde beflügelt/Quickened by the Wind

Short English Summary: Today we did the first stage on the North Sea coast from Bremerhaven to Cuxhaven. In Bremerhaven we saw the oversea ports, the we cycled behind the dike along the coast, before we reached Cuxhaven, a typical German seaside resort. Cycling was easy today, because we had a lot of tail wind.

Heute schreibe ich aus Cuxhaven, sozusagen vom Treffpunkt von Weser und Elbe. Hier endet der Weserradweg, und es beginnt der Elberadweg, den wir morgen auch für einen Tag folgen werden, während heute unser erster Tag an der Nordsee und auf der Nordseeküstenroute war, die wir aber morgen schon wieder verlassen werden, um dann aber ab übermorgen, ab Glückstadt, für die nächsten Tag auf ihr bis zur dänischen Grenze fahren werden. Interessanterweise gabeln sich Elberadweg und Nordseeküstenroute bei Otterndorf, um dann ab Stade wieder mehr oder weniger parallel zu verlaufen, wobei natürlicherweise der Elberadweg näher an der Elbe entlang führt und die Nordseeküstenroute einen etwas direkteren Weg nach Hamburg nimmt. Deshalb fahren wir morgen auch auf dem Elberadweg, da nur dieser durch Wischhafen führt, von wo die Fähre über die Elbe abfährt. Damit können wir dann zwei Tage für Beates Reise nach Heidelberg herausschinden, sehen dann aber leider Stade, Wedel und Elmshorn nicht, und natürlich auch nicht Hamburg, wo wir aber in letzter Zeit öfter waren und auch nicht so richtig Lust darauf haben, solange durch die Großstadt zu fahren.

Das Fahren ging heute jedenfalls sehr zügig. Vom Südwestwind angetrieben eilten wir regelrecht in drei Stunden von Bremerhaven nach Cuxhaven. Es war tatsächlich eine gute Idee (zumindest bislang), entgegen unseren ursprünglichen Plänen die Tour in diese Richtung zu machen. Die erste Idee war von Heidelberg nach Osten zu fahren, in Richtung Ostritz, um dann an Neiße und Oder zur Ostsee zu fahren und dann an den Ost- und Nordseeküsten in Richtung Westen, solange wir Zeit haben. Aber zum Einen gestaltete es sich schwierig, eine nicht zu schwere, radfahrgeeignete Strecke von Heidelberg nach Ostritz zu finden, zum Anderen erinnerten wir uns daran wie wir auf dem Rheinradweg spätestens ab Emmerich darüber geschimpft haben, wie anstrengend es ist ständig gegen den Wind zu fahren. Und da der Wind üblicherweise aus südwestlichen Richtungen kommt, hätte uns das gleiche auch diesmal, aber noch viel länger gedroht. Deswegen sind wir  bis jetzt hauptsächlich nach Norden gefahren, und ab morgen grob nach Osten und nur an Oder und Neiße müssen wir tendenziell mit Gegenwind rechnen, hoffen aber, dass der abseits vom Meer nicht so stark ist.

Um den Wetterblock abzuschließen, möchte ich noch den strahlenden Sonnenschein erwähnen, der uns den ganzen Tag begleitet hat und der diese Etappe zu einer rundum angenehmen gemacht hat. Nachdem wir gestern schon einen richtig schönen, entspannenden Urlaubstag genossen hatten, stand der heutige ihm in keinster Weise nach. Mir taten nur die Leute leid, die uns mit zusammengebissenen Lippen entgegen kamen und gegen den Wind ankämpften.

Blauer Himmel über dem Strand/Blue Sky over the Beach

Landschaftlich war es heute sehr abwechslungsreich, wenn man bei den Überseehäfen von Bremerhaven von Landschaft reden kann. Kilometerlang ging es an riesigen Parkplätzen entlang, auf denen tausende und abertausende Autos und andere Fahrzeuge entweder auf ihr Verladen und ihren Transport in die ganze Welt warteten oder vielleicht auch auf ihren Weitertransport innerhalb Europas. Bremerhaven scheint sich auf den Fahrzeugtransport spezialisiert zu haben, es gibt zwar auch Container-Terminals, die erschienen mir aber bei weitem nicht so ausgedehnt.

Container-Terminals von Bremerhaven/Container Terminals of Bremerhaven

Das Fahrradfahren durch das Hafengebiet war zwar nicht so angenehm, obwohl es einen ausgewiesenen und markierten Radweg durch das Gebiet gab, aber man merkte schon, dass der Radweg keinerlei Priorität hat und der Hafen primär ganz anderen Zwecken dient.

Blick vom Deich/View from the Dike

Nichtsdestotrotz sind wir gut durchgekommen und dann erst einmal am Nordseedeich entlang gefahren. Leider hat dieser die Aussicht aufs Meer versperrt, von Zeit zu Zeit konnte man aber auch auf den Deich fahren, um sich den Seewind ins Gesicht blasen zu lassen und ein paar Bilder mit Meer und Watt zu machen. So ging es dann einige Kilometer dahin, bis kurz vor Cuxhaven dann die touristischen Strände mit der gängigen Infrastruktur und Menschen über Menschen begannen, die wir dann den Rest unserer Fahrt bis in unser Hotel in Cuxhaven beobachten konnten. Interessant war die Prozession der Pferdewagen zu bestaunen, die vom Festland in Richtung der Insel Neuwerk durch das Watt fuhren.

Prozession von Pferdewagen zur Insel Neuwerk/Procession of Horse Carriages to the Island Neuwerk

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel über die Strandpromenade und durch die Stadt. Dabei wollten wir noch unseren nächsten bikeline Reiseführer für die Nordseeküste bis Dänemark bei Thalia abholen, was aber leider nicht so gut geklappt hat, wie das letzte  Mal. Obwohl bei der Bestellung als voraussichtlicher Abholtermin heute angegeben war, war das Buch noch nicht da. Aber die Buchhändlerin versicherte uns, dass es morgen da sein wird und sie die entsprechende Kiste morgen früh als erstes öffnen wird, damit wir das Buch gleich nach Ladenöffnung abholen können. Ich bin gespannt, ob das klappen wird.

Blick auf Cuxhaven/View to Cushaven

Nach dem Abendessen, das wir heute ortsangepasst in einem Fischrestaurant eingenommen haben, wobei ich für einen Abend mein Vegetariersein vergessen habe und einen Fischteller gegessen habe, haben wir wieder versucht, Übernachtungsquartiere für die weiteren Tage zu finden, was uns auch halbwegs gelungen ist. Aber wie gestern schon erwähnt, es wird immer schwieriger etwas zu finden, was noch in unser geplantes Budget passt. Es ist jetzt eben Hochsaison und die Küste sicherlich nicht die billigste deutsche Urlaubsregion. Aber obwohl die ersten Versuche erschreckend ob der hohen Preise waren, fand sich am Ende doch noch etwas, was halbwegs akzeptabel war, auch wenn wir dafür die Routenplanung etwas abändern mussten. Aber so lange es so weitergeht, ist alles gut, etwas Spannung muss ja auch dabei sein.

Hier ist noch unsere heutige Tour: Bremerhaven nach Cuxhaven.