Dem Gewitter entronnen/Escaped from Thunderstorm

Short English Summary: Today we cycled from Schlitz along the river Fulda to Melsungen. In the morning we had really summer weather but in the afternoon we were followed by a thunderstorm but managed to reach Melsungen dry. On our way we passed Rotenburg a nice typical German city with half-timbered buildings. Another attraction was the ferry over the Fulda, which is manually driven by the passengers.

Um bei meinem Lieblingsthema zu bleiben, starte ich heute wieder mit dem Wetter. Wenn wir nur bis Mittag gefahren wären, hätte ich geschrieben: Heute war der erste richtige Sommertag, wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein durch die Fuldawiesen, genossen die Landschaft und erfreuten uns an den angenehmen Temperaturen. Was aber natürlich immer noch wahr ist, aber leider nicht den ganzen Tag betraf, sondern nur den Vormittag. Aber immerhin, die Tendenz ist positiv. Wie jedoch gestern schon erwähnt, waren für heute Nachmittag Gewitter angesagt, weswegen wir auch schon früher als sonst losgefahren sind.

Landschaft an der Fulda/ Countryside upon Fulda

Aber nicht nur wegen des Wetters sind wir früh aufgestanden, sondern auch weil wir in Rotenburg an der Fulda ein Buch abholen wollten, das wir per Internet zur Abholung in Rotenburg bei einer Buchhandlung bestellt hatten, die aber Samstag nur bis 13 Uhr aufhat. Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum wir ein Buch bestellen, das wir während der Fahrt dann abholen müssen. Da aber Beate die bikeline Radtourenbücher so mag, ich aber dagegen war die 8 Bücher, die wir für unsere ganze Tour brauchen, die ganze Zeit mit uns zu schleppen, bestellen wir jedes Buch in eine Buchhandlung an unserem Weg, kurz bevor wir es brauchen. Deshalb haben wir heute das Buch für den Weser-Radweg, den wir am Montag erreichen werden, in Rotenburg gekauft und mussten deshalb die etwas mehr als 50km bis kurz vor 13 Uhr schaffen, was uns auch locker gelang.

Rotenburg an der Fulda

In Rotenburg, das auch sehr schön an der Fulda gelegen mit vielen Fachwerkhäusern aufwarten kann, fand gerade ein Stadtfest statt mit einer Riesendartscheibe, die ich extra für dich, Luca (ich hoffe, du liest das, oder wenigstens Edina, um es dir zu zeigen), fotografiert habe. Das Fest nahmen wir dann auch zum Anlass, gleich unsere Mittagspause zu machen, die aber recht kurz geriet, da schon dunkle Gewitterwolken aufzogen und wir deswegen, möglichst schnell weiterkommen wollten, um die Wahrscheinlichkeit zu vergrößern, trocken in Melsungen, unserem heutigen Zielort, anzukommen, was uns tatsächlich gelang. So fuhren wir also immer mit den dunklen Wolken im Rücken mit frischem Wind von der Seite dem Gewitter davon. Aber auch in Melsungen blieb es erst einmal trocken, da das Gewitter tatsächlich südlich an uns vorbeizog. Nur nach dem Abendessen wären wir fast noch nass geworden, aber es regnete nur ein paar Tropfen, so dass wir heute endgültig von Regen verschont blieben.

Riesendartscheibe/Giant Dart Board

Was haben wir heute sonst noch so erlebt? Wie schon oben kurz erwähnt, führte die erste Hälfte unserer heutigen Etappe durch Natur an der Fulda entlang, weite Wiesen, sanfte Hänge und immer wieder der Fluss. Unterwegs sahen wir diese schöne Verbindung von Natur und Technik, in der ein Storchenpaar einen Funkmast als Nestplatz genutzt hat (Extra für dich, Bernhard):

Storchenpaar im Nest auf einem Funkmast/Stork Couple in a Nest on a Cell Phone Mast

Aber das ungewöhnlichste Erlebnis heute war sicherlich die Fährfahrt über die Fulda. Bei der Planung wunderten wir uns schon, warum es bei so einem kleinen Fluss eine Fähre gibt, deren Unterhalt doch viel zu aufwändig für den Nutzen ist. Aber es war keine normale Fähre von einem Menschen bedient mit einem Motorschiff bedient, sondern eine Seilfähre mit manuellem Selbstbetrieb. Sie bestand aus einem Metallkäfig, der an einem Stahlseil aufgehängt war, das über die Fulda gespannt war. Die Fahrgäste mussten mitsamt ihren Rädern in den Käfig einsteigen, den Käfig schließen und dann kräftig kurbeln, was die Fähre langsam in Bewegung setzte und sie dann in Zeitlupe über den Fluss trieb.

Manuell betriebene Fähre über die Fulda/Manually Driven Ferry over the Fulda

Das war der spaßige Teil der Überfahrt. Leider gab es auch einen etwas weniger angenehmen Teil: Wir, d.h. ich (Stefan), mussten den ersten Schaden an unseren Rädern verdauen. Wie schon vor unserer Abfahrt befürchtet ging heute mein Sattel endgültig kaputt. Eigentlich wollte ich ihn noch letzte Woche austauschen, aber kam dann nicht mehr dazu, weswegen ich mit dem schon etwas angeknacksten Sattel losgefahren bin. Heute unterwegs stellte ich schon fest, dass der Bruch größer wurde. Deshalb beschloss ich, am Montag in Kassel definitiv zum nächsten Radladen zu gehen, um einen neuen zu kaufen. Leider hat der alte nicht mehr so lange gehalten. An der Fähre fiel er beim Verladen des Rades einfach ab. Nach der Überfahrt konnte ich ihn zwar notdürftig wieder feststecken, aber so richtig gut hielt es nicht mehr, auf den letzten 10km ist er ungefähr drei mal wieder abgefallen. Leider machen in Melsungen alle Radläden samstags um 13 Uhr zu und erst am Dienstag Morgen wieder auf, so dass ich tatsächlich am Montag erst in Kassel mich um einen neuen Sattel kümmern kann. Da muss ich mir morgen noch etwas einfallen lassen, denn nach Kassel sind es fast 40km, da möchte ich nicht alle paar Kilometer den Sattel wieder einstecken.

Nun wie (fast) immer zum Abschluss: Unser Weg heute zum Nachradeln.

Ein anstrengender Tag/An Exhausting Day

Short English Summary: Today we had an exhausting day with several long and steep rises in the Rhön, another of the German Mittelgebirge. We crossed the divide between Rhein and Weser and will follow the river Fulda, one of the headwaters of the Weser, for the next days. The endpoint of our today’s stage is Schlitz, a city with many castles.

Vielleicht schreibe ich zu viel über das Wetter, aber wenn man den ganzen Tag draußen ist, spielt das Wetter eben eine sehr große Rolle. Heute haben wir es tatsächlich das erste Mal geschafft, den Tag ohne Regen zu verbringen. Teilweise war es richtig angenehm zu fahren, etwas Sonne, nicht zu viel, kein Regen und angenehme Temperaturen. Das war heute auch besonders wichtig, denn wir hatten eine der anspruchsvollsten Touren geplant durch die Rhön, unser nächstes Mittelgebirge auf unserer Tour, mit ein paar sehr langen und sehr steilen Steigungen. Insgesamt waren es zwar nicht die meisten Höhenmeter, aber die steilsten Anstiege. Ab jetzt geht es erstmal tendenziell abwärts (hoffentlich nur von der Höhe), wie auch heute auf der zweiten Hälfte. Dazwischen wird es zwar immer mal wieder kleine Anstiege geben, aber nicht so lange und steile.

Steiler Anstieg/Steep Rise

Heute hat sozusagen unsere Fahrt an der Weser begonnen. Nach dem längsten und steilsten Anstieg überquerten wir nämlich die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Ab jetzt fließt alles Richtung Weser, wie auch wir in diese Richtung fahren, angefangen mit der Fulda, einer der Quellflüsse der Weser, an der wir heute und die nächsten Tage entlang fahren werden, bevor wir dann ab Dienstag an der Weser bis Bremerhaven fahren werden.

Schutzhütte an der Rhein-Weser-Wasserscheide/Refuge at the Rhein Weser Divide

Aber bevor wir losfuhren, haben wir erst noch ein leckeres Frühstück in unserem Bett & Bike & Breakfast genossen. Dann ging es quer durch die Gemeinde Sinntal, die sich über viele Dörfer erstreckt, so dass wir gut 1 1/2 Stunden gebraucht haben. Einige Teile kannten wir noch von unserem Kurzurlaub vor ein paar Jahren in Sterbfritz, das auch zu Sinntal gehört. So haben wir z.B. die Burg Schwarzenfels erkannt, die wir damals besucht haben.

Beim Frühstück/At Breakfast
Burg Schwarzenfels/Castle Schwarenfels

Auch die Fulda haben wir vor ein paar Jahren schon besucht, als wir mit unseren Dresdner Freund*innen eine Paddeltour auf ihr gemacht haben. Falls ihr das lest, ihr Dresdner*innen: Erinnert ihr euch noch? An die Ausstiegsstelle in Pfordt konnten wir uns noch erinnern, das Cafè dort hatten wir aber etwas ruhiger in Erinnerung. Heute haben sich dort viele Motorradfahrer niedergelassen.

Die Fulda/The River Fulda
Motorrad-Treff in Pfordt/Biker Meeting in Pfordt

Das Ziel unserer heutigen Etappe war Schlitz, die Burgenstadt, in der ich auch schon einmal gewesen war, als meine Schwester dort ihr freiwilliges soziales Jahr gemacht hat. Und in einer der Burgen von Schlitz übernachten wir heute und schauen gerade Fußball (gerade hat Deutschland das Viertelfinale gegen Spanien verloren).

Die Burgenstadt Schlitz/The city of castles Schlitz

Mal sehen, wie es morgen weitergeht. Um wieder über mein Lieblingsthema Wetter zu sprechen, sind für morgen Nachmittag Gewitter angekündigt, weswegen wir morgen mal früher aufbrechen wollen, in der Hoffnung, noch vor dem Gewitter in Melsungen zu sein, wo wir dann zwei Tage bleiben werden, um uns mal nach fast 500 km einen Tag auszuruhen.

Heute gibt es auch wieder Links zu unserer Tour:

Teil 1

Teil 2

Zwei Flüsse, ein Tag / Two Rivers, One Day

Short English Summary: Today we cycled our longest tour so far, 90 km from Eßfeld via Würzburg, along the river Main to Gemünden, and then along the small river Sinn to Altengronau. Again we had a lot of rain, but also some sunny moments. We were accompanied by our friend Bernhard, who also plans a longer cycling tour through big parts of Europe. We saw a lot of beautiful cities and villages, typical for this region of Germany, on our way.

Gerade habe ich den gestrigen Tagesbericht noch beendet und jetzt möchte ich auch noch etwas über unseren heutigen Tag schreiben. Dieser brachte uns die bislang längste Etappe von Eßfeld  über Würzburg, entlang des Mains bis Gemünden und dann Sinn aufwärts bis Altengronau,  wo wir heute übernachten. Insgesamt fast 90km und auch wieder einige Höhenmeter. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen fuhren wir aber nicht zu zweit, sondern in Begleitung von Bernhard, der übrigens auch eine noch größere Tour als wir quer durch Europa von Schottland nach Griechenland plant. Da kam ihm eine kleine Trainingstour mit uns gerade recht.

Gruppenbild mit Bernhards Mama/ Group Picture with Bernhard’s Mum

Leider begleitete uns heute außerdem auch noch unser alter Bekannter der Regen wieder. Kurz nachdem wir losgefahren waren, fing es wieder zu regnen an, so dass wir Würzburg wieder im Regen erreichten. Man könnte fast den Eindruck haben, es regnet immer in Würzburg. Der Regen war zwar nicht so stark, aber nach einiger Zeit wurde es dann doch ungemütlich. Zum Glück hat es dann auch irgendwann wieder aufgehört. Aber nachdem ich heute gelesen habe, dass es dieses Jahr soviel geregnet hat, wie schon seit 140 Jahren nicht mehr, wird es wohl so weitergehen. Aber andererseits, wenn es auch nervig ist bei Regen Rad zu fahren, wäre es zwar anders, aber wahrscheinlich auch nicht angenehmer, wenn wir bei 35°C und stechendem Sonnenschein fahren müssten. Vielleicht ist es so doch angenehmer, aber sicherlich weniger belastend für den Körper. Aber morgen soll es komplett trocken sein und erst am Samstag wieder regnen. Mal sehen, ob das stimmt.

Karlstadt

Jedenfalls hörte es irgendwann wieder auf zu regnen und wurde dann richtig angenehm, trocken und nicht zu warm. In Karlstadt, immer noch am Main, hatten wir ungefähr die Hälfte unseres heutigen Wegs geschafft und nahmen in der für die hiesige Gegend typischen Kleinstadt mit Fachwerk-Altstadt und Burg einen kleinen Imbiss ein. Danach ging es dann weiter nach Gemünden, wo wir wieder vor einem kurzen Regenschauer Unterschlupf suchten, und dann in das Sinntal, das zweite Flusstal unserer heutigen Etappe. Aber welch ein Gegensatz zum Maintal. Während das Maintal eher groß und hektisch ist mit großen, lauten Straßen, mehr oder weniger großen Städten, wobei es auch ein paar idyllische Stellen gibt, ist es im Sinntal regelrecht still trotz zweier Zugtrassen, aber auch viel Natur und nur gelegentlich ein Dorf. Aber natürlich ist der Main auch viel größer und wird als Schifffahrtsstraße genutzt, während die kleine Sinn noch frei ihrem Lauf folgen kann, was auch wir taten.

Am Main / At the River Main

Interessanterweise haben viele Dörfer im Sinntal „Sinn“ im Namen, wie Untersinn, Mittelsinn, Burgsinn, Obersinn etc. Auch der Ort Altengronau, in dem wir gerade sind, gehört mit einigen anderen Orten zur Gemeinde Sinntal, zu der übrigens auch Sterbfritz gehört, wo wir vor ein paar Jahren mit Beates Geschwistern ein paar Tage Urlaub gemacht haben. Ganz in der Nähe werden wir morgen vorbeifahren.

Im Sinntal / In the Vallay of River Sinn

Hier angekommen tranken wir im einzigen geöffneten gastronomischen Betrieb des Ortes, den Bäcker im Netto, mit Bernhard noch einen Kaffee bzw. Tee, bevor Bernhard wieder nach Gemünden zurückfuhr und wir den Tag in unserem Bett + Bike + Breakfast beschlossen.

Liebliche Umleitung/ Lovely Deviation

Short English Summary: Yesterday I hadn’t time to write  because we stayed at Bernhard’s parent place and sit together with a glass of wine at the evening. Over the day we war happy because we managed to find shelter against the rain several time just in time. We cycled through the „Liebliches Taubertal“ (lovely valley of the river Tauber) but with some deviations. Further we did a short visit of Wertheim at the confluence of Tauber and Main. The final stop of yesterday’s stage was Würzburg from where we travelled by train to Bernhard’s home village Eßfeld.

Diesmal schreibe ich meinen Bericht erst am Morgen. Ich sitze hier im Haus unseres Freundes Bernhard in Eßfeld, was auch der Grund ist, warum ich gestern keine Zeit und Lust mehr hatte zu schreiben, da wir am Abend noch bei einem Glas Wein zusammensaßen und es mir danach zu spät wurde, bzw. ich zu müde war, um noch etwas zu berichten.

Aber jetzt der Reihe nach. Gestern Morgen fuhren wir nach dem Frühstück bei angenehmen Wetter in Tauberbischofsheim los. Über das Wetter wird später noch mehr zu berichten sein, wie überhaupt das Wetter bei so einem Radurlaub, wie wir in machen, eine doch recht große Rolle spielt, bislang aber eher die des unerwünschten, lästigen Bekannten, der immer zum falschen Zeitpunkt auftaucht. Gestern Morgen jedoch ließ es sich erst einmal gut an und wir fuhren frohgemut los. Aber schon nach wenigen Kilometern machte eine andere Bekannte auf sich aufmerksam: die Umleitung. Und war gleich in zweifacher Ausführung. Knapp hinter Tauberbischofsheim gab es die erste kleine Umleitung, die aber im Unterschied zu der am Montag am Neckar klar beschildert war, so dass wir nicht noch zusätzliche Umwege in Kauf nehmen mussten.

Die zweite war dann etwas größer. Anstatt direkt an der Tauber entlang zu fahren, wurden wir großräumig über eine parallele Landstraße umgeleitet, auf der es zwar nicht allzu viel Verkehr gab, die aber trotzdem nicht so schön zu fahren war. Aber dank der Umleitung konnten wir durch Niklashausen fahren, den Heimatort des „Pfeifers von Niklashausen“, dessen traurige Geschichte über Machtmissbrauch, Desinformationspolitik und Lügen in der Zeit der Reformation uns Bernhard gerade am Sonntag erzählt hat.

Die Burg von Gamburg / The Castle of Gamburg

In Gamburg ging es dann wieder zurück auf den Radweg „Liebliches Taubertal“. Bevor ich über diesen nächsten Abschnitt berichte, noch ein kleiner Funfact über Gamburg: Dort gibt es eine Bürgerinitiative, die gegen ein Brückengeländer an der alten Tauberbrücke kämpft. Aber nun zum „Lieblichen Taubertal“: Tatsächlich passt dieser Titel auf die Landschaft rund um den Fluß, der sich durch sein Tal windet und hauptsächlich durch Wald fließt, aber kein Tal ohne Hänge, weswegen Beate zumindest das Fahren nicht so lieblich empfand, da es doch immer wieder kurze steile Passagen gab.

Liebliches Taubertal/Lovely Taubertal (Valley of the River Tauber)

Unser erstes Zwischenziel gestern war Wertheim, am Zusammenfluss von Tauber und Main. Auch Wertheim ist wie Tauberbischofsheim eine schöne kleine Stadt mit vielen reich verzierten Fachwerkhäusern in der Altstadt und einer Burg hoch über der Stadt. Da wir aber noch weiterwollten, haben wir nur einen kurzen Rundgang durch die Altstadt gemacht und sind dann bald wieder weiter gefahren.

Burg über Wertheim/Castle at Wertheim
Brücke über die Tauber mit Kunstinstallation/Bridge over the River Tauber with Art Installation

Das nächste Stück unseres Weges führte dann am Main entlang, auf einem Radweg an einer vielbefahrenen Straße, was nicht mehr ganz so lieblich war. Aber schon bald bog die Straße dann etwas vom Main ab, so dass das Fahren wieder etwas ruhiger wurde. Aber auch wir verließen bald den Main wieder (heute werden wir wieder an ihm entlangfahren) und fuhren über Hügel mehr oder weniger direkt nach Würzburg. Zwischendurch machten wir eine Rast auf freiem Feld, bei der wir schon von Weitem ein Gebiet mit heftigem Regen sehen konnten. Da es aber noch weit entfernt war, machte es uns erst einmal keine Sorgen. Als es aber ein paar Minuten später schon deutlich näher war, machten wir uns dann doch auf und schafften es tatsächlich in letzter Minute noch im nächsten Ort einen überdachten Unterstand zu finden, bevor es begann wie aus allen Kübeln zu schütten. Glücklicherweise war der Regen zwar sehr heftig, aber nicht so lange, so dass wir bald wieder weiter fahren konnten.

Der Main / The River Main

Eine ähnliche Situation erlebten wir etwas später noch einmal, so dass wir doch fast trocken am späten Nachmittag in Würzburg eintrafen. Dort wollten wir uns mit Bernhard treffen. Da es aber mittlerweile wieder stark regnete, kam Bernhard doch nicht und wir verbrachten etwas Zeit zu zweit in einem Cafè, bevor wir zum Bahnhof fuhren, um von dort mit dem Zug nach Goßmannsdorf, von wo aus es nicht mehr so weit bis Eßfeld ist.

Würzburg bei Regen / Würzburg in the Rain

Aber Zitat Beate: „Auf einer viertelstündigen Fahrt mit dem Zug kann man mehr erleben, als den ganzen Tag auf dem Fahrrad“. Ganz so schlimm war es nicht, aber doch etwas aufregend, da wir erst den Bahnhof in Würzburg nicht so schnell gefunden hatten, wie wir dachten und deswegen erst in allerletzter Minute zum Zug kamen. Dieser war aber schon recht voll, insbesondere waren schon einige andere Räder drin, so dass wir Mühe hatten mit unseren vollbepackten Rädern noch reinzukommen. Nachdem wir das geschafft hatten, mussten wir aber bei der Fahrkartenkontrolle feststellen, dass man in Würzburg ein Fahhradticket braucht, was wir natürlich nicht hatten. Von Schaffner vor die Wahl gestellt, wieder auszusteigen oder über die Bahn-App noch eine Tageskarte Fahrrad zu kaufen, haben wir uns natürlich für letzteres entschieden, obwohl auch das nicht so einfach war, weil diese Funktion in der App gut versteckt ist.

Nach kurzer Fahr erreichten wir dann aber doch Goßmannsdorf, wo uns Bernhard schon erwartete, so dass wir mit ihm dann nach Eßfeld radeln konnten. Leider hatte der Regen noch nicht aufgehört, so dass wir am Ende doch noch nass geworden sind, bis wir in Bernhards Elternhaus eintrafen. Dort aßen wir zu Abend und saßen dann, wie schon eingangs erwähnt nach einem kleinen Spaziergang rund um Eßfeld am Abend noch in der Küche zusammen.

Heute geht es dann weiter nach Sinntal durch die Röhn, auch wieder eine anstrengende Tour. Da das Tracking während unserer zweiten Regenpause abgebrochen ist, kann ich von unserer gestrigen Tour keinen Link hinzufügen. Aber hoffentlich klappt es heute wieder. Auch die Bilder zu diesem Artikel muss ich später nachliefern (mittlerweile geschehen), da der Mobilfunkempfang hier zu schlecht ist und ich vergessen habe Bernhard nach dem WLAN-Passwort zu fragen und deswegen die Bandbreite nur für Texte reicht.

Zweiter Anfang / A Second Start

Short English Summary: Today we started a second time from home. This time by S-Bahn which we took to Mosbach from where our second stage really started. The first half of the stage went through the Odenwald (one of the German Mittelgebirge (low montain ranges)), which meant a lot of steep rises of about 700m difference of altitude in total. In the second half we saw some small cities like Buchen, Walldürn, and Hardheim, and ended our day in Tauberbischofsheim. Today everything went smooth and the rain only started when we already arrived in the hotel.

Wieder regnet es, wir sitzen aber glücklicherweise trocken in unserem Hotelzimmer. Diesmal sind wir rechtzeitig vor dem großen Regen an unserem Ziel angekommen. Auc alles andere hat heute viel besser als gestern funktioniert: Keine Radpanne, keine überraschenden Sperrungen mit Umweg und nur wenig Regen während der Fahrt.

Heute morgen sind wir also zum zweiten Mal von zu Hause aufgebrochen, haben uns richtig von Edina und Sanja verabschiedet, die jetzt die nächsten zwei Monate ihr Leben alleine managen müssen (was sie aber sicher gut hinbekommen werden), und sind erst einmal zur S-Bahn gefahren, um von Mosbach unsere zweite Etappe zu starten.

Auch wenn es sich gestern Abend und heute Morgen etwas seltsam anfühlte, nach dem Losfahren wenige Stunden später wieder zu Hause zu sein, war es doch gut, da wir dadurch noch einige Sachen erledigen konnten, die wir sonst entweder nicht hätten machen können oder am Sonntag noch hätten machen müssen. Außerdem konnten wir auch noch ein paar Sachen zusätzlich einpacken, die wir andernfalls nicht mitgenommen hätten, und sind so insgesamt besser vorbereitet aufgebrochen.

Ehemalige Bahnlinie Mosbach-Mudau / Former Railway Line Mosbach-Mudau

Aber jetzt zu unserer heutigen Fahrradtour. Von Mosbach sind wir erst auf einer alten Bahntrasse, die heute als „Wanderbahn“ ein Wander- und Radweg ist und von der man nur noch ein paar alte Bahnhofshäuschen sehen kann, nach Mudau gefahren, dann über Buchen, Walldürn und Hardheim nach Tauberbischofsheim.

Buchen

Während das Wetter heute angenehmer als gestern war, unterwegs regnete es nur ein paar Tropfen und erst in Tauberbischofsheim fing es stärker an zu regnen, war die Strecke heute mit einigen Steigungen über mehr als 700 Höhenmeter anspruchsvoller. Mit dem Odenwald mussten wir  unser erstes Mittelgebirge durchqueren, einige weitere werden noch folgen. Auf dem Abschnitt zwischen Mosbach und Mudau könnte man übrigens denken, dass der Odenwald nur eine Aneinanderreihung von Weihnachtsbaumplantagen ist, so viele konnten wir am Wegesrand sehen. Wie auch immer, auf alle Fälle haben wir insgesamt über 700 Höhenmeter überwunden, die ersten 25 km ging es eigentlich nur bergauf, wenn zwar  nicht sehr steil, aber kontinuierlich. Später gab es dann noch zwei weiter kürzere, aber steilere Anstiege zu bewältigen. Aber wir haben es gut geschafft, wobei beim letzten Anstieg die Kräfte doch langsam nachgelassen haben.

Weihnachtsbaumplantage / Christmas Tree Plantation
Hardheim

Gegen 16 Uhr kamen wir dann am heutigen Ziel an: Der nördlichsten Kreisstadt Baden-Württembergs Tauberbischofsheim. Im anfangendem Regen machten wir noch einen kleinen Stadtrundgang am kurmainzischen Schloß vorbei, durch die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern und über den Markplatz mit dem neogotischen Rathaus. Alles in Allem sehr schön und sicherlich wert als Endpunkt unserer zweiten Etappe zu dienen, der auch gleichzeitig der Endpunkt des Odenwald-Madonnen-Wegs ist, den wir seit Heidelberg gefahren sind. Ab morgen fahren wir dann die Deutschlandroute 9 bis Bremerhaven.

Zum Schluss ist hier noch der Link zu unserer aufgezeichneten Tour.

Marktplatz von Tauberbischofsheim / Market Place of Tauberbischofsheim

Zurück zuhause/Back at Home

Short English summary: After day 1 of our tour we are back at home. But that was totally planned, because we are still near Heidelberg and could easily travel back home by S-Bahn. Tomorrow we will continue from Mosbach and only return home at the end of our big tour. Today we faced several unplanned and unpleasant issues. First we had to fix Beate’s new bike, then our road was closed due to fallen rocks, which caused some detour of several kilometers, and finally, heavy rainfalls made us completely wet and cold, because of which we ended our today’s stage in Neckargerach instead of Mosbach.

Nein, ihr braucht keine Angst zu haben, alles ist gut, weder habt ihr zwei Monate verschlafen und seit rechtzeitig zu unserer Rückkehr aufgewacht, noch haben wir unser Abenteuer schon nach einem Tag abgebrochen. Aber einiges ist heute doch schon passiert, was, sollte es schlimmer oder öfter passieren, einem die Lust an einem Radurlaub vermiesen kann. Aber dazu später mehr. Jedenfalls sind wir heute fast wie geplant gefahren und am Nachmittag mit der S-Bahn wieder nach Heidelberg zurück gekehrt. Unsere erste Etappe war sozusagen der Prolog zur Tour, ein Probelauf unter realen Bedingungen, um noch einige Dinge auszuprobieren und zu justieren. Außerdem dachten wir, dass wir die Übernachtungskosten sparen können, wenn wir noch im S-Bahn-Bereich von Heidelberg sind. Deshalb wird es morgen erst richtig ernst, ohne Option wieder zurückzukehren (zumindest vorerst).

Aber der Reihe nach. Gestern war, wie schon erwartet, noch einmal ein stressiger Vorbereitungstag: Alles Ausrüstungsgegenstände zusammensuchen, auf die Taschen aufteilen, Karten und Routenpläne herunterladen, letzte Dinge in Heidelberg klären, etc. Aber irgendwann war auch das geschafft und wir konnten beruhigt, aber auch mit etwas gespannter Vorfreude dem heutigen Tag entgegensehen.

Stefans Ausrüstung vor dem Packen
Danach

Tag 1 unserer großen Tour haben wir erst einmal entspannt angehen lassen, lange geschlafen und gemütlich gefrühstückt, bevor wir dann so gegen 11 Uhr losgefahren sind bei bewölktem aber trockenen Himmel. So fuhren wir also erst einmal durch Heidelberg an den Neckar und entfernten uns so langsam von zuhause, fuhren weiter durch längstens bekanntes Gebiet am Neckar entlang, sahen Kleingemünd mit Sadiks Zeltplatz (viele Grüße Sadik, das nächste mal machen wir mal wieder bei dir Halt), die Feste Dilsberg und Neckarsteinnach mit seinen 4 Burgen.

Sadiks Zeltplatz hinter den Bäumen versteck
Dilsberg
Neckarsteinach

Aber kurz vor Neckarsteinach gab es den ersten Zwischenfall: Nach einer Holperstrecke durch den Wald konnte Beate plötzlich mit ihrer supertollen Wundergangschaltung an ihrem neuen Rad nicht mehr schalten. Glücklicherweise stellte es sich, entgegen meiner ersten Befürchtung als leicht und schnell vor Ort zu lösendes Problem heraus. Wobei die Lösung auch gleich Teil der Problemursache war, wie ich vermute. Da ich mich mit der 14-Gang-Rohloff-Schaltung nicht auskenne, haben wir letzte Woche noch einmal im Radladen nachgefragt, was man bei einer Reifenpanne beachten muss, was uns Michael natürlich gerne gleich am Rad demonstriert hat. Insbesondere kann man die Steuerung der Schaltung ganz einfach mit der Hand aufschrauben und abnehmen, wobei Michael wahrscheinlich beim wieder einsetzen nicht fest genug zugeschraubt hat, weswegen sie sich dann bei der ersten Hoppelstrecke gelockert hat und abgefallen ist. Aber dank der Demonstration wusste ich, was zu tun ist, und konnte das Problem schnell heilen. Leider nicht ganz richtig, denn ein paar Kilometer später stellte Beate fest, dass sie plötzlich ganz schnell im 14. Gang ist, der aber tatsächlich erst der 9. Gang war, da die Steuerung falsch aufgesetzt war.

Aber auch das war schnell zu korrigieren, so dass wir frohgemut einige wenige Kilometer weiter fahren konnte, bis plötzlich eine Absperrung uns den Weg versperrte mit einem bedrohlichen Hinweis auf Lebensgefahr wegen Steinschlag und der Empfehlung zur Weiterfahrt die Neckarseite zu wechseln. Leider war die letzte Brücke vor drei Kilometern gewesen, so dass wir diese also wieder zurückfahren mussten.

Ende der Durchfahrt

Aber damit der unangenehmen Ereignisse nicht genug: Kaum waren wir wieder auf unserem geplanten Weg, konnte man beim Rückschauen dunkle Regenwolken erkennen, die uns bald einholten und mit einem heftigen Regen übergossen. Zuerst dachten (oder hofften) wir, dass es sicher nur ein kurzer Schauer ist, der bald zu Ende sein wird. Nachdem es aber immer stärker regnete, suchten wir erst einmal unter einem Baum notdürftigen Schutz, den wir aber, sobald es etwas nachließ, wieder verließen. Leider war das etwas verfrüht und wir wurden immer nässer, bis wir in Eberbach endlich unter einer Brücke etwas besseren Schutz fanden und dort solange warteten, bis es wirklich kaum noch regnete. Nur waren wir bis dahin schon so nass und ausgekühlt, dass wir nur noch bis Neckargerach statt bis Mosbach, wie ursprünglich geplant, fuhren, um dort mit der S-Bahn wieder nach Hause zurückzufahren, was aber, wie schon gesagt, geplant war. Dort haben wir uns erstmal getrocknet und aufgewärmt und jetzt die letzten Sachen gepackt und Edina und Sanja noch einmal letzte Anweisungen für die nächsten zwei Monate gegeben.

Regen im Anmarsch

Morgen geht es dann richtig los und wir werden erst wieder in knapp zwei Monaten zu Hause sein. Wir hoffen, dass dieser Prolog mit Radschaden (wenn auch klein), gesperrter Strecke und damit verbundenem eher kleinen Umweg und leider großem Regen keine Blaupause für die nächste Zeit war, sondern eher die missglückte Generalprobe vor der großen, erfolgreichen Aufführung.

Wie immer gibt es hier die heutige Etappe als Komoottour.

Der Countdown läuft/ Countdown is Running

Short English summary: We’re about to start our largest tour so far: a grand tour of Germany from Heidelberg to Ostritz (hometown of Beate), covering various scenic routes over nearly two months. This includes the Deutschlandroute 9 to Bremerhaven (Deutschlandtour 1: Von Rohrbach nach Bremerhaven), the North Sea Coast Route to the Danish border (Deutschlandtour 2: Nordseeküstenroute), the North Sea-Baltic Sea Route (Deutschlandtour 3: Nord-Ostsee-Radweg), the Baltic Sea Coast Route, Deutschlandtour 4: Ostseeküsten-Radweg Deutschland), and finally the Oder-Neisse Cycle Route along the Polish border to Ostritz (Deutschlandtour 5: Oder-Neiße-Radweg). We will keep you updated here.

Nach drei Jahren schreiben wir wieder etwas in diesem Blog, in dem wir über unsere Radtouren berichten. Das heißt aber nicht, dass wir in den letzten Jahren nicht Rad gefahren wären, sondern nur dass wir nicht darüber geschrieben haben. Tatsächlich ist aber im Jahr 2022 unsere geplante Tour von Wien nach Budapest ausgefallen, da ich (Stefan) überraschend ein Social Sabbatical in Ruanda machen durfte. Informationen darüber könnt ihr in meinen medium Account finden (Rwanda Blog auf Medium.com). Stattdessen haben wir eine kurze Tour von Neumarkt in der Oberpfalz nach Augsburg entlang der Altmühl, ein kurzes Stück Donau und dann Lech aufwärts gemacht (Neumarkt-Augsburg). Im letzten Jahr fuhren wir dann endlich von Wien nach Budapest, worüber es aber aufgrund technischer Probleme keine Aufzeichnungen außer der geplanten Route gibt.

Jetzt ist es aber wieder soweit: Unsere bislang größte Tour steht unmittelbar bevor, nämlich unsere große Deutschland-Tour, die uns auf dem Weg von Heidelberg nach Ostritz in klapp zwei Monaten durch große Teile Deutschlands führen wird: Wir fahren von Heidelberg bis Tauberbischofsheim und folgen dann der Deutschlandroute 9 bis Bremerhaven (Deutschlandtour 1: Von Rohrbach nach Bremerhaven). Daran schließt sich der Nordseeküstenradweg bis zur dänischen Grenze an (Deutschlandtour 2: Nordseeküstenroute). Nach dem Lückenschluss entlang der dänischen Grenze (Deutschlandtour 3: Nord-Ostsee-Radweg) geht es auf dem Ostseeküstenradweg weiter (Deutschlandtour 4: Ostseeküsten-Radweg Deutschland), bevor unsere Tour mit dem Oder- Neiße-Radweg entlang der polnischen Grenze in Ostritz im deutsch-polnisch-tschechischen Dreiländereck endet (Deutschlandtour 5: Oder-Neiße-Radweg).

Nur wenige Tage haben wir noch, bevor es losgeht. Und es ist noch so viel zu tun: Abschluss und Übergabe meiner Arbeitstätigkeiten, Feiern von Edinas Ausbildungsabschluss (nach mal Herzlichen Glückwunsch auch auf diesem Weg, Edina) und die Geburtstagsfeier meiner Schwester. Außerdem natürlich die Vorbereitungen auf unsere Tour: Planen der Routen, Einkaufen nötiger Dinge (Beate hat sich endlich ein neues Rad gekauft!), Packliste Erstellen, usw. Das sind noch einmal stressige Tage, aber wenn wir erst losgefahren sein werden, wird hoffentlich auch etwas Entspannung eintreten. Wir werden hier an dieser Stelle darüber berichten.