Ein heißer Sommertag/A Hot Summer Day

Short English Summary: Today we cycled from Hann. Münden, at the confluence of Werra and Fulda to Weser, to Höxter. It was a hot summer day, which made cycling hard but not so hard like the rainy days of last week. In Hann. Münden we had breakfast in a former church, which is nowadays a cafè. We followed the course of the Weser the whole day and had to master several steep rises, for instance one with 25% rise. In our destination town today there is a UNESCO world heritage site Corvey.

Heute war unser erster richtiger Sommertag mit Temperaturen um die 30°C, was schon fast wieder zu heiß war. Das ist schon merkwürdig mit dem Wetter: Letzte Woche haben wir gefroren, unsere Jacken zum Radfahren ausgepackt und in einer Pension hat die Wirtin sogar extra für uns noch die Heizung angedreht und jetzt ist es schon wieder so heiß. Aber uns kann man es auch nie Recht machen: zu kalt oder zu heiß, zu naß oder zu trocken (das Wasser hat heute unterwegs gerade so gereicht), zu sonnig oder zu wolkig usw. Aber im Ernst, mir war das Wetter heute lieber als das Schmuddelwetter letzte Woche und im Grünen an Wassernähe war es auch noch gut auszuhalten. Wärmer sollte es aber tatsächlich nicht werden. Aber leider ist ab morgen der Sommer auch schon wieder vorbei und es ist Regen angekündigt mit fast 10°C geringeren Temperaturen. Mal sehen wie wir morgen nach Hameln kommen.

Aber jetzt sind wir erst einmal in Höxter, eine Stadt, die ich vorher noch gar nicht kannte und insbesondere nicht wusste, dass es hier in der Nähe die Welterbestätte Corvey gibt, eine Klosteranlage aus Karolingischer Zeit. So lernt man immer wieder etwas Neues kennen, was auch den Reiz den Reisens für mich ausmacht. Aber auch Höxter selbst, hat durchaus auch reizvolle Seiten, insbesondere (mal wieder) reich verzierte Fachwerkhäuser.

Fachwerkhaus in Höxter/Half-timbered House in Höxter

Bevor wir heute jedoch losgefahren sind, haben wir wie üblich gefrühstückt, diesmal aber an einem ganz ausgefallen Ort für ein Frühstück, nämlich einer ehemaligen Kirche. Unser Hotel, selbst in zwei alten Fachwerkhäusern eingerichtet, servierte nämlich das Frühstück in der gegenüberliegenden Kirche, die zu einem Cafè umgebaut wurde, indem die Kirchenbänke teilweise umgedreht als Sitzgelegenheiten dienten, zwischen die Tische gestellt wurden. Das erinnert mich, jetzt da ich dies schreibe, an mein Lieblingscafè in Worms, das auch in einer ehemaligen Kirche war, aber weniger an die ursprüngliche Funktion des Raumes erinnerte. Wie ich gerade festgestellt habe, ist es heute aber ein italienisches Restaurant Ambiente. Neben dem originellen Raum war auch das Frühstück sehr lecker, so dass wir gut gestärkt losfahren konnten.

Frühstückskirche/Breakfast Church

Nachdem wir in Hann. Münden noch die Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser angeschaut haben,  fuhren wir den Rest des Tages durch das Weser-Bergland immer mehr oder weniger nah an der Weser entlang. Aber wie schon an Tauber und Fulda rückten auch hier die Hänge immer wieder sehr nach an den Fluss heran, so dass wir auch des öfteren zwar kurze, aber doch steile Anstiege bewältigen mussten, so z.B. eine 25%-Steigung, bei der selbst das Rad hochzuschieben schwer fiel. Auf Komoot war diese Stelle mit einem weinenden Emoji markiert.

25% Steigung/25% Rise

An unserem heutigen Weg waren auch einige romanische Klosterkirchen zu sehen, von denen es hier mehrere zu geben scheint. Hier ist z.B. die ehemalige Benediktiner-Abtei von Bursfelde:

Ehemalige Benediktinerabtei on Bursfelde/Former Benedictine Abbey of Bursfelde

Und für Beate ganz wichtig haben wir heute einen Bücherwagen gesehen, in dem sich Beate ein Buch zum Lesen während der Reise holen konnte. Eigentlich war sie auf der Suche nach einem öffentlichen Bücherregal, aber ein ganzer Wagen mit Büchern war natürlich noch viel besser. Jetzt ist Beate erst einmal mit Lesestoff für die Abende in den Hotels ausgestattet. Wenn sie das Buch ausgelesen hat, will sie es ins nächste Bücherregal stellen und sich wieder ein neues mitnehmen.

Bücherwagen/Books‘ Trailer

Wie schon gestern angekündigt, wechselten wir heute mehrmals die Bundesländer. Wir sind in Niedersachsen gestartet, dann immer mal wieder über hessisches Gebiet gefahren und am Ende in unserem sechsten Bundesland, nämlich Nordrhein-Westfalen angekommen. Es gibt also noch fünf weitere zu raten. Ich warte immer noch auf Vorschläge. Aber Bad Karlshafen war jetzt die letzte hessische Stadt auf unserer Tour, so dass wir heute Hessen, das uns vom ersten Tag unserer Reise begleitet hat, endgültig hinter uns gelassen haben.

Aber zu Bad Karlshafen habe ich noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Dort haben wir uns nämlich das erste Mal so richtig verfahren, also verfahren in dem Sinne, dass Beate und ich plötzlich auf unterschiedlichen Seiten der Weser waren und keine*r von dem/der anderen wusste, wo sie oder er ist. Da Bad Karlshafen nämlich ungefähr nach zwei Dritteln unserer heutigen Strecke kam, haben wir schon vorher verabredet, dass wir dort unsere Mittagspause machen werden. Da der Weg aber gar nicht so richtig durch Bad Karlshafen führte, fuhr ich einfach durch in der Annahme, dass wir dann danach ein schönes Plätzchen für ein Picknick suchen würden. Beate jedoch fuhr einfach über die Weserbrücke in die Stadt rein und wunderte sich, dass sie mich nicht mehr finden konnte, während ich mich auf der anderen Seite wunderte, dass Beate nicht kam. Aber dank der modernen Kommunikationstechnik und gutem Mobilfunkempfang konnten wir das Missverständnis schnell aufklären, woraufhin ich wieder zurückfuhr, auch auf die andere Weserseite wechselte und Beate wiederfand. Wie geplant machten wir dann unsere Mittagspause dort und fuhren dann wieder zurück auf die rechte Weserseite, wo der Weg dann weiterging.

Bad Karlshafen

Vereint, müde und verschwitzt kamen wir dann am Nachmittag in Höxter an, wo wir wieder in einem Hotel in einem historischen Gemäuer nächtigen werden. Während ich dies geschrieben habe, hat Beate angefangen bei Spotify eine Playlist zu unserer Tour anzulegen, in der wir Musikstücke sammeln, die uns beim Radfahren so in den Sinn kamen. Wenn ihr mithören wollt, hier die Playlist.

Und wie immer zum Schluss unsere heutige Etappe.

Endlich wieder radfahren/Finally Cycling Again

Short English Summary: After our day of rest we cycled from Melsungen via Kassel to Hann. Münden today, where the rivers Fulda and Werra merge to become the river Weser, which we will follow till Bremerhaven at the North Sea cost. In Kassel I had to buy a new saddle, because the old one was completely broken. We again enjoyed the peacefulness of the Fulda valley and found another half-timbered city in Hann. Münden.

Nach unserem Ruhetag ging es heute wieder weiter. So ein Ruhetag ist zwar ganz schön, aber man kommt eben nicht voran, so dass es auch schön ist, nach dem Ruhetag halbwegs ausgeruht wieder weiter zu fahren und etwas neues zu sehen. Wobei es heute erst einmal nicht so viel Neues zu sehen gab. Wir fuhren weiter im Fuldatal mehr oder weniger den Mäandern der Fulda folgend Richtung Kassel, das so fast 40km von Melsungen entfernt war, während es auf der direkten Straße eher 25km gewesen wären. Aber so konnten wir noch etwas Natur, Ruhe und das schöne Wetter genießen.

Mein alter Sattel nach der provisorischen Reperatur/My Old Saddle after the Temporary Fix

Gestern habe ich ja meinen Sattel notdürftig repariert und er hat fast bis Kassel gehalten, aber auf den letzten 10km wurde er dann wieder locker. Aber glücklicherweise haben wir in Kassel den vorher per Google Maps ausfindig gemachten und am Montag Morgen geöffneten Radladen fast auf Anhieb gefunden, wo ich mir dann endlich einen neuen Sattel kaufen konnte. Leider war die Auswahl nicht so groß, wie ich mir gewünscht hätte. Ich hätte mir am liebsten wieder den gleichen oder wenigstens ähnlichen Sattel gekauft, was es aber dort nicht gab. So habe ich mir eben den ähnlichsten gekauft und hoffe, dass ich damit bis Ostritz kommen werde. Aber die ersten Kilometer bis Hann. Münden (die Stadt heißt tatsächlich offiziell so, nicht Hannoversch Münden, wie ich dachte, und auch nicht nur Münden, wie es bis 1990 der Fall war) waren doch etwas gewöhnungsbedürftig und heute Abend tut mir der Po weh.

Mein neuer Sattel/My new Saddle

In Kassel musste ich ja etwas an meine Arbeit denken, schließlich wohnt mein Teammitglied Nabil (Viele Grüße an dich Nabil, falls du das liest) dort und unser Team hat sich nach dem Herkules von Kassel „Team Hercules“ genannt. Aber am Herkules sind wir deswegen nicht extra vorbeigefahren, der Umweg wäre zu groß gewesen. Aus Kassel stammt übrigens auch unsere Freundin Ortrun, auch an dich viele Grüße auf diesem Weg. Es ist schon interessant, wie sich entlang des Weges immer wieder persönliche Bezüge zu den durchfahrenen Städten oder Gegenden ergeben. Dabei fällt mir gleich noch ein weiterer Bezug zu meiner Arbeit ein. Wir sind hier im Landkreis Göttingen, wo auch mein Kollege Dirk wohnt. Leider weiß ich gar nicht so genau wo. Vielleicht kommen wir ja ganz nah bei im vorbei. Falls du das liest, Dirk, melde dich mal, dann denken wir ganz speziell an dich beim Vorbeifahren.

Friedrichsplatz mit Fridericianum in Kassel/Friedrich’s Square with Fridericianum in Kassel

Mittlerweile haben wir also mit dem Landkreis Göttingen Niedersachsen und damit das vierte Bundesland auf unserer Deutschlandtour erreicht. Bislang war es ja eher eine Hessentour gewesen, da wir schon am ersten Tag nach dem Stadt in Baden-Württemberg ein kleines Stück durch Hessen gefahren sind, bevor wir dann am zweiten Tag nur durch Baden-Württemberg gefahren sind, am dritten und vierten Tag auch Bayern geschnitten haben, aber seit dem Abend des vierten Tages bis heute in Hessen geblieben sind. Ab morgen werden wir dann immer mal wieder zwischen Hessen und Niedersachsen wechseln bzw. zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, was dann unser fünftes Bundesland sein wird, worauf noch sechs weitere folgen werden. Als kleines Ratespiel könnt ihr euch ja mal überlegen, welche es noch sein werden.

Hann.Münden

Den Abend und die Nacht verbringen wir, wie schon erwähnt, in Hann. Münden, was wieder eine der zahlreichen Fachwerkstädte ist, die sich an unserem Weg aufreihen. Wir hätten gar nicht gedacht, dass es so viele überhaupt gibt und auch noch viele davon auf unserer Tour liegen. Ganz im Gegensatz dazu erscheint Kassel weniger schön, wobei es dort sicherlich auch schöne Gegenden gibt, z.B. die Fuldaauen sind auch sehr schön. Aber kurz nach der lauten Großstadt Kassel kamen wieder friedlich, ruhige Landschaften, in denen man am sanft dahinfließenden Fluss die Seele entspannen konnte und die Stille genießen konnte. Leider konnte ich von der friedvollen Stille keine Bilder machen …

Nach drei Tagen an der Fulda fahren wir ab morgen an der Weser entlang, die hier in Hann. Münden aus dem Zusammenfluss von Fulda und Werra entsteht. Ihr werden wir dann an den nächsten sechs Tagen die nächsten ca. 450km bis Bremerhaven folgen, bevor wir dann an der Nordseeküste entlang nach Osten weiterfahren werden.

Zum Schluss noch einen Dank an alle Kommentare auf den verschiedenen Kanälen, die mich spüren lassen, dass das, was ich schreibe, nicht nur von mir selbst gelesen wird, sondern noch ein paar andere Leute interessiert. Aber ich glaube, ich würde meine Erlebnisse und Gedanken auch nur für ich aufschreiben. Das hilft mir zum einen das Erlebte zu reflektieren und zum anderen wird es mir später als Erinnerungshilfe dienen können. Trotzdem ist es schön, zu wissen, dass ihr uns alle auf unserer Tour auf diesem Weg begleitet.

Und hier wieder unsere heutige Etappe als Komoot-Track.