Ein schöner Sommersonnenurlaubstag/A Beautiful Summer’s Day

Heute hat sich unsere Reise wie richtiger Urlaub angefühlt, der sie ja tatsächlich auch ist. Ich meine jetzt, wie der Klischee-Urlaub mit Sonne und Meer, blauer Himmel, Ruhe und Entspannung. Schon beim Aufbruch in Meldorf schien die Sonne, der Himmel strahlte mit Chagall um die Wette (wobei dessen Blau eher etwas dunkel ist) und kein Wölkchen weit und breit zu sehen. Sogar die Temperatur war außerhalb des Ortes noch angenehm, was sich aber im Laufe des Tages noch etwas ändern sollte, jedoch blieb es immer gut aushaltbar, da zwar wenig, aber doch immer ein leichter Wind wehte, der für etwas Kühlung sorgte. Und über allem schwebte eine große Urlaubstagsruhe. Ich weiß auch nicht so richtig, ob dies an meiner Stimmung lag, ob es heute tatsächlich besonders ruhig war oder ob es hier vielleicht immer besonders ruhig ist, schließlich gibt es hier keine großen Städte, die überfüllten Touristenorte wie Büsum waren immer schnell durchfahren und sonst gab es nur Deich, blöckende Schafe, und, wenn überhaupt, sich sachte drehende Windradflügel, von Zeit zu Zeit ein Auto, oder ein in der Ferne brummender Rasenmäher oder eine andere landwirtschaftliche Maschine. Es schien, als hätte die ganze Region heute Urlaub gemacht.

Sich sanft-drehende Windräder/Gently Spinning Windmills

Wobei wir noch in einem anderen Sinn beim Motto unseres heutigen Tages wären. Orte am Rande des Weges erinnerten mich an vergangene Urlaube. Dies begann mit Friedrichskoog, unweit unseres Übernachtungsortes Meldorf (an das ich mich übrigens nicht mehr erinnern konnte, aber wahrscheinlich waren wir dort nicht). Als Jugendlicher verbrachten wir nämlich mit der Familie in Friedrichskoog einen Sommerurlaub. Es war unser erster Urlaub an der Nordsee, bislang waren meine Schwester und ich nur das tunesische Mittelmeer gewöhnt, und dachten, alle Meere sehen so aus. Deswegen waren wir schon enttäuscht, als wir in Friedrichskoog ankamen, den Deich erklommen haben und – kein Meer sagen, sondern nur eine Matchwüste, Watt genannt. Aber auch bei Flut lud das Meer nicht zum Planschen, Schwimmen oder Toben ein, da es viel zu flach war, kein Sandstrand vorhanden war und zu allem Überdruss auch noch ständig durch Buhnen unterbrochen war. Da auch die mitgebrachten Räder ob des Windes nur selten zum Einsatz kamen, saßen wir meist in der Ferienwohnung beim Spielen oder Fernsehklotzen (es waren, glaube ich, auch noch irgendwelche Olympischen Spiele oder so). Aber zumindest bei ersterem waren wir sehr kreativ, wir entwickelten weitere Varianten unseres damaligen Lieblingsspiels „Canasta“. Um wieviel besser hatte es damals die Familie meiner Tante getroffen, die zur gleichen Zeit nur wenige Kilometer weiter nördlich in St.-Peter-Ording Urlaub machten (das wir übrigens morgen auch durchfahren werden). Bei einem Besuch dort mussten wir feststellen, dass es dort den erwarteten Sandstrand mit Jubel und Trubel gab und man auch ohne sich den Bauch aufzuschlitzen dort schwimmen konnte. Eigentlich wollte ich danach nie wieder an die Nordsee, habe aber mittlerweile meine Meinung revidiert und weiß jetzt auch die ökologische und touristische Qualität des Wattenmeers  zu schätzen.

Noch einen weiteren Urlaub, oder, um genau zu sein, waren es sogar mehrere, so genau weiß ich aber die Anzahl nicht mehr, konnten wir heute nacherleben. Einige Male waren wir mit unseren Kindern und teilweise auch mit Beates Schwester und ihren Eltern auf einem Bauernhof in Hedwigenkoog bzw. Westerkoog in der Nähe von Büsum. Diesem Bauernhof, dem Ferienhof Folger, statteten wir heute bei einem kurzen Abstecher vom Weg einen Besuch ab und trafen tatsächlich Carmen, die Besitzerin, an und hielten ein kurzes Schwätzchen mit ihr und frischten alte Erinnerungen auf. Viele Dinge sind noch genauso wie vor über 15 Jahren, aber einiges hat sich auch geändert. Leider ist Reimer, der Bauer, inzwischen gestorben, der damals aufgrund einer Wetter mit Beate die Hundehütte mit dem Tieflader auf den Balkon unserer Ferienwohnung bugsierte. Außerdem hat Carmen nach dem Tod ihres Mannes die Kühe und damit auch den Melkroboter abgeschafft, der uns damals so fasziniert hatte. Mit dem Melkroboter konnten sich die Kühe jederzeit selbst melken lassen, was für die Feriengäste immer ein faszinierendes Schauspiel war.

Unser altes Ferienhaus auf dem Folger-Hof/Our Summer Cottage on Folger’s Farm

Nach Westerkoog fuhren wir in einer kleinen Abweichung vom Nordseeküsten-Radweg in einer Schleife noch über Tönning, das einen malerischen alten Hafen hat, wo wir auch eine kleine Mittagspause machten. Damit sind wir nicht über das Eidersperrwerk gefahren, dass wir noch von damals in schlechter Erinnerung hatten, als wir mit Nadjeschda (sie war damals sechs Jahre alt) mit dem Rad von Westerkoog dorthin fuhren. Während der Hinweg noch ganz gut ging bzw. vom Rückenwind erleichtert wurde, war der Rückweg für alle eine wahre Geduldsprobe. Weitere Details möchte ich euch ersparen, aber unsere Familie hat es überlebt. Edina, du hattest damals übrigens Glück: Du warst noch so klein und durftest im Kindersitz gefahren werden.

Historischer Hafen von Tönning/Historical Harbor of Tönning

Wenn man so durchs Land reist, kommen einem nicht nur Erinnerungen an alte Zeiten oder Verbindungen von Orten zu Personen, sondern man kann auch kuriose oder überraschende Orts- und Straßennamen kennenlernen. Heute z.B. endete unsere Tour in Welt, wo man übrigens wohl denkt, wenn man schon in Welt ist, braucht man keine Verbindung mehr zur Welt, weshalb es auch keinen Mobilfunk gibt (Bernhard: Wieder ein Auftrag an dich :)), selbst das WLAN in unserer Pension ist äußerst wackelig. Aber sonst ist es ein gemütliches kleines Dorf mit einem guten „Welt-Cafè„, wo wir gleich unsere zweite Hauptmahlzeit eingenommen haben.

Mannheim

Eine andere Überraschung erlebten wir heute Morgen, als wir plötzlich (nach über 1200 km Radeln von Heidelberg aus) an Mannheim vorbeiradelten, was aber, wenn überhaupt, nur aus einer handvoll quadratischen Häusern besteht. Gestern sind wir auch durch die (Blomesche) Wildnis gefahren und in Glückstadt durch die „Namenlose Straße“ geschlendert. Und natürlich der Name „Glückstadt“ selbst ist Programm, wobei der Gründer wohl trotz des Namens mit der Stadt nicht so viel Glück hatte. Unterwegs passierten wir auch schon Friedlos und Sorga und einige andere Orte mit kuriosen Namen (Mückenloch fällt mir da gerade noch ein), die mir jetzt entfallen sind.

Namenlose Straße/Street without Name

Wer diesen Blog regelmäßig liest, dem wird wohl aufgefallen sein, dass ich gestern nichts geschrieben habe. Dies lag, wie immer, nicht daran, dass gestern nichts passiert ist, sondern, dass ich zu müde war, um noch etwas aufzuschreiben. Den Abend gestern haben wir nämlich hauptsächlich mit der weiteren Planung unserer Reise und dem Buchen entsprechender Unterkünfte verbracht. Bis nächsten Donnerstag ist jetzt alles in trockenen Tüchern, wir müssen nur noch am richtigen Tag am richtigen Ort sein. Dabei fällt mir noch ein anderer kurioser Name ein: Am nächsten Donnerstag werden wir in „Hunhoi“ übernachten, für uns hörte sich das irgendwie wie Hanoi an und würde uns als Name einer vietnamesischen Stadt nicht so überraschen, wie als Name eines schleswig-holsteinischen Dorfes. Außerdem habe ich alle bislang gemachten Touren zu einer Komoot-Collection zusammengefasst. Das Zwischenergebnis kann sich sehen lassen, denke ich:

Gefahrene Etappen/Cycled Stages

Was gibt es noch über gestern zu berichten? Das Wetter war gestern angenehm mild, nach dem Regentag vorgestern eine wahre Wohltat. Was uns aber nicht daran hinderte, mal wieder getrennte Wege zu fahren. Da ich kurz nach der Abfahrt in Glückstadt feststellte, dass meine Kette nach doch jetzt wieder einigen hundert Kilometern und dem Regenwetter vom Vortag geschmiert werden musste, hielt ich kurz an, um dies zu tun, was dann aber doch etwas länger dauerte, da ich auch gleich noch den ganzen Dreck, der sich angesammelt hatte, entfernt habe. Als ich dann ein paar Kilometer später dachte, jetzt müsste ich Beate doch eingeholt haben, sie aber weit und breit nicht zu sehen war, griff ich dann doch zum Telefon, um nachzufragen, wo sie gerade wäre. Und wie befürchtet, war sie nicht auf dem gleichen Weg wie ich, sondern, und das war das lustige daran, an genau der gleichen Stelle wie ich, nur auf der anderen Seite des Deiches. Dies merkten wir dadurch, dass Beate beschrieb, sie sähe die Spitze eines rot-weißen Leuchtturms hinter dem Deich, was just der Leuchtturm war, vor dem ich gerade stand. Da sage noch einmal jemand, Leuchttürme hätten bei Tageslicht an Land keinen Nutzen.

Rot-weißer Leuchtturm hinter dem Deich/Red-white Lighthouse behind the dike

Und noch einen kleinen Schrecken bekamen wir gestern, als plötzlich Beates Tasche nach einer Holperstrecke, von denen es hier einige gibt (Kopfsteinpflaster, Rasensteine u.ä. als Untergrund), nur noch halb am Fahrrad hing. Eine erste Untersuchung ließ schlimmes befürchten: Es sah so aus als wäre eine Befestigung herausgerissen. Bei näherem Hinschauen stellte sich aber heraus, dass nur eine Mutter von der zugehörigen Schraube abgefallen war und das glücklicherweise innerhalb der Tasche, so dass wir die Mutter in der Tasche schnell gefunden hatten und sie wieder festschrauben konnten und damit recht schnell wieder weiterfahren konnten.

Weiterfahren und eine neue Überraschung erleben: Tatsächlich mussten wir im sonst flachen Land eine Steigung erklimmen, die uns durch einen kleinen Wald führten, den wir dort auch nicht erwartet hatten und der auch noch als „Wolfstreifgebiet“ ausgewiesen war. Eine kurze Recherche ergab, dass laut Nabu tatsächlich in Schleswig-Holstein 2022/23 zwei Paare und ein Einzelwolf nachgewiesen worden waren. Wenn man die Anti-Wolfs-Plakate der Schafzüchter hier sieht, könnte man aber denken, es sind hunderte.

Links zu unseren Touren gestern und heute:

Glückstadt-Meldorf

Meldorf-Welt

Fahrt durchs Nirgendwo/Nowhere Trip

Short English Summary: Today we went from Cuxhaven to Glückstadt and took a ferry across the river Elbe to bypass Hamburg and save two days for Beate’s travel to Heidelberg and back again. Part of our tour today led through a nowhere land without variety, just fields and a strait street. Since we are on the Elbe-Radweg we met several people who want to cycle to Dresden and beyond along the Elbe, but we will leave the Elbe-Radweg tomorrow and stay at the North Sea coast.

Ein weiterer Tag unserer Reise ist vergangen. Mittlerweile sind wir schon in Schleswig-Holstein, dem siebten Bundesland, durch das wir fahren. Ich schreibe euch heute aus der Jugendherberge in Glückstadt, das wir mit der Fähre über die Elbe unter Umgehung von Hamburg erreicht haben. Aber es scheint, dass nicht nur wir diese Abkürzung wählen. Zumindest war am Fähranleger eine lange Fahrzeugschlange, obwohl ständig eine Fähre fuhr: Kaum hatte eine abgelegt, schon legte die nächste an, und das immer weiter. Trotzdem denke ich, dass für Kraftfahrzeuge die Wartezeit nicht unerheblich ist (wir konnten mit den Rädern einfach auf die Fähre fahren), aber wahrscheinlich immer noch bedeutend schneller als der Umweg über Hamburg.

Fähre über die Elbe/Ferry across the Elbe

Dass wir jetzt in einer Jugendherberge sind, kommt auch für uns etwas überraschend, da wir ja schon lange dem Jugendalter entwachsen sind. Aber in der hiesigen Jugendherberge war noch ein Doppelzimmer frei und trotz der Mitgliedschaft im DJH, die wir erwerben mussten, immer noch billiger als die anderen Hotels vor Ort. Aber wahrscheinlich wird das die einzige Jugendherberge für uns bleiben, zumindest in den nächsten Tagen waren in den Jugendherbergen am Weg nur noch Betten im 6er-Zimmer frei, was wir dann doch nicht wollten.

Blick aus dem Zimmer der Jugendherberge in Glückstadt/View from the Window of the Youth Hostel in Glückstadt

Bei dem Stichwort Übernachtung bzw. Hotel fällt mir noch etwas ein, was ich schon gestern erzählen wollte, dann aber vergessen habe. Unser Hotel in Cuxhaven hieß nämlich „Münchner Löwenbräu“, wer aber angesichts des Namens jetzt gedacht hätte, dass es von irgendwelchen Exil-Bayern, die es in den Norden verschlagen hat, betrieben würde, hätte komplett falsch gelegen. Das Betreiber-Paar sah nämlich eher so aus, als käme es aus Vietnam oder Thailand und hat auch kein bisschen bayrisch gesprochen. Aber vielleicht sind sie ja doch aus München, wer weiß.

Ein ähnliches Erlebnis von gestern wollte ich euch auch noch gerne mitteilen, dass auch mit Thailand oder zumindest mit Thai-Massage zu tun hat. Kurz hinter Bremerhaven sind wir nämlich durch ein kleines Dorf gefahren an einem Haus vorbei, vor dem viele Autos standen und an dem eine thailändische Fahne wehte. Bei näherem Hinsehen konnten wir Werbung für Thai-Massage erkennen und einige Frauen, die vor dem Haus wahrscheinlich auf ihren Massage-Termin warteten. In diesem Dorf scheint Thai-Massage sehr populär zu sein. Auch etwas, was mich überrascht hat, dort zu sehen. Aber das ist das Schöne an einer solchen Tour, man sieht immer wieder Überraschendes und hat die Chance seine eigenen Erwartungen und Vorurteile auf den Prüfstand zu stellen. Und man sieht, wie vielfältig Deutschland geworden ist, außer beim Fast-Food, da gibt es immer nur Döner und Pizza, am besten im gleichen Laden.

Den einzigen Laden, den wir heute besucht haben, war aber kein Döner-Laden, sondern der Buchladen, in dem wir unser bikeline Radtourenbuch abgeholt haben, was diesmal auch tatsächlich geklappt hat. Schon nach dem Frühstück hatte ich eine Benachrichtigungs-Mail, dass es abholbereit ist,  und im Buchladen lag es tatsächlich dann schon bereit. Leider haben wir wegen des Umwegs über die Buchhandlung unseren Weg nicht gleich wieder gefunden und mussten erst ein paar Kilometer durch das Gewerbegebiet von Cuxhaven fahren, obwohl der richtige Weg am Meer bzw. am Deich entlang nur 100 Meter entfernt, aber durch Bahngleise getrennt, verlief. Aber irgendwann gab es dann doch einen Bahnübergang, an dem wir auf die andere Seite wechseln konnten.

Jedoch war dieser Abschnitt im Vergleich zu einem späteren regelrecht interessant und abwechslungsreich. Denn gerade zur Zeit als es heute, nach zwei Sonnentagen, wieder zu regnen anfing, fuhren wir mehr als 10km kerzengerade durch flaches Land, in dem sich ein Getreidefeld an das andere reihte, selten unterbrochen von ein paar Büschen und ganz vereinzelt von einem Baum, ohne Ziel vor Augen durchs Nirgendwo. Durch den Nieselregen war auch die Sicht nur sehr begrenzt, aber auch, wenn man hätte weiterschauen können, hätte man sicherlich nur Getreidefelder gesehen. Und gerade als die Landschaft wieder etwas abwechslungsreicher wurde, der Regen nachließ und die Sonne sogar etwas raus kam und wir dachten, das Schlimmste überstanden zu haben, gerieten wir in einen richtig heftigen Regenguss, der darüber hinaus von heftigen Gegenwind begleitet war. Und als wir endlich in Freiburg an der Elbe einen Unterstand erreicht hatten, hörte es schon wieder auf. Und als wir wieder weiter fahren wollten, fing es wieder an zu regnen, und das gleich ein paar Mal.

Freiburg an der Elbe

Interessanterweise haben wir heute zwei Gruppen von Radler*innen getroffen, die ein ähnliches Ziel wie wir haben. Zuerst ein Paar, das nach Bautzen möchte und dann drei Tschech*innen, die nach Liberec wollen. Aber so überraschend ist das auch nicht, denn heute sind wir den Anfang des Elberadwegs gefahren, den auch die anderen jedoch bis Dresden fahren wollen, und nicht wie wir nur bis Wischhafen, von wo die Fähre nach Glückstadt gefahren ist. Wenn wir erzählen, welchen Weg wir nach Ostritz fahren wollen, ernten wir aber nur ehrfurchtsvolles Staunen. Aber schaffen müssen wir es halt auch noch, bislang läuft es jedoch ganz gut, hoffen wir, dass es weiter so bleibt.

Bevor wir aber in den Regen und das Nirgendwo kamen, sind wir heute auch mal auf der See- bzw. Elbseite (mir ist nicht so ganz klar, was noch Elbe ist und was schon Nordsee, aber wahrscheinlich ist der Übergang auch fließend) des Deiches gefahren, was etwas mühseliger ist, da wir ständig die Tore, die die Schafe am Davonlaufen hindern sollen, öffnen und schließen müssen. Dafür haben wir auch mehr gesehen: Das Meer auf der einen Seite, den Deich mit den Schafen auf der anderen und wir mitten drin.

Leuchtturm „Dicke Berta“/Lighthouse „Dicke Berta“ (Fat Berta)

Übrigens wird unsere playlist ständig erweitert. Gerade habe ich die Arie „Che farò senza Euridice?“ aus der Oper „Orfeo ed Euridice“ von Gluck hinzugefügt, da ich daran manchmal denken muss, wenn ich so vor mich hinradele und mich dann umschaue und plötzlich Beate verschwunden ist. Aber zum Glück muss Beate nicht zurück in die Unterwelt, sondern taucht früher oder später dann doch hinter der letzten Biegung auf, so dass ich mir die Frage nicht beantworten muss, was ich ohne Beate tun sollte. Wobei, nächste Woche habe ich zweieinhalb Tage in Flensburg, da muss ich dann schon etwas finden, was ich ohne Beate tun werde.

Und am Ende, wie immer, unsere heutige Tour.

Vom Winde beflügelt/Quickened by the Wind

Short English Summary: Today we did the first stage on the North Sea coast from Bremerhaven to Cuxhaven. In Bremerhaven we saw the oversea ports, the we cycled behind the dike along the coast, before we reached Cuxhaven, a typical German seaside resort. Cycling was easy today, because we had a lot of tail wind.

Heute schreibe ich aus Cuxhaven, sozusagen vom Treffpunkt von Weser und Elbe. Hier endet der Weserradweg, und es beginnt der Elberadweg, den wir morgen auch für einen Tag folgen werden, während heute unser erster Tag an der Nordsee und auf der Nordseeküstenroute war, die wir aber morgen schon wieder verlassen werden, um dann aber ab übermorgen, ab Glückstadt, für die nächsten Tag auf ihr bis zur dänischen Grenze fahren werden. Interessanterweise gabeln sich Elberadweg und Nordseeküstenroute bei Otterndorf, um dann ab Stade wieder mehr oder weniger parallel zu verlaufen, wobei natürlicherweise der Elberadweg näher an der Elbe entlang führt und die Nordseeküstenroute einen etwas direkteren Weg nach Hamburg nimmt. Deshalb fahren wir morgen auch auf dem Elberadweg, da nur dieser durch Wischhafen führt, von wo die Fähre über die Elbe abfährt. Damit können wir dann zwei Tage für Beates Reise nach Heidelberg herausschinden, sehen dann aber leider Stade, Wedel und Elmshorn nicht, und natürlich auch nicht Hamburg, wo wir aber in letzter Zeit öfter waren und auch nicht so richtig Lust darauf haben, solange durch die Großstadt zu fahren.

Das Fahren ging heute jedenfalls sehr zügig. Vom Südwestwind angetrieben eilten wir regelrecht in drei Stunden von Bremerhaven nach Cuxhaven. Es war tatsächlich eine gute Idee (zumindest bislang), entgegen unseren ursprünglichen Plänen die Tour in diese Richtung zu machen. Die erste Idee war von Heidelberg nach Osten zu fahren, in Richtung Ostritz, um dann an Neiße und Oder zur Ostsee zu fahren und dann an den Ost- und Nordseeküsten in Richtung Westen, solange wir Zeit haben. Aber zum Einen gestaltete es sich schwierig, eine nicht zu schwere, radfahrgeeignete Strecke von Heidelberg nach Ostritz zu finden, zum Anderen erinnerten wir uns daran wie wir auf dem Rheinradweg spätestens ab Emmerich darüber geschimpft haben, wie anstrengend es ist ständig gegen den Wind zu fahren. Und da der Wind üblicherweise aus südwestlichen Richtungen kommt, hätte uns das gleiche auch diesmal, aber noch viel länger gedroht. Deswegen sind wir  bis jetzt hauptsächlich nach Norden gefahren, und ab morgen grob nach Osten und nur an Oder und Neiße müssen wir tendenziell mit Gegenwind rechnen, hoffen aber, dass der abseits vom Meer nicht so stark ist.

Um den Wetterblock abzuschließen, möchte ich noch den strahlenden Sonnenschein erwähnen, der uns den ganzen Tag begleitet hat und der diese Etappe zu einer rundum angenehmen gemacht hat. Nachdem wir gestern schon einen richtig schönen, entspannenden Urlaubstag genossen hatten, stand der heutige ihm in keinster Weise nach. Mir taten nur die Leute leid, die uns mit zusammengebissenen Lippen entgegen kamen und gegen den Wind ankämpften.

Blauer Himmel über dem Strand/Blue Sky over the Beach

Landschaftlich war es heute sehr abwechslungsreich, wenn man bei den Überseehäfen von Bremerhaven von Landschaft reden kann. Kilometerlang ging es an riesigen Parkplätzen entlang, auf denen tausende und abertausende Autos und andere Fahrzeuge entweder auf ihr Verladen und ihren Transport in die ganze Welt warteten oder vielleicht auch auf ihren Weitertransport innerhalb Europas. Bremerhaven scheint sich auf den Fahrzeugtransport spezialisiert zu haben, es gibt zwar auch Container-Terminals, die erschienen mir aber bei weitem nicht so ausgedehnt.

Container-Terminals von Bremerhaven/Container Terminals of Bremerhaven

Das Fahrradfahren durch das Hafengebiet war zwar nicht so angenehm, obwohl es einen ausgewiesenen und markierten Radweg durch das Gebiet gab, aber man merkte schon, dass der Radweg keinerlei Priorität hat und der Hafen primär ganz anderen Zwecken dient.

Blick vom Deich/View from the Dike

Nichtsdestotrotz sind wir gut durchgekommen und dann erst einmal am Nordseedeich entlang gefahren. Leider hat dieser die Aussicht aufs Meer versperrt, von Zeit zu Zeit konnte man aber auch auf den Deich fahren, um sich den Seewind ins Gesicht blasen zu lassen und ein paar Bilder mit Meer und Watt zu machen. So ging es dann einige Kilometer dahin, bis kurz vor Cuxhaven dann die touristischen Strände mit der gängigen Infrastruktur und Menschen über Menschen begannen, die wir dann den Rest unserer Fahrt bis in unser Hotel in Cuxhaven beobachten konnten. Interessant war die Prozession der Pferdewagen zu bestaunen, die vom Festland in Richtung der Insel Neuwerk durch das Watt fuhren.

Prozession von Pferdewagen zur Insel Neuwerk/Procession of Horse Carriages to the Island Neuwerk

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem Bummel über die Strandpromenade und durch die Stadt. Dabei wollten wir noch unseren nächsten bikeline Reiseführer für die Nordseeküste bis Dänemark bei Thalia abholen, was aber leider nicht so gut geklappt hat, wie das letzte  Mal. Obwohl bei der Bestellung als voraussichtlicher Abholtermin heute angegeben war, war das Buch noch nicht da. Aber die Buchhändlerin versicherte uns, dass es morgen da sein wird und sie die entsprechende Kiste morgen früh als erstes öffnen wird, damit wir das Buch gleich nach Ladenöffnung abholen können. Ich bin gespannt, ob das klappen wird.

Blick auf Cuxhaven/View to Cushaven

Nach dem Abendessen, das wir heute ortsangepasst in einem Fischrestaurant eingenommen haben, wobei ich für einen Abend mein Vegetariersein vergessen habe und einen Fischteller gegessen habe, haben wir wieder versucht, Übernachtungsquartiere für die weiteren Tage zu finden, was uns auch halbwegs gelungen ist. Aber wie gestern schon erwähnt, es wird immer schwieriger etwas zu finden, was noch in unser geplantes Budget passt. Es ist jetzt eben Hochsaison und die Küste sicherlich nicht die billigste deutsche Urlaubsregion. Aber obwohl die ersten Versuche erschreckend ob der hohen Preise waren, fand sich am Ende doch noch etwas, was halbwegs akzeptabel war, auch wenn wir dafür die Routenplanung etwas abändern mussten. Aber so lange es so weitergeht, ist alles gut, etwas Spannung muss ja auch dabei sein.

Hier ist noch unsere heutige Tour: Bremerhaven nach Cuxhaven.

Am Ende der Weser/At the End of the Weser

Short English Summary: After two weeks of cycling we reached with Bremerhaven our first big milestone and the end of Deutschlandroute 9 and the Weser. The next week we will follow the German North See coast till the Danish border. Today’s stage was a longer one, almost 90km, but suported by tail wind. For the last miles we took a ferry across the Weser.

Nun ist schon die zweite Woche unserer Deutschlandreise mit dem Rad  vergangen und wir haben mit Bremerhaven unseren ersten großen Meilenstein erreicht. Hier ist die Weser und mit ihr die Deutschlandroute D9 zu Ende, in den nächsten Tagen, nach unserem Ruhetag morgen, werden wir an der Nordseeküste entlang fahren. Das wird nur ungefähr eine Woche in Anspruch nehmen, da wir zum Einen die westlichen Teile der Nordseeküstenroute D1 auslassen, da wir eben erst in Bremerhaven an die Küste kamen. Außerdem, ich habe es schon kurz erwähnt, haben wir die weitere Tour umgeplant, da Beate übernächste Woche kurz nach Heidelberg zu einem wichtigen Termin muss. Um zwei Tage zu gewinnen, die Beate zum Reisen nutzen kann, haben wir die Schleife über Hamburg gestrichen und werden mit der Fähre von Wischhafen direkt nach Glückstadt über die Elbe übersetzen. Deshalb wird es aber leider auch nichts mit einem Treffen in Hamburg, Aneta, Marco und Ines.

Bremerhaven von der Fähre aus/Bremerhaven Seen from the Ferry

Die heutige Etappe von Bremen nach Bremerhaven war eine der längeren, ungefähr 90 km. Dank des Windes, der uns zeitweise etwas Unterstützung bot, fühlte es sich gar nicht so schwer. Außerdem waren  3 km Fährfahrt über die Weser von Nordenham-Blexen nach Bremerhaven dabei, so dass es am Ende etwas weniger Kilometer waren, als heute Morgen gedacht.

Industriegelände bei Bremen/Industrial Area near Bremen

Was gibt es noch über den heutigen Tag zu erzählen? Die Landschaft war typisch norddeutsch, wir fuhren immer mehr oder weniger am Deich entlang, manchmal auch auf dem Deich. Die ersten Kilometer aus Bremen heraus, waren von Industrie- und Hafenanlagen geprägt, wobei uns schon seit Minden aufgefallen ist, dass, obwohl die Weser als Wasserstraße ausgebaut ist, wir kein einziges Frachtschiff gesehen haben. Auch heute haben wir nur einige wenige Frachtschiffe gesehen.

Dafür haben wir in Elsfleth ein altes Segelschulschiff gesehen, das dort seinen Heimathafen hat:

Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“/Training Sailing Ship „Großherzogin Elisabeth“

Bemerkenswert ist vielleicht auch noch das „Weserschlösschen“ am Fähranleger in Blexen, das ursprünglich das Bahnhofsgebäude war, von dem Fahrgäste vom Zug in die Fähre umsteigen konnten, das heute aber ein Hotel und Restaurant ist:

Morgen machen wir dann unseren nächsten Ruhetag, den zweiten nach dem in Melsungen, den wir zum Ausruhen, etwas die Stadt Erkunden, Wäsche Waschen, Fahrräder Überprüfen usw. nutzen werden.

Und zu guter Letzt, unser heutiger Track, diesmal zweigeteilt:

Teil 1

Teil 2

Ein neuer Begleiter/A New Compagnion

Short English Summary: Today we stay in Bremen. The day before yesterday we reached the „norddeutsche Tiefebene“ (northern German lowlands) and left the German Mittelgebirge. Not only the landscape changed (no hills and mountains anymore) but also the architecture (no half-timbered houses, but red-brick buildings). And, a little bit annoying for us, we face some wind, sometimes from the front, sometimes from the back. The road surface is not always good for riding bycicles, but nevertheless we managed to cycle about 900km in the last two weeks.

Heute habe ich hoffentlich etwas mehr Zeit, um aufzuschreiben, was wir heute erlebt haben und nachzutragen, was in den vergangenen zwei Tagen passiert ist. Ich sitze gerade im Intercity Hotel Bremen mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz und beobachte die ein- und ausfahrenden Straßenbahnen und die Leute, die hier so rumlaufen. Wie wir schon bei unserem letzten Besuch in Bremen festgestellt haben, laufen hier ganz schön viele abgewrackte Typen herum, aber das ist ja in vielen Städten in Bahnhofsnähe so. Als BahnBonus-Kunden haben wir hier ein Zimmer-Upgrade bekommen, so dass wir jetzt im Business-Zimmer sind, in dem ich an einem richtigen Schreibtisch sitzen kann.

Bahnhofsvorplatz Bremen Hbf/Station Square Bremen

Spätestens seit Nordhessen merkt man zunehmend, dass wir nach Norddeutschland kommen, zuerst sprachlich, indem man mit „Moin“ statt „Hallo“ oder sogar „Servus“ gegrüßt wurde, dann auch daran, dass die Berge immer niedriger bzw. die Täler immer breiter wurden, so dass wir auch jeden Tag ein paar Höhenmeter weniger bewältigen mussten. Spätestens seit der Porta Westfalica mit ihrem Kaiser-Wilhelm-Denkmal sind wir jetzt aber endgültig in der norddeutschen Tiefebene angekommen, was man nicht nur (stark vereinfachend und pauschalisierend) landschaftlich merkt und Deiche statt Hügel und Schafe statt Kühe sieht, sondern auch baulich mit Backsteinhäusern statt Fachwerkhäusern, Windrädern statt, ja was eigentlich, vielleicht PV-Anlagen, und im Bau befindlichen Höchstspannungsleitungen statt geplanten Gastrassen. Außerdem hat sich uns in den letzten Tagen noch ein neuer Begleiter zur Seite gesellt, neben unserem alten Bekannten Regen, begleitet uns neuerdings auch der Wind, der gestern ungewöhnlicherweise aus Nordosten kam, gerade an einem Tag, an dem wir hauptsächlich nach Nordnordost fuhren und er uns deswegen kräftig ins Gesicht blies. Heute wehte der Wind zwar etwas heftiger, aber, wie in Mitteleuropa üblich, aus Südwesten kommend, so dass wir ihn eher von der Seite hatten als von vorne, manchmal aber doch auch von schräg vorne, was dann wieder anstrengend wurde.

Porta Westfalica

Anstrengend ist auch manchmal der Weg selbst. Obwohl der Weser-Radweg sicherlich landschaftlich schön und auch abwechslungsreich ist, was die vielen unterschiedlichen Städte und Dörfer in seinem Verlauf betrifft, so ist der Straßenbelag (wenn man überhaupt von Straße reden kann kann) doch häufig sehr radungeeignet, hier in Bremen z.B. war der Radweg extra gepflastert, dass man ihn gut von der asphaltierten Straße unterscheiden kann, nur kaum mit dem Rad befahren kann, und manchmal so schmal, dass man kaum alleine durchkommt, geschweige denn der Gegen- oder Überholverkehr. Da gibt es sicherlich noch viele Ausbaumöglichkeiten. Das häufigste Schild am Weg ist, neben den eigentlichen Wegweisern, sicherlich das Schild „Achtung! Radwegschäden“, einmal wurde man sogar dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass man jetzt über „historisches Kopfsteinpflaster“ fährt!

An der Weser kurz vor Bremen/Along the Weser just before Bremen

Aber nichtsdestotrotz sind wir jetzt nach ungefähr 900km schon gesund und ohne Schäden (außer meinem alten Sattel) in Bremen angekommen, und werden morgen mit der Ankunft in Bremerhaven die Nordsee erreichen und damit den ersten großen Abschnitt unserer Reise vollenden.

Und das trotz des nicht immer einladenden Wetters. Gestern hatten wir z.B. die kuriose Situation, dass wir sicherlich eine halbe Stunde lang bei strahlendem Sonnenschein durch strömenden Regen gefahren sind (leider haben wir keinen Regenbogen gesehen, den wir eigentlich bei dieser Konstellation erwartet hätten). Und als die Sonne hinter den Wolken verschwunden war, hörte auch der Regen wieder auf. Fing dann aber später wieder, als wir aber glücklicherweise schon im Hotel waren, wieder um so heftiger an.

Manchmal ist es schon frustrierend, wenn man sich auf den Wetterbericht verlassen kann. Für gestern war für den ganzen Tag Regen angekündigt mit wachsender Intensität. Als wir aufwachten und keinen Regen hörten, dachten wir, vielleicht war der Wetterbericht falsch, leider hat sich der Beginn nur etwas nach hinten verschoben, und wie angekündigt, fing es bald nachdem wir losgefahren sind, zu regnen an und wurde erst einmal immer heftiger. Die Zeit des stärksten Regens verbrachten wir dann in Nienburg an der Weser in einem Bäcker-Cafè mit unserer Mittagspause und fuhren erst weiter, als es wieder etwas nachgelassen hatte und die Sonne rauskam (siehe oben).

Aber wir können natürlich auch immer etwas Natur sehen. So sind wir gestern mehreren Vogelarten begegnet, mehreren Gruppen von Wildgänsen (fliegend und auf der Wiese rastend), Graureihern, Störchen, Rebhühnern und ich meine einen Fasan gesehen zu haben, bin mir da aber nicht so sicher. Nur den Rotmilan, den es dort auch geben sollte, haben wir nicht gesehen. Und ein Stück des Weges ist uns ein Hase vorangehoppelt, der aber natürlich kein Vogel ist.

Vögel im Buchhorster Auwald/Birds in the forrest  of Buchhorst

Und von noch einer kleinen Kuriosität, die uns vorgestern begegnet ist, möchte ich erzählen. Nachdem ich am Mittwoch geschrieben habe, dass wir bei unserem Bundesländerhopping, Hessen endgültig hinter uns gelassen hätten, muss ich das teilweise revidieren. Das betrifft zwar das Bundesland an sich, aber am Donnerstag fuhren wir durch die niedersächsische Stadt „Hessisch Oldendorf„, die, wie ich nachgeschaut habe, seit 1905 so heißt, als sie Teil der preußischen Provinz „Hessen-Nassau“ war.

So, jetzt ist es doch schon wieder spät. Deswegen mache ich nun Schluss, bevor ich nur noch Unsinn schreibe. Übrigens, unsere Playlist wird ständig erweitert. Hört doch einfach mal wieder rein und ratet, welche Ereignisse, Begebenheiten, Orte etc. uns zu diesen Musikstücken inspiriert haben. Ich habe z.B. gerade die Titelmelodie der Fernsehserie „Nils Holgerson“ aus meiner Kindheit hinzugefügt, an die ich beim Anblick der Wildgänse denken musste.

Und wie immer zum Abschluss noch der Link zu unserer heutigen Tour.

Kurzes Update am Abend/Short Update in the Evening

Short English Summary: Today it’s already late, but since I didn’t give an update yesterday, I write a short one today. Everything is running fine, and we came from Hameln via Minden to Bücken, a small village 70km before Bremen. Yesterday we stayed with the mother of one of our neighbors in Minden, today we stay in a nice country hotel with fitness and wellness area.

Es ist schon halb 11 und ich bin ziemlich müde. Da ich aber schon gestern nichts geschrieben habe, möchte ich heute wenigstens noch ein paar kurze Zeilen schreiben, bevor ich todmüde ins Bett falle, bevor sich irgendjemand beginnt Sorgen zu machen, weil es hier nichts neues gibt. Aber neues gab es gestern und heute so viel, dass ich jetzt bestimmt noch zwei Stunden schreiben könnte, wenn ich nicht vorher einschlafen würde. Uns geht es weiterhin gut, wir kommen wie geplant voran und haben zwei ereignisreiche Tage erlebt, die uns von Hameln bis nach Bücken, einem kleinen Dorf an der Weser irgendwo zwischen Minden und Bremen, gebracht haben.

Gestern haben wir in Minden die außerordentlich großzügige Gastfreundschaft von Oma Marlene (die Mutter unserer Nachbarin Christina) genossen, was auch der Hauptgrund dafür war, dass ich gestern nicht zum bloggen gekommen bin. Aber wir saßen den ganzen Abend zusammen auf ihrem Balkon und haben den Vögeln gelauscht und den Geschichten und Anekdoten aus Marlenes Leben.

Heute sind wir, wie schon erwähnt, in Bücken in einem sehr schönen Landhotel mit Fitness- und Wellnessbereich, die wir von einem leckeren Abendessen auch genutzt haben, weswegen ich jetzt auch so müde bin. Außerdem mussten wir auch unsere weitere Tour etwas umplanen, aber dazu hoffentlich morgen mehr.

Soviel von heute, aber die gestrige und heute Etappe als Komoot-Track will ich euch nicht vorenthalten:

Hameln-Minden

Minden-Bücken

Fast nichts zu berichten/Almost Nothing to Note

Short English Summary: Today we visited the world heritage Corvey near Höxter, saw the city of Münchhausen Bodenwerder, and ended our day in Hamelin (Hameln), the city of the Pied Piper, where everything  somehow relates to rats and the Pied Piper.

Eigentlich war heute so ein Tag, an dem fast nichts passiert ist. Die Weser floss sanft dahin und wir radelten entspannt mit ihr nach Norden von Höxter in die Rattenfängerstadt Hameln. Damit könnte ich fast schon aufhören, aber das wäre vielleicht doch etwas wenig. Schließlich haben wir doch auch einige Sehens- und Bemerkungswürdigkeiten am Wegesrand und an unserem Zielort entdeckt.

Zuerst haben wir noch einen kurzen Abstecher nach Corvey gemacht, wo wir einen kurzen Blick auf das Westwerk der Abteikirche werfen konnten, das noch weitgehend unverändert aus der karolingischen Zeit stammt und weswegen Corvey zum Welterbe der UNESCO gehört.

Westwerk der Abteikirche von Corvey

Kurz danach wechselten wir mal wieder die Weser-Seite und damit auch das Bundesland. Seit Holzminden sind wir wieder in Niedersachen, wo wir auch bis morgen bleiben werden, dann aber erst wieder ein Stück durch Nordrhein-Westfalen fahren werden. Außer Nordrhein-Westfalen haben wir kurz hinter Holzminden auch den Radweg „Deutsche Einheit“ verlassen, dem wir seit ungefähr Bad Hersfeld auch gefolgt sind und der von der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn nach Berlin führt, jetzt aber nach Osten abbog, während wir nach Norden weiterfuhren.

Auch habe ich heute wieder etwas dazu gelernt, nämlich dass Bodenwerder offiziell „Münchhausenstadt Bodenwerder“ heißt, da sie Geburtsort und langjähriger Wohnsitz des „Lügenbarons“ Münchhausen ist (siehe Wikipedia-Eintrag Bodenwerder), was auch dort an allen Ecken und Enden zu sehen war.

Ortseingang von Bodenwerder/Entry of Bodenwerder (City of Münchhausen)

Für Heidelberger*innen noch eine Kuriosität am Rande: In Bodenwerder gibt es einen Heiligenberg mit einem Bismarckturm und einer alten Kapelle aus dem 11. Jh. Klingt irgendwie vertraut, oder?

Aber zurück zu Dingen, für die eine Stadt denkt berühmt zu sein und die dann überall zu sehen sind. In noch viel größerem Maße triff dies auf Hameln und seine Ratten zu bzw. dem Rattenfänger zu. Kein Quadratmeter der Altstadt kommt ohne eine mehr oder weniger direkte Anspielung auf eine der berühmtesten deutschen Sagen (Wikipedia) aus, für die Hameln weltweit bekannt ist. Sogar im Pflaster sind alle paar Meter kleine Messingratten eingelassen:

Ratte im Pflaster in Hameln/Rat in the pavement in Hameln
Ratenfängerbrunnen/Fountain with the Pied Piper of Hamelin (Hameln)

Und zu guter Letzt haben wir auch noch auf einer Freilichtbühne in der Altstadt ein Rattenfänger-Musical sehen können. Da aber Edina die Sage nicht kannte, hier speziell für dich Edina, meine Kurzzusammenfassung: Im Jahr 1282 wurde Hameln von einer Ratten- und Pestplage heimgesucht, der nicht beizukommen war. Der Rat der Stadt fand einfach kein Gegenmittel, was immer sie auch versuchten. Da kam eines Tages ein lustiger Musikant in die Stadt, der versprach, dass er mit seiner Zauberflöte Melodien zu spielen verstehe, die jedes Lebewesen sofort in ihren Bann zögen, so dass sie ihm folgen würden, wo immer er ihnen voranginge. In ihrer Verzweiflung versprachen die Herren von Hameln dem Musikanten alle möglichen Reichtümer, wenn er sie nur von der Rattenplage befreite. Sodann zog der Pfeifer seine Flöte heraus und fing an ganz wundersame Melodien zu spielen, worauf plötzlich von überall her die Ratten zusammenkamen. Der Pfeifer zog mit ihnen weiterflötend zur Weser, wo sie alle ertranken. Obwohl die Bürger der Stadt sehr erfreut darüber waren, dachten sie nicht daran, dem Musikanten den versprochenen Lohn auszuzahlen, schließlich waren die Ratten jetzt weg, und der Rattenfänger war ein fremder Wunderling ohne Unterstützung in der Stadt und damit ohne Chance sein Recht durchzusetzen. So zog er also enttäuscht und wütend von dannen. Ein paar Tage später kam er bunt gekleidet zurück nach Hameln, stellte sich auf den Marktplatz und begann wieder auf seiner Flöte zu spielen. Diesmal kamen aber nicht die Raten (die waren ja alle ertrunken), sondern die Kinder der Stadt zu ihm, die sich über seine bunten Kleider, sein verwegenes Auftreten und die verführerische Musik freuten. So zogen sie dann, wie vorher die Ratten, tanzend wie im Trance mit dem Rattenfänger aus der Stadt und waren nie wieder gesehen. Manche sagen, viel später wären sie wieder in Siebenbürgen aufgetaucht, aber das ist ungewiss. In Hameln versuchten alle den Ratenfänger wieder mit Versprechungen zu locken, damit er ihnen ihre Kinder zurückbrächte, aber auch der Rattenfänger wurde nie wieder gesehen.

Das Rattenfänger-Musical/Musical of the Pied Piper

Aber auch unabhängig von der Rattenfänger-Sage ist Hameln eine sehr sehenswerte Stadt, überflüssig zu sagen wieder mit vielen schönen Fachwerkhäusern, aber auch mit vielen Jugendstilhäusern. Und, was ich besonders innovativ fand, mit über die Stadt verteilten, festinstallierten, wetterfesten Spielen, wie Tischkicker oder Schachbrettern, für die man sich die beweglichen Teile in anliegenden Geschäften oder Gastro-Betrieben ausleihen konnte.

Fachwerk- und Jugenstilfassaden in Hameln/Half-timbered and Jugendstil facades in Hamelin

Vielleicht  ist euch aufgefallen, dass ich heute noch nicht über das Wetter geschrieben habe. Aber ohne geht es natürlich nicht, vor allem, weil, während ich das schreibe, hier gerade ein heftiges Gewitter niedergeht. Aber zum Glück sind wir im Trockenen und auch den Tag über nicht nass geworden (abgesehen von unserem eigenen Schweiß). Auch die letzte Nacht gab es in Höxter starke Regengüsse, aber so lange sie in der Nacht sind, können wir damit leben. Und dafür, dass ich eingangs dachte, heute nicht viel schreiben zu können, ist es jetzt doch wieder einiges geworden.

Und hier wieder der Link zu unserer heutigen Tour.

Ein heißer Sommertag/A Hot Summer Day

Short English Summary: Today we cycled from Hann. Münden, at the confluence of Werra and Fulda to Weser, to Höxter. It was a hot summer day, which made cycling hard but not so hard like the rainy days of last week. In Hann. Münden we had breakfast in a former church, which is nowadays a cafè. We followed the course of the Weser the whole day and had to master several steep rises, for instance one with 25% rise. In our destination town today there is a UNESCO world heritage site Corvey.

Heute war unser erster richtiger Sommertag mit Temperaturen um die 30°C, was schon fast wieder zu heiß war. Das ist schon merkwürdig mit dem Wetter: Letzte Woche haben wir gefroren, unsere Jacken zum Radfahren ausgepackt und in einer Pension hat die Wirtin sogar extra für uns noch die Heizung angedreht und jetzt ist es schon wieder so heiß. Aber uns kann man es auch nie Recht machen: zu kalt oder zu heiß, zu naß oder zu trocken (das Wasser hat heute unterwegs gerade so gereicht), zu sonnig oder zu wolkig usw. Aber im Ernst, mir war das Wetter heute lieber als das Schmuddelwetter letzte Woche und im Grünen an Wassernähe war es auch noch gut auszuhalten. Wärmer sollte es aber tatsächlich nicht werden. Aber leider ist ab morgen der Sommer auch schon wieder vorbei und es ist Regen angekündigt mit fast 10°C geringeren Temperaturen. Mal sehen wie wir morgen nach Hameln kommen.

Aber jetzt sind wir erst einmal in Höxter, eine Stadt, die ich vorher noch gar nicht kannte und insbesondere nicht wusste, dass es hier in der Nähe die Welterbestätte Corvey gibt, eine Klosteranlage aus Karolingischer Zeit. So lernt man immer wieder etwas Neues kennen, was auch den Reiz den Reisens für mich ausmacht. Aber auch Höxter selbst, hat durchaus auch reizvolle Seiten, insbesondere (mal wieder) reich verzierte Fachwerkhäuser.

Fachwerkhaus in Höxter/Half-timbered House in Höxter

Bevor wir heute jedoch losgefahren sind, haben wir wie üblich gefrühstückt, diesmal aber an einem ganz ausgefallen Ort für ein Frühstück, nämlich einer ehemaligen Kirche. Unser Hotel, selbst in zwei alten Fachwerkhäusern eingerichtet, servierte nämlich das Frühstück in der gegenüberliegenden Kirche, die zu einem Cafè umgebaut wurde, indem die Kirchenbänke teilweise umgedreht als Sitzgelegenheiten dienten, zwischen die Tische gestellt wurden. Das erinnert mich, jetzt da ich dies schreibe, an mein Lieblingscafè in Worms, das auch in einer ehemaligen Kirche war, aber weniger an die ursprüngliche Funktion des Raumes erinnerte. Wie ich gerade festgestellt habe, ist es heute aber ein italienisches Restaurant Ambiente. Neben dem originellen Raum war auch das Frühstück sehr lecker, so dass wir gut gestärkt losfahren konnten.

Frühstückskirche/Breakfast Church

Nachdem wir in Hann. Münden noch die Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser angeschaut haben,  fuhren wir den Rest des Tages durch das Weser-Bergland immer mehr oder weniger nah an der Weser entlang. Aber wie schon an Tauber und Fulda rückten auch hier die Hänge immer wieder sehr nach an den Fluss heran, so dass wir auch des öfteren zwar kurze, aber doch steile Anstiege bewältigen mussten, so z.B. eine 25%-Steigung, bei der selbst das Rad hochzuschieben schwer fiel. Auf Komoot war diese Stelle mit einem weinenden Emoji markiert.

25% Steigung/25% Rise

An unserem heutigen Weg waren auch einige romanische Klosterkirchen zu sehen, von denen es hier mehrere zu geben scheint. Hier ist z.B. die ehemalige Benediktiner-Abtei von Bursfelde:

Ehemalige Benediktinerabtei on Bursfelde/Former Benedictine Abbey of Bursfelde

Und für Beate ganz wichtig haben wir heute einen Bücherwagen gesehen, in dem sich Beate ein Buch zum Lesen während der Reise holen konnte. Eigentlich war sie auf der Suche nach einem öffentlichen Bücherregal, aber ein ganzer Wagen mit Büchern war natürlich noch viel besser. Jetzt ist Beate erst einmal mit Lesestoff für die Abende in den Hotels ausgestattet. Wenn sie das Buch ausgelesen hat, will sie es ins nächste Bücherregal stellen und sich wieder ein neues mitnehmen.

Bücherwagen/Books‘ Trailer

Wie schon gestern angekündigt, wechselten wir heute mehrmals die Bundesländer. Wir sind in Niedersachsen gestartet, dann immer mal wieder über hessisches Gebiet gefahren und am Ende in unserem sechsten Bundesland, nämlich Nordrhein-Westfalen angekommen. Es gibt also noch fünf weitere zu raten. Ich warte immer noch auf Vorschläge. Aber Bad Karlshafen war jetzt die letzte hessische Stadt auf unserer Tour, so dass wir heute Hessen, das uns vom ersten Tag unserer Reise begleitet hat, endgültig hinter uns gelassen haben.

Aber zu Bad Karlshafen habe ich noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Dort haben wir uns nämlich das erste Mal so richtig verfahren, also verfahren in dem Sinne, dass Beate und ich plötzlich auf unterschiedlichen Seiten der Weser waren und keine*r von dem/der anderen wusste, wo sie oder er ist. Da Bad Karlshafen nämlich ungefähr nach zwei Dritteln unserer heutigen Strecke kam, haben wir schon vorher verabredet, dass wir dort unsere Mittagspause machen werden. Da der Weg aber gar nicht so richtig durch Bad Karlshafen führte, fuhr ich einfach durch in der Annahme, dass wir dann danach ein schönes Plätzchen für ein Picknick suchen würden. Beate jedoch fuhr einfach über die Weserbrücke in die Stadt rein und wunderte sich, dass sie mich nicht mehr finden konnte, während ich mich auf der anderen Seite wunderte, dass Beate nicht kam. Aber dank der modernen Kommunikationstechnik und gutem Mobilfunkempfang konnten wir das Missverständnis schnell aufklären, woraufhin ich wieder zurückfuhr, auch auf die andere Weserseite wechselte und Beate wiederfand. Wie geplant machten wir dann unsere Mittagspause dort und fuhren dann wieder zurück auf die rechte Weserseite, wo der Weg dann weiterging.

Bad Karlshafen

Vereint, müde und verschwitzt kamen wir dann am Nachmittag in Höxter an, wo wir wieder in einem Hotel in einem historischen Gemäuer nächtigen werden. Während ich dies geschrieben habe, hat Beate angefangen bei Spotify eine Playlist zu unserer Tour anzulegen, in der wir Musikstücke sammeln, die uns beim Radfahren so in den Sinn kamen. Wenn ihr mithören wollt, hier die Playlist.

Und wie immer zum Schluss unsere heutige Etappe.

Endlich wieder radfahren/Finally Cycling Again

Short English Summary: After our day of rest we cycled from Melsungen via Kassel to Hann. Münden today, where the rivers Fulda and Werra merge to become the river Weser, which we will follow till Bremerhaven at the North Sea cost. In Kassel I had to buy a new saddle, because the old one was completely broken. We again enjoyed the peacefulness of the Fulda valley and found another half-timbered city in Hann. Münden.

Nach unserem Ruhetag ging es heute wieder weiter. So ein Ruhetag ist zwar ganz schön, aber man kommt eben nicht voran, so dass es auch schön ist, nach dem Ruhetag halbwegs ausgeruht wieder weiter zu fahren und etwas neues zu sehen. Wobei es heute erst einmal nicht so viel Neues zu sehen gab. Wir fuhren weiter im Fuldatal mehr oder weniger den Mäandern der Fulda folgend Richtung Kassel, das so fast 40km von Melsungen entfernt war, während es auf der direkten Straße eher 25km gewesen wären. Aber so konnten wir noch etwas Natur, Ruhe und das schöne Wetter genießen.

Mein alter Sattel nach der provisorischen Reperatur/My Old Saddle after the Temporary Fix

Gestern habe ich ja meinen Sattel notdürftig repariert und er hat fast bis Kassel gehalten, aber auf den letzten 10km wurde er dann wieder locker. Aber glücklicherweise haben wir in Kassel den vorher per Google Maps ausfindig gemachten und am Montag Morgen geöffneten Radladen fast auf Anhieb gefunden, wo ich mir dann endlich einen neuen Sattel kaufen konnte. Leider war die Auswahl nicht so groß, wie ich mir gewünscht hätte. Ich hätte mir am liebsten wieder den gleichen oder wenigstens ähnlichen Sattel gekauft, was es aber dort nicht gab. So habe ich mir eben den ähnlichsten gekauft und hoffe, dass ich damit bis Ostritz kommen werde. Aber die ersten Kilometer bis Hann. Münden (die Stadt heißt tatsächlich offiziell so, nicht Hannoversch Münden, wie ich dachte, und auch nicht nur Münden, wie es bis 1990 der Fall war) waren doch etwas gewöhnungsbedürftig und heute Abend tut mir der Po weh.

Mein neuer Sattel/My new Saddle

In Kassel musste ich ja etwas an meine Arbeit denken, schließlich wohnt mein Teammitglied Nabil (Viele Grüße an dich Nabil, falls du das liest) dort und unser Team hat sich nach dem Herkules von Kassel „Team Hercules“ genannt. Aber am Herkules sind wir deswegen nicht extra vorbeigefahren, der Umweg wäre zu groß gewesen. Aus Kassel stammt übrigens auch unsere Freundin Ortrun, auch an dich viele Grüße auf diesem Weg. Es ist schon interessant, wie sich entlang des Weges immer wieder persönliche Bezüge zu den durchfahrenen Städten oder Gegenden ergeben. Dabei fällt mir gleich noch ein weiterer Bezug zu meiner Arbeit ein. Wir sind hier im Landkreis Göttingen, wo auch mein Kollege Dirk wohnt. Leider weiß ich gar nicht so genau wo. Vielleicht kommen wir ja ganz nah bei im vorbei. Falls du das liest, Dirk, melde dich mal, dann denken wir ganz speziell an dich beim Vorbeifahren.

Friedrichsplatz mit Fridericianum in Kassel/Friedrich’s Square with Fridericianum in Kassel

Mittlerweile haben wir also mit dem Landkreis Göttingen Niedersachsen und damit das vierte Bundesland auf unserer Deutschlandtour erreicht. Bislang war es ja eher eine Hessentour gewesen, da wir schon am ersten Tag nach dem Stadt in Baden-Württemberg ein kleines Stück durch Hessen gefahren sind, bevor wir dann am zweiten Tag nur durch Baden-Württemberg gefahren sind, am dritten und vierten Tag auch Bayern geschnitten haben, aber seit dem Abend des vierten Tages bis heute in Hessen geblieben sind. Ab morgen werden wir dann immer mal wieder zwischen Hessen und Niedersachsen wechseln bzw. zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, was dann unser fünftes Bundesland sein wird, worauf noch sechs weitere folgen werden. Als kleines Ratespiel könnt ihr euch ja mal überlegen, welche es noch sein werden.

Hann.Münden

Den Abend und die Nacht verbringen wir, wie schon erwähnt, in Hann. Münden, was wieder eine der zahlreichen Fachwerkstädte ist, die sich an unserem Weg aufreihen. Wir hätten gar nicht gedacht, dass es so viele überhaupt gibt und auch noch viele davon auf unserer Tour liegen. Ganz im Gegensatz dazu erscheint Kassel weniger schön, wobei es dort sicherlich auch schöne Gegenden gibt, z.B. die Fuldaauen sind auch sehr schön. Aber kurz nach der lauten Großstadt Kassel kamen wieder friedlich, ruhige Landschaften, in denen man am sanft dahinfließenden Fluss die Seele entspannen konnte und die Stille genießen konnte. Leider konnte ich von der friedvollen Stille keine Bilder machen …

Nach drei Tagen an der Fulda fahren wir ab morgen an der Weser entlang, die hier in Hann. Münden aus dem Zusammenfluss von Fulda und Werra entsteht. Ihr werden wir dann an den nächsten sechs Tagen die nächsten ca. 450km bis Bremerhaven folgen, bevor wir dann an der Nordseeküste entlang nach Osten weiterfahren werden.

Zum Schluss noch einen Dank an alle Kommentare auf den verschiedenen Kanälen, die mich spüren lassen, dass das, was ich schreibe, nicht nur von mir selbst gelesen wird, sondern noch ein paar andere Leute interessiert. Aber ich glaube, ich würde meine Erlebnisse und Gedanken auch nur für ich aufschreiben. Das hilft mir zum einen das Erlebte zu reflektieren und zum anderen wird es mir später als Erinnerungshilfe dienen können. Trotzdem ist es schön, zu wissen, dass ihr uns alle auf unserer Tour auf diesem Weg begleitet.

Und hier wieder unsere heutige Etappe als Komoot-Track.

Ruhetag/Day of Rest

Short English Summary: Today was our first day of rest after 6 days and about 450km of cycling. In addition to a temporary fix of my bike and some cleaning of bike and clothes, I did a small forest run and a tour through the city, which is very beautiful with all its well restored half-timbered buildings in the picturesque Fulda valley.

Heute war unser erster geplanter Ruhetag nach sechs Tagen und ungefähr 450 km Radfahren. Nichtsdestotrotz möchte ich heute ein paar Gedanken und Erlebnisse niederschreiben, denn auch am Ruhetag ist nicht nichts passiert.

Zuerst habe ich heute mein Fahrrad wieder flott gemacht, hauptsächlich indem ich meinen Sattel notdürftig geklebt habe, so dass es hoffentlich bis Kassel halten wird. Außerdem habe ich den gröbsten Schmutz von den Regenfahrten der letzten Tage entfernt und die Kette wieder geschmiert, so dass morgen hoffentlich wieder alles wie geschmiert läuft. Außerdem haben wir auch unsere Wäsche gewaschen, was nach einer Woche dringend nötig war.

Rathaus von Melsungen/Melsungen Town Hall

Und zu guter Letzt haben wir auch noch einen Spaziergang durch Melsungen unternommen, das sehr malerisch am Ufer der Fulda liegt und mit über 350 meist schön sanierten Fachwerkhäusern aufwarten kann. In der Altstadt gibt es fast kein Nicht-Fachwerkhaus. Außerdem ist Melsungen auch noch als Sitz des Medizintechnik- und Pharmaunternehmen B. Braun bekannt, das außerhalb der Altstadt die Stadt mit seinen Werken und Verwaltungsgebäuden prägt, und als Namensgeber für den Handballbundesligisten MT Melsungen, der aber in Kassel seine Heimspiele austrägt. Alles in Allem ist Melsungen eine sehr schöne Stadt und sicher eine Reise wert, wenn man einen Eindruck bekommen will, wie deutsche Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit ausgesehen haben.

Blick vom Fuldaufer auf die Bartenwetzer-Brücke/View from the Fulda banks to the Bartenwetzer Bridge

Nach einer Woche Unterwegssein ist es auch an der Zeit ein erstes Zwischenfazit unserer Reise zu ziehen. Bislang hat alles im Großen und Ganzen gut geklappt, wir haben unsere geplanten Etappen geschafft und sind vor größeren Pannen und anderen Unfällen verschont geblieben. Wenn auch das Wetter nicht immer ideal war, teilweise sogar richtig schlecht, war es nie so schlimm, dass wir nicht weiterfahren konnten oder wollten (außer am ersten Tag, als wir kurz vor unserem Ziel in die S-Bahn gestiegen sind, da wir zu durchnäßt und unterkühlt waren). Wir haben viel schöne Landschaft gesehen und genausoviele schöne Städte (ich wusste gar nicht, in wie vielen Städten es noch so viele gut erhaltenen bzw. restaurierte Fachwerkhäuser gibt). Auch ein paar sportliche Herausforderungen hielt unsere Tour für uns bereit und sogar ein paar Überraschungen, wie die handbetriebene Seilfähre über die Fulda gestern. Viele Erinnerungen an vergangene Urlaube oder Erlebnisse, die wir in den durchfahrenen Regionen erlebt haben, wurden wieder geweckt und der räumliche Zusammenhang verschiedener Orte, die wir zu unterschiedlichen Gelegenheiten kennengelernt haben, wurde uns klarer. So ist z.B. die Nachbarstadt von Melsungen Hessisch Lichtenau, in der mein Schulfreund Thomas bei der Bundeswehr war (Viele Grüße an dich, Thomas, falls du das liest). Eigentlich wusste ich nie so genau, wo das liegt, außer „irgendwo in Hessen, ganz weit weg“. Nachdem ich gestern einen Wegweiser „20km Hessisch Lichtenau“ gesehen habe, kann ich das viel besser einordnen. Also kurz gesagt, alle Erwartungen wurden erfüllt und wir erwarten freudig die zweite Woche unserer Deutschlandtour.

Noch eine kleine Bitte: Meine Motivation zu schreiben, würde noch größer sein, wenn ihr von Zeit zu Zeit einen Kommentar oder wenigstens ein Like hinterlassen könntet, damit ich merke, dass das hier auch gelesen wird.

Collage von Melsungen

Statt einer Radroute heute meine Laufrunde zum Nachlaufen: Laufrunde Melsungen.