Ein Inselruhetag/A Day of Rest on the Island

Short English Summary: Today we make another day of rest. Yesterday we cycled from Barth over Stralsund to Putbus on the Island of Rügen, which is the biggest German island. Here we stay a couple of days with friends and do some more trips around the island. Over two third of our tour through Germany is done, we will need only about two weeks to our final destination.

Nachdem wir den gestrigen Abend mit Manuela und ihren Eltern damit verbracht haben, Geschichten aus der untergegangenen DDR auszutauschen, wobei ich mangels Erfahrung eher Zuhörer war, melde ich mich jetzt zu ungewohnter Zeit am frühen Nachmittag mit meinem Tagesbericht. Bevor ich heute zum Schreiben kam, haben wir jedoch erst einmal Ruhetagsaktivitäten absolviert, wie Wäsche waschen, Fahrräder auf Vordermann bringen und einkaufen, und administrative Tätigkeiten erledigt, wie z.B. Rechnungen bezahlen, die auch im Urlaub eintreffen. Außerdem habe ich mir einen neuen Helm gekauft, nachdem bei meinem alten Rissspuren zu sehen waren. Jetzt sind wir wieder bereit, morgen zu unserer nächsten Tour über die Insel Rügen zu starten, auf der wir seit gestern sind.

Obwohl wir jetzt seit fast drei Wochen an Nord- oder Ostsee entlang fahren ist Rügen tatsächlich die erste Insel, die wir befahren, da wir die nordfriesischen Inseln links liegen gelassen haben und uns auch die eigentlich vom Ostseeküsten-Radweg vorgesehene Tour über Fehmarn gespart haben. Dafür werden wir hier gleich 6 Tage, inkl. zweier Ruhetage, bleiben, schließlich ist Rügen die größte deutsche Insel, deren Umfahrung 4 Tage braucht und außerdem Wohnort unserer Freunde Manuela und Jens ist, weswegen wir gleich zwei Ruhetage, nämlich heute und am Sonntag, eingeplant haben. Der Ruhetag am Sonntag war eigentlich so nicht vorgesehen, da aber die gestrige Etappe mit knapp unter 50km doch eher kurz gewesen wäre, und die ursprünglich für morgen eingeplante mit noch nicht einmal 40km sehr kurz gewesen wäre, haben wir beide kurzerhand zu einer Tour von fast 90km zusammengelegt, was gerade noch in unserem Tagespensum liegt, und uns damit noch einen weiteren Ruhetag am Sonntag verschafft, an dem wir dann auch Jens treffen können, der im Moment gerade nicht zuhause ist.

Bevor wir gestern nach Rügen kamen, sind wir aber erst einmal von Barth bis Stralsund gefahren, was zwar eine schöne Tour bei weiterhin angenehmem, nicht zu heißem Sommerwetter war, worüber es aber nicht viel zu berichten gibt, außer dass wir immer wieder schöne Ausblicke auf den Bodden oder die Ostsee hatten und gut vorankamen, da es so gut wie keine Steigungen gab und auch der Wind uns nicht unangenehm aufgefallen ist. Durch Stralsund sind wir einfach nur durchgefahren, da wir am Dienstag nach unserer Umfahrung von Rügen noch einmal durch Stralsund kommen werden und dann auch dort übernachten werden.

Blick auf Stralsund/View to Stralsund

Nach Passieren des Rügendamms waren wir dann auf der Insel und haben uns, wie oben schon erwähnt, entschieden noch bis Putbus weiter zu fahren. Auf der Insel hat sich die Landschaft mal wieder signifikant geändert: Während die letzten Tage fast komplett flach waren, wurde es auf Rügen wieder zunehmend hügeliger und auch erst einmal kein Wald mehr, sondern riesige Felder ohne Schatten, was dann doch etwas anstrengend war bei der heißen Augustsonne. Und auch der Straßenbelag oder besser die Oberfläche des Weges, denn von Straße konnte man nur selten reden, hat sich wieder start geändert bzw. wurde sehr vielfältig. Das Stück von Barth nach Stralsund war bis auf ein paar Stücke Kopfsteinpflaster in Barth und Stralsund doch weitgehend asphaltiert, während auf Rügen von gut ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis vollkommen unbefestigten Waldwegen und geschotterten Feldwegen alles vorhanden war. Aber am beängstigendsten waren die schmalen Landstraßen mit gutem Belag, die aber sehr stark von riesigen Traktoren mit großen Anhängern befahren wurden, vor denen man kaum ausweichen konnte. Und just gestern wurde hier in der Nähe von Sassnitz tatsächlich eine Radfahrerin von einem Traktor tot gefahren, was uns zeigte, dass unsere Angst nicht ganz unbegründet war. Dann lieber doch völlig kaputte Wege, auf denen man kaum vorankommt, als lebensgefährliche gut asphaltierte Straßen. Wir sind aber glücklicherweise gut in Putbus angekommen, von wo wir dann mit dem Zug nach Sassnitz gefahren sind und von wo wir dann morgen wieder mit dem Rad noch einmal nach Sassnitz fahren werden. Das hört sich etwas umständlich an, ermöglicht uns aber die Zeit hier in Sassnitz bei Freunden zu verbringen und nicht zuletzt die leidige Quartierssuche, die doch immer einen gutes Quäntchen Zeit beansprucht und meist nicht mit einem Schnäppchen endet, zu umgehen.

Brücke nach Rügen/Bridge to Rügen

Aber immerhin sind wir jetzt schon nach einem Monat in Rügen angekommen und haben immer, auch hier an der Ostsee in der Hochsaison, noch eine halbwegs bezahlbare Unterkunft gefunden, wovon wir nicht so überzeugt waren, als wir vor jetzt über einem Monat in Heidelberg gestartet sind. In diesem Monat haben wir jetzt insgesamt 2100km mit dem Rad zurückgelegt, waren an 28 Tagen auf dem Rad und sind dabei durch 8 Bundesländer gekommen, haben unzählige Welterbe und andere schöne Städte und Landschaften gesehen, sind durch Nationalparks gefahren und konnten ein sehr guten Einblick in die Vielfalt Deutschlands gewinnen (siehe auch unsere Komoot-Collection).

Unsere gemachten Touren in der Übersicht/Overview of our done trips

Und sind noch nicht am Ende. Gestern haben wir jedoch festgestellt, dass wir gar nicht mehr so viele Etappen vor uns haben, in gut zwei Wochen können wir an unserem Ziel in Ostritz sein, eine halbe Woche früher als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem daran, dass wir Hamburg, entgegen unseren ursprünglichen Planungen, übersprungen haben, damit Beate besser nach Heidelberg kam, und an manchen Tagen, wie gestern, doch mehr gefahren sind, als ursprünglich gedacht.

Aber vielleicht ergibt sich unterwegs auch noch die Chance für einen lohnenswerten Umweg, für den wir jetzt auch noch Zeit hätten. Eine Idee war, einen Abstecher nach Hiddensee zu machen, angesichts der damit verbundenen Kosten für Fähre und Unterkunft haben wir davon jedoch wieder Abstand genommen. Aber vielleicht findet sich auch noch etwas anderes.  Das ist der Vorteil, wenn man noch nicht alles bis ins Details im Voraus geplant hat, man hat immer mal wieder die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen.

Bevor ich meinen Zweitagesbericht beende noch eine kleine Ergänzung in der Rubrik lustige Ortsnamen: Gestern sind wir durch den kleinen Ort „Schabernack“ gefahren und das war tatsächlich kein Witz (siehe oben).

Das Ende von Schabernack/“See you“ in the village Schabernack (Schabernack means joke in German)

Zu allerletzt wie immer die gestrige Tour als Komoot-Track zum Nachradeln.

Hinter Gittern/Behind Bars

Short English Summary: Today we crossed another border between two German states: From Schleswig-Holstein to Mecklenburg-Vorpommern, where the former was part of Western Germany and the latter of Easter Germany. Our destination today was Wismar, whose old town is part of the UNESCO world’s heritage. There we stay in a hotel which was a former prison and in which the rooms are called „cells“.

Nachdem sich die Zellentür nun endgültig für diese Nacht hinter uns geschlossen hat, kann ich die Zeit nutzen wieder etwas über diesen Tag zu schreiben. Bevor wir in Neustadt gestartet sind, haben wir erst noch ein paar Einkäufe erledigt, so dass wir etwas später los kamen als sonst. Da wir aber das nächste bikeline-Buch in Neustadt nicht bekommen konnten, der Buchladen in Wismar, bei dem wir es dann reserviert haben, aber nur bis 18 Uhr auf hatte und wir wieder über 80km vor uns hatten, war ich mir nicht sicher, ob wir es rechtzeitig schaffen würden, um das Buch noch abzuholen. Aber, als kleiner Vorgriff, wir waren dann doch schon ungefähr um 17.30Uhr in Wismar, wenn es auch am Morgen noch nicht so danach ausgesehen hatte.

Überfahrt von Travemünde zum Priwall/Ferry Ride from Travemünde to Priwall

Denn nach nicht viel mehr als 5km wollte Beate in Sierksdorf für eine kleine Toillettenpause  anhalten. Da dort aber der Strand gerade noch leer war und die Ostsee so einladend blau schimmerte, überkam mich die Lust mal schnell reinzuspringen und ein paar Minuten zu schwimmen, was ich dann auch getan habe. Dadurch war es aber schon fast 12 Uhr bis wir richtig losgefahren sind. Außerdem haben wir den Fehler gemacht, getrennt wieder loszufahren, damit Beate ein bisschen Vorsprung hat, den ich bald wieder einzuholen gedachte. Wie es aber so geht, irgendwie bin ich dann doch wieder an Beate vorbeigefahren ohne es zu merken.  Zu allem Überfluss fand Beate aufgrund einer Umleitung nicht wieder auf den richtigen Weg zurück, so dass sie wieder an mir vorbei fuhr, während ich auf sie wartete. Aber am Ende haben wir uns dann glücklich wieder an der Fähre in Travemünde getroffen. Leider konnte Beate deswegen die Steilküste zwischen Timmendorfer Strand und Travemünde nicht sehen, was der Höhepunkt für mich während dieses Teil unserer heutigen Etappe war.

Steilküste bei Travemünde/Cliff Line near Travemünde

Während wir hier an der Küste entlang radeln ergeben sich immer wieder Beziehungen zu Urlauben oder Erlebnissen, die wir in der Vergangenheit hatten. In Kiel z.B. bei Klara mit ihrer Familie mit zwei kleinen Kindern sind uns viele Dinge eingefallen, die wir mit unseren Kinder erlebt haben, gestern bei der Fahrt zum Fehmarnsunt, unser Urlaub mit Sanja und Edina, den wir vor einigen Jahren dort verbracht haben. Das war übrigens auch der Grund, warum wir nicht die Schleife über Fehmarn mitnehmen wollten, da wir damals schon recht viel mit dem Rad gefahren sind und deswegen dachten, das meiste schon gesehen zu haben. Außerdem ist im Moment die Fehmarnsuntbrücke für Fahrräder gesperrt, weswegen es etwas umständlich gewesen wäre, dort hinzukommen.

Ein weiterer Urlaub, an den ich heute denken musste, war noch gar nicht so lange her. Zum letzten Jahreswechsel war ich nämlich mit meiner Schwester auf der Insel Poel, die in der Bucht vor Wismar liegt. Und als wir dort waren, haben wir natürlich auch Wismar mehrere Besuche abgestattet. Aber im Sommer ist die Stadt noch viel schöner als im grauen Winter, wobei sie mir damals auch schon sehr gefallen hat, was keine Kunst ist, schließlich ist die Altstadt zusammen mit der von Stralsund Welterbe der UNESCO (ich weiß gar nicht, das wievielte Welterbe wir jetzt schon auf unserer Tour gesehen haben, manchmal denke ich, es ist schon fast etwas besonderes in Deutschland kein Welterbe zu haben).

Blick auf die Insel Poel/View to the Island of Poel

Und noch eine Beziehung zu einem vergangenen Urlaub verbinde ich mit Wismar, nämlich unseren Urlaub in Rerik, nicht weit von Wismar, das wir morgen durchfahren werden. Damals musste ich während des Urlaubs zurück nach Heidelberg fahren, da ich ein Bewerbungsgespräch in Karlsruhe hatte, was aber nicht sehr erfolgreich war, weshalb ich heute immer noch bei SAP arbeite. Was mir aber noch viel eindringlicher im Gedächtnis blieb, ist Nadjeschdas paralleler Aufenthalt in Montpellier. Ich glaube, es war ihr erster Urlaub ohne uns, sie war damals 12 Jahre alt und mit dem Stadtjugendring zum Jugendaustausch in Heidelbergs Partnerstadt. Leider hat es am Anfang für sie gar nicht gepasst, sie kam mit ihrer Gastfamilie nicht zurecht und mit ihren rudimentären Französischkenntnissen war auch die Kommunikation schwer. Deswegen rief sie uns ständig über das Mobiltelefon an, das wir ihr für den Notfall mitgegeben hatten. Da es aber so viele Notfälle gab und Telefonieren von Frankreich nach Deutschland damals noch teuer war, war das Guthaben schnell aufgebraucht, so dass wir ständig nachladen mussten, bis plötzlich überhaupt kein Anruf mehr kam, was uns noch mehr in Sorge brachte. Wie sich dann aber glücklicherweise herausstellte, war eine Lösung gefunden worden, in dem Nadjeschda zu einer anderen Familie kam, bei der auch schon ihre Freundin war. Da das ja kein Notfall mehr war, wurden wir auch nicht darüber informiert, dass es ihr wieder gut ging.

Das besondere an dieser Reise ist, dass diese ganzen isolierten Orte, die man mal aufgesucht hat, plötzlich in eine räumliche Beziehung gebracht werden. Während es vorher einzelne Punkte auf der Landkarte waren, die man mit dem Zug anfährt und dann wieder nach Hause zurückkehrt, fährt man jetzt diese Orte nach und nach an, stellt fest, wie nah oder fern sie zueinander liegen, und wie sich zwischen ihnen Land und Leute ändern. Heute hat sich z.B. auch wieder die Erscheinung der Ostseeküste signifikant geändert. Während die letzten Tage die Küste eher flach war mit einigen Hügel im Hinterland, gibt es hier immer mehr Steilküsten, was das Radfahren die Küste entlang noch etwas abwechslungsreicher, aber auch anstrengender, macht mit dem ständigen Auf und Ab, was mir aber auch besser gefällt. Die Steigungen sind zwar immer kurz, aber unter Umständen doch recht steil. Aber so gibt es auch immer wieder kleine sportliche Herausforderungen auf der Strecke.

Mit dem Passieren von Travemünde bzw. dem Priwall haben wir auch wieder eine Bundeslandgrenze überschritten, diesmal die zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die früher auch die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten war. Deswegen war an der Grenze auch ein Gedenkstein aufgestellt, der dieser Teilung gedachte. Dort haben Beate und ich natürlich auch eine kleine Gedenkminute eingelegt, schließlich sind wir in unterschiedlichen deutschen Staaten aufgewachsen und hätten uns ohne die friedliche Revolution in der DDR, die letzten Endes auch diese Grenze zu einer einfachen Bundeslandgrenze gemacht hat, wahrscheinlich nie kennenlernen können.

Gedenkstein an der ehem. deutsch-deutschen Grenze/Memorial at the former German-German Border

Noch ein anderer Unterschied in der Landschaft heute war, dass die Küste hier oft einem Waldstreifen hat, was besonders bei der Sommersonne, die jetzt fast durchgehend scheint, das Radfahren angenehmer durch Schatten und etwas Kühle, obwohl die Temperaturen für unsere Verhältnisse doch recht angenehm sind (gerade war im Wetterbericht von 37°C die Rede, während es hier um die 25°C sind).

Blick auf das Meer/View to the Sea

Eine letzte Sache, die ich heute noch kurz erwähnen möchte, ist die Katastrophe der Cap Arcona, die sich in den letzten Kriegstagen 1945 in der Lübecker Bucht vor Neustadt ereignet hat und bei der 4600 KZ-Häftlinge ums Leben kamen. In Neustadt gibt es ein eigenes Museum dazu und immer wieder an der Küste hier gibt es Gedenkstätten, wo Opfer angespült wurden. Auch auf der Insel Poel, wo wir zum Jahreswechsel waren, gab es eine etwas größere Gedenkstätte, an der auch etwas zu den Hintergründen erklärt wurde.

Und nun muss ich auch noch meinen Eingangssatz auflösen. Wir schlafen heute nämlich in einem Hotel, das früher eine Jugendarrestanstalt war, das „Kittchen“ heißt und in dem die Zimmer „Zellen“ heißen.

Hier noch unsere heutige Tour: Neustadt-Wismar.

Von Meer zu Meer/From Sea to Sea

Short English Summary: Today we hit the first German border after three weeks of cycling, a part of our tour went through the south of Denmark. This was the most northern part, from now on we will slowly head to the south again. We finally left the North Sea and reached with Flensburg the first city on the Baltic Sea. Flensburg is a beautiful city with a nice old town and a historic harbor, which is also the center of the Danish minority in Germany.

Nach drei Wochen und einem Tag Fahrt haben wir endlich erstmalig eine deutsche Staatsgrenze überschritten, nämlich die zwischen Deutschland und Dänemark. Damit haben wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und bewegen uns ab heute langsam wieder gen Süden, wobei wir heute schon im äußersten Süden waren, nämlich dem von Dänemark (Süderjütland). Dabei fällt mir ein Missverständnis ein, dass ich vor vielen Jahren während meines Erasmusjahrs in Florenz hatte. Damals las ich ein (italienisches) Buch über die Kunstgeschichte Italiens, in dem immer wieder vom Einfluss der nordici die Rede war, was ich für mich mit Nordländer wie Dänemark oder Schweden übersetzte und mich darüber wunderte, wie diese Länder so großen Einfluss auf Italien ausüben konnten, bis mir irgendwann klar wurde, dass aus italienischer Perspektive die Nordländer Deutschland und Frankreich sind, womit alles viel mehr Sinn ergab. So waren wir heute also gleichzeitig im äußersten Norden Deutschlands und im äußersten Süden Dänemarks an einem Tag, wobei man sich in Flensburg, unserem heutigen Zielort, auch teilweise noch wie in Dänemark fühlen kann, so viel hört und liest man Dänisch.

Deutsch-Dänische Grenze/Border between Germany and Denmark

Aber mit den Sprachen in Schleswig-Holstein ist es sowieso eine spannende Sache; obwohl es hier nur ungefähr 3 Millionen Einwohner gibt, gibt es gleich vier offizielle Sprachen: Hochdeutsch, Niederdeutsch (auch Platt genannt), (Nord-)Friesisch und Dänisch. Außerdem ist auch noch Romanes als Minderheitensprache anerkannt. In Meldorf z.B. waren die Straßennamen auch in Niederdeutsch angeschrieben, in Nordfriesland teilweise in Friesisch, so nannte das Ortseingangsschild von Niebüll auch Naibel als friesischen Namen. Weiterhin gibt es noch Südjütisch (Plattdänisch), Petuh und Missingsch (siehe auch Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein).

Haus der dänischen Minderheit in Schleswig/House of the Danish Minority in Germany

So sind wir heute also vom Niebüll im Nordfriesischen Sprachraum nach Flensburg im Dänischen Sprachraum gefahren, außerdem von einem Meer, der Nordsee, zu einem anderen Meer, der Ostsee, und, bis auf einen kleinen Abstecher nach Dänemark immer im gleichen Bundesland geblieben. In Frankreich gibt es einen Wanderweg, der auch von einem Meer, nämlich dem Mittelmeer, an ein anderes Meer, den Atlantik, führt, wozu man ungefähr 60 Etappen braucht, während wir heute von Meer zu Meer kaum mehr als 60km gefahren sind. Also Schleswig-Holstein bietet Abwechslung auf engstem Raum.

Strand in Wassersleben/Beach in Wassersleben

Abwechslungsreich war auch die Landschaft und das Wetter und unsere Unterkunft. Heute morgen fuhren wir bei leichtem Nieselregen unweit der Westküste in flachem Land von unserer kleinen Bett&Bike-Pension mit persönlicher Betreuung los, fuhren dann quer durchs Binnenland, wo die Landschaft zunehmend hügeliger und waldreicher wurde und die Sonne immer mehr zum Vorschein kam, und kamen dann am Nachmittag im überraschend hügeligen Flensburg bei strahlendem Sonnenschein an, wo wie Quartier in einem großen Gästehaus bezogen, in dem man den Schlüssel nach der Internetbuchung und -bezahlung absolut anynom über einen per e-Mail verschickten Code aus einem Schlüsselsafe holen konnte, wobei ich nicht sagen will, dass das Gästehaus schlecht ist, die Zimmer sind freundlich, sparsam, aber gemütlich eingerichtet und sauber. Aber sonst ist es das genaue Gegenteil von unserer gestrigen Unterkunft.

Waldstück in Dänemark/Forestal Area in Denmark

Auch Flensburg ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Niebüll. Während Niebüll ruhig und verschlafen, ohne besondere Sehenswürdigkeiten und interessante Bauwerke ist, ist Flensburg eine lebhafte Stadt mit sehenswerter Altstadt, einigen alten Kirchen im Stil der Backsteingotik, einem historischen Hafen, um den sich zahlreiche Cafès und Restaurants angesiedelt haben, und malerischen Ausblicken auf die Flensburger Förde. Ich denke, ich werde hier die nächsten zwei Tage, während Beate nach Heidelberg und wieder zurück fährt, gut verbringen können.

Der Hafen von Flensburg/The harbor of Flensburg

Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, dass die Landschaft vor Flensburg wieder etwas hügeliger geworden ist, zwar weit entfernt von den Mittelgebirgen, die wir in der ersten Woche durchquert haben, aber immerhin haben wir heute wieder 270 Höhenmeter überwunden. Und vor allem den letzten Anstieg vor Flensburg hat Beate völlig freiwillig, in Abweichung vom geplanten Weg an der Förde entlang, mit großem Elan, so dass ich kaum mitgekommen bin, erklommen. Offensichtlich beginnt sich das dreiwöchige Training bislang auszuzahlen…

Damit ihr das auch auf der Karte nachvollziehen könnt, hier unsere heutige Tour: Niebüll-Flensburg.

Hoch im Norden/High in the North

Short English Summary: Today we almost reached the most northern part of our tour, Niebüll near the Danish border. We cycled near the sea the whole day but will leave the North Sea tomorrow to head for Flensburg, where the Baltic coast route starts.

Mittlerweile haben wir nach drei Wochen Radfahren fast den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht. Nur noch wenige Kilometer trennen uns von der dänischen Grenze, die wir morgen auch kurz überfahren werden. Aber zu erst werde ich euch schreiben, was uns heute widerfahren ist und welche Gedanken uns so durch den Kopf gegangen sind.

Ähnlich wie gestern war heute wieder ein für Nordseeverhältnisse sehr heißer und vor allem schwüler Tag, aber das erwartete Gewitter hat sich bis jetzt noch nicht blicken lassen, wenn es auch jetzt schon bedeutend kühler und bewölkter geworden ist. Wahrscheinlich wird es in der Nacht noch losbrechen. Aber dann sind wir sicher im Trockenen und bis morgen früh ist hoffentlich alles vorbei (mit dem Unwetter meine ich, unsere Tour ist lange noch nicht vorbei). Heute sind wir in einer Bed&Bike-Pension in Niebüll abgestiegen, die von einer sehr netten und fürsorglichen Frau betrieben wird.

Während der gestrige Abschnitt unserer großen Tour etwas eintönig war und wir wenig von der Nordsee gesehen haben, war es heute wieder abwechslungsreicher und es ging immer, bis auf die letzten 20km von Dagebüll nach Niebüll, nahe am Meer entlang, teilweise gefühlt sogar mitten durch, zumindest war rechts und links Wasser. Der Nachteil der Wegführung so nah am Meer sind die vielen Tore, die man überwinden muss. Es geht immer Tor auf, Tor zu, Deich hoch, Deich runter, Tor auf, Tor zu, Deich hoch und wieder runter usw. Bestimmt haben wir heute 50 mal ein Tor in einem Deichschutzzaun geöffnet und wieder geschlossen. Dafür hatten wir weitgehend asphaltierte Wege und wenig Holperstrecken, so dass ich die Abschnitte zwischen zwei Deichtoren immer mal wieder zu kleinen Sprints nutzen konnte.

Inseln im Meer/Islands in the Sea

Landschaftlich war es auch abwechslungsreich: Salzwiesen, Watt, am Horizont im Meer einige Halligen oder Inseln, Siele, Kooge (oder was ist der Plural von Koog?), Vögel, Schafe, alles, was man von so einem Tag an der  Nordsee erwartet und über allem eine fast himmliche Ruhe, abgesehen von Vogelgezwitscher und einem gelegentlichen Schafblöken waren die Rollgeräusche unserer Fahrräder die einzigen hörbaren Geräusche.

Vögel for Windrädern/Birds in front of Windmills
Schafe vor Meer/Sheep in front of the Sea

Beim Stichwort Himmel fallen mir auch gleich wieder ein paar neue Beispiele für unsere Rubrik bemerkenswerte Ortsnamen ein. Heute waren wir in „Süden“, „Westen“, und „Norden“ (nur „Osten“ haben wir nicht gesehen), sind knapp an „England“ vorbeigefahren (dabei dachten wir, dass wir im Frühjahr bei unserem Urlaub in der Bretagne schon nahe an England bzw. den britischen Kanalinseln waren, aber heute sind wir nur einen Kilometer an England vorbeigefahren), waren „Oben“ und „Unten“ und zum Höhepunkt fuhren wir durch „Gotteswohnung“ und sahen „Gotteskoog“. Da war es auch zu verschmerzen, dass es hier in Niebüll außer dem Terminal, an dem die Autos auf die Züge nach Sylt verladen werden, nichts besonderes zu sehen gab.

Wegweiser in Nordfriesland/Signpost in Northern Frisia

Ein anderes Motiv, dass sich durch unsere Reise zieht, sind die diversen Dagegen-Initiativen. Ich glaube, worauf sich alle Deutschen einigen können, ist, dass man gegen irgendetwas sein muss, seien es die Windräder in Heidelberg  („Keine Windkraft in unserem Wald“), die Brückengeländer in Gamburg, die Wölfe überall oder hier in Schobüll die Holzhäuser („Keine Holzhäuser in Schobüll“), es findet sich immer irgendetwas, gegen das es sich zu protestieren lohnt. Damit will ich nicht sagen, dass es per se schlecht ist, auf Missstände hinzuweisen oder gegen Projekte zu protestieren, bei denen der Schaden den Nutzen übersteigt. Im Gegenteil halte ich es für eine wichtige Errungenschaft der Demokratie, dass sich jede*r mit ihren/seinen Bedenken zu Wort melden darf, Verbündete suchen und Protest organisieren darf. Aber manchmal erscheint es aus etwas Distanz schon sehr kurios, wogegen alles protestiert wird. Wenn ich hier so durch die Landschaft voller Windräder radele, die offenbar keinen einzigen davon abhalten hier Urlaub zu machen oder zu einer Verarmung der Vogelwelt führen, überlege ich mir, was ein Mensch von hier wohl über oben zitiertes Protestplakat bzgl. der Windräder im Wald denken mag. Vielleicht das gleiche, was mir bei dem Protest gegen Holzhäuser in den Sinn kommt: Haben die hier keine anderen Probleme?

Die einzige halbwegs schattige Bank heute/The only Bench in the Shadow today

Mittlerweile hat es übrigens zu regnen angefangen, aber es ist nicht so schlimm, dass wir von der Terrasse in unser Zimmer gehen müssen. Morgen werden wir dann die Nordsee endgültig verlassen und auf dem Nord-Ostsee-Radweg nach Flensburg fahren, von wo der Ostseeküstenradweg, der für die nächsten zweieinhalb Wochen unsere Richtschnur sein wird, startet.

Hier also unsere letzte Nordsee-Etappe: Husum-Niebüll.

Ein schöner Sommersonnenurlaubstag/A Beautiful Summer’s Day

Heute hat sich unsere Reise wie richtiger Urlaub angefühlt, der sie ja tatsächlich auch ist. Ich meine jetzt, wie der Klischee-Urlaub mit Sonne und Meer, blauer Himmel, Ruhe und Entspannung. Schon beim Aufbruch in Meldorf schien die Sonne, der Himmel strahlte mit Chagall um die Wette (wobei dessen Blau eher etwas dunkel ist) und kein Wölkchen weit und breit zu sehen. Sogar die Temperatur war außerhalb des Ortes noch angenehm, was sich aber im Laufe des Tages noch etwas ändern sollte, jedoch blieb es immer gut aushaltbar, da zwar wenig, aber doch immer ein leichter Wind wehte, der für etwas Kühlung sorgte. Und über allem schwebte eine große Urlaubstagsruhe. Ich weiß auch nicht so richtig, ob dies an meiner Stimmung lag, ob es heute tatsächlich besonders ruhig war oder ob es hier vielleicht immer besonders ruhig ist, schließlich gibt es hier keine großen Städte, die überfüllten Touristenorte wie Büsum waren immer schnell durchfahren und sonst gab es nur Deich, blöckende Schafe, und, wenn überhaupt, sich sachte drehende Windradflügel, von Zeit zu Zeit ein Auto, oder ein in der Ferne brummender Rasenmäher oder eine andere landwirtschaftliche Maschine. Es schien, als hätte die ganze Region heute Urlaub gemacht.

Sich sanft-drehende Windräder/Gently Spinning Windmills

Wobei wir noch in einem anderen Sinn beim Motto unseres heutigen Tages wären. Orte am Rande des Weges erinnerten mich an vergangene Urlaube. Dies begann mit Friedrichskoog, unweit unseres Übernachtungsortes Meldorf (an das ich mich übrigens nicht mehr erinnern konnte, aber wahrscheinlich waren wir dort nicht). Als Jugendlicher verbrachten wir nämlich mit der Familie in Friedrichskoog einen Sommerurlaub. Es war unser erster Urlaub an der Nordsee, bislang waren meine Schwester und ich nur das tunesische Mittelmeer gewöhnt, und dachten, alle Meere sehen so aus. Deswegen waren wir schon enttäuscht, als wir in Friedrichskoog ankamen, den Deich erklommen haben und – kein Meer sagen, sondern nur eine Matchwüste, Watt genannt. Aber auch bei Flut lud das Meer nicht zum Planschen, Schwimmen oder Toben ein, da es viel zu flach war, kein Sandstrand vorhanden war und zu allem Überdruss auch noch ständig durch Buhnen unterbrochen war. Da auch die mitgebrachten Räder ob des Windes nur selten zum Einsatz kamen, saßen wir meist in der Ferienwohnung beim Spielen oder Fernsehklotzen (es waren, glaube ich, auch noch irgendwelche Olympischen Spiele oder so). Aber zumindest bei ersterem waren wir sehr kreativ, wir entwickelten weitere Varianten unseres damaligen Lieblingsspiels „Canasta“. Um wieviel besser hatte es damals die Familie meiner Tante getroffen, die zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer weiter nördlich in St.-Peter-Ording Urlaub machten (das wir übrigens morgen auch durchfahren werden). Bei einem Besuch dort mussten wir feststellen, dass es dort den erwarteten Sandstrand mit Jubel und Trubel gab und man auch ohne sich den Bauch aufzuschlitzen dort schwimmen konnte. Eigentlich wollte ich danach nie wieder an die Nordsee, habe aber mittlerweile meine Meinung revidiert und weiß jetzt auch die ökologische und touristische Qualität des Wattenmeers  zu schätzen.

Noch einen weiteren Urlaub, oder, um genau zu sein, waren es sogar mehrere, so genau weiß ich aber die Anzahl nicht mehr, konnten wir heute nacherleben. Einige Male waren wir mit unseren Kindern und teilweise auch mit Beates Schwester und ihren Eltern auf einem Bauernhof in Hedwigenkoog bzw. Westerkoog in der Nähe von Büsum. Diesem Bauernhof, dem Ferienhof Folger, statteten wir heute bei einem kurzen Abstecher vom Weg einen Besuch ab und trafen tatsächlich Carmen, die Besitzerin, an und hielten ein kurzes Schwätzchen mit ihr und frischten alte Erinnerungen auf. Viele Dinge sind noch genauso wie vor über 15 Jahren, aber einiges hat sich auch geändert. Leider ist Reimer, der Bauer, inzwischen gestorben, der damals aufgrund einer Wetter mit Beate die Hundehütte mit dem Tieflader auf den Balkon unserer Ferienwohnung bugsierte. Außerdem hat Carmen nach dem Tod ihres Mannes die Kühe und damit auch den Melkroboter abgeschafft, der uns damals so fasziniert hatte. Mit dem Melkroboter konnten sich die Kühe jederzeit selbst melken lassen, was für die Feriengäste immer ein faszinierendes Schauspiel war.

Unser altes Ferienhaus auf dem Folger-Hof/Our Summer Cottage on Folger’s Farm

Nach Westerkoog fuhren wir in einer kleinen Abweichung vom Nordseeküsten-Radweg in einer Schleife noch über Tönning, das einen malerischen alten Hafen hat, wo wir auch eine kleine Mittagspause machten. Damit sind wir nicht über das Eidersperrwerk gefahren, dass wir noch von damals in schlechter Erinnerung hatten, als wir mit Nadjeschda (sie war damals sechs Jahre alt) mit dem Rad von Westerkoog dorthin fuhren. Während der Hinweg noch ganz gut ging bzw. vom Rückenwind erleichtert wurde, war der Rückweg für alle eine wahre Geduldsprobe. Weitere Details möchte ich euch ersparen, aber unsere Familie hat es überlebt. Edina, du hattest damals übrigens Glück: Du warst noch so klein und durftest im Kindersitz gefahren werden.

Historischer Hafen von Tönning/Historical Harbor of Tönning

Wenn man so durchs Land reist, kommen einem nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten oder Verbindungen von Orten zu Personen, sondern man kann auch kuriose oder überraschende Orts- und Straßennamen kennenlernen. Heute z.B. endete unsere Tour in Welt, wo man übrigens wohl denkt, wenn man schon in Welt ist, braucht man keine Verbindung mehr zur Welt, weshalb es auch keinen Mobilfunk gibt (Bernhard: Wieder ein Auftrag an dich :)), selbst das WLAN in unserer Pension ist äußerst wackelig. Aber sonst ist es ein gemütliches kleines Dorf mit einem guten „Welt-Cafè„, wo wir gleich unsere zweite Hauptmahlzeit eingenommen haben.

Mannheim

Eine andere Überraschung erlebten wir heute Morgen, als wir plötzlich (nach über 1200 km Radeln von Heidelberg aus) an Mannheim vorbeiradelten, was aber, wenn überhaupt, nur aus einer handvoll quadratischen Häusern besteht. Gestern sind wir auch durch die (Blomesche) Wildnis gefahren und in Glückstadt durch die „Namenlose Straße“ geschlendert. Und natürlich der Name „Glückstadt“ selbst ist Programm, wobei der Gründer wohl trotz des Namens mit der Stadt nicht so viel Glück hatte. Unterwegs passierten wir auch schon Friedlos und Sorga und einige andere Orte mit kuriosen Namen (Mückenloch fällt mir da gerade noch ein), die mir jetzt entfallen sind.

Namenlose Straße/Street without Name

Wer diesen Blog regelmäßig liest, dem wird wohl aufgefallen sein, dass ich gestern nichts geschrieben habe. Dies lag, wie immer, nicht daran, dass gestern nichts passiert ist, sondern, dass ich zu müde war, um noch etwas aufzuschreiben. Den Abend gestern haben wir nämlich hauptsächlich mit der weiteren Planung unserer Reise und dem Buchen entsprechender Unterkünfte verbracht. Bis nächsten Donnerstag ist jetzt alles in trockenen Tüchern, wir müssen nur noch am richtigen Tag am richtigen Ort sein. Dabei fällt mir noch ein anderer kurioser Name ein: Am nächsten Donnerstag werden wir in „Hunhoi“ übernachten, für uns hörte sich das irgendwie wie Hanoi an und würde uns als Name einer vietnamesischen Stadt nicht so überraschen, wie als Name eines schleswig-holsteinischen Dorfes. Außerdem habe ich alle bislang gemachten Touren zu einer Komoot-Collection zusammengefasst. Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen, denke ich:

Gefahrene Etappen/Cycled Stages

Was gibt es noch über gestern zu berichten? Das Wetter war gestern angenehm mild, nach dem Regentag vorgestern eine wahre Wohltat. Was uns aber nicht daran hinderte, mal wieder getrennte Wege zu fahren. Da ich kurz nach der Abfahrt in Glückstadt feststellte, dass meine Kette nach doch jetzt wieder einigen hundert Kilometern und dem Regenwetter vom Vortag geschmiert werden musste, hielt ich kurz an, um dies zu tun, was dann aber doch etwas länger dauerte, da ich auch gleich noch den ganzen Dreck, der sich angesammelt hatte, entfernt habe. Als ich dann ein paar Kilometer später dachte, jetzt müsste ich Beate doch eingeholt haben, sie aber weit und breit nicht zu sehen war, griff ich dann doch zum Telefon, um nachzufragen, wo sie gerade wäre. Und wie befürchtet, war sie nicht auf dem gleichen Weg wie ich, sondern, und das war das lustige daran, an genau der gleichen Stelle wie ich, nur auf der anderen Seite des Deiches. Dies merkten wir dadurch, dass Beate beschrieb, sie sähe die Spitze eines rot-weißen Leuchtturms hinter dem Deich, was just der Leuchtturm war, vor dem ich gerade stand. Da sage noch einmal jemand, Leuchttürme hätten bei Tageslicht an Land keinen Nutzen.

Rot-weißer Leuchtturm hinter dem Deich/Red-white Lighthouse behind the dike

Und noch einen kleinen Schrecken bekamen wir gestern, als plötzlich Beates Tasche nach einer Holperstrecke, von denen es hier einige gibt (Kopfsteinpflaster, Rasensteine u.ä. als Untergrund), nur noch halb am Fahrrad hing. Eine erste Untersuchung ließ schlimmes befürchten: Es sah so aus als wäre eine Befestigung herausgerissen. Bei näherem Hinschauen stellte sich aber heraus, dass nur eine Mutter von der zugehörigen Schraube abgefallen war und das glücklicherweise innerhalb der Tasche, so dass wir die Mutter in der Tasche schnell gefunden hatten und sie wieder festschrauben konnten und damit recht schnell wieder weiterfahren konnten.

Weiterfahren und eine neue Überraschung erleben: Tatsächlich mussten wir im sonst flachen Land eine Steigung erklimmen, die uns durch einen kleinen Wald führten, den wir dort auch nicht erwartet hatten und der auch noch als „Wolfstreifgebiet“ ausgewiesen war. Eine kurze Recherche ergab, dass laut Nabu tatsächlich in Schleswig-Holstein 2022/23 zwei Paare und ein Einzelwolf nachgewiesen worden waren. Wenn man die Anti-Wolfs-Plakate der Schafzüchter hier sieht, könnte man aber denken, es sind hunderte.

Links zu unseren Touren gestern und heute:

Glückstadt-Meldorf

Meldorf-Welt

Vom Winde beflügelt/Quickened by the Wind

Short English Summary: Today we did the first stage on the North Sea coast from Bremerhaven to Cuxhaven. In Bremerhaven we saw the oversea ports, the we cycled behind the dike along the coast, before we reached Cuxhaven, a typical German seaside resort. Cycling was easy today, because we had a lot of tail wind.

Heute schreibe ich aus Cuxhaven, sozusagen vom Treffpunkt von Weser und Elbe. Hier endet der Weserradweg, und es beginnt der Elberadweg, den wir morgen auch für einen Tag folgen werden, während heute unser erster Tag an der Nordsee und auf der Nordseeküstenroute war, die wir aber morgen schon wieder verlassen werden, um dann aber ab übermorgen, ab Glückstadt, für die nächsten Tag auf ihr bis zur dänischen Grenze fahren werden. Interessanterweise gabeln sich Elberadweg und Nordseeküstenroute bei Otterndorf, um dann ab Stade wieder mehr oder weniger parallel zu verlaufen, wobei natürlicherweise der Elberadweg näher an der Elbe entlang führt und die Nordseeküstenroute einen etwas direkteren Weg nach Hamburg nimmt. Deshalb fahren wir morgen auch auf dem Elberadweg, da nur dieser durch Wischhafen führt, von wo die Fähre über die Elbe abfährt. Damit können wir dann zwei Tage für Beates Reise nach Heidelberg herausschinden, sehen dann aber leider Stade, Wedel und Elmshorn nicht, und natürlich auch nicht Hamburg, wo wir aber in letzter Zeit öfter waren und auch nicht so richtig Lust darauf haben, solange durch die Großstadt zu fahren.

Das Fahren ging heute jedenfalls sehr zügig. Vom Südwestwind angetrieben eilten wir regelrecht in drei Stunden von Bremerhaven nach Cuxhaven. Es war tatsächlich eine gute Idee (zumindest bislang), entgegen unseren ursprünglichen Plänen die Tour in diese Richtung zu machen. Die erste Idee war von Heidelberg nach Osten zu fahren, in Richtung Ostritz, um dann an Neiße und Oder zur Ostsee zu fahren und dann an den Ost- und Nordseeküsten in Richtung Westen, solange wir Zeit haben. Aber zum Einen gestaltete es sich schwierig, eine nicht zu schwere, radfahrgeeignete Strecke von Heidelberg nach Ostritz zu finden, zum Anderen erinnerten wir uns daran wie wir auf dem Rheinradweg spätestens ab Emmerich darüber geschimpft haben, wie anstrengend es ist ständig gegen den Wind zu fahren. Und da der Wind üblicherweise aus südwestlichen Richtungen kommt, hätte uns das gleiche auch diesmal, aber noch viel länger gedroht. Deswegen sind wir  bis jetzt hauptsächlich nach Norden gefahren, und ab morgen grob nach Osten und nur an Oder und Neiße müssen wir tendenziell mit Gegenwind rechnen, hoffen aber, dass der abseits vom Meer nicht so stark ist.

Um den Wetterblock abzuschließen, möchte ich noch den strahlenden Sonnenschein erwähnen, der uns den ganzen Tag begleitet hat und der diese Etappe zu einer rundum angenehmen gemacht hat. Nachdem wir gestern schon einen richtig schönen, entspannenden Urlaubstag genossen hatten, stand der heutige ihm in keinster Weise nach. Mir taten nur die Leute leid, die uns mit zusammengebissenen Lippen entgegen kamen und gegen den Wind ankämpften.

Blauer Himmel über dem Strand/Blue Sky over the Beach

Landschaftlich war es heute sehr abwechslungsreich, wenn man bei den Überseehäfen von Bremerhaven von Landschaft reden kann. Kilometerlang ging es an riesigen Parkplätzen entlang, auf denen tausende und abertausende Autos und andere Fahrzeuge entweder auf ihr Verladen und ihren Transport in die ganze Welt warteten oder vielleicht auch auf ihren Weitertransport innerhalb Europas. Bremerhaven scheint sich auf den Fahrzeugtransport spezialisiert zu haben, es gibt zwar auch Container-Terminals, die erschienen mir aber bei weitem nicht so ausgedehnt.

Container-Terminals von Bremerhaven/Container Terminals of Bremerhaven

Das Fahrradfahren durch das Hafengebiet war zwar nicht so angenehm, obwohl es einen ausgewiesenen und markierten Radweg durch das Gebiet gab, aber man merkte schon, dass der Radweg keinerlei Priorität hat und der Hafen primär ganz anderen Zwecken dient.

Blick vom Deich/View from the Dike

Nichtsdestotrotz sind wir gut durchgekommen und dann erst einmal am Nordseedeich entlang gefahren. Leider hat dieser die Aussicht aufs Meer versperrt, von Zeit zu Zeit konnte man aber auch auf den Deich fahren, um sich den Seewind ins Gesicht blasen zu lassen und ein paar Bilder mit Meer und Watt zu machen. So ging es dann einige Kilometer dahin, bis kurz vor Cuxhaven dann die touristischen Strände mit der gängigen Infrastruktur und Menschen über Menschen begannen, die wir dann den Rest unserer Fahrt bis in unser Hotel in Cuxhaven beobachten konnten. Interessant war die Prozession der Pferdewagen zu bestaunen, die vom Festland in Richtung der Insel Neuwerk durch das Watt fuhren.

Prozession von Pferdewagen zur Insel Neuwerk/Procession of Horse Carriages to the Island Neuwerk

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel über die Strandpromenade und durch die Stadt. Dabei wollten wir noch unseren nächsten bikeline Reiseführer für die Nordseeküste bis Dänemark bei Thalia abholen, was aber leider nicht so gut geklappt hat, wie das letzte  Mal. Obwohl bei der Bestellung als voraussichtlicher Abholtermin heute angegeben war, war das Buch noch nicht da. Aber die Buchhändlerin versicherte uns, dass es morgen da sein wird und sie die entsprechende Kiste morgen früh als erstes öffnen wird, damit wir das Buch gleich nach Ladenöffnung abholen können. Ich bin gespannt, ob das klappen wird.

Blick auf Cuxhaven/View to Cushaven

Nach dem Abendessen, das wir heute ortsangepasst in einem Fischrestaurant eingenommen haben, wobei ich für einen Abend mein Vegetariersein vergessen habe und einen Fischteller gegessen habe, haben wir wieder versucht, Übernachtungsquartiere für die weiteren Tage zu finden, was uns auch halbwegs gelungen ist. Aber wie gestern schon erwähnt, es wird immer schwieriger etwas zu finden, was noch in unser geplantes Budget passt. Es ist jetzt eben Hochsaison und die Küste sicherlich nicht die billigste deutsche Urlaubsregion. Aber obwohl die ersten Versuche erschreckend ob der hohen Preise waren, fand sich am Ende doch noch etwas, was halbwegs akzeptabel war, auch wenn wir dafür die Routenplanung etwas abändern mussten. Aber so lange es so weitergeht, ist alles gut, etwas Spannung muss ja auch dabei sein.

Hier ist noch unsere heutige Tour: Bremerhaven nach Cuxhaven.

Am Ende der Weser/At the End of the Weser

Short English Summary: After two weeks of cycling we reached with Bremerhaven our first big milestone and the end of Deutschlandroute 9 and the Weser. The next week we will follow the German North See coast till the Danish border. Today’s stage was a longer one, almost 90km, but suported by tail wind. For the last miles we took a ferry across the Weser.

Nun ist schon die zweite Woche unserer Deutschlandreise mit dem Rad  vergangen und wir haben mit Bremerhaven unseren ersten großen Meilenstein erreicht. Hier ist die Weser und mit ihr die Deutschlandroute D9 zu Ende, in den nächsten Tagen, nach unserem Ruhetag morgen, werden wir an der Nordseeküste entlang fahren. Das wird nur ungefähr eine Woche in Anspruch nehmen, da wir zum Einen die westlichen Teile der Nordseeküstenroute D1 auslassen, da wir eben erst in Bremerhaven an die Küste kamen. Außerdem, ich habe es schon kurz erwähnt, haben wir die weitere Tour umgeplant, da Beate übernächste Woche kurz nach Heidelberg zu einem wichtigen Termin muss. Um zwei Tage zu gewinnen, die Beate zum Reisen nutzen kann, haben wir die Schleife über Hamburg gestrichen und werden mit der Fähre von Wischhafen direkt nach Glückstadt über die Elbe übersetzen. Deshalb wird es aber leider auch nichts mit einem Treffen in Hamburg, Aneta, Marco und Ines.

Bremerhaven von der Fähre aus/Bremerhaven Seen from the Ferry

Die heutige Etappe von Bremen nach Bremerhaven war eine der längeren, ungefähr 90 km. Dank des Windes, der uns zeitweise etwas Unterstützung bot, fühlte es sich gar nicht so schwer. Außerdem waren  3 km Fährfahrt über die Weser von Nordenham-Blexen nach Bremerhaven dabei, so dass es am Ende etwas weniger Kilometer waren, als heute Morgen gedacht.

Industriegelände bei Bremen/Industrial Area near Bremen

Was gibt es noch über den heutigen Tag zu erzählen? Die Landschaft war typisch norddeutsch, wir fuhren immer mehr oder weniger am Deich entlang, manchmal auch auf dem Deich. Die ersten Kilometer aus Bremen heraus, waren von Industrie- und Hafenanlagen geprägt, wobei uns schon seit Minden aufgefallen ist, dass, obwohl die Weser als Wasserstraße ausgebaut ist, wir kein einziges Frachtschiff gesehen haben. Auch heute haben wir nur einige wenige Frachtschiffe gesehen.

Dafür haben wir in Elsfleth ein altes Segelschulschiff gesehen, das dort seinen Heimathafen hat:

Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“/Training Sailing Ship „Großherzogin Elisabeth“

Bemerkenswert ist vielleicht auch noch das „Weserschlösschen“ am Fähranleger in Blexen, das ursprünglich das Bahnhofsgebäude war, von dem Fahrgäste vom Zug in die Fähre umsteigen konnten, das heute aber ein Hotel und Restaurant ist:

Morgen machen wir dann unseren nächsten Ruhetag, den zweiten nach dem in Melsungen, den wir zum Ausruhen, etwas die Stadt Erkunden, Wäsche Waschen, Fahrräder Überprüfen usw. nutzen werden.

Und zu guter Letzt, unser heutiger Track, diesmal zweigeteilt:

Teil 1

Teil 2

Fast nichts zu berichten/Almost Nothing to Note

Short English Summary: Today we visited the world heritage Corvey near Höxter, saw the city of Münchhausen Bodenwerder, and ended our day in Hamelin (Hameln), the city of the Pied Piper, where everything  somehow relates to rats and the Pied Piper.

Eigentlich war heute so ein Tag, an dem fast nichts passiert ist. Die Weser floss sanft dahin und wir radelten entspannt mit ihr nach Norden von Höxter in die Rattenfängerstadt Hameln. Damit könnte ich fast schon aufhören, aber das wäre vielleicht doch etwas wenig. Schließlich haben wir doch auch einige Sehens- und Bemerkungswürdigkeiten am Wegesrand und an unserem Zielort entdeckt.

Zuerst haben wir noch einen kurzen Abstecher nach Corvey gemacht, wo wir einen kurzen Blick auf das Westwerk der Abteikirche werfen konnten, das noch weitgehend unverändert aus der karolingischen Zeit stammt und weswegen Corvey zum Welterbe der UNESCO gehört.

Westwerk der Abteikirche von Corvey

Kurz danach wechselten wir mal wieder die Weser-Seite und damit auch das Bundesland. Seit Holzminden sind wir wieder in Niedersachen, wo wir auch bis morgen bleiben werden, dann aber erst wieder ein Stück durch Nordrhein-Westfalen fahren werden. Außer Nordrhein-Westfalen haben wir kurz hinter Holzminden auch den Radweg „Deutsche Einheit“ verlassen, dem wir seit ungefähr Bad Hersfeld auch gefolgt sind und der von der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn nach Berlin führt, jetzt aber nach Osten abbog, während wir nach Norden weiterfuhren.

Auch habe ich heute wieder etwas dazu gelernt, nämlich dass Bodenwerder offiziell „Münchhausenstadt Bodenwerder“ heißt, da sie Geburtsort und langjähriger Wohnsitz des „Lügenbarons“ Münchhausen ist (siehe Wikipedia-Eintrag Bodenwerder), was auch dort an allen Ecken und Enden zu sehen war.

Ortseingang von Bodenwerder/Entry of Bodenwerder (City of Münchhausen)

Für Heidelberger*innen noch eine Kuriosität am Rande: In Bodenwerder gibt es einen Heiligenberg mit einem Bismarckturm und einer alten Kapelle aus dem 11. Jh. Klingt irgendwie vertraut, oder?

Aber zurück zu Dingen, für die eine Stadt denkt berühmt zu sein und die dann überall zu sehen sind. In noch viel größerem Maße triff dies auf Hameln und seine Ratten zu bzw. dem Rattenfänger zu. Kein Quadratmeter der Altstadt kommt ohne eine mehr oder weniger direkte Anspielung auf eine der berühmtesten deutschen Sagen (Wikipedia) aus, für die Hameln weltweit bekannt ist. Sogar im Pflaster sind alle paar Meter kleine Messingratten eingelassen:

Ratte im Pflaster in Hameln/Rat in the pavement in Hameln
Ratenfängerbrunnen/Fountain with the Pied Piper of Hamelin (Hameln)

Und zu guter Letzt haben wir auch noch auf einer Freilichtbühne in der Altstadt ein Rattenfänger-Musical sehen können. Da aber Edina die Sage nicht kannte, hier speziell für dich Edina, meine Kurzzusammenfassung: Im Jahr 1282 wurde Hameln von einer Ratten- und Pestplage heimgesucht, der nicht beizukommen war. Der Rat der Stadt fand einfach kein Gegenmittel, was immer sie auch versuchten. Da kam eines Tages ein lustiger Musikant in die Stadt, der versprach, dass er mit seiner Zauberflöte Melodien zu spielen verstehe, die jedes Lebewesen sofort in ihren Bann zögen, so dass sie ihm folgen würden, wo immer er ihnen voranginge. In ihrer Verzweiflung versprachen die Herren von Hameln dem Musikanten alle möglichen Reichtümer, wenn er sie nur von der Rattenplage befreite. Sodann zog der Pfeifer seine Flöte heraus und fing an ganz wundersame Melodien zu spielen, worauf plötzlich von überall her die Ratten zusammenkamen. Der Pfeifer zog mit ihnen weiterflötend zur Weser, wo sie alle ertranken. Obwohl die Bürger der Stadt sehr erfreut darüber waren, dachten sie nicht daran, dem Musikanten den versprochenen Lohn auszuzahlen, schließlich waren die Ratten jetzt weg, und der Rattenfänger war ein fremder Wunderling ohne Unterstützung in der Stadt und damit ohne Chance sein Recht durchzusetzen. So zog er also enttäuscht und wütend von dannen. Ein paar Tage später kam er bunt gekleidet zurück nach Hameln, stellte sich auf den Marktplatz und begann wieder auf seiner Flöte zu spielen. Diesmal kamen aber nicht die Raten (die waren ja alle ertrunken), sondern die Kinder der Stadt zu ihm, die sich über seine bunten Kleider, sein verwegenes Auftreten und die verführerische Musik freuten. So zogen sie dann, wie vorher die Ratten, tanzend wie im Trance mit dem Rattenfänger aus der Stadt und waren nie wieder gesehen. Manche sagen, viel später wären sie wieder in Siebenbürgen aufgetaucht, aber das ist ungewiss. In Hameln versuchten alle den Ratenfänger wieder mit Versprechungen zu locken, damit er ihnen ihre Kinder zurückbrächte, aber auch der Rattenfänger wurde nie wieder gesehen.

Das Rattenfänger-Musical/Musical of the Pied Piper

Aber auch unabhängig von der Rattenfänger-Sage ist Hameln eine sehr sehenswerte Stadt, überflüssig zu sagen wieder mit vielen schönen Fachwerkhäusern, aber auch mit vielen Jugendstilhäusern. Und, was ich besonders innovativ fand, mit über die Stadt verteilten, festinstallierten, wetterfesten Spielen, wie Tischkicker oder Schachbrettern, für die man sich die beweglichen Teile in anliegenden Geschäften oder Gastro-Betrieben ausleihen konnte.

Fachwerk- und Jugenstilfassaden in Hameln/Half-timbered and Jugendstil facades in Hamelin

Vielleicht  ist euch aufgefallen, dass ich heute noch nicht über das Wetter geschrieben habe. Aber ohne geht es natürlich nicht, vor allem, weil, während ich das schreibe, hier gerade ein heftiges Gewitter niedergeht. Aber zum Glück sind wir im Trockenen und auch den Tag über nicht nass geworden (abgesehen von unserem eigenen Schweiß). Auch die letzte Nacht gab es in Höxter starke Regengüsse, aber so lange sie in der Nacht sind, können wir damit leben. Und dafür, dass ich eingangs dachte, heute nicht viel schreiben zu können, ist es jetzt doch wieder einiges geworden.

Und hier wieder der Link zu unserer heutigen Tour.

Zurück zuhause/Back at Home

Short English summary: After day 1 of our tour we are back at home. But that was totally planned, because we are still near Heidelberg and could easily travel back home by S-Bahn. Tomorrow we will continue from Mosbach and only return home at the end of our big tour. Today we faced several unplanned and unpleasant issues. First we had to fix Beate’s new bike, then our road was closed due to fallen rocks, which caused some detour of several kilometers, and finally, heavy rainfalls made us completely wet and cold, because of which we ended our today’s stage in Neckargerach instead of Mosbach.

Nein, ihr braucht keine Angst zu haben, alles ist gut, weder habt ihr zwei Monate verschlafen und seit rechtzeitig zu unserer Rückkehr aufgewacht, noch haben wir unser Abenteuer schon nach einem Tag abgebrochen. Aber einiges ist heute doch schon passiert, was, sollte es schlimmer oder öfter passieren, einem die Lust an einem Radurlaub vermiesen kann. Aber dazu später mehr. Jedenfalls sind wir heute fast wie geplant gefahren und am Nachmittag mit der S-Bahn wieder nach Heidelberg zurück gekehrt. Unsere erste Etappe war sozusagen der Prolog zur Tour, ein Probelauf unter realen Bedingungen, um noch einige Dinge auszuprobieren und zu justieren. Außerdem dachten wir, dass wir die Übernachtungskosten sparen können, wenn wir noch im S-Bahn-Bereich von Heidelberg sind. Deshalb wird es morgen erst richtig ernst, ohne Option wieder zurückzukehren (zumindest vorerst).

Aber der Reihe nach. Gestern war, wie schon erwartet, noch einmal ein stressiger Vorbereitungstag: Alles Ausrüstungsgegenstände zusammensuchen, auf die Taschen aufteilen, Karten und Routenpläne herunterladen, letzte Dinge in Heidelberg klären, etc. Aber irgendwann war auch das geschafft und wir konnten beruhigt, aber auch mit etwas gespannter Vorfreude dem heutigen Tag entgegensehen.

Stefans Ausrüstung vor dem Packen
Danach

Tag 1 unserer großen Tour haben wir erst einmal entspannt angehen lassen, lange geschlafen und gemütlich gefrühstückt, bevor wir dann so gegen 11 Uhr losgefahren sind bei bewölktem aber trockenen Himmel. So fuhren wir also erst einmal durch Heidelberg an den Neckar und entfernten uns so langsam von zuhause, fuhren weiter durch längstens bekanntes Gebiet am Neckar entlang, sahen Kleingemünd mit Sadiks Zeltplatz (viele Grüße Sadik, das nächste mal machen wir mal wieder bei dir Halt), die Feste Dilsberg und Neckarsteinnach mit seinen 4 Burgen.

Sadiks Zeltplatz hinter den Bäumen versteck
Dilsberg
Neckarsteinach

Aber kurz vor Neckarsteinach gab es den ersten Zwischenfall: Nach einer Holperstrecke durch den Wald konnte Beate plötzlich mit ihrer supertollen Wundergangschaltung an ihrem neuen Rad nicht mehr schalten. Glücklicherweise stellte es sich, entgegen meiner ersten Befürchtung als leicht und schnell vor Ort zu lösendes Problem heraus. Wobei die Lösung auch gleich Teil der Problemursache war, wie ich vermute. Da ich mich mit der 14-Gang-Rohloff-Schaltung nicht auskenne, haben wir letzte Woche noch einmal im Radladen nachgefragt, was man bei einer Reifenpanne beachten muss, was uns Michael natürlich gerne gleich am Rad demonstriert hat. Insbesondere kann man die Steuerung der Schaltung ganz einfach mit der Hand aufschrauben und abnehmen, wobei Michael wahrscheinlich beim wieder einsetzen nicht fest genug zugeschraubt hat, weswegen sie sich dann bei der ersten Hoppelstrecke gelockert hat und abgefallen ist. Aber dank der Demonstration wusste ich, was zu tun ist, und konnte das Problem schnell heilen. Leider nicht ganz richtig, denn ein paar Kilometer später stellte Beate fest, dass sie plötzlich ganz schnell im 14. Gang ist, der aber tatsächlich erst der 9. Gang war, da die Steuerung falsch aufgesetzt war.

Aber auch das war schnell zu korrigieren, so dass wir frohgemut einige wenige Kilometer weiter fahren konnte, bis plötzlich eine Absperrung uns den Weg versperrte mit einem bedrohlichen Hinweis auf Lebensgefahr wegen Steinschlag und der Empfehlung zur Weiterfahrt die Neckarseite zu wechseln. Leider war die letzte Brücke vor drei Kilometern gewesen, so dass wir diese also wieder zurückfahren mussten.

Ende der Durchfahrt

Aber damit der unangenehmen Ereignisse nicht genug: Kaum waren wir wieder auf unserem geplanten Weg, konnte man beim Rückschauen dunkle Regenwolken erkennen, die uns bald einholten und mit einem heftigen Regen übergossen. Zuerst dachten (oder hofften) wir, dass es sicher nur ein kurzer Schauer ist, der bald zu Ende sein wird. Nachdem es aber immer stärker regnete, suchten wir erst einmal unter einem Baum notdürftigen Schutz, den wir aber, sobald es etwas nachließ, wieder verließen. Leider war das etwas verfrüht und wir wurden immer nässer, bis wir in Eberbach endlich unter einer Brücke etwas besseren Schutz fanden und dort solange warteten, bis es wirklich kaum noch regnete. Nur waren wir bis dahin schon so nass und ausgekühlt, dass wir nur noch bis Neckargerach statt bis Mosbach, wie ursprünglich geplant, fuhren, um dort mit der S-Bahn wieder nach Hause zurückzufahren, was aber, wie schon gesagt, geplant war. Dort haben wir uns erstmal getrocknet und aufgewärmt und jetzt die letzten Sachen gepackt und Edina und Sanja noch einmal letzte Anweisungen für die nächsten zwei Monate gegeben.

Regen im Anmarsch

Morgen geht es dann richtig los und wir werden erst wieder in knapp zwei Monaten zu Hause sein. Wir hoffen, dass dieser Prolog mit Radschaden (wenn auch klein), gesperrter Strecke und damit verbundenem eher kleinen Umweg und leider großem Regen keine Blaupause für die nächste Zeit war, sondern eher die missglückte Generalprobe vor der großen, erfolgreichen Aufführung.

Wie immer gibt es hier die heutige Etappe als Komoottour.