„Oberlausitz, geliebtes Heimatland“/“Upper Lusatia, my Beloved Home“

Short English Summary: Today we did our second to last stage on our big trip through Germany. It went from Guben (Lower Lusatia) to Bad Muskau (Upper Lusatia), where we visited the UNESCO world heritage park „Fürst Pückler“. Furthermore, Upper Lusatia is the home of Beate, therefore the header which is part of the refrain of the Upper Lusatia anthem. The river Neiße flows quite naturally through the landscape which makes cycling pleasant because of its various views.

Endlich sind wir fast zum Abschluss unserer großen Tour durch Deutschland nach 7 Wochen und 3000km auf dem Rad in der Oberlausitz, Beates „Geliebtem Heimatland“ angekommen. Heute haben wir mit dem Überfahren der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen kurz vor Bad Muskau außerdem das letzte Bundesland unserer Reise erreicht. Damit kommt unser großes Abenteuer mit großen Schritten seinem Ende entgegen, nach so vielen Stunden im Sattel, so vielen schönen und auch einigen weniger schönen Tagen, Städten, Dörfern, Landschaften kommt jetzt doch etwas Wehmut auf, dass es schon wieder fast vorbei ist, obwohl ich mich in den letzten Tagen auf darauf gefreut habe, nicht jeden Tag Rad fahren zu müssen, sondern auch einfach mal nichts tun kann.

Landschaft an der Neiße/Scenic View of the Neiße

Heute jedoch war noch einmal ein richtig schöner Tag zum Radfahren, zwar noch immer um die 30°C, aber aufgrund wechselnder Bewölkung und auch abwechslungsreicher Landschaft, die auch immer mal wieder Schatten bot, und nur leichtem Wind war das Fahren sehr angenehm. Darüber hinaus war auch der Weg so gut, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu fahren. Kurz nach Guben wollte ich nämlich mal wieder etwas schneller fahren, weil der Radweg gerade so schlön glatt war und die weitere Strecke auch ziemlich klar. Ich dachte, wenn der Weg wieder schlechter wird oder eine unklare Abzweigung, kann ich dann auf Beate warten. Aber der Weg wurde nicht schlechter, die Ausschilderung war klar und so bin ich immer weiter gefahren, bis ich dann in Forst (Lausitz) doch einmal angehalten habe, um nicht gleich die ganze Strecke bis Bad Muskau durchzufahren. Da war ich dann aber schon ungefähr 40km gefahren.

Unterbrochene Brücke in Forst/Broken Bridge in Forst

Forst ist für mich übrigens die Stadt der abgebrochenen Brücken, denn dort gibt es immer noch mehrere Brücken, die wohl im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört wurden, danach aber nie wieder aufgebaut noch komplett abgerissen wurden. Außerdem gibt es aber dort noch den „Ostdeutschen Rosengarten“, einen Park mit vielen verschiedenen Rosensorten, den wir aber nicht besucht haben, sondern an dem wir nur vorbei gefahren sind.

Neues Schloss im Fürst-Pückler-Park/New Castle in the Park „Fürst Pückler“

Besucht haben wir aber heute Abend noch den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, der wirklich einen (oder sogar mehrere) Besuch wert ist. Vor allem bei dem schönen Wetter heute ist es eine wahre Pracht die ganzen Blumen, Bäume und modellierten Landschaften mit Wasserläufen, Seen und Hügeln zu sehen. Wir sind nur reichlich eine Stunde durch den Park gewandelt, hätten aber sicherlich noch viel länger dort bleiben können, wenn nicht unser Hunger und unsere Müdigkeit ihren Tribut verlangt hätten und wir uns dann nicht lieber etwas zum Abendessen gesucht hätten.

Blumen und Bäume im Fürst-Pückler-Park/Flowers and Trees in the Park „Fürst Pückler“

Interessant ist auch, dass die Neiße, die ja, wie gestern schon geschrieben, ein eher kleiner Fluss ist, mitten durch den Park geht, so dass er in einen polnischen und einen deutschen Teil geteilt ist, aber seit jetzt ungefähr zwanzig Jahren durch wieder aufgebaute Brücken im Park wieder als ein Park zu genießen ist. Auch daran sieht man, wie beliebig die Grenzziehung mit der Neiße als Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg war, Städte wurden zweigeteilt, Beziehungen zwischen Dörfern und Handelsrouten unterbrochen und auch Parks und Wälder geteilt. Aber wenn man die Vorgeschichte betrachtet, kann man nur sagen, selber schuld, schließlich hat das Deutsche Reich noch viel schlimmere Verbrechen begangen als nur willkürliche Grenzen gezogen.

Brücke über die Neiße im Fürst-Pückler-Park/Bridge over the River Neiße in Park „Fürst Pückler“

Aber abgesehen von der Geschichte ist die Neiße ein schönes Flüsschen und es macht Spaß an ihr entlang zu fahren. Da sie so klein ist und nicht als Wasserstraße begradigt wurde, schlängelt sie sich weitgehend natürlich durch die Landschaft, durchfließt Wiesen und Wälder, vorbei an einzelnen kleinen Städten und Dörfern, so dass das Fahren doch sehr abwechslungsreich ist.

Wald an der Neiße/Forrest at the Neiße

Morgen steht uns dann unsere allerletzte Etappe bis Ostritz bevor, die aus zweierlei Hinsicht herausfordernd zu werden droht. Zum einen ist sie mit fast 90km eine von unseren längsten, da wir nicht in Görlitz 20km vor Ostritz nicht noch einmal übernachten wollten, und zum Anderen ist nach einer Woche schönen Wetter und Hitze schlechtes Wetter mit Abkühlung, was ja noch angenehm wäre, aber auch viel Regen und Gewitter angekündigt. Mal sehen, wie wir das überstehen werden, aber vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Jedenfalls haben wir uns zum Kaffee bei Beates Bruder in Görlitz angemeldet, so weit sollten wir also mindestens kommen.

Wer sich übrigens über die Überschrift gewundert hat, sie ist ein Zitat aus dem Refrain des Oberlausitz-Lieds. Und hier gibt es auch noch den Link zu unserer heutigen Tour.

Das Flüsschen Neiße/The Tiny River Neiße

Short English Summary: Today we left the river Oder behind us and continued our cycling tour at the river Neiße, which is the second river which forms the border between Germany and Poland since the Second World War. Although it is small river, it was determined by Soviet leader Stalin as border, what divided some German cities which laid at both sides of the river like Guben, where we stay this night. We did a small detour today to see the abbey Neuzelle, which was built in the baroque times and has a beautiful church and a garden in baroque style.

Jetzt sind wir endlich an der (Lausitzer) Neiße angekommen, womit wir am letzten Fluss angekommen sind und damit endgültig der Schlussspurt unserer Deutschlandtour begonnen hat. Jetzt sind es nur noch 160km bis Ostritz und die Versuchung ist jeden Tag groß, sich einfach in den Zug zu setzen und die verbleibenden Kilometer bequem in wenigen Stunden im Zug zurückzulegen statt sich noch einmal in den Sattel zu setzen und weiterzuradeln. Aber heute haben wir der Versuchung widerstanden und sind von Frankfurt in den Gubener Vorort Großbreesen gefahren, was auch durch das Wetter erleichtert wurde, da es zwar immer noch sehr heiß (um die 30°C) war, aber nicht mehr ganz so heiß und vor allem nicht mehr so schwül wie gestern. Weiterhin war es  immer mal wieder etwas bewölkt, so dass auch die Sonne nicht so brannte. Wenn sie aber rauskam und wir gerade durch schattenloses Gebiet fuhren, war es wieder sehr anstrengenden, besonders wenn auch noch Gegenwind dazukam.

Die Neiße kurz vor der Mündung in die Oder/The River Neiße short before the confluence into the Oder

Nichtsdestotrotz haben wir unsere heutige Etappe so gut geschafft, dass wir sogar noch einen kleinen Abstecher von unserem Weg zum Kloster Neuzelle machen konnten, was Beates besonderer Wunsch war, da sie davon schon viel gehört hat, aber trotz vieler Wallfahrten, die von Ostritz dorthin stattgefunden haben, noch die dort war. Und ich muss sagen, der Abstecher hat sich gelohnt. Die Klosterkirche ist reichlich mit barocker Pracht ausgestattet und auch der Klostergarten ist ein typischer Barockpark mit strenger Symmetrie, dessen Struktur noch weitgehend erhalten ist. Alles ist außerdem sehr schön restauriert. Damit bestätigt sich, was ich gestern schon gesagt habe, dass man, um etwas interessantes zu sehen und etwas Abwechslung zu haben, vom Oder-Radweg sich von der Oder entfernen muss.

Kloster Neuzelle/Abbey Neuzelle
Impressionen von Neuzelle/Impressions of Neuzelle

Heute haben wir uns dann endgültig von der Oder verabschiedet, da sie bei Ratzdorf nach Osten und damit nach Polen abbiegt und die Neiße, die dort in die Oder mündet, die Rolle des Grenzflusses und unseres Leitflusses übernimmt. Neben der Oder nimmt sich die Neiße, selbst bei ihrer Mündung, doch recht klein und unscheinbar aus, so dass man den Zusammenfluss kaum zwischen dem ganzen grünen Bewuchs erkennen konnte. Trotzdem wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg als Grenzfluss bestimmt und trennt seitdem Polen von Deutschland.

Mündung der Neiße in die Oder/Confluence of the River Neiße into the River Oder

Getrennt von seinem historischen Stadtzentrum ist seitdem auch Guben, das es mit Gubin in Polen und Guben in Deutschland jetzt gleich zweimal gibt. Nach dem Krieg wurde im deutschen Restteil ein neues Stadtzentrum aufgebaut, d urch das wir morgen fahren werden. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Vorstellung, was uns dort erwartet. Aber wir werden sehen. Wir haben übrigens eine etwas indirekte persönliche Beziehung zu Guben: In der DDR hieß die Stadt nämlich offiziell „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, zum Andenken an den ersten und einzigen Präsidenten der DDR, der dort geboren wurde, wie auch die Straße in Berlin, in der Beate wohnte, als ich sie vor über 30 Jahren kennenlernte, damals Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße) hieß.

An einem anderen städtebaulichen Produkt des Sozialismus sind wir heute nur am Rande vorbei gefahren, nämlich Eisenhüttenstadt, das unter dem Namen Stalinstadt in den 1950er Jahren als Planstadt gegründet wurde, um dem Eisenhüttenkombinat Ost als Wohnstadt zu dienen. Da sind wir aber nur durch den Stadtteil Fürstenberg gefahren, eine alte, historische Stadt aus dem 13. Jh., die mit Stalinstadt in den 1960er Jahren zu Eisenhüttenstadt fusioniert wurde (siehe auch Wikipedia).

Unser morgiger Zielort Bad Muskau verdankt seine Bekanntheit einer noch länger vergangenen Zeit, nämlich dem Fürst-Pückler-Park, der gleichzeitig das nächste und letzte UNESCO-Welterbe in einer langen Liste von Welterbestätten, die wir auf unserer Reise gesehen haben, sein wird. Aber davor müssen wir erst noch ungefähr 70km bei immer noch starker Hitze um die 30°C radeln. Wenn es aber so wie heute sein wird, ist es erträglich.

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Kuriosität erwähnen, die die Weggeführung manchmal mit sich bringt, die mich kurzfristig aber etwas irritiert hat. Eigentlich fahren wir ja seit Rieth mehr oder weniger nach Süden, manchmal auch ein bisschen nach Osten. Als wir aber heute, nachdem wir Frankfurt verlassen hatten, plötzlich direkt nach Norden fuhren, war ich schon etwas verwirrt und dachte kurzzeitig, wir hätten uns verfahren. Da aber sowohl die Beschilderung als auch meine Navigation den Weg als den richtigen anzeigten, dachte ich, dass es damit wohl seine Richtigkeit haben wird. Und tatsächlich, nach ein paar Kilometern machte der Weg eine scharfe Kurve nach Südosten und wir waren wieder an der Oder. Die „falsche Richtung“ war nötig, um dem Brieskower See zu umfahren.

Brieskower See/Brieskow Lake

Und noch eine Besonderheit unserer heutigen Tour fällt mir gerade ein.  Kurz hinter Frankfurt gab es ein Stück Weg, vor dem im Reiseführer als besonders gefährlich gewarnt wurde, da es zum einen auf einer steilen und kurvigen Straße entlang führte, die außerdem auch noch stark befahren sei. Aber in der Realität hat sich das als gar nicht zu schlimm herausgestellt, da wir sowohl schon steilere Weg hochgefahren sind als auch schlimmeren Verkehr, vor allem auf Rügen, erlebt haben.

Damit schließe ich für heute mit dem Track unserer heutigen Tour.

Wieder unterwegs/On the Road Again

Short English Summary: After one day of rest we continued our cycling tour with a nice stage on which we saw a lot of wunderful nature sceneries. It started with the peatland „Stadtbruch of Anklam“. Then we cycled along the coast of the Stettiner Haff (Lagoon of Stettin) and reached the German-Polish border once again, which we will follow till the end of our tour. The night we will stay in a small village directly at the border.

Nach so einem Ruhetag ist es schön, wieder unterwegs zu sein. Vor allem, wenn man eine so schöne Strecke durch ursprüngliche Natur und ruhige Gegenden wie heute fährt, die auch noch relativ kurz war. Das ist dann ein willkommener Wiedereinstieg ins Fahrradfahren und erlaubt die Erholung vom Ruhetag noch etwas fortzusetzen. Außerdem gab es wenig Wind und den auch noch von hinten (wir sind wieder in Richtung Osten unterwegs), keinen Regen und auch die Temperaturen sind noch moderat (um die 24°C), wenn es auch die nächsten Tage immer etwas wärmer werden soll, morgen schon 29°C, aber in Heidelberg soll es noch bedeutend heißer sein. Also genießen wir das Radeln und erfreuen uns an unserem Urlaub.

Anklamer Stadtbruch

Obwohl die Tour heute eher kurz war (57km) war sie sehr abwechslungsreich. Nach Anklam ging es zuerst durch das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch“, ein Torfmoor, das Teil des Naturparks „Flusslandschaft Peenetal“ ist und das nach der Aufgabe der Entwässerung nach einem Deichbruch wieder zunehmend vernässt und sich so einem natürlichen Zustand wieder annähert (siehe Wikipedia). Damit haben wir doch noch etwas Natur gefunden, was mir gestern bei Laufen nicht so richtig gelungen ist. Ich bin also einfach in die falsche Richtung gelaufen, obwohl ich auch nicht durch das ganze Gewerbebebiet, das wir vorher durchfahren haben, hätte laufen wollen.

Dann fuhren wir durch ein Waldgebiet, durch das der Radweg, wie Beate sich ausgedrückt hat, hindurch mäandert ist und auch wieder ein paar radtechnische Herausforderungen, wie Wurzeln und tiefen Sand, bereit hielt. Aber das kann uns nicht mehr erschüttern. Dafür konnten wir auch ein gutes Stück auf einer neuen, breiten, wenig befahrenen Straße fahren, die den in unserem Reiseführer speziell markierten „Spurplattenweg“ umging.

Blick vom Ueckermünder Strand nach Usedom/View from the beach of Ueckermünde to Usedom

Außerdem konnten wir immer mal wieder Blicke auf das Stettiner Haff werfen, das hier auch schöne Badestrände bietet, und, nachdem wir am Samstag die Insel verlassen hatten, auf Usedom. Es ist schon interessant, wie, durch die Wegführung oder auch topographische Gegebenheiten, immer wieder Orte auftauchen, die wir schon hinter uns gelassen haben. Ganz extrem war das natürlich in Stralsund, wo wir gleich dreimal an exakt der gleichen Stelle vorbeikamen, oder am Fehmarnsund, wo der Hinweg über die Halbinsel nur 400m vom Rückweg vorbeiführte, was Beate dazu nutzte, den Weg um 20km abzukürzen. Aber auch an anderen Stellen ergaben sich immer wieder Bezüge, so am Greifswalder Bodden, wo wir mehrmals nach Rügen schauen konnten, das wir ein paar Tage vorher umrundet hatten und das nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt lag, oder heute eben Usedom. Manchmal denkt man sich auch, warum wir überhaupt so viele Kilometer fahren, wenn eigentlich alles so nah ist. Am Samstag sahen wir z.B. nach zwei Tagen Usedom und vielleicht 100km Fahrt einen Wegweiser „39km Wolgast“. Das hätten wir also auch bedeutend kürzer haben können, hätten dabei aber natürlich nicht wo viel von Usedom gesehen. Und Ziel unserer Tour ist es auch nicht, möglichst schnell durch Deutschland zu kommen, sondern möglichst viel zu sehen und zu erleben. Hätten wir möglichst schnell von Heidelberg nach Ostritz fahren wollen, hätten wir das sicherlich locker auch in zwei Wochen schaffen können statt in sieben, aber dabei sicherlich auch interessante Regionen, Städte und Landschaften gesehen, aber bei weitem nicht so viele wie auf unserer jetzigen Tour. Deshalb nehmen wir gerne Umwege in Kauf in der Erwartung immer wieder neue Überraschungen zu erleben.

Blick auf die Zecheriner Brücke vom Stadtbruch/View from the Stadtbruch to the bridge of Zecherin

Heute Abend sind wir auch wieder an der polnischen Grenze angekommen, die wir jetzt für den Rest unserer Reise nicht mehr verlassen werden. An die Oder, eine der Namensgeberinnen der Grenze, werden wir aber erst morgen Abend in Mescherin kommen, ab wo die Grenze dann durch die Oder (und später durch die Lausitzer Neiße) verläuft, da bei der Etablierung der Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg es Polen und der Sowjetunion wichtig war, dass sowohl Swinemünde als auch Stettin nicht bei Deutschland bleiben und deshalb die Grenze weiter westlich der Oder gezogen wurde.

Nachdem wir heute durch Ueckermünde gefahren sind, sind wir auch ein bisschen in der Wildnis angekommen, denn bis Schwedt wird das die letzte Stadt gewesen sein, die wir durchqueren werden, was auch bei der Quartierssuche für heute und die nächsten Tage etwas Schwierigkeiten bereitete, da es hier nicht so viele Hotels und Pensionen gibt, aber wir haben für alle Nächte etwas gefunden. Aber deswegen haben wir auch die Gelegenheit genutzt am Campingplatz in Grambin die letzte Waschmaschine bis Frankfurt/Oder zu nutzen,um unsere Wäsche zu waschen, was in Anklam am Wochenende nicht möglich war. Jetzt haben wir also die Chance am Sonntag in Ostritz nicht völlig stinkig und dreckig anzukommen, sondern nur ein bisschen.

Marktplatz von Ueckermünde/Market Square of Ueckermünde

Das war es auch schon wieder, was ich vom ersten Tag der siebten Woche unserer Tour zu erzählen weiß, morgen geht es wieder weiter. Aber zuletzt noch wie immer unsere heutige Tour zum Nachvollziehen.

Der letzte Anfang/The Last Beginning

Short English Summary: Yesterday we started the last part of our tour, the Oder-Neiße-Trail, through Germany at Swinemünde (Świnoujście) in the Polish part of the island of Usedom. We left the island near Zecherin and crossed the Peenestrom once again. The destination of our yesterday’s tour was Anklam, an old but nowadays rather small town with a rich history which is the native town of Otto Lilienthal, a pioneer of human flying. Here we will have the last day of rest during our tour and relax in a hotel with sauna and swimming pool.

Start in Swinemünde/Start in Swinemünde

So langsam geht unsere Tour schon wieder zu Ende, wenn uns auch noch eine Woche bevorsteht, aber nach sechs verradelten Wochen, beginnt sich schon etwas Wehmut einzustellen und es beginnen die letzten Male: Gestern das letzte Mal am Meer, es sei denn man ist etwas großzügig und zählt, das Stettiner Haff, das wir erst am Dienstag verlassen werden auch noch dazu, seit gestern sind wir außerdem auf unserem letzten Fernradweg, nämlich dem Oder-Neiße-Radweg, unterwegs, heute haben wir unseren letzten Ruhetag vor Ostritz, wo wir dann nach aktueller Planung am nächsten Sonntag, in genau einer Woche, ankommen werden.

Peenestrom

Aber noch steht eine Woche vor uns, die sicherlich auch noch eine Reihe von tollen Erlebnissen, schönen Landschaften und interessanten Städten bieten wird. Anklam, wo wir seit gestern Abend sind, ist auch wieder einer dieser Städte, von denen ich bis vor Kurzem kaum den Namen gekannt habe, geschweige denn, dass ich etwas über sie gewusst hätte, noch sie auf der Karte hätte lokalisieren können. Hier angekommen konnte ich feststellen, das auch Anklam eine alte Stadt mit reicher Geschichte ist und heute hauptsächlich als Geburtsort des Flugpioniers Otto Lilienthal bekannt ist, woran man hier auch allen Ortes erinnert wird. Außerdem wird sie, wie auch Wolgast, das wir am Freitag durchfahren haben, als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet, was letzten Endes auch der Grund ist, warum wir hier sind, nachdem wir zwei Tage über die Insel Usedom gefahren sind. Übrigens hatten wir an der Zecheriner Brücke, neben der in Wolgast die einzige Brücke nach Usedom, einen ähnlichen Effekt wie am Freitag in Wolgast. Nur dass sich gestern der Verkehr auf die Insel staute und nicht wie in Wolgast von der Insel.

Zecheriner Brücke über den Peenestrom/Bridge of Zecherin across the Peenestrom

Interessanterweise sind wir auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs, haben bislang aber weder die Oder noch erst recht nicht die Neiße gesehen. Es sei denn, man betrachtet das Stettiner Haff, das auch Oderhaff genannt wir, als Teil der Oder. Aber eher heißt der Radweg wohl Oder-Neiße-Radweg, weil er an der deutsch-polnischen Grenze entlang geht, die etwas vereinfachend als Oder-Neiße-Grenze bezeichnet wird, obwohl sie mitten durch Usedom und das Stettiner Haff geht, und deshalb eher Usedom-Haff-Oder-Neiße-Grenze heißen müsste, was aber nicht so griffig wäre.

Vögel am Peenestrom/Birds at the Peenestrom

Jedenfalls sind wir nicht mehr an der Ostseeküste unterwegs und damit auch nicht mehr auf dem Iron-Curtain-Trail, der seit Travemünde identisch mit dem Ostseeküsten-Radweg war und der auch noch weiter an der Ostsee entlang geht, an der polnischen, russischen (Kaliningrader), litauischen, lettischen, estnischen und dann wieder russischen (Petersburger) Küste bis zur finisch-russischen Grenze, der er dann bis hoch in den Norden bis zur norwegisch-russischen Grenze folgt (von der ich bis gerade eben noch gar nichts gewusst habe). Ab Travemünde in der anderen Richtung führt er entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, dann weiter an der deutsch-tschechischen, österreichisch-tschechischen und österreichisch-sklowakischen Grenze, weiter an den Grenzen Ungarns, Sloweniens, Kroatiens, Serbiens, Rumäniens, Bulgariens, Nordmazedoniens, Griechenlands und der Türkei bis ans Schwarze Meer, also an der Grenze des ehemaligen Ostblocks bzw. Eisernen Vorhangs entlang. Das wäre bestimmt auch eine interessante Tour, aber große Teile sind wahrscheinlich eher auf der Karte zu finden als tatsächlich gut ausgebaute oder wenigstens halbwegs sicher zu befahrende Radwege und teilweise wahrscheinlich momentan gar nicht zu erreichen (die russischen Teile).

Deswegen bleiben wir dieses Jahr hauptsächlich in Deutschland, wo zwar auch nicht alles gut ist, aber wahrscheinlich immer noch besser als zum Beispiel auf dem Balkan. Gestern hatten wir in Swinemünde diesen typischen Grenzeffekt, den man an den unterschiedlichstens Grenzen, sei es zwischen Staaten, Bundesländern oder manchmal auch zwischen Landkreisen oder Gemeinden, immer wieder finden kann: Von Swinemünde bis zur deutschen Grenze war der Radweg gut ausgebaut und endete genau an der Grenze dann plötzlich, wo ich dachte: Typisch deutsch, die Nachbarländer bauen eine Straße, Zugstrecke oder eben auch einen Radweg und auf deutscher Seite fehlt der Anschluss. Nach 200m fing der Radweg dann auch auf der deutschen Seite wieder an, war aber in einem deutlich schlechteren Zustand. Schade.

Blick auf Anklam/View to Anklam

Manchmal sind aber auch gut ausgebaute Radwege nicht so schön zu fahren, wie gestern der an der B110 entlang nach Anklam, der zwar schön glatt war und auch angenehm durch den Wald ging, aber leider parallel zu der, zumindest gestern, sehr stark befahrenen Straße nach Usedom (siehe oben), was nach einigen Kilometern doch nervig war. Zum Glück ging ein großes Teilstück zwischendurch dann abseits von der Straße durch den Wald, was wir dann wieder sehr genossen haben und auch für unsere Mittagspause genutzt haben.

Markplatz von Anklam/Market Square of Anklam

Zur Belohnung für unsere viele Radfahrerei haben wir uns hier in Anklam übrigens ein Hotel mit Wellness-Bereich mit Pool und Sauna für unseren Ruhetag geleistet, was wir gestern mit einem Saunagang auch gleich genutzt haben und ich denke, heute werden wir das auch noch einmal machen, um für die letzten gut 500km gestärkt zu sein. Aber vielleicht werden es ja sogar noch ein paar mehr. Wir sind gerade dabei zu überlegen, ob wir nicht noch einen Epilog von der Neißequelle nach Ostritz anhängen, was auch in einem Tag machbar wäre. Aber hier sind wir noch im ersten Planungsstadium.

Was wir schon gemacht haben könnt ihr wie immer auch hier sehen.