Short English Summary: Today we hit the first German border after three weeks of cycling, a part of our tour went through the south of Denmark. This was the most northern part, from now on we will slowly head to the south again. We finally left the North Sea and reached with Flensburg the first city on the Baltic Sea. Flensburg is a beautiful city with a nice old town and a historic harbor, which is also the center of the Danish minority in Germany.
Nach drei Wochen und einem Tag Fahrt haben wir endlich erstmalig eine deutsche Staatsgrenze überschritten, nämlich die zwischen Deutschland und Dänemark. Damit haben wir auch den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und bewegen uns ab heute langsam wieder gen Süden, wobei wir heute schon im äußersten Süden waren, nämlich dem von Dänemark (Süderjütland). Dabei fällt mir ein Missverständnis ein, dass ich vor vielen Jahren während meines Erasmusjahrs in Florenz hatte. Damals las ich ein (italienisches) Buch über die Kunstgeschichte Italiens, in dem immer wieder vom Einfluss der nordici die Rede war, was ich für mich mit Nordländer wie Dänemark oder Schweden übersetzte und mich darüber wunderte, wie diese Länder so großen Einfluss auf Italien ausüben konnten, bis mir irgendwann klar wurde, dass aus italienischer Perspektive die Nordländer Deutschland und Frankreich sind, womit alles viel mehr Sinn ergab. So waren wir heute also gleichzeitig im äußersten Norden Deutschlands und im äußersten Süden Dänemarks an einem Tag, wobei man sich in Flensburg, unserem heutigen Zielort, auch teilweise noch wie in Dänemark fühlen kann, so viel hört und liest man Dänisch.
Deutsch-Dänische Grenze/Border between Germany and Denmark
Aber mit den Sprachen in Schleswig-Holstein ist es sowieso eine spannende Sache; obwohl es hier nur ungefähr 3 Millionen Einwohner gibt, gibt es gleich vier offizielle Sprachen: Hochdeutsch, Niederdeutsch (auch Platt genannt), (Nord-)Friesisch und Dänisch. Außerdem ist auch noch Romanes als Minderheitensprache anerkannt. In Meldorf z.B. waren die Straßennamen auch in Niederdeutsch angeschrieben, in Nordfriesland teilweise in Friesisch, so nannte das Ortseingangsschild von Niebüll auch Naibel als friesischen Namen. Weiterhin gibt es noch Südjütisch (Plattdänisch), Petuh und Missingsch (siehe auch Sprachen und Dialekte in Schleswig-Holstein).
Haus der dänischen Minderheit in Schleswig/House of the Danish Minority in Germany
So sind wir heute also vom Niebüll im Nordfriesischen Sprachraum nach Flensburg im Dänischen Sprachraum gefahren, außerdem von einem Meer, der Nordsee, zu einem anderen Meer, der Ostsee, und, bis auf einen kleinen Abstecher nach Dänemark immer im gleichen Bundesland geblieben. In Frankreich gibt es einen Wanderweg, der auch von einem Meer, nämlich dem Mittelmeer, an ein anderes Meer, den Atlantik, führt, wozu man ungefähr 60 Etappen braucht, während wir heute von Meer zu Meer kaum mehr als 60km gefahren sind. Also Schleswig-Holstein bietet Abwechslung auf engstem Raum.
Strand in Wassersleben/Beach in Wassersleben
Abwechslungsreich war auch die Landschaft und das Wetter und unsere Unterkunft. Heute morgen fuhren wir bei leichtem Nieselregen unweit der Westküste in flachem Land von unserer kleinen Bett&Bike-Pension mit persönlicher Betreuung los, fuhren dann quer durchs Binnenland, wo die Landschaft zunehmend hügeliger und waldreicher wurde und die Sonne immer mehr zum Vorschein kam, und kamen dann am Nachmittag im überraschend hügeligen Flensburg bei strahlendem Sonnenschein an, wo wie Quartier in einem großen Gästehaus bezogen, in dem man den Schlüssel nach der Internetbuchung und -bezahlung absolut anynom über einen per e-Mail verschickten Code aus einem Schlüsselsafe holen konnte, wobei ich nicht sagen will, dass das Gästehaus schlecht ist, die Zimmer sind freundlich, sparsam, aber gemütlich eingerichtet und sauber. Aber sonst ist es das genaue Gegenteil von unserer gestrigen Unterkunft.
Waldstück in Dänemark/Forestal Area in Denmark
Auch Flensburg ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Niebüll. Während Niebüll ruhig und verschlafen, ohne besondere Sehenswürdigkeiten und interessante Bauwerke ist, ist Flensburg eine lebhafte Stadt mit sehenswerter Altstadt, einigen alten Kirchen im Stil der Backsteingotik, einem historischen Hafen, um den sich zahlreiche Cafès und Restaurants angesiedelt haben, und malerischen Ausblicken auf die Flensburger Förde. Ich denke, ich werde hier die nächsten zwei Tage, während Beate nach Heidelberg und wieder zurück fährt, gut verbringen können.
Der Hafen von Flensburg/The harbor of Flensburg
Weiter oben habe ich ja schon erwähnt, dass die Landschaft vor Flensburg wieder etwas hügeliger geworden ist, zwar weit entfernt von den Mittelgebirgen, die wir in der ersten Woche durchquert haben, aber immerhin haben wir heute wieder 270 Höhenmeter überwunden. Und vor allem den letzten Anstieg vor Flensburg hat Beate völlig freiwillig, in Abweichung vom geplanten Weg an der Förde entlang, mit großem Elan, so dass ich kaum mitgekommen bin, erklommen. Offensichtlich beginnt sich das dreiwöchige Training bislang auszuzahlen…
Damit ihr das auch auf der Karte nachvollziehen könnt, hier unsere heutige Tour: Niebüll-Flensburg.
Short English Summary: Our today’s stage went from Welt (German for world), a small villlage on the pininsula of Eiderstedt, to Husum, the birth place of Thedor Storm, a famous German Poet of the 19th century. We also saw St. Peter-Ording, a popular sea resort, which was very crowded today.
Heute schreibe ich euch standesgemäß aus dem Theoder-Storm-Hotel in Husum, die Geburtsstadt des Dichters, in der alles an ihren, wie man so sagt, größten Sohn erinnert. An fast jedem (alten) Haus steht, dass entweder Theodor Storm dort gewohnt hätte oder eine seiner Geschichten, Gedichte, Erzählungen gespielt hätten oder es sonst irgendwie mit ihm in Beziehung steht oder es heißt einfach Theodor-Storm-xxx, wie unser Hotel. Aber vom allgegenwärtigen Theodor abgesehen ist Husum auch sonst eine nette, quirlige Stadt mit schönen Häusern und einem belebten Hafenviertel.
Theodor-Storm-Denkmal/Theodor Storm Memorial
Es ist auf so einer Reise immer wieder spannend in eine neue Stadt einzufahren, die man noch nie zuvor gesehen hat und über die man auch nicht so viel weiß. Man weiß nicht so richtig, was einen erwartet und ist immer wieder aufs Neue überrascht, wenn man dann in der Stadt ist, was es Schönes zu sehen gibt, oder auch was vielleicht nicht so schön ist. Und das immer wieder, jeden Tag, oft auch mehrmals.
Husumer Hafenviertel/Harbour Quarter of Husum
Heute haben wir außer unserem Tagesendpunkt auch St. Peter-Ording angesteuert, das ich aus meiner Jugend in so guter Erinnerung hatte. Heute war ich hingegen heilfroh, dass dort die Hotelpreise jenseits von allem, was wir uns vorstellen konnten, waren und wir deshalb das kleine, beschauliche und vor allem ruhige Welt als Übernachtungsort gewählt hatten. In St. Peter-Ording dagegen Menschen aller Ortens. Man musste sogar anstehen, um zu Fuß zum Strand zu gehen, ganz zu schweigen von der Blechkaravane, die sich zu den Strandparkplätzen hinzog. Unglücklicherweise führte der Radweg genau in die Gegenrichtung der ankommenden Autos, so dass für uns kaum ein Durchkommen war. Nichtsdestotrotz konnten wir St. Peter-Ording dann doch recht schnell wieder verlassen und konnten die Ruhe der Halbinsel Eiderstedt weiter genießen und auch einige weitere schöne Dörfer mit reetgedeckten Häusern durchfahren.
Zufahrt zum Strand von St. Peter-Ording/Entry to the Beach of St. Peter-Ording
Obwohl unsere Route „Nordseeküstenroute“ heißt, war heute von der Nordsee recht wenig zu sein oder genau genommen gar nichts. Entweder war das Meer hinter dem Deich versteckt oder wir fuhren gleich so weit von der Küste entfert mitten über die Halbinsel, dass sowieso kein Meer zu sehen wäre. Morgen wird sich das aber hoffentlich wieder ändern.
Eine andere Sache ist mir heute noch aufgefallen. Während man am Weser-Radweg den Eindruck hatte, alle warten geradezu auf Radelnde, Hotels, Gaststätten, selbst die Landwirt*innen am Weg oder in nicht allzu großer Entfernung stellen Schilder auf „Radfahrer willkommen“, bieten in kleinen Kiosken Erfrischungen auf Vertrauensbasis an, werben mit Strom zum E-Bike aufladen usw. Selbst die Kirchen bezeichnen sich als Radkirchen und bieten neben geistlicher Einkehr ganz profan und pragmatisch Trinkwasser an, so hat man hier an der Nordsee eher den Eindruck, Radfahrende werden als auch-Touristen gerade so gedultet, aber besser wäre es schon, wenn sie einfach wie alle anderen auch mit dem Auto kämen.
Da es heute schon von Anfang an recht schwül und warm war, suchten wir in der Mittagszeit nach einer Bank an einem schattigen Ort, um eine kleine Mittagspause zu machen. Aber wir mussten sage und schreibe über eine Stunde fahren, bevor wir in dem kleinen Ort Uelvesbüll endlich eine Bank mit etwas Schatten fanden. Darüberhinaus gab es dort auch noch eine Toilette und eine kleine Hütte „Geben und Nehmen“, in dem man noch brauchbare aber nicht mehr gebrauchte Dinge abstellen konnte und sich dafür etwas anderes mitnehmen konnte. Und, Nadjeschda, Edina und Sanja aufgepasst, dort habe ich das gefunden:
Blattglas aus Uelvesbüll
Neben dem Glas haben wir dort auch Wasser für unsere Trinkflaschen gefunden und konnten dann gestärkt die letzten Kilometer bis Husum in Angriff nehmen.
Uelvesbüll
Einen weiteren Unterschied zwischen den Radwegen ist mir auch noch aufgefallen. Während an Fulda und Weser hauptsächlich E-Bikes unterwegs waren und wir mit unseren klassischen Rädern eher Exoten waren, sind hier an der Nordsee ungefähr die Hälfte der Leute ohne Motorunterstützung unterwegs. Das kann sicherlich auch daran liegen, dass an den Flüssen eher ältere den Weg beradelt haben, während hier auch viele Jüngere und Familien mit Kindern die Radwege bevölkern, oft auch eher Tagesausflügler*innen als Radreisende.
Morgen steht dann unser letzter Abschnitt auf der Nordseeküstenroute bevor, die uns nach Niebüll bringen wird. Da für morgen Nachmittag Gewitter und Regen angekündigt sind, haben wir schon mal Alternativen geplant, falls wir es nicht rechtzeitig nach Niebüll schaffen sollten. Wir könnten z.B. nur bis Dagebüll fahren und von dort weiter mit dem Zug nach Niebüll, dann hätten wir ungefähr 20 km gespart, aber wir hoffen, dass das nicht nötig sein wird, weswegen wir auch nicht so spät hier losfahren wollen.
Zum Schluss wie immer unsere heutige Tour zum Nachradeln.
Heute hat sich unsere Reise wie richtiger Urlaub angefühlt, der sie ja tatsächlich auch ist. Ich meine jetzt, wie der Klischee-Urlaub mit Sonne und Meer, blauer Himmel, Ruhe und Entspannung. Schon beim Aufbruch in Meldorf schien die Sonne, der Himmel strahlte mit Chagall um die Wette (wobei dessen Blau eher etwas dunkel ist) und kein Wölkchen weit und breit zu sehen. Sogar die Temperatur war außerhalb des Ortes noch angenehm, was sich aber im Laufe des Tages noch etwas ändern sollte, jedoch blieb es immer gut aushaltbar, da zwar wenig, aber doch immer ein leichter Wind wehte, der für etwas Kühlung sorgte. Und über allem schwebte eine große Urlaubstagsruhe. Ich weiß auch nicht so richtig, ob dies an meiner Stimmung lag, ob es heute tatsächlich besonders ruhig war oder ob es hier vielleicht immer besonders ruhig ist, schließlich gibt es hier keine großen Städte, die überfüllten Touristenorte wie Büsum waren immer schnell durchfahren und sonst gab es nur Deich, blöckende Schafe, und, wenn überhaupt, sich sachte drehende Windradflügel, von Zeit zu Zeit ein Auto, oder ein in der Ferne brummender Rasenmäher oder eine andere landwirtschaftliche Maschine. Es schien, als hätte die ganze Region heute Urlaub gemacht.
Sich sanft-drehende Windräder/Gently Spinning Windmills
Wobei wir noch in einem anderen Sinn beim Motto unseres heutigen Tages wären. Orte am Rande des Weges erinnerten mich an vergangene Urlaube. Dies begann mit Friedrichskoog, unweit unseres Übernachtungsortes Meldorf (an das ich mich übrigens nicht mehr erinnern konnte, aber wahrscheinlich waren wir dort nicht). Als Jugendlicher verbrachten wir nämlich mit der Familie in Friedrichskoog einen Sommerurlaub. Es war unser erster Urlaub an der Nordsee, bislang waren meine Schwester und ich nur das tunesische Mittelmeer gewöhnt, und dachten, alle Meere sehen so aus. Deswegen waren wir schon enttäuscht, als wir in Friedrichskoog ankamen, den Deich erklommen haben und – kein Meer sagen, sondern nur eine Matchwüste, Watt genannt. Aber auch bei Flut lud das Meer nicht zum Planschen, Schwimmen oder Toben ein, da es viel zu flach war, kein Sandstrand vorhanden war und zu allem Überdruss auch noch ständig durch Buhnen unterbrochen war. Da auch die mitgebrachten Räder ob des Windes nur selten zum Einsatz kamen, saßen wir meist in der Ferienwohnung beim Spielen oder Fernsehklotzen (es waren, glaube ich, auch noch irgendwelche Olympischen Spiele oder so). Aber zumindest bei ersterem waren wir sehr kreativ, wir entwickelten weitere Varianten unseres damaligen Lieblingsspiels „Canasta“. Um wieviel besser hatte es damals die Familie meiner Tante getroffen, die zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer weiter nördlich in St.-Peter-Ording Urlaub machten (das wir übrigens morgen auch durchfahren werden). Bei einem Besuch dort mussten wir feststellen, dass es dort den erwarteten Sandstrand mit Jubel und Trubel gab und man auch ohne sich den Bauch aufzuschlitzen dort schwimmen konnte. Eigentlich wollte ich danach nie wieder an die Nordsee, habe aber mittlerweile meine Meinung revidiert und weiß jetzt auch die ökologische und touristische Qualität des Wattenmeers zu schätzen.
Noch einen weiteren Urlaub, oder, um genau zu sein, waren es sogar mehrere, so genau weiß ich aber die Anzahl nicht mehr, konnten wir heute nacherleben. Einige Male waren wir mit unseren Kindern und teilweise auch mit Beates Schwester und ihren Eltern auf einem Bauernhof in Hedwigenkoog bzw. Westerkoog in der Nähe von Büsum. Diesem Bauernhof, dem Ferienhof Folger, statteten wir heute bei einem kurzen Abstecher vom Weg einen Besuch ab und trafen tatsächlich Carmen, die Besitzerin, an und hielten ein kurzes Schwätzchen mit ihr und frischten alte Erinnerungen auf. Viele Dinge sind noch genauso wie vor über 15 Jahren, aber einiges hat sich auch geändert. Leider ist Reimer, der Bauer, inzwischen gestorben, der damals aufgrund einer Wetter mit Beate die Hundehütte mit dem Tieflader auf den Balkon unserer Ferienwohnung bugsierte. Außerdem hat Carmen nach dem Tod ihres Mannes die Kühe und damit auch den Melkroboter abgeschafft, der uns damals so fasziniert hatte. Mit dem Melkroboter konnten sich die Kühe jederzeit selbst melken lassen, was für die Feriengäste immer ein faszinierendes Schauspiel war.
Unser altes Ferienhaus auf dem Folger-Hof/Our Summer Cottage on Folger’s Farm
Nach Westerkoog fuhren wir in einer kleinen Abweichung vom Nordseeküsten-Radweg in einer Schleife noch über Tönning, das einen malerischen alten Hafen hat, wo wir auch eine kleine Mittagspause machten. Damit sind wir nicht über das Eidersperrwerk gefahren, dass wir noch von damals in schlechter Erinnerung hatten, als wir mit Nadjeschda (sie war damals sechs Jahre alt) mit dem Rad von Westerkoog dorthin fuhren. Während der Hinweg noch ganz gut ging bzw. vom Rückenwind erleichtert wurde, war der Rückweg für alle eine wahre Geduldsprobe. Weitere Details möchte ich euch ersparen, aber unsere Familie hat es überlebt. Edina, du hattest damals übrigens Glück: Du warst noch so klein und durftest im Kindersitz gefahren werden.
Historischer Hafen von Tönning/Historical Harbor of Tönning
Wenn man so durchs Land reist, kommen einem nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten oder Verbindungen von Orten zu Personen, sondern man kann auch kuriose oder überraschende Orts- und Straßennamen kennenlernen. Heute z.B. endete unsere Tour in Welt, wo man übrigens wohl denkt, wenn man schon in Welt ist, braucht man keine Verbindung mehr zur Welt, weshalb es auch keinen Mobilfunk gibt (Bernhard: Wieder ein Auftrag an dich :)), selbst das WLAN in unserer Pension ist äußerst wackelig. Aber sonst ist es ein gemütliches kleines Dorf mit einem guten „Welt-Cafè„, wo wir gleich unsere zweite Hauptmahlzeit eingenommen haben.
Mannheim
Eine andere Überraschung erlebten wir heute Morgen, als wir plötzlich (nach über 1200 km Radeln von Heidelberg aus) an Mannheim vorbeiradelten, was aber, wenn überhaupt, nur aus einer handvoll quadratischen Häusern besteht. Gestern sind wir auch durch die (Blomesche) Wildnis gefahren und in Glückstadt durch die „Namenlose Straße“ geschlendert. Und natürlich der Name „Glückstadt“ selbst ist Programm, wobei der Gründer wohl trotz des Namens mit der Stadt nicht so viel Glück hatte. Unterwegs passierten wir auch schon Friedlos und Sorga und einige andere Orte mit kuriosen Namen (Mückenloch fällt mir da gerade noch ein), die mir jetzt entfallen sind.
Namenlose Straße/Street without Name
Wer diesen Blog regelmäßig liest, dem wird wohl aufgefallen sein, dass ich gestern nichts geschrieben habe. Dies lag, wie immer, nicht daran, dass gestern nichts passiert ist, sondern, dass ich zu müde war, um noch etwas aufzuschreiben. Den Abend gestern haben wir nämlich hauptsächlich mit der weiteren Planung unserer Reise und dem Buchen entsprechender Unterkünfte verbracht. Bis nächsten Donnerstag ist jetzt alles in trockenen Tüchern, wir müssen nur noch am richtigen Tag am richtigen Ort sein. Dabei fällt mir noch ein anderer kurioser Name ein: Am nächsten Donnerstag werden wir in „Hunhoi“ übernachten, für uns hörte sich das irgendwie wie Hanoi an und würde uns als Name einer vietnamesischen Stadt nicht so überraschen, wie als Name eines schleswig-holsteinischen Dorfes. Außerdem habe ich alle bislang gemachten Touren zu einer Komoot-Collection zusammengefasst. Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen, denke ich:
Gefahrene Etappen/Cycled Stages
Was gibt es noch über gestern zu berichten? Das Wetter war gestern angenehm mild, nach dem Regentag vorgestern eine wahre Wohltat. Was uns aber nicht daran hinderte, mal wieder getrennte Wege zu fahren. Da ich kurz nach der Abfahrt in Glückstadt feststellte, dass meine Kette nach doch jetzt wieder einigen hundert Kilometern und dem Regenwetter vom Vortag geschmiert werden musste, hielt ich kurz an, um dies zu tun, was dann aber doch etwas länger dauerte, da ich auch gleich noch den ganzen Dreck, der sich angesammelt hatte, entfernt habe. Als ich dann ein paar Kilometer später dachte, jetzt müsste ich Beate doch eingeholt haben, sie aber weit und breit nicht zu sehen war, griff ich dann doch zum Telefon, um nachzufragen, wo sie gerade wäre. Und wie befürchtet, war sie nicht auf dem gleichen Weg wie ich, sondern, und das war das lustige daran, an genau der gleichen Stelle wie ich, nur auf der anderen Seite des Deiches. Dies merkten wir dadurch, dass Beate beschrieb, sie sähe die Spitze eines rot-weißen Leuchtturms hinter dem Deich, was just der Leuchtturm war, vor dem ich gerade stand. Da sage noch einmal jemand, Leuchttürme hätten bei Tageslicht an Land keinen Nutzen.
Rot-weißer Leuchtturm hinter dem Deich/Red-white Lighthouse behind the dike
Und noch einen kleinen Schrecken bekamen wir gestern, als plötzlich Beates Tasche nach einer Holperstrecke, von denen es hier einige gibt (Kopfsteinpflaster, Rasensteine u.ä. als Untergrund), nur noch halb am Fahrrad hing. Eine erste Untersuchung ließ schlimmes befürchten: Es sah so aus als wäre eine Befestigung herausgerissen. Bei näherem Hinschauen stellte sich aber heraus, dass nur eine Mutter von der zugehörigen Schraube abgefallen war und das glücklicherweise innerhalb der Tasche, so dass wir die Mutter in der Tasche schnell gefunden hatten und sie wieder festschrauben konnten und damit recht schnell wieder weiterfahren konnten.
Weiterfahren und eine neue Überraschung erleben: Tatsächlich mussten wir im sonst flachen Land eine Steigung erklimmen, die uns durch einen kleinen Wald führten, den wir dort auch nicht erwartet hatten und der auch noch als „Wolfstreifgebiet“ ausgewiesen war. Eine kurze Recherche ergab, dass laut Nabu tatsächlich in Schleswig-Holstein 2022/23 zwei Paare und ein Einzelwolf nachgewiesen worden waren. Wenn man die Anti-Wolfs-Plakate der Schafzüchter hier sieht, könnte man aber denken, es sind hunderte.
Short English Summary: Today we did the first stage on the North Sea coast from Bremerhaven to Cuxhaven. In Bremerhaven we saw the oversea ports, the we cycled behind the dike along the coast, before we reached Cuxhaven, a typical German seaside resort. Cycling was easy today, because we had a lot of tail wind.
Heute schreibe ich aus Cuxhaven, sozusagen vom Treffpunkt von Weser und Elbe. Hier endet der Weserradweg, und es beginnt der Elberadweg, den wir morgen auch für einen Tag folgen werden, während heute unser erster Tag an der Nordsee und auf der Nordseeküstenroute war, die wir aber morgen schon wieder verlassen werden, um dann aber ab übermorgen, ab Glückstadt, für die nächsten Tag auf ihr bis zur dänischen Grenze fahren werden. Interessanterweise gabeln sich Elberadweg und Nordseeküstenroute bei Otterndorf, um dann ab Stade wieder mehr oder weniger parallel zu verlaufen, wobei natürlicherweise der Elberadweg näher an der Elbe entlang führt und die Nordseeküstenroute einen etwas direkteren Weg nach Hamburg nimmt. Deshalb fahren wir morgen auch auf dem Elberadweg, da nur dieser durch Wischhafen führt, von wo die Fähre über die Elbe abfährt. Damit können wir dann zwei Tage für Beates Reise nach Heidelberg herausschinden, sehen dann aber leider Stade, Wedel und Elmshorn nicht, und natürlich auch nicht Hamburg, wo wir aber in letzter Zeit öfter waren und auch nicht so richtig Lust darauf haben, solange durch die Großstadt zu fahren.
Das Fahren ging heute jedenfalls sehr zügig. Vom Südwestwind angetrieben eilten wir regelrecht in drei Stunden von Bremerhaven nach Cuxhaven. Es war tatsächlich eine gute Idee (zumindest bislang), entgegen unseren ursprünglichen Plänen die Tour in diese Richtung zu machen. Die erste Idee war von Heidelberg nach Osten zu fahren, in Richtung Ostritz, um dann an Neiße und Oder zur Ostsee zu fahren und dann an den Ost- und Nordseeküsten in Richtung Westen, solange wir Zeit haben. Aber zum Einen gestaltete es sich schwierig, eine nicht zu schwere, radfahrgeeignete Strecke von Heidelberg nach Ostritz zu finden, zum Anderen erinnerten wir uns daran wie wir auf dem Rheinradweg spätestens ab Emmerich darüber geschimpft haben, wie anstrengend es ist ständig gegen den Wind zu fahren. Und da der Wind üblicherweise aus südwestlichen Richtungen kommt, hätte uns das gleiche auch diesmal, aber noch viel länger gedroht. Deswegen sind wir bis jetzt hauptsächlich nach Norden gefahren, und ab morgen grob nach Osten und nur an Oder und Neiße müssen wir tendenziell mit Gegenwind rechnen, hoffen aber, dass der abseits vom Meer nicht so stark ist.
Um den Wetterblock abzuschließen, möchte ich noch den strahlenden Sonnenschein erwähnen, der uns den ganzen Tag begleitet hat und der diese Etappe zu einer rundum angenehmen gemacht hat. Nachdem wir gestern schon einen richtig schönen, entspannenden Urlaubstag genossen hatten, stand der heutige ihm in keinster Weise nach. Mir taten nur die Leute leid, die uns mit zusammengebissenen Lippen entgegen kamen und gegen den Wind ankämpften.
Blauer Himmel über dem Strand/Blue Sky over the Beach
Landschaftlich war es heute sehr abwechslungsreich, wenn man bei den Überseehäfen von Bremerhaven von Landschaft reden kann. Kilometerlang ging es an riesigen Parkplätzen entlang, auf denen tausende und abertausende Autos und andere Fahrzeuge entweder auf ihr Verladen und ihren Transport in die ganze Welt warteten oder vielleicht auch auf ihren Weitertransport innerhalb Europas. Bremerhaven scheint sich auf den Fahrzeugtransport spezialisiert zu haben, es gibt zwar auch Container-Terminals, die erschienen mir aber bei weitem nicht so ausgedehnt.
Container-Terminals von Bremerhaven/Container Terminals of Bremerhaven
Das Fahrradfahren durch das Hafengebiet war zwar nicht so angenehm, obwohl es einen ausgewiesenen und markierten Radweg durch das Gebiet gab, aber man merkte schon, dass der Radweg keinerlei Priorität hat und der Hafen primär ganz anderen Zwecken dient.
Blick vom Deich/View from the Dike
Nichtsdestotrotz sind wir gut durchgekommen und dann erst einmal am Nordseedeich entlang gefahren. Leider hat dieser die Aussicht aufs Meer versperrt, von Zeit zu Zeit konnte man aber auch auf den Deich fahren, um sich den Seewind ins Gesicht blasen zu lassen und ein paar Bilder mit Meer und Watt zu machen. So ging es dann einige Kilometer dahin, bis kurz vor Cuxhaven dann die touristischen Strände mit der gängigen Infrastruktur und Menschen über Menschen begannen, die wir dann den Rest unserer Fahrt bis in unser Hotel in Cuxhaven beobachten konnten. Interessant war die Prozession der Pferdewagen zu bestaunen, die vom Festland in Richtung der Insel Neuwerk durch das Watt fuhren.
Prozession von Pferdewagen zur Insel Neuwerk/Procession of Horse Carriages to the Island Neuwerk
Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel über die Strandpromenade und durch die Stadt. Dabei wollten wir noch unseren nächsten bikeline Reiseführer für die Nordseeküste bis Dänemark bei Thalia abholen, was aber leider nicht so gut geklappt hat, wie das letzte Mal. Obwohl bei der Bestellung als voraussichtlicher Abholtermin heute angegeben war, war das Buch noch nicht da. Aber die Buchhändlerin versicherte uns, dass es morgen da sein wird und sie die entsprechende Kiste morgen früh als erstes öffnen wird, damit wir das Buch gleich nach Ladenöffnung abholen können. Ich bin gespannt, ob das klappen wird.
Blick auf Cuxhaven/View to Cushaven
Nach dem Abendessen, das wir heute ortsangepasst in einem Fischrestaurant eingenommen haben, wobei ich für einen Abend mein Vegetariersein vergessen habe und einen Fischteller gegessen habe, haben wir wieder versucht, Übernachtungsquartiere für die weiteren Tage zu finden, was uns auch halbwegs gelungen ist. Aber wie gestern schon erwähnt, es wird immer schwieriger etwas zu finden, was noch in unser geplantes Budget passt. Es ist jetzt eben Hochsaison und die Küste sicherlich nicht die billigste deutsche Urlaubsregion. Aber obwohl die ersten Versuche erschreckend ob der hohen Preise waren, fand sich am Ende doch noch etwas, was halbwegs akzeptabel war, auch wenn wir dafür die Routenplanung etwas abändern mussten. Aber so lange es so weitergeht, ist alles gut, etwas Spannung muss ja auch dabei sein.