Epilog

Beate an der Neißequelle

Wie schon angekündigt haben wir gestern noch als Ergänzung und Vervollständigung unserer Deutschlandtour einen Ausflug zur Neißequelle unternommen. Diesmal sind wir aber zuerst mit dem Zug gefahren, um dann bergab von der Quelle nach Ostritz zu fahren und uns die größten Anstiege zu ersparen. Ganz ohne Anstiege ging es aber trotzdem nicht, denn, obwohl wir fast 400 Höhenmeter nach unten mussten, führte die erste Hälfte der Tour durch Iser- und Jeschkengebirge auch immer mal wieder nach oben, so dass wir am Ende doch auch 770 m nach oben fahren mussten (und insgesamt 1160m nach unten). Damit haben wir einen neuen Rekord aufgestellt. Bei keiner unserer Touren unserer Reise mussten wir mehr Höhenmeter bewältigen, obwohl wir nicht einmal auf den Jeschken, der verlockend mit seinem beeindruckenden Fernsehturm bei Liberec auftauchte, gefahren sind. Das wären noch einmal 500m mehr gewesen, was allein mich nicht abgeschreckt hätte, eher angespornt, sondern die Tatsache, dass nur eine viel befahrene Straße hinaufführte.

Der Jeschken mit Fernsehturm

Insgesamt war diese Tour noch einmal wie eine Zusammenfassung unserer ganzen Reise. Wir hatten eigentlich noch einmal alles, was wir unterwegs immer wieder hatten. Seien es die Wege, die von ausgezeichnet ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis völlig abgewirtschafteten, löchrigen Straßen und unbefestigten Waldwegen reichten, außerdem viel befahrene Fernverkehrsstraßen und einsame Wege, seien es die Landschaften mit Mittelgebirge und lieblichen Flusstälern, Dörfern und schönen Städtchen. Auch das Wetter bot noch einmal alles auf: Sonne, Wolken, teilweise unangenehmen Gegenwind, sogar ein paar Tropfen Regen erfrischten uns.

Zittau

Und auch, am meisten überraschend, entdeckten wir nach all den Fähren, mit denen wir über Flüsse und Meeresarme gefahren sind, eine kleine Seilfähre, mit der wir über die Neiße übersetzen konnten und die man ähnlich wie die an der Fulda selbst mit der Hand bedienen musste. Im Unterschied zur Fuldafähre musste man aber nicht kurbeln, sondern sich am Seil ziehend auf die andere Seite bewegen. Und natürlich hatten wir auch ein paar Missverständnisse bzgl. des Weges, was uns zu ein paar kleinen Umwegen zwang.

Seilfähre über die Neiße

Und zu guter Letzt erlitten wir auch noch, wie am ersten Tag, eine kleine Panne an Beates Rad, dessen Ständer plötzlich seltsam und bedenklich herunterhing, anscheinend hatte sich nach all dem Geruppel und Gehoppel doch noch eine Schraube gelöst. Aber obwohl wir trotz Multifunktionswerkzeug den passenden Schlüssel nicht dabei hatten, ist es uns mit etwas Improvisation doch gelungen, den Ständer wieder so fest zu bekommen, dass wir weiter fahren konnten. Das einzige, was gestern gefehlt hat und was wir auf unserer Gesamttour reichlich gesehen haben, war das Meer. Aber das wäre mitten im Binnenland auch etwas zu viel verlangt gewesen.

Was wir jedoch gestern erlebt haben, zum Glück aber nicht während unserer Tour, war eine abenteuerliche Zugfahrt. Als wir in Ostritz abfuhren, war noch alles gut, aber schon während der Fahrt nach Zittau mussten wir in der Bahn-App lesen, dass der Zug nach Liberec Verspätung haben würde, was den Anschluss dort nach Lučany in Gefahr bringen würde. In Zittau angekommen, begann das bekannte Spiel: Erst 5min Verspätung (der Anschluss würde gerade noch so reichen), dann 10min (jetzt wird es mit dem Anschluss knapp), dann 15 min (ziemlich sicher klappt der Anschluss nicht mehr), schließlich 30min (OK, der nächste Zug fährt eine Stunde später, den werden wir dann sicher noch bekommen). Am Ende waren es dann 35min, das Abenteuer aber noch nicht zu Ende, denn auf der Hälfte der Strecke nach Liberec hieß es dann, dass der Zug gar nicht bis Liberec führe, sondern nur bis Chrastava, und man dort noch einmal umsteigen müsse. Aber das hat dann geklappt, so dass wir noch gut zu dem Zug nach Lučany (den eine Stunde später, als ursprünglich geplant) kamen und von Lučany zur Neißequelle, genauer zur Quelle der Wiesenthaler Neiße, radeln konnten.

Dreiländerpunkt Deutschland/Polen/Tschechien

Somit ist unsere Tour jetzt endgültig zu Ende, der Kreis hat sich gewissermaßen geschlossen, wir sind im Mittelgebirge gestartet und auch dort wieder angekommen, haben eine Quelle erreicht und mit Tschechien noch ein weiteres deutsches Nachbarland befahren.

Hier noch die allerletzte Etappe als Komoot-Tour.

Geschafft/Done

Short English Summary: Today we did the last stage of our big tour through Germany. We arrived at Ostritz, the home town of Beate. Before we saw some „easternmost“ places of Germany: The easternmost small town (Rothenburg), the easternmost city (Görlitz, very beautiful), the easternmost point etc. Many things are called „easternmnost“ here. On one of the following days we will do an additional tour to the source of the river Neiße in the Cech republic, which will really conclude our journey.

Das ist wohl mein letzter Bericht auf dieser Tour, da wir gestern endlich an unserem Ziel angekommen sind, nämlich in Beates Heimatstadt Ostritz. Diese letzte Etappe war mit insgesamt etwas über 90km noch einmal eine von den längeren. Aber sie wurde uns im wahrsten Sinne versüßt von einem Kaffee-Aufenthalt in Görlitz bei Beates Bruder mit Monis leckerem Zupfkuchen. Und, entgegen unseren Befürchtungen von Samstag, hat der große Regen mit Gewitter gewartet bis wir sicher und trocken im Haus von Beates Mutter waren. Alles in allem war es also ein gelungener Abschluss unserer großen Deutschlandtour.

Östlichster Punkt Deutschlands/Easternmost Point of Germany

Vor allem auch deswegen, weil es an der Strecke auch noch so einiges zu sehen gab, besonders die „östlichsten Punkte“ haben sich gehäuft: Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind wir gestern durch die östlichste Kleinstadt Deutschlands (Rothenburg/Oberlausitz),  die östlichste Stadt (Görlitz) mit der östlichsten Brauerei (nicht Landskron, sondern die Obermühle in Görlitz), den östlichsten Punkt (zwischen Deschka und Zentendorf) und die östlichste Ortschaft (Zentendorf) gefahren, wobei fast alle diese Orte auch noch mehr zu bieten haben als diesen etwas zufälligen Superlativ. Auf alle Fälle merkt man, dass wir jetzt im äußersten Osten Deutschlands angekommen sind.

Die östlichste Kleinstadt Rothenburg/The Easternmost Small Town Rothenburg

Da, wie schon erwähnt, für gestern großer Regen und Gewitter angekündigt waren, die vor allem gegen Nachmittag immer stärker werden sollten, sind wir gestern für unsere Verhältnisse recht früh aufgestanden (außerdem gab es in der Pension sowieso nur von 8 bis 9 Uhr Frühstück),  so dass wir schon gegen 9 Uhr losfahren konnten. Zu unserer Überraschung war das Wetter aber erst einmal schön, d.h. zumindest ohne Regen dafür schon recht warm und schwül, so dass es also losging wie auch an den Tagen zuvor. Der Weg war auch wieder ausgezeichnet, führte immer mal wieder durch schattige, kühle Waldabschnitte mehr oder weniger nahe an der Neiße entlang. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen gab es vielleicht mehr kurze aber knackige Steigungen, die wir aber auch gut bewältigen konnten. Als wir etwas von der Neiße wegfahren mussten, gab es eine kleine Unsicherheit über den Weg (ich war gerade etwas vorgefahren), die sich aber mit einem Anruf, GPS und Komoot lösen ließ.

Durch das Neißetal/Through the Valley of the River Neiße

Die erste nennenswerte Stadt nach Bad Muskau war dann das schon erwähnte Rothenburg, das neben dem Prädikat „östlichste Kleinstadt“ auch noch über einen schönen Marktplatz mit Rathaus und Kirche verfügt. Von dort sind wir dann an der „Geheimen Welt von Turisede“ (ehemals Kulturinsel Einsiedel), einem „Abenteuerfreizeitpark“, vorbeigekommen, der sich nahe dem östlichsten Ort Deutschlands Zentendorf befindet. In Zentendorf haben wir dann noch in Abweichung von unserem Plan einen Abstecher zum östlichsten Punkt Deutschlands gemacht, der durch einen Stein markiert ist und neben einem Rastplatz, den wir auch zur Mittagspause genutzt haben, über ein „Zipfelbuch“ verfügt. Der Weg dorthin war zwar nicht so für Rahrräder geeignet (er ging mehr oder weniger quer über eine Wiese), aber auch nicht schlechter als manche Abschnitte auf den offiziellen Radwegen, die wir während der letzten sieben Wochen fahren mussten.

Marktplatz von Rothenburg/Market Place of Rothenburg

Kurz nach dem östlichsten Punkt haben wir dann Stephan und Moni getroffen, die uns von Görlitz entgegen gekommen sind und mit denen wir dann bis nach Görlitz zum schon erwähnten Kaffeetrinken gefahren sind. Obwohl ich schon oft in Görlitz war, aber meist nur beim Umsteigen in Bahnhofsnähe oder zum schnellen Einkauf, musste ich gestern feststellen, dass Görlitz noch viel schöner ist als ich es in Erinnerung hatte. Auch wenn es schon zweimal bei der Bewerbung als UNESCO-Welterbe gescheitert ist, einmal in den 90’ern weil Dresden, das seinen Titel mittlerweile zurückgegeben hat, vorgezogen wurde, dann vor ein paar Jahren, weil die Bewerbung wohl nicht ausreichend die Einzigartigkeit Görlitz aufzeigen konnte, schließlich gibt es schöne historische Altstädte viele in Deutschland, von denen wir einige auf unsere Tour sehen konnten und die auch Welterbe sind, und im Rest der Welt. Nichtsdestotrotz ist es auch ohne Welterbe-Titel sehr sehenswert und allemal eine Reise wert.

Collage von Görlitz/Collage of Görlitz

Die letzten 20km von Görlitz nach Ostritz waren dann mal wieder ein Wettrennen mit dem Regen. Wir fuhren bei Stephan los, als die ersten dunklen Wolken am Himmel zu sehen waren, bekamen dann unterwegs schon die ersten Tropfen ab und, kaum waren wir in Ostritz, begann das Donnergrollen und der Regen wurde immer heftiger und hörte auch die ganze Nacht nicht mehr auf. Mal wieder Glück gehabt. Heute Morgen habe ich gelesen, dass wohl ein Baum auf die Zugstrecke nach Ostritz gestürzt ist, zumindest fuhren keine Züge nach Ostritz mit einem entsprechenden Hinweis in der App.

Eisenbahnviadukt über die Neiße/Railroad Viaduct across the Neiße

Fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass wir gestern natürlich auch an dem berühmten untergegangen Ort in einem untergegangenen Land mit dem mittlerweile schon längst verschrotteten Feuerwehrauto, ihr wisst schon, was ich meine, vorbeigekommen sind.

Unser Ziel/Our Destination

Damit sind wir sowohl am Ende als auch am Anfang von allem angekommen, vor allem natürlich am Ende unserer Deutschlandreise und am Ende dieses Blogs. Ich hoffe, ihr hattet etwas Spaß dabei, uns zu folgen und an unseren Erlebnissen teilzunehmen. Ich bedanke mich bei allen, die bis hierhin durchgehalten haben und mir immer mal wieder durch Kommentare hier oder auf anderen Kanälen gezeigt haben, dass es tatsächlich auf Leute gibt, die das hier lesen. Mir hat die Tour und darüber zu berichten jedenfalls viel Freude gemacht und es wird bestimmt nicht die letzte gewesen sein. Wenn man unterwegs ist, hat man so viele Ideen für Neues…

Die letzte Etappe als Komoot-Tracks:

Bad Muskau – Görlitz

Görlitz – Ostritz

P.S.: Vielleicht schreibe ich doch noch etwas von unserem Ausflug zur Neiße-Quelle, den wir in den nächsten Tagen planen. Schaut also ruhig noch einmal vorbei.

„Oberlausitz, geliebtes Heimatland“/“Upper Lusatia, my Beloved Home“

Short English Summary: Today we did our second to last stage on our big trip through Germany. It went from Guben (Lower Lusatia) to Bad Muskau (Upper Lusatia), where we visited the UNESCO world heritage park „Fürst Pückler“. Furthermore, Upper Lusatia is the home of Beate, therefore the header which is part of the refrain of the Upper Lusatia anthem. The river Neiße flows quite naturally through the landscape which makes cycling pleasant because of its various views.

Endlich sind wir fast zum Abschluss unserer großen Tour durch Deutschland nach 7 Wochen und 3000km auf dem Rad in der Oberlausitz, Beates „Geliebtem Heimatland“ angekommen. Heute haben wir mit dem Überfahren der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen kurz vor Bad Muskau außerdem das letzte Bundesland unserer Reise erreicht. Damit kommt unser großes Abenteuer mit großen Schritten seinem Ende entgegen, nach so vielen Stunden im Sattel, so vielen schönen und auch einigen weniger schönen Tagen, Städten, Dörfern, Landschaften kommt jetzt doch etwas Wehmut auf, dass es schon wieder fast vorbei ist, obwohl ich mich in den letzten Tagen auf darauf gefreut habe, nicht jeden Tag Rad fahren zu müssen, sondern auch einfach mal nichts tun kann.

Landschaft an der Neiße/Scenic View of the Neiße

Heute jedoch war noch einmal ein richtig schöner Tag zum Radfahren, zwar noch immer um die 30°C, aber aufgrund wechselnder Bewölkung und auch abwechslungsreicher Landschaft, die auch immer mal wieder Schatten bot, und nur leichtem Wind war das Fahren sehr angenehm. Darüber hinaus war auch der Weg so gut, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu fahren. Kurz nach Guben wollte ich nämlich mal wieder etwas schneller fahren, weil der Radweg gerade so schlön glatt war und die weitere Strecke auch ziemlich klar. Ich dachte, wenn der Weg wieder schlechter wird oder eine unklare Abzweigung, kann ich dann auf Beate warten. Aber der Weg wurde nicht schlechter, die Ausschilderung war klar und so bin ich immer weiter gefahren, bis ich dann in Forst (Lausitz) doch einmal angehalten habe, um nicht gleich die ganze Strecke bis Bad Muskau durchzufahren. Da war ich dann aber schon ungefähr 40km gefahren.

Unterbrochene Brücke in Forst/Broken Bridge in Forst

Forst ist für mich übrigens die Stadt der abgebrochenen Brücken, denn dort gibt es immer noch mehrere Brücken, die wohl im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört wurden, danach aber nie wieder aufgebaut noch komplett abgerissen wurden. Außerdem gibt es aber dort noch den „Ostdeutschen Rosengarten“, einen Park mit vielen verschiedenen Rosensorten, den wir aber nicht besucht haben, sondern an dem wir nur vorbei gefahren sind.

Neues Schloss im Fürst-Pückler-Park/New Castle in the Park „Fürst Pückler“

Besucht haben wir aber heute Abend noch den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, der wirklich einen (oder sogar mehrere) Besuch wert ist. Vor allem bei dem schönen Wetter heute ist es eine wahre Pracht die ganzen Blumen, Bäume und modellierten Landschaften mit Wasserläufen, Seen und Hügeln zu sehen. Wir sind nur reichlich eine Stunde durch den Park gewandelt, hätten aber sicherlich noch viel länger dort bleiben können, wenn nicht unser Hunger und unsere Müdigkeit ihren Tribut verlangt hätten und wir uns dann nicht lieber etwas zum Abendessen gesucht hätten.

Blumen und Bäume im Fürst-Pückler-Park/Flowers and Trees in the Park „Fürst Pückler“

Interessant ist auch, dass die Neiße, die ja, wie gestern schon geschrieben, ein eher kleiner Fluss ist, mitten durch den Park geht, so dass er in einen polnischen und einen deutschen Teil geteilt ist, aber seit jetzt ungefähr zwanzig Jahren durch wieder aufgebaute Brücken im Park wieder als ein Park zu genießen ist. Auch daran sieht man, wie beliebig die Grenzziehung mit der Neiße als Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg war, Städte wurden zweigeteilt, Beziehungen zwischen Dörfern und Handelsrouten unterbrochen und auch Parks und Wälder geteilt. Aber wenn man die Vorgeschichte betrachtet, kann man nur sagen, selber schuld, schließlich hat das Deutsche Reich noch viel schlimmere Verbrechen begangen als nur willkürliche Grenzen gezogen.

Brücke über die Neiße im Fürst-Pückler-Park/Bridge over the River Neiße in Park „Fürst Pückler“

Aber abgesehen von der Geschichte ist die Neiße ein schönes Flüsschen und es macht Spaß an ihr entlang zu fahren. Da sie so klein ist und nicht als Wasserstraße begradigt wurde, schlängelt sie sich weitgehend natürlich durch die Landschaft, durchfließt Wiesen und Wälder, vorbei an einzelnen kleinen Städten und Dörfern, so dass das Fahren doch sehr abwechslungsreich ist.

Wald an der Neiße/Forrest at the Neiße

Morgen steht uns dann unsere allerletzte Etappe bis Ostritz bevor, die aus zweierlei Hinsicht herausfordernd zu werden droht. Zum einen ist sie mit fast 90km eine von unseren längsten, da wir nicht in Görlitz 20km vor Ostritz nicht noch einmal übernachten wollten, und zum Anderen ist nach einer Woche schönen Wetter und Hitze schlechtes Wetter mit Abkühlung, was ja noch angenehm wäre, aber auch viel Regen und Gewitter angekündigt. Mal sehen, wie wir das überstehen werden, aber vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Jedenfalls haben wir uns zum Kaffee bei Beates Bruder in Görlitz angemeldet, so weit sollten wir also mindestens kommen.

Wer sich übrigens über die Überschrift gewundert hat, sie ist ein Zitat aus dem Refrain des Oberlausitz-Lieds. Und hier gibt es auch noch den Link zu unserer heutigen Tour.

Das Flüsschen Neiße/The Tiny River Neiße

Short English Summary: Today we left the river Oder behind us and continued our cycling tour at the river Neiße, which is the second river which forms the border between Germany and Poland since the Second World War. Although it is small river, it was determined by Soviet leader Stalin as border, what divided some German cities which laid at both sides of the river like Guben, where we stay this night. We did a small detour today to see the abbey Neuzelle, which was built in the baroque times and has a beautiful church and a garden in baroque style.

Jetzt sind wir endlich an der (Lausitzer) Neiße angekommen, womit wir am letzten Fluss angekommen sind und damit endgültig der Schlussspurt unserer Deutschlandtour begonnen hat. Jetzt sind es nur noch 160km bis Ostritz und die Versuchung ist jeden Tag groß, sich einfach in den Zug zu setzen und die verbleibenden Kilometer bequem in wenigen Stunden im Zug zurückzulegen statt sich noch einmal in den Sattel zu setzen und weiterzuradeln. Aber heute haben wir der Versuchung widerstanden und sind von Frankfurt in den Gubener Vorort Großbreesen gefahren, was auch durch das Wetter erleichtert wurde, da es zwar immer noch sehr heiß (um die 30°C) war, aber nicht mehr ganz so heiß und vor allem nicht mehr so schwül wie gestern. Weiterhin war es  immer mal wieder etwas bewölkt, so dass auch die Sonne nicht so brannte. Wenn sie aber rauskam und wir gerade durch schattenloses Gebiet fuhren, war es wieder sehr anstrengenden, besonders wenn auch noch Gegenwind dazukam.

Die Neiße kurz vor der Mündung in die Oder/The River Neiße short before the confluence into the Oder

Nichtsdestotrotz haben wir unsere heutige Etappe so gut geschafft, dass wir sogar noch einen kleinen Abstecher von unserem Weg zum Kloster Neuzelle machen konnten, was Beates besonderer Wunsch war, da sie davon schon viel gehört hat, aber trotz vieler Wallfahrten, die von Ostritz dorthin stattgefunden haben, noch die dort war. Und ich muss sagen, der Abstecher hat sich gelohnt. Die Klosterkirche ist reichlich mit barocker Pracht ausgestattet und auch der Klostergarten ist ein typischer Barockpark mit strenger Symmetrie, dessen Struktur noch weitgehend erhalten ist. Alles ist außerdem sehr schön restauriert. Damit bestätigt sich, was ich gestern schon gesagt habe, dass man, um etwas interessantes zu sehen und etwas Abwechslung zu haben, vom Oder-Radweg sich von der Oder entfernen muss.

Kloster Neuzelle/Abbey Neuzelle
Impressionen von Neuzelle/Impressions of Neuzelle

Heute haben wir uns dann endgültig von der Oder verabschiedet, da sie bei Ratzdorf nach Osten und damit nach Polen abbiegt und die Neiße, die dort in die Oder mündet, die Rolle des Grenzflusses und unseres Leitflusses übernimmt. Neben der Oder nimmt sich die Neiße, selbst bei ihrer Mündung, doch recht klein und unscheinbar aus, so dass man den Zusammenfluss kaum zwischen dem ganzen grünen Bewuchs erkennen konnte. Trotzdem wurde sie nach dem zweiten Weltkrieg als Grenzfluss bestimmt und trennt seitdem Polen von Deutschland.

Mündung der Neiße in die Oder/Confluence of the River Neiße into the River Oder

Getrennt von seinem historischen Stadtzentrum ist seitdem auch Guben, das es mit Gubin in Polen und Guben in Deutschland jetzt gleich zweimal gibt. Nach dem Krieg wurde im deutschen Restteil ein neues Stadtzentrum aufgebaut, d urch das wir morgen fahren werden. Ich habe, ehrlich gesagt, keine Vorstellung, was uns dort erwartet. Aber wir werden sehen. Wir haben übrigens eine etwas indirekte persönliche Beziehung zu Guben: In der DDR hieß die Stadt nämlich offiziell „Wilhelm-Pieck-Stadt Guben“, zum Andenken an den ersten und einzigen Präsidenten der DDR, der dort geboren wurde, wie auch die Straße in Berlin, in der Beate wohnte, als ich sie vor über 30 Jahren kennenlernte, damals Wilhelm-Pieck-Straße (heute Torstraße) hieß.

An einem anderen städtebaulichen Produkt des Sozialismus sind wir heute nur am Rande vorbei gefahren, nämlich Eisenhüttenstadt, das unter dem Namen Stalinstadt in den 1950er Jahren als Planstadt gegründet wurde, um dem Eisenhüttenkombinat Ost als Wohnstadt zu dienen. Da sind wir aber nur durch den Stadtteil Fürstenberg gefahren, eine alte, historische Stadt aus dem 13. Jh., die mit Stalinstadt in den 1960er Jahren zu Eisenhüttenstadt fusioniert wurde (siehe auch Wikipedia).

Unser morgiger Zielort Bad Muskau verdankt seine Bekanntheit einer noch länger vergangenen Zeit, nämlich dem Fürst-Pückler-Park, der gleichzeitig das nächste und letzte UNESCO-Welterbe in einer langen Liste von Welterbestätten, die wir auf unserer Reise gesehen haben, sein wird. Aber davor müssen wir erst noch ungefähr 70km bei immer noch starker Hitze um die 30°C radeln. Wenn es aber so wie heute sein wird, ist es erträglich.

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Kuriosität erwähnen, die die Weggeführung manchmal mit sich bringt, die mich kurzfristig aber etwas irritiert hat. Eigentlich fahren wir ja seit Rieth mehr oder weniger nach Süden, manchmal auch ein bisschen nach Osten. Als wir aber heute, nachdem wir Frankfurt verlassen hatten, plötzlich direkt nach Norden fuhren, war ich schon etwas verwirrt und dachte kurzzeitig, wir hätten uns verfahren. Da aber sowohl die Beschilderung als auch meine Navigation den Weg als den richtigen anzeigten, dachte ich, dass es damit wohl seine Richtigkeit haben wird. Und tatsächlich, nach ein paar Kilometern machte der Weg eine scharfe Kurve nach Südosten und wir waren wieder an der Oder. Die „falsche Richtung“ war nötig, um dem Brieskower See zu umfahren.

Brieskower See/Brieskow Lake

Und noch eine Besonderheit unserer heutigen Tour fällt mir gerade ein.  Kurz hinter Frankfurt gab es ein Stück Weg, vor dem im Reiseführer als besonders gefährlich gewarnt wurde, da es zum einen auf einer steilen und kurvigen Straße entlang führte, die außerdem auch noch stark befahren sei. Aber in der Realität hat sich das als gar nicht zu schlimm herausgestellt, da wir sowohl schon steilere Weg hochgefahren sind als auch schlimmeren Verkehr, vor allem auf Rügen, erlebt haben.

Damit schließe ich für heute mit dem Track unserer heutigen Tour.

Ein Tag im Oderbruch/A Day in the Oderbruch

Short English Summary: Our today’s stage headed from Zollbrücke in the Oderbruch, a former marshland which was drained in the 18th century to create land for agriculture, to Frankfurt (Oder), the birth place of Heinrich v. Kleist and place of studies of C.P.E. Bach, the most famous son of Johann Sebastian Bach.

Nach der Hitzeschlacht gestern war das Fahren heute wieder eine schweißtreibende Angelegenheit, es war zwar nicht mehr ganz so heiß wie gestern, aber immer noch knapp über 30°C und sehr schwül. Der Regen in der Nacht hat kaum zur Abkühlung geführt, aber die Luft sehr feucht gemacht, so dass es am Morgen als wir in Zollbrücke losfuhren schon 24°C war und das große Schwitzen gleich losging.

Kulturhafen Groß Neuendorf/Port of culture Groß Neuendorf

Landschaftsmäßig ging es auch wieder, wie es gestern aufgehört hatte: Fluss, Deich und Felder und der Radweg entweder auf dem Deich oder hinter dem Deich. Es ist schon faszinierend, wie lange man hier im Oderbruch fahren kann, ohne ein Gebäude, geschweige denn eine Siedlung oder sogar eine größere Ortschaft zu sehen. Es ist hier sehr dünn besiedelt, vor allem direkt an der Oder gibt es wenig Abwechslung. Wahrscheinlich muss man mehr von der Oder in das Oderbruch hineinfahren, um die Dörfer dort zu sehen, die auch durchaus sehenswerte Orte und Gebäude bieten sollen. Davon haben wir aber nichts gesehen, stattdessen nur landwirtschaftliche Nutzfläche, die im 18. Jahrhundert durch die Trockenlegung des Oderbruchs und die Verlegung der Oder an dessen Ostgrenze entstanden ist und damit Lebensraum für neue Kolonist*innen bot. Es muss in dieser Zeit schon ein riesiges Unternehmen gewesen sein, eine so große Fläche einzudeichen, den Fluss und seine Nebenflüsse zu verlegen und damit das Gebiet trockenzulegen. Vor der Trockenlegung muss das Oderbruch wohl so ähnlich wie der Spreewald ausgesehen haben. Teilweise wird heute wohl auch wieder diskutiert aus Hochwasserschutzgründen dem Fluss wieder mehr Raum zu geben und Flächen wieder vernässen zu lassen.

Universität Viadrina/University Viadrina

Unser Ziel heute war am Südende des Oderbruchs die Stadt Frankfurt (Oder), die neben der Namensgleichheit mit dem Wohn- und Studienort unserer Tochter Nadjeschda auch noch weitere Highlights zu bieten hat. Zum einen ist sie Geburtsstadt von Heinrich v. Kleist, was hier überall zu sehen ist, und außerdem auch Studienort von Carl Philipp Emanuel Bach, worauf auch an jedem Laternenmast hingewiesen wird. Davon abgesehen ist Frankfurt Sitz der Europa-Universität Viadrina und besitzt ein paar schön restaurierte bzw. rekonstruierte Gebäude.

Erinnerung an C.P.E. Bach/Memento of C.P.E. Bach

Morgen geht es dann erst weiter an der Oder aufwärts, bevor wir dann mit der Neiße den letzten Fluss unserer Reise erreichen werden, den wir dann noch bis zu seiner Quelle folgen wollen. Aber bis dahin müssen wir noch ein paar Tage radeln. Was wir heute geradelt sind, könnt ihr hier sehen.

Rathaus von Frankfurt/City Hall of Frankfurt