Overtourism in St. Peter-Ording

Short English Summary: Our today’s stage went from Welt (German for world), a small villlage on the pininsula of Eiderstedt, to Husum, the birth place of Thedor Storm, a famous German Poet of the 19th century. We also saw St. Peter-Ording, a popular sea resort, which was very crowded today.

Heute schreibe ich euch standesgemäß aus dem Theoder-Storm-Hotel in Husum, die Geburtsstadt des Dichters, in der alles an ihren, wie man so sagt, größten Sohn erinnert. An fast jedem (alten) Haus steht, dass entweder Theodor Storm dort gewohnt hätte oder eine seiner Geschichten, Gedichte, Erzählungen gespielt hätten oder es sonst irgendwie mit ihm in Beziehung steht oder es heißt einfach Theodor-Storm-xxx, wie unser Hotel. Aber vom allgegenwärtigen Theodor abgesehen ist Husum auch sonst eine nette, quirlige Stadt mit schönen Häusern und einem belebten Hafenviertel.

Theodor-Storm-Denkmal/Theodor Storm Memorial

Es ist auf so einer Reise immer wieder spannend in eine neue Stadt einzufahren, die man noch nie zuvor gesehen hat und über die man auch nicht so viel weiß. Man weiß nicht so richtig, was einen erwartet und ist immer wieder aufs Neue überrascht, wenn man dann in der Stadt ist, was es Schönes zu sehen gibt, oder auch was vielleicht nicht so schön ist. Und das immer wieder, jeden Tag, oft auch mehrmals.

Husumer Hafenviertel/Harbour Quarter of Husum

Heute haben wir außer unserem Tagesendpunkt auch St. Peter-Ording angesteuert, das ich aus meiner Jugend in so guter Erinnerung hatte. Heute war ich hingegen heilfroh, dass dort die Hotelpreise jenseits von allem, was wir uns vorstellen konnten, waren und wir deshalb das kleine, beschauliche und vor allem ruhige Welt als Übernachtungsort gewählt hatten. In St. Peter-Ording dagegen Menschen aller Ortens. Man musste sogar anstehen, um zu Fuß zum Strand zu gehen, ganz zu schweigen von der Blechkaravane, die sich zu den Strandparkplätzen hinzog. Unglücklicherweise führte der Radweg genau in die Gegenrichtung der ankommenden Autos, so dass für uns kaum ein Durchkommen war. Nichtsdestotrotz konnten wir St. Peter-Ording dann doch recht schnell wieder verlassen und konnten die Ruhe der Halbinsel Eiderstedt weiter genießen und auch einige weitere schöne Dörfer mit reetgedeckten Häusern durchfahren.

Zufahrt zum Strand von St. Peter-Ording/Entry to the Beach of St. Peter-Ording

Obwohl unsere Route „Nordseeküstenroute“ heißt, war heute von der Nordsee recht wenig zu sein oder genau genommen gar nichts. Entweder war das Meer hinter dem Deich versteckt oder wir fuhren gleich so weit von der Küste entfert mitten über die Halbinsel, dass sowieso kein Meer zu sehen wäre. Morgen wird sich das aber hoffentlich wieder ändern.

Eine andere Sache ist mir heute noch aufgefallen. Während man am Weser-Radweg den Eindruck hatte, alle warten geradezu auf Radelnde, Hotels, Gaststätten, selbst die Landwirt*innen am Weg oder in nicht allzu großer Entfernung stellen Schilder auf „Radfahrer willkommen“, bieten in kleinen Kiosken Erfrischungen auf Vertrauensbasis an, werben mit Strom zum E-Bike aufladen usw. Selbst die Kirchen bezeichnen sich als Radkirchen und bieten neben geistlicher Einkehr ganz profan und pragmatisch Trinkwasser an, so hat man hier an der Nordsee eher den Eindruck, Radfahrende werden als auch-Touristen gerade so gedultet, aber besser wäre es schon, wenn sie einfach wie alle anderen auch mit dem Auto kämen.

Da es heute schon von Anfang an recht schwül und warm war, suchten wir in der Mittagszeit nach einer Bank an einem schattigen Ort, um eine kleine Mittagspause zu machen. Aber wir mussten sage und schreibe über eine Stunde fahren, bevor wir in dem kleinen Ort Uelvesbüll endlich eine Bank mit etwas Schatten fanden. Darüberhinaus gab es dort auch noch eine Toilette und eine kleine Hütte „Geben und Nehmen“, in dem man noch brauchbare aber nicht mehr gebrauchte Dinge abstellen konnte und sich dafür etwas anderes mitnehmen konnte. Und, Nadjeschda, Edina und Sanja aufgepasst, dort habe ich das gefunden:

Blattglas aus Uelvesbüll

Neben dem Glas haben wir dort auch Wasser für unsere Trinkflaschen gefunden und konnten dann gestärkt die letzten Kilometer bis Husum in Angriff nehmen.

Uelvesbüll

Einen weiteren Unterschied zwischen den Radwegen ist mir auch noch aufgefallen. Während an Fulda und Weser hauptsächlich E-Bikes unterwegs waren und wir mit unseren klassischen Rädern eher Exoten waren, sind hier an der Nordsee ungefähr die Hälfte der Leute ohne Motorunterstützung unterwegs. Das kann sicherlich auch daran liegen, dass an den Flüssen eher ältere den Weg beradelt haben, während hier auch viele Jüngere und Familien mit Kindern die Radwege bevölkern, oft auch eher Tagesausflügler*innen als Radreisende.

Morgen steht dann unser letzter Abschnitt auf der Nordseeküstenroute bevor, die uns nach Niebüll bringen wird. Da für morgen Nachmittag Gewitter und Regen angekündigt sind, haben wir schon mal Alternativen geplant, falls wir es nicht rechtzeitig nach Niebüll schaffen sollten. Wir könnten z.B. nur bis Dagebüll fahren und von dort weiter mit dem Zug nach Niebüll, dann hätten wir ungefähr 20 km gespart, aber wir hoffen, dass das nicht nötig sein wird, weswegen wir auch nicht so spät hier losfahren wollen.

Zum Schluss wie immer unsere heutige Tour zum Nachradeln.

Ein heißer Sommertag/A Hot Summer Day

Short English Summary: Today we cycled from Hann. Münden, at the confluence of Werra and Fulda to Weser, to Höxter. It was a hot summer day, which made cycling hard but not so hard like the rainy days of last week. In Hann. Münden we had breakfast in a former church, which is nowadays a cafè. We followed the course of the Weser the whole day and had to master several steep rises, for instance one with 25% rise. In our destination town today there is a UNESCO world heritage site Corvey.

Heute war unser erster richtiger Sommertag mit Temperaturen um die 30°C, was schon fast wieder zu heiß war. Das ist schon merkwürdig mit dem Wetter: Letzte Woche haben wir gefroren, unsere Jacken zum Radfahren ausgepackt und in einer Pension hat die Wirtin sogar extra für uns noch die Heizung angedreht und jetzt ist es schon wieder so heiß. Aber uns kann man es auch nie Recht machen: zu kalt oder zu heiß, zu naß oder zu trocken (das Wasser hat heute unterwegs gerade so gereicht), zu sonnig oder zu wolkig usw. Aber im Ernst, mir war das Wetter heute lieber als das Schmuddelwetter letzte Woche und im Grünen an Wassernähe war es auch noch gut auszuhalten. Wärmer sollte es aber tatsächlich nicht werden. Aber leider ist ab morgen der Sommer auch schon wieder vorbei und es ist Regen angekündigt mit fast 10°C geringeren Temperaturen. Mal sehen wie wir morgen nach Hameln kommen.

Aber jetzt sind wir erst einmal in Höxter, eine Stadt, die ich vorher noch gar nicht kannte und insbesondere nicht wusste, dass es hier in der Nähe die Welterbestätte Corvey gibt, eine Klosteranlage aus Karolingischer Zeit. So lernt man immer wieder etwas Neues kennen, was auch den Reiz den Reisens für mich ausmacht. Aber auch Höxter selbst, hat durchaus auch reizvolle Seiten, insbesondere (mal wieder) reich verzierte Fachwerkhäuser.

Fachwerkhaus in Höxter/Half-timbered House in Höxter

Bevor wir heute jedoch losgefahren sind, haben wir wie üblich gefrühstückt, diesmal aber an einem ganz ausgefallen Ort für ein Frühstück, nämlich einer ehemaligen Kirche. Unser Hotel, selbst in zwei alten Fachwerkhäusern eingerichtet, servierte nämlich das Frühstück in der gegenüberliegenden Kirche, die zu einem Cafè umgebaut wurde, indem die Kirchenbänke teilweise umgedreht als Sitzgelegenheiten dienten, zwischen die Tische gestellt wurden. Das erinnert mich, jetzt da ich dies schreibe, an mein Lieblingscafè in Worms, das auch in einer ehemaligen Kirche war, aber weniger an die ursprüngliche Funktion des Raumes erinnerte. Wie ich gerade festgestellt habe, ist es heute aber ein italienisches Restaurant Ambiente. Neben dem originellen Raum war auch das Frühstück sehr lecker, so dass wir gut gestärkt losfahren konnten.

Frühstückskirche/Breakfast Church

Nachdem wir in Hann. Münden noch die Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser angeschaut haben,  fuhren wir den Rest des Tages durch das Weser-Bergland immer mehr oder weniger nah an der Weser entlang. Aber wie schon an Tauber und Fulda rückten auch hier die Hänge immer wieder sehr nach an den Fluss heran, so dass wir auch des öfteren zwar kurze, aber doch steile Anstiege bewältigen mussten, so z.B. eine 25%-Steigung, bei der selbst das Rad hochzuschieben schwer fiel. Auf Komoot war diese Stelle mit einem weinenden Emoji markiert.

25% Steigung/25% Rise

An unserem heutigen Weg waren auch einige romanische Klosterkirchen zu sehen, von denen es hier mehrere zu geben scheint. Hier ist z.B. die ehemalige Benediktiner-Abtei von Bursfelde:

Ehemalige Benediktinerabtei on Bursfelde/Former Benedictine Abbey of Bursfelde

Und für Beate ganz wichtig haben wir heute einen Bücherwagen gesehen, in dem sich Beate ein Buch zum Lesen während der Reise holen konnte. Eigentlich war sie auf der Suche nach einem öffentlichen Bücherregal, aber ein ganzer Wagen mit Büchern war natürlich noch viel besser. Jetzt ist Beate erst einmal mit Lesestoff für die Abende in den Hotels ausgestattet. Wenn sie das Buch ausgelesen hat, will sie es ins nächste Bücherregal stellen und sich wieder ein neues mitnehmen.

Bücherwagen/Books‘ Trailer

Wie schon gestern angekündigt, wechselten wir heute mehrmals die Bundesländer. Wir sind in Niedersachsen gestartet, dann immer mal wieder über hessisches Gebiet gefahren und am Ende in unserem sechsten Bundesland, nämlich Nordrhein-Westfalen angekommen. Es gibt also noch fünf weitere zu raten. Ich warte immer noch auf Vorschläge. Aber Bad Karlshafen war jetzt die letzte hessische Stadt auf unserer Tour, so dass wir heute Hessen, das uns vom ersten Tag unserer Reise begleitet hat, endgültig hinter uns gelassen haben.

Aber zu Bad Karlshafen habe ich noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Dort haben wir uns nämlich das erste Mal so richtig verfahren, also verfahren in dem Sinne, dass Beate und ich plötzlich auf unterschiedlichen Seiten der Weser waren und keine*r von dem/der anderen wusste, wo sie oder er ist. Da Bad Karlshafen nämlich ungefähr nach zwei Dritteln unserer heutigen Strecke kam, haben wir schon vorher verabredet, dass wir dort unsere Mittagspause machen werden. Da der Weg aber gar nicht so richtig durch Bad Karlshafen führte, fuhr ich einfach durch in der Annahme, dass wir dann danach ein schönes Plätzchen für ein Picknick suchen würden. Beate jedoch fuhr einfach über die Weserbrücke in die Stadt rein und wunderte sich, dass sie mich nicht mehr finden konnte, während ich mich auf der anderen Seite wunderte, dass Beate nicht kam. Aber dank der modernen Kommunikationstechnik und gutem Mobilfunkempfang konnten wir das Missverständnis schnell aufklären, woraufhin ich wieder zurückfuhr, auch auf die andere Weserseite wechselte und Beate wiederfand. Wie geplant machten wir dann unsere Mittagspause dort und fuhren dann wieder zurück auf die rechte Weserseite, wo der Weg dann weiterging.

Bad Karlshafen

Vereint, müde und verschwitzt kamen wir dann am Nachmittag in Höxter an, wo wir wieder in einem Hotel in einem historischen Gemäuer nächtigen werden. Während ich dies geschrieben habe, hat Beate angefangen bei Spotify eine Playlist zu unserer Tour anzulegen, in der wir Musikstücke sammeln, die uns beim Radfahren so in den Sinn kamen. Wenn ihr mithören wollt, hier die Playlist.

Und wie immer zum Schluss unsere heutige Etappe.

Endlich wieder radfahren/Finally Cycling Again

Short English Summary: After our day of rest we cycled from Melsungen via Kassel to Hann. Münden today, where the rivers Fulda and Werra merge to become the river Weser, which we will follow till Bremerhaven at the North Sea cost. In Kassel I had to buy a new saddle, because the old one was completely broken. We again enjoyed the peacefulness of the Fulda valley and found another half-timbered city in Hann. Münden.

Nach unserem Ruhetag ging es heute wieder weiter. So ein Ruhetag ist zwar ganz schön, aber man kommt eben nicht voran, so dass es auch schön ist, nach dem Ruhetag halbwegs ausgeruht wieder weiter zu fahren und etwas neues zu sehen. Wobei es heute erst einmal nicht so viel Neues zu sehen gab. Wir fuhren weiter im Fuldatal mehr oder weniger den Mäandern der Fulda folgend Richtung Kassel, das so fast 40km von Melsungen entfernt war, während es auf der direkten Straße eher 25km gewesen wären. Aber so konnten wir noch etwas Natur, Ruhe und das schöne Wetter genießen.

Mein alter Sattel nach der provisorischen Reperatur/My Old Saddle after the Temporary Fix

Gestern habe ich ja meinen Sattel notdürftig repariert und er hat fast bis Kassel gehalten, aber auf den letzten 10km wurde er dann wieder locker. Aber glücklicherweise haben wir in Kassel den vorher per Google Maps ausfindig gemachten und am Montag Morgen geöffneten Radladen fast auf Anhieb gefunden, wo ich mir dann endlich einen neuen Sattel kaufen konnte. Leider war die Auswahl nicht so groß, wie ich mir gewünscht hätte. Ich hätte mir am liebsten wieder den gleichen oder wenigstens ähnlichen Sattel gekauft, was es aber dort nicht gab. So habe ich mir eben den ähnlichsten gekauft und hoffe, dass ich damit bis Ostritz kommen werde. Aber die ersten Kilometer bis Hann. Münden (die Stadt heißt tatsächlich offiziell so, nicht Hannoversch Münden, wie ich dachte, und auch nicht nur Münden, wie es bis 1990 der Fall war) waren doch etwas gewöhnungsbedürftig und heute Abend tut mir der Po weh.

Mein neuer Sattel/My new Saddle

In Kassel musste ich ja etwas an meine Arbeit denken, schließlich wohnt mein Teammitglied Nabil (Viele Grüße an dich Nabil, falls du das liest) dort und unser Team hat sich nach dem Herkules von Kassel „Team Hercules“ genannt. Aber am Herkules sind wir deswegen nicht extra vorbeigefahren, der Umweg wäre zu groß gewesen. Aus Kassel stammt übrigens auch unsere Freundin Ortrun, auch an dich viele Grüße auf diesem Weg. Es ist schon interessant, wie sich entlang des Weges immer wieder persönliche Bezüge zu den durchfahrenen Städten oder Gegenden ergeben. Dabei fällt mir gleich noch ein weiterer Bezug zu meiner Arbeit ein. Wir sind hier im Landkreis Göttingen, wo auch mein Kollege Dirk wohnt. Leider weiß ich gar nicht so genau wo. Vielleicht kommen wir ja ganz nah bei im vorbei. Falls du das liest, Dirk, melde dich mal, dann denken wir ganz speziell an dich beim Vorbeifahren.

Friedrichsplatz mit Fridericianum in Kassel/Friedrich’s Square with Fridericianum in Kassel

Mittlerweile haben wir also mit dem Landkreis Göttingen Niedersachsen und damit das vierte Bundesland auf unserer Deutschlandtour erreicht. Bislang war es ja eher eine Hessentour gewesen, da wir schon am ersten Tag nach dem Stadt in Baden-Württemberg ein kleines Stück durch Hessen gefahren sind, bevor wir dann am zweiten Tag nur durch Baden-Württemberg gefahren sind, am dritten und vierten Tag auch Bayern geschnitten haben, aber seit dem Abend des vierten Tages bis heute in Hessen geblieben sind. Ab morgen werden wir dann immer mal wieder zwischen Hessen und Niedersachsen wechseln bzw. zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, was dann unser fünftes Bundesland sein wird, worauf noch sechs weitere folgen werden. Als kleines Ratespiel könnt ihr euch ja mal überlegen, welche es noch sein werden.

Hann.Münden

Den Abend und die Nacht verbringen wir, wie schon erwähnt, in Hann. Münden, was wieder eine der zahlreichen Fachwerkstädte ist, die sich an unserem Weg aufreihen. Wir hätten gar nicht gedacht, dass es so viele überhaupt gibt und auch noch viele davon auf unserer Tour liegen. Ganz im Gegensatz dazu erscheint Kassel weniger schön, wobei es dort sicherlich auch schöne Gegenden gibt, z.B. die Fuldaauen sind auch sehr schön. Aber kurz nach der lauten Großstadt Kassel kamen wieder friedlich, ruhige Landschaften, in denen man am sanft dahinfließenden Fluss die Seele entspannen konnte und die Stille genießen konnte. Leider konnte ich von der friedvollen Stille keine Bilder machen …

Nach drei Tagen an der Fulda fahren wir ab morgen an der Weser entlang, die hier in Hann. Münden aus dem Zusammenfluss von Fulda und Werra entsteht. Ihr werden wir dann an den nächsten sechs Tagen die nächsten ca. 450km bis Bremerhaven folgen, bevor wir dann an der Nordseeküste entlang nach Osten weiterfahren werden.

Zum Schluss noch einen Dank an alle Kommentare auf den verschiedenen Kanälen, die mich spüren lassen, dass das, was ich schreibe, nicht nur von mir selbst gelesen wird, sondern noch ein paar andere Leute interessiert. Aber ich glaube, ich würde meine Erlebnisse und Gedanken auch nur für ich aufschreiben. Das hilft mir zum einen das Erlebte zu reflektieren und zum anderen wird es mir später als Erinnerungshilfe dienen können. Trotzdem ist es schön, zu wissen, dass ihr uns alle auf unserer Tour auf diesem Weg begleitet.

Und hier wieder unsere heutige Etappe als Komoot-Track.

Ruhetag/Day of Rest

Short English Summary: Today was our first day of rest after 6 days and about 450km of cycling. In addition to a temporary fix of my bike and some cleaning of bike and clothes, I did a small forest run and a tour through the city, which is very beautiful with all its well restored half-timbered buildings in the picturesque Fulda valley.

Heute war unser erster geplanter Ruhetag nach sechs Tagen und ungefähr 450 km Radfahren. Nichtsdestotrotz möchte ich heute ein paar Gedanken und Erlebnisse niederschreiben, denn auch am Ruhetag ist nicht nichts passiert.

Zuerst habe ich heute mein Fahrrad wieder flott gemacht, hauptsächlich indem ich meinen Sattel notdürftig geklebt habe, so dass es hoffentlich bis Kassel halten wird. Außerdem habe ich den gröbsten Schmutz von den Regenfahrten der letzten Tage entfernt und die Kette wieder geschmiert, so dass morgen hoffentlich wieder alles wie geschmiert läuft. Außerdem haben wir auch unsere Wäsche gewaschen, was nach einer Woche dringend nötig war.

Rathaus von Melsungen/Melsungen Town Hall

Und zu guter Letzt haben wir auch noch einen Spaziergang durch Melsungen unternommen, das sehr malerisch am Ufer der Fulda liegt und mit über 350 meist schön sanierten Fachwerkhäusern aufwarten kann. In der Altstadt gibt es fast kein Nicht-Fachwerkhaus. Außerdem ist Melsungen auch noch als Sitz des Medizintechnik- und Pharmaunternehmen B. Braun bekannt, das außerhalb der Altstadt die Stadt mit seinen Werken und Verwaltungsgebäuden prägt, und als Namensgeber für den Handballbundesligisten MT Melsungen, der aber in Kassel seine Heimspiele austrägt. Alles in Allem ist Melsungen eine sehr schöne Stadt und sicher eine Reise wert, wenn man einen Eindruck bekommen will, wie deutsche Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit ausgesehen haben.

Blick vom Fuldaufer auf die Bartenwetzer-Brücke/View from the Fulda banks to the Bartenwetzer Bridge

Nach einer Woche Unterwegssein ist es auch an der Zeit ein erstes Zwischenfazit unserer Reise zu ziehen. Bislang hat alles im Großen und Ganzen gut geklappt, wir haben unsere geplanten Etappen geschafft und sind vor größeren Pannen und anderen Unfällen verschont geblieben. Wenn auch das Wetter nicht immer ideal war, teilweise sogar richtig schlecht, war es nie so schlimm, dass wir nicht weiterfahren konnten oder wollten (außer am ersten Tag, als wir kurz vor unserem Ziel in die S-Bahn gestiegen sind, da wir zu durchnäßt und unterkühlt waren). Wir haben viel schöne Landschaft gesehen und genausoviele schöne Städte (ich wusste gar nicht, in wie vielen Städten es noch so viele gut erhaltenen bzw. restaurierte Fachwerkhäuser gibt). Auch ein paar sportliche Herausforderungen hielt unsere Tour für uns bereit und sogar ein paar Überraschungen, wie die handbetriebene Seilfähre über die Fulda gestern. Viele Erinnerungen an vergangene Urlaube oder Erlebnisse, die wir in den durchfahrenen Regionen erlebt haben, wurden wieder geweckt und der räumliche Zusammenhang verschiedener Orte, die wir zu unterschiedlichen Gelegenheiten kennengelernt haben, wurde uns klarer. So ist z.B. die Nachbarstadt von Melsungen Hessisch Lichtenau, in der mein Schulfreund Thomas bei der Bundeswehr war (Viele Grüße an dich, Thomas, falls du das liest). Eigentlich wusste ich nie so genau, wo das liegt, außer „irgendwo in Hessen, ganz weit weg“. Nachdem ich gestern einen Wegweiser „20km Hessisch Lichtenau“ gesehen habe, kann ich das viel besser einordnen. Also kurz gesagt, alle Erwartungen wurden erfüllt und wir erwarten freudig die zweite Woche unserer Deutschlandtour.

Noch eine kleine Bitte: Meine Motivation zu schreiben, würde noch größer sein, wenn ihr von Zeit zu Zeit einen Kommentar oder wenigstens ein Like hinterlassen könntet, damit ich merke, dass das hier auch gelesen wird.

Collage von Melsungen

Statt einer Radroute heute meine Laufrunde zum Nachlaufen: Laufrunde Melsungen.

Ein anstrengender Tag/An Exhausting Day

Short English Summary: Today we had an exhausting day with several long and steep rises in the Rhön, another of the German Mittelgebirge. We crossed the divide between Rhein and Weser and will follow the river Fulda, one of the headwaters of the Weser, for the next days. The endpoint of our today’s stage is Schlitz, a city with many castles.

Vielleicht schreibe ich zu viel über das Wetter, aber wenn man den ganzen Tag draußen ist, spielt das Wetter eben eine sehr große Rolle. Heute haben wir es tatsächlich das erste Mal geschafft, den Tag ohne Regen zu verbringen. Teilweise war es richtig angenehm zu fahren, etwas Sonne, nicht zu viel, kein Regen und angenehme Temperaturen. Das war heute auch besonders wichtig, denn wir hatten eine der anspruchsvollsten Touren geplant durch die Rhön, unser nächstes Mittelgebirge auf unserer Tour, mit ein paar sehr langen und sehr steilen Steigungen. Insgesamt waren es zwar nicht die meisten Höhenmeter, aber die steilsten Anstiege. Ab jetzt geht es erstmal tendenziell abwärts (hoffentlich nur von der Höhe), wie auch heute auf der zweiten Hälfte. Dazwischen wird es zwar immer mal wieder kleine Anstiege geben, aber nicht so lange und steile.

Steiler Anstieg/Steep Rise

Heute hat sozusagen unsere Fahrt an der Weser begonnen. Nach dem längsten und steilsten Anstieg überquerten wir nämlich die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Ab jetzt fließt alles Richtung Weser, wie auch wir in diese Richtung fahren, angefangen mit der Fulda, einer der Quellflüsse der Weser, an der wir heute und die nächsten Tage entlang fahren werden, bevor wir dann ab Dienstag an der Weser bis Bremerhaven fahren werden.

Schutzhütte an der Rhein-Weser-Wasserscheide/Refuge at the Rhein Weser Divide

Aber bevor wir losfuhren, haben wir erst noch ein leckeres Frühstück in unserem Bett & Bike & Breakfast genossen. Dann ging es quer durch die Gemeinde Sinntal, die sich über viele Dörfer erstreckt, so dass wir gut 1 1/2 Stunden gebraucht haben. Einige Teile kannten wir noch von unserem Kurzurlaub vor ein paar Jahren in Sterbfritz, das auch zu Sinntal gehört. So haben wir z.B. die Burg Schwarzenfels erkannt, die wir damals besucht haben.

Beim Frühstück/At Breakfast
Burg Schwarzenfels/Castle Schwarenfels

Auch die Fulda haben wir vor ein paar Jahren schon besucht, als wir mit unseren Dresdner Freund*innen eine Paddeltour auf ihr gemacht haben. Falls ihr das lest, ihr Dresdner*innen: Erinnert ihr euch noch? An die Ausstiegsstelle in Pfordt konnten wir uns noch erinnern, das Cafè dort hatten wir aber etwas ruhiger in Erinnerung. Heute haben sich dort viele Motorradfahrer niedergelassen.

Die Fulda/The River Fulda
Motorrad-Treff in Pfordt/Biker Meeting in Pfordt

Das Ziel unserer heutigen Etappe war Schlitz, die Burgenstadt, in der ich auch schon einmal gewesen war, als meine Schwester dort ihr freiwilliges soziales Jahr gemacht hat. Und in einer der Burgen von Schlitz übernachten wir heute und schauen gerade Fußball (gerade hat Deutschland das Viertelfinale gegen Spanien verloren).

Die Burgenstadt Schlitz/The city of castles Schlitz

Mal sehen, wie es morgen weitergeht. Um wieder über mein Lieblingsthema Wetter zu sprechen, sind für morgen Nachmittag Gewitter angekündigt, weswegen wir morgen mal früher aufbrechen wollen, in der Hoffnung, noch vor dem Gewitter in Melsungen zu sein, wo wir dann zwei Tage bleiben werden, um uns mal nach fast 500 km einen Tag auszuruhen.

Heute gibt es auch wieder Links zu unserer Tour:

Teil 1

Teil 2