Am Ende der Weser/At the End of the Weser

Short English Summary: After two weeks of cycling we reached with Bremerhaven our first big milestone and the end of Deutschlandroute 9 and the Weser. The next week we will follow the German North See coast till the Danish border. Today’s stage was a longer one, almost 90km, but suported by tail wind. For the last miles we took a ferry across the Weser.

Nun ist schon die zweite Woche unserer Deutschlandreise mit dem Rad  vergangen und wir haben mit Bremerhaven unseren ersten großen Meilenstein erreicht. Hier ist die Weser und mit ihr die Deutschlandroute D9 zu Ende, in den nächsten Tagen, nach unserem Ruhetag morgen, werden wir an der Nordseeküste entlang fahren. Das wird nur ungefähr eine Woche in Anspruch nehmen, da wir zum Einen die westlichen Teile der Nordseeküstenroute D1 auslassen, da wir eben erst in Bremerhaven an die Küste kamen. Außerdem, ich habe es schon kurz erwähnt, haben wir die weitere Tour umgeplant, da Beate übernächste Woche kurz nach Heidelberg zu einem wichtigen Termin muss. Um zwei Tage zu gewinnen, die Beate zum Reisen nutzen kann, haben wir die Schleife über Hamburg gestrichen und werden mit der Fähre von Wischhafen direkt nach Glückstadt über die Elbe übersetzen. Deshalb wird es aber leider auch nichts mit einem Treffen in Hamburg, Aneta, Marco und Ines.

Bremerhaven von der Fähre aus/Bremerhaven Seen from the Ferry

Die heutige Etappe von Bremen nach Bremerhaven war eine der längeren, ungefähr 90 km. Dank des Windes, der uns zeitweise etwas Unterstützung bot, fühlte es sich gar nicht so schwer. Außerdem waren  3 km Fährfahrt über die Weser von Nordenham-Blexen nach Bremerhaven dabei, so dass es am Ende etwas weniger Kilometer waren, als heute Morgen gedacht.

Industriegelände bei Bremen/Industrial Area near Bremen

Was gibt es noch über den heutigen Tag zu erzählen? Die Landschaft war typisch norddeutsch, wir fuhren immer mehr oder weniger am Deich entlang, manchmal auch auf dem Deich. Die ersten Kilometer aus Bremen heraus, waren von Industrie- und Hafenanlagen geprägt, wobei uns schon seit Minden aufgefallen ist, dass, obwohl die Weser als Wasserstraße ausgebaut ist, wir kein einziges Frachtschiff gesehen haben. Auch heute haben wir nur einige wenige Frachtschiffe gesehen.

Dafür haben wir in Elsfleth ein altes Segelschulschiff gesehen, das dort seinen Heimathafen hat:

Segelschulschiff „Großherzogin Elisabeth“/Training Sailing Ship „Großherzogin Elisabeth“

Bemerkenswert ist vielleicht auch noch das „Weserschlösschen“ am Fähranleger in Blexen, das ursprünglich das Bahnhofsgebäude war, von dem Fahrgäste vom Zug in die Fähre umsteigen konnten, das heute aber ein Hotel und Restaurant ist:

Morgen machen wir dann unseren nächsten Ruhetag, den zweiten nach dem in Melsungen, den wir zum Ausruhen, etwas die Stadt Erkunden, Wäsche Waschen, Fahrräder Überprüfen usw. nutzen werden.

Und zu guter Letzt, unser heutiger Track, diesmal zweigeteilt:

Teil 1

Teil 2

Ein neuer Begleiter/A New Compagnion

Short English Summary: Today we stay in Bremen. The day before yesterday we reached the „norddeutsche Tiefebene“ (northern German lowlands) and left the German Mittelgebirge. Not only the landscape changed (no hills and mountains anymore) but also the architecture (no half-timbered houses, but red-brick buildings). And, a little bit annoying for us, we face some wind, sometimes from the front, sometimes from the back. The road surface is not always good for riding bycicles, but nevertheless we managed to cycle about 900km in the last two weeks.

Heute habe ich hoffentlich etwas mehr Zeit, um aufzuschreiben, was wir heute erlebt haben und nachzutragen, was in den vergangenen zwei Tagen passiert ist. Ich sitze gerade im Intercity Hotel Bremen mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz und beobachte die ein- und ausfahrenden Straßenbahnen und die Leute, die hier so rumlaufen. Wie wir schon bei unserem letzten Besuch in Bremen festgestellt haben, laufen hier ganz schön viele abgewrackte Typen herum, aber das ist ja in vielen Städten in Bahnhofsnähe so. Als BahnBonus-Kunden haben wir hier ein Zimmer-Upgrade bekommen, so dass wir jetzt im Business-Zimmer sind, in dem ich an einem richtigen Schreibtisch sitzen kann.

Bahnhofsvorplatz Bremen Hbf/Station Square Bremen

Spätestens seit Nordhessen merkt man zunehmend, dass wir nach Norddeutschland kommen, zuerst sprachlich, indem man mit „Moin“ statt „Hallo“ oder sogar „Servus“ gegrüßt wurde, dann auch daran, dass die Berge immer niedriger bzw. die Täler immer breiter wurden, so dass wir auch jeden Tag ein paar Höhenmeter weniger bewältigen mussten. Spätestens seit der Porta Westfalica mit ihrem Kaiser-Wilhelm-Denkmal sind wir jetzt aber endgültig in der norddeutschen Tiefebene angekommen, was man nicht nur (stark vereinfachend und pauschalisierend) landschaftlich merkt und Deiche statt Hügel und Schafe statt Kühe sieht, sondern auch baulich mit Backsteinhäusern statt Fachwerkhäusern, Windrädern statt, ja was eigentlich, vielleicht PV-Anlagen, und im Bau befindlichen Höchstspannungsleitungen statt geplanten Gastrassen. Außerdem hat sich uns in den letzten Tagen noch ein neuer Begleiter zur Seite gesellt, neben unserem alten Bekannten Regen, begleitet uns neuerdings auch der Wind, der gestern ungewöhnlicherweise aus Nordosten kam, gerade an einem Tag, an dem wir hauptsächlich nach Nordnordost fuhren und er uns deswegen kräftig ins Gesicht blies. Heute wehte der Wind zwar etwas heftiger, aber, wie in Mitteleuropa üblich, aus Südwesten kommend, so dass wir ihn eher von der Seite hatten als von vorne, manchmal aber doch auch von schräg vorne, was dann wieder anstrengend wurde.

Porta Westfalica

Anstrengend ist auch manchmal der Weg selbst. Obwohl der Weser-Radweg sicherlich landschaftlich schön und auch abwechslungsreich ist, was die vielen unterschiedlichen Städte und Dörfer in seinem Verlauf betrifft, so ist der Straßenbelag (wenn man überhaupt von Straße reden kann kann) doch häufig sehr radungeeignet, hier in Bremen z.B. war der Radweg extra gepflastert, dass man ihn gut von der asphaltierten Straße unterscheiden kann, nur kaum mit dem Rad befahren kann, und manchmal so schmal, dass man kaum alleine durchkommt, geschweige denn der Gegen- oder Überholverkehr. Da gibt es sicherlich noch viele Ausbaumöglichkeiten. Das häufigste Schild am Weg ist, neben den eigentlichen Wegweisern, sicherlich das Schild „Achtung! Radwegschäden“, einmal wurde man sogar dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass man jetzt über „historisches Kopfsteinpflaster“ fährt!

An der Weser kurz vor Bremen/Along the Weser just before Bremen

Aber nichtsdestotrotz sind wir jetzt nach ungefähr 900km schon gesund und ohne Schäden (außer meinem alten Sattel) in Bremen angekommen, und werden morgen mit der Ankunft in Bremerhaven die Nordsee erreichen und damit den ersten großen Abschnitt unserer Reise vollenden.

Und das trotz des nicht immer einladenden Wetters. Gestern hatten wir z.B. die kuriose Situation, dass wir sicherlich eine halbe Stunde lang bei strahlendem Sonnenschein durch strömenden Regen gefahren sind (leider haben wir keinen Regenbogen gesehen, den wir eigentlich bei dieser Konstellation erwartet hätten). Und als die Sonne hinter den Wolken verschwunden war, hörte auch der Regen wieder auf. Fing dann aber später wieder, als wir aber glücklicherweise schon im Hotel waren, wieder um so heftiger an.

Manchmal ist es schon frustrierend, wenn man sich auf den Wetterbericht verlassen kann. Für gestern war für den ganzen Tag Regen angekündigt mit wachsender Intensität. Als wir aufwachten und keinen Regen hörten, dachten wir, vielleicht war der Wetterbericht falsch, leider hat sich der Beginn nur etwas nach hinten verschoben, und wie angekündigt, fing es bald nachdem wir losgefahren sind, zu regnen an und wurde erst einmal immer heftiger. Die Zeit des stärksten Regens verbrachten wir dann in Nienburg an der Weser in einem Bäcker-Cafè mit unserer Mittagspause und fuhren erst weiter, als es wieder etwas nachgelassen hatte und die Sonne rauskam (siehe oben).

Aber wir können natürlich auch immer etwas Natur sehen. So sind wir gestern mehreren Vogelarten begegnet, mehreren Gruppen von Wildgänsen (fliegend und auf der Wiese rastend), Graureihern, Störchen, Rebhühnern und ich meine einen Fasan gesehen zu haben, bin mir da aber nicht so sicher. Nur den Rotmilan, den es dort auch geben sollte, haben wir nicht gesehen. Und ein Stück des Weges ist uns ein Hase vorangehoppelt, der aber natürlich kein Vogel ist.

Vögel im Buchhorster Auwald/Birds in the forrest  of Buchhorst

Und von noch einer kleinen Kuriosität, die uns vorgestern begegnet ist, möchte ich erzählen. Nachdem ich am Mittwoch geschrieben habe, dass wir bei unserem Bundesländerhopping, Hessen endgültig hinter uns gelassen hätten, muss ich das teilweise revidieren. Das betrifft zwar das Bundesland an sich, aber am Donnerstag fuhren wir durch die niedersächsische Stadt „Hessisch Oldendorf„, die, wie ich nachgeschaut habe, seit 1905 so heißt, als sie Teil der preußischen Provinz „Hessen-Nassau“ war.

So, jetzt ist es doch schon wieder spät. Deswegen mache ich nun Schluss, bevor ich nur noch Unsinn schreibe. Übrigens, unsere Playlist wird ständig erweitert. Hört doch einfach mal wieder rein und ratet, welche Ereignisse, Begebenheiten, Orte etc. uns zu diesen Musikstücken inspiriert haben. Ich habe z.B. gerade die Titelmelodie der Fernsehserie „Nils Holgerson“ aus meiner Kindheit hinzugefügt, an die ich beim Anblick der Wildgänse denken musste.

Und wie immer zum Abschluss noch der Link zu unserer heutigen Tour.

Kurzes Update am Abend/Short Update in the Evening

Short English Summary: Today it’s already late, but since I didn’t give an update yesterday, I write a short one today. Everything is running fine, and we came from Hameln via Minden to Bücken, a small village 70km before Bremen. Yesterday we stayed with the mother of one of our neighbors in Minden, today we stay in a nice country hotel with fitness and wellness area.

Es ist schon halb 11 und ich bin ziemlich müde. Da ich aber schon gestern nichts geschrieben habe, möchte ich heute wenigstens noch ein paar kurze Zeilen schreiben, bevor ich todmüde ins Bett falle, bevor sich irgendjemand beginnt Sorgen zu machen, weil es hier nichts neues gibt. Aber neues gab es gestern und heute so viel, dass ich jetzt bestimmt noch zwei Stunden schreiben könnte, wenn ich nicht vorher einschlafen würde. Uns geht es weiterhin gut, wir kommen wie geplant voran und haben zwei ereignisreiche Tage erlebt, die uns von Hameln bis nach Bücken, einem kleinen Dorf an der Weser irgendwo zwischen Minden und Bremen, gebracht haben.

Gestern haben wir in Minden die außerordentlich großzügige Gastfreundschaft von Oma Marlene (die Mutter unserer Nachbarin Christina) genossen, was auch der Hauptgrund dafür war, dass ich gestern nicht zum bloggen gekommen bin. Aber wir saßen den ganzen Abend zusammen auf ihrem Balkon und haben den Vögeln gelauscht und den Geschichten und Anekdoten aus Marlenes Leben.

Heute sind wir, wie schon erwähnt, in Bücken in einem sehr schönen Landhotel mit Fitness- und Wellnessbereich, die wir von einem leckeren Abendessen auch genutzt haben, weswegen ich jetzt auch so müde bin. Außerdem mussten wir auch unsere weitere Tour etwas umplanen, aber dazu hoffentlich morgen mehr.

Soviel von heute, aber die gestrige und heute Etappe als Komoot-Track will ich euch nicht vorenthalten:

Hameln-Minden

Minden-Bücken

Fast nichts zu berichten/Almost Nothing to Note

Short English Summary: Today we visited the world heritage Corvey near Höxter, saw the city of Münchhausen Bodenwerder, and ended our day in Hamelin (Hameln), the city of the Pied Piper, where everything  somehow relates to rats and the Pied Piper.

Eigentlich war heute so ein Tag, an dem fast nichts passiert ist. Die Weser floss sanft dahin und wir radelten entspannt mit ihr nach Norden von Höxter in die Rattenfängerstadt Hameln. Damit könnte ich fast schon aufhören, aber das wäre vielleicht doch etwas wenig. Schließlich haben wir doch auch einige Sehens- und Bemerkungswürdigkeiten am Wegesrand und an unserem Zielort entdeckt.

Zuerst haben wir noch einen kurzen Abstecher nach Corvey gemacht, wo wir einen kurzen Blick auf das Westwerk der Abteikirche werfen konnten, das noch weitgehend unverändert aus der karolingischen Zeit stammt und weswegen Corvey zum Welterbe der UNESCO gehört.

Westwerk der Abteikirche von Corvey

Kurz danach wechselten wir mal wieder die Weser-Seite und damit auch das Bundesland. Seit Holzminden sind wir wieder in Niedersachen, wo wir auch bis morgen bleiben werden, dann aber erst wieder ein Stück durch Nordrhein-Westfalen fahren werden. Außer Nordrhein-Westfalen haben wir kurz hinter Holzminden auch den Radweg „Deutsche Einheit“ verlassen, dem wir seit ungefähr Bad Hersfeld auch gefolgt sind und der von der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn nach Berlin führt, jetzt aber nach Osten abbog, während wir nach Norden weiterfuhren.

Auch habe ich heute wieder etwas dazu gelernt, nämlich dass Bodenwerder offiziell „Münchhausenstadt Bodenwerder“ heißt, da sie Geburtsort und langjähriger Wohnsitz des „Lügenbarons“ Münchhausen ist (siehe Wikipedia-Eintrag Bodenwerder), was auch dort an allen Ecken und Enden zu sehen war.

Ortseingang von Bodenwerder/Entry of Bodenwerder (City of Münchhausen)

Für Heidelberger*innen noch eine Kuriosität am Rande: In Bodenwerder gibt es einen Heiligenberg mit einem Bismarckturm und einer alten Kapelle aus dem 11. Jh. Klingt irgendwie vertraut, oder?

Aber zurück zu Dingen, für die eine Stadt denkt berühmt zu sein und die dann überall zu sehen sind. In noch viel größerem Maße triff dies auf Hameln und seine Ratten zu bzw. dem Rattenfänger zu. Kein Quadratmeter der Altstadt kommt ohne eine mehr oder weniger direkte Anspielung auf eine der berühmtesten deutschen Sagen (Wikipedia) aus, für die Hameln weltweit bekannt ist. Sogar im Pflaster sind alle paar Meter kleine Messingratten eingelassen:

Ratte im Pflaster in Hameln/Rat in the pavement in Hameln
Ratenfängerbrunnen/Fountain with the Pied Piper of Hamelin (Hameln)

Und zu guter Letzt haben wir auch noch auf einer Freilichtbühne in der Altstadt ein Rattenfänger-Musical sehen können. Da aber Edina die Sage nicht kannte, hier speziell für dich Edina, meine Kurzzusammenfassung: Im Jahr 1282 wurde Hameln von einer Ratten- und Pestplage heimgesucht, der nicht beizukommen war. Der Rat der Stadt fand einfach kein Gegenmittel, was immer sie auch versuchten. Da kam eines Tages ein lustiger Musikant in die Stadt, der versprach, dass er mit seiner Zauberflöte Melodien zu spielen verstehe, die jedes Lebewesen sofort in ihren Bann zögen, so dass sie ihm folgen würden, wo immer er ihnen voranginge. In ihrer Verzweiflung versprachen die Herren von Hameln dem Musikanten alle möglichen Reichtümer, wenn er sie nur von der Rattenplage befreite. Sodann zog der Pfeifer seine Flöte heraus und fing an ganz wundersame Melodien zu spielen, worauf plötzlich von überall her die Ratten zusammenkamen. Der Pfeifer zog mit ihnen weiterflötend zur Weser, wo sie alle ertranken. Obwohl die Bürger der Stadt sehr erfreut darüber waren, dachten sie nicht daran, dem Musikanten den versprochenen Lohn auszuzahlen, schließlich waren die Ratten jetzt weg, und der Rattenfänger war ein fremder Wunderling ohne Unterstützung in der Stadt und damit ohne Chance sein Recht durchzusetzen. So zog er also enttäuscht und wütend von dannen. Ein paar Tage später kam er bunt gekleidet zurück nach Hameln, stellte sich auf den Marktplatz und begann wieder auf seiner Flöte zu spielen. Diesmal kamen aber nicht die Raten (die waren ja alle ertrunken), sondern die Kinder der Stadt zu ihm, die sich über seine bunten Kleider, sein verwegenes Auftreten und die verführerische Musik freuten. So zogen sie dann, wie vorher die Ratten, tanzend wie im Trance mit dem Rattenfänger aus der Stadt und waren nie wieder gesehen. Manche sagen, viel später wären sie wieder in Siebenbürgen aufgetaucht, aber das ist ungewiss. In Hameln versuchten alle den Ratenfänger wieder mit Versprechungen zu locken, damit er ihnen ihre Kinder zurückbrächte, aber auch der Rattenfänger wurde nie wieder gesehen.

Das Rattenfänger-Musical/Musical of the Pied Piper

Aber auch unabhängig von der Rattenfänger-Sage ist Hameln eine sehr sehenswerte Stadt, überflüssig zu sagen wieder mit vielen schönen Fachwerkhäusern, aber auch mit vielen Jugendstilhäusern. Und, was ich besonders innovativ fand, mit über die Stadt verteilten, festinstallierten, wetterfesten Spielen, wie Tischkicker oder Schachbrettern, für die man sich die beweglichen Teile in anliegenden Geschäften oder Gastro-Betrieben ausleihen konnte.

Fachwerk- und Jugenstilfassaden in Hameln/Half-timbered and Jugendstil facades in Hamelin

Vielleicht  ist euch aufgefallen, dass ich heute noch nicht über das Wetter geschrieben habe. Aber ohne geht es natürlich nicht, vor allem, weil, während ich das schreibe, hier gerade ein heftiges Gewitter niedergeht. Aber zum Glück sind wir im Trockenen und auch den Tag über nicht nass geworden (abgesehen von unserem eigenen Schweiß). Auch die letzte Nacht gab es in Höxter starke Regengüsse, aber so lange sie in der Nacht sind, können wir damit leben. Und dafür, dass ich eingangs dachte, heute nicht viel schreiben zu können, ist es jetzt doch wieder einiges geworden.

Und hier wieder der Link zu unserer heutigen Tour.

Ein heißer Sommertag/A Hot Summer Day

Short English Summary: Today we cycled from Hann. Münden, at the confluence of Werra and Fulda to Weser, to Höxter. It was a hot summer day, which made cycling hard but not so hard like the rainy days of last week. In Hann. Münden we had breakfast in a former church, which is nowadays a cafè. We followed the course of the Weser the whole day and had to master several steep rises, for instance one with 25% rise. In our destination town today there is a UNESCO world heritage site Corvey.

Heute war unser erster richtiger Sommertag mit Temperaturen um die 30°C, was schon fast wieder zu heiß war. Das ist schon merkwürdig mit dem Wetter: Letzte Woche haben wir gefroren, unsere Jacken zum Radfahren ausgepackt und in einer Pension hat die Wirtin sogar extra für uns noch die Heizung angedreht und jetzt ist es schon wieder so heiß. Aber uns kann man es auch nie Recht machen: zu kalt oder zu heiß, zu naß oder zu trocken (das Wasser hat heute unterwegs gerade so gereicht), zu sonnig oder zu wolkig usw. Aber im Ernst, mir war das Wetter heute lieber als das Schmuddelwetter letzte Woche und im Grünen an Wassernähe war es auch noch gut auszuhalten. Wärmer sollte es aber tatsächlich nicht werden. Aber leider ist ab morgen der Sommer auch schon wieder vorbei und es ist Regen angekündigt mit fast 10°C geringeren Temperaturen. Mal sehen wie wir morgen nach Hameln kommen.

Aber jetzt sind wir erst einmal in Höxter, eine Stadt, die ich vorher noch gar nicht kannte und insbesondere nicht wusste, dass es hier in der Nähe die Welterbestätte Corvey gibt, eine Klosteranlage aus Karolingischer Zeit. So lernt man immer wieder etwas Neues kennen, was auch den Reiz den Reisens für mich ausmacht. Aber auch Höxter selbst, hat durchaus auch reizvolle Seiten, insbesondere (mal wieder) reich verzierte Fachwerkhäuser.

Fachwerkhaus in Höxter/Half-timbered House in Höxter

Bevor wir heute jedoch losgefahren sind, haben wir wie üblich gefrühstückt, diesmal aber an einem ganz ausgefallen Ort für ein Frühstück, nämlich einer ehemaligen Kirche. Unser Hotel, selbst in zwei alten Fachwerkhäusern eingerichtet, servierte nämlich das Frühstück in der gegenüberliegenden Kirche, die zu einem Cafè umgebaut wurde, indem die Kirchenbänke teilweise umgedreht als Sitzgelegenheiten dienten, zwischen die Tische gestellt wurden. Das erinnert mich, jetzt da ich dies schreibe, an mein Lieblingscafè in Worms, das auch in einer ehemaligen Kirche war, aber weniger an die ursprüngliche Funktion des Raumes erinnerte. Wie ich gerade festgestellt habe, ist es heute aber ein italienisches Restaurant Ambiente. Neben dem originellen Raum war auch das Frühstück sehr lecker, so dass wir gut gestärkt losfahren konnten.

Frühstückskirche/Breakfast Church

Nachdem wir in Hann. Münden noch die Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser angeschaut haben,  fuhren wir den Rest des Tages durch das Weser-Bergland immer mehr oder weniger nah an der Weser entlang. Aber wie schon an Tauber und Fulda rückten auch hier die Hänge immer wieder sehr nach an den Fluss heran, so dass wir auch des öfteren zwar kurze, aber doch steile Anstiege bewältigen mussten, so z.B. eine 25%-Steigung, bei der selbst das Rad hochzuschieben schwer fiel. Auf Komoot war diese Stelle mit einem weinenden Emoji markiert.

25% Steigung/25% Rise

An unserem heutigen Weg waren auch einige romanische Klosterkirchen zu sehen, von denen es hier mehrere zu geben scheint. Hier ist z.B. die ehemalige Benediktiner-Abtei von Bursfelde:

Ehemalige Benediktinerabtei on Bursfelde/Former Benedictine Abbey of Bursfelde

Und für Beate ganz wichtig haben wir heute einen Bücherwagen gesehen, in dem sich Beate ein Buch zum Lesen während der Reise holen konnte. Eigentlich war sie auf der Suche nach einem öffentlichen Bücherregal, aber ein ganzer Wagen mit Büchern war natürlich noch viel besser. Jetzt ist Beate erst einmal mit Lesestoff für die Abende in den Hotels ausgestattet. Wenn sie das Buch ausgelesen hat, will sie es ins nächste Bücherregal stellen und sich wieder ein neues mitnehmen.

Bücherwagen/Books‘ Trailer

Wie schon gestern angekündigt, wechselten wir heute mehrmals die Bundesländer. Wir sind in Niedersachsen gestartet, dann immer mal wieder über hessisches Gebiet gefahren und am Ende in unserem sechsten Bundesland, nämlich Nordrhein-Westfalen angekommen. Es gibt also noch fünf weitere zu raten. Ich warte immer noch auf Vorschläge. Aber Bad Karlshafen war jetzt die letzte hessische Stadt auf unserer Tour, so dass wir heute Hessen, das uns vom ersten Tag unserer Reise begleitet hat, endgültig hinter uns gelassen haben.

Aber zu Bad Karlshafen habe ich noch eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Dort haben wir uns nämlich das erste Mal so richtig verfahren, also verfahren in dem Sinne, dass Beate und ich plötzlich auf unterschiedlichen Seiten der Weser waren und keine*r von dem/der anderen wusste, wo sie oder er ist. Da Bad Karlshafen nämlich ungefähr nach zwei Dritteln unserer heutigen Strecke kam, haben wir schon vorher verabredet, dass wir dort unsere Mittagspause machen werden. Da der Weg aber gar nicht so richtig durch Bad Karlshafen führte, fuhr ich einfach durch in der Annahme, dass wir dann danach ein schönes Plätzchen für ein Picknick suchen würden. Beate jedoch fuhr einfach über die Weserbrücke in die Stadt rein und wunderte sich, dass sie mich nicht mehr finden konnte, während ich mich auf der anderen Seite wunderte, dass Beate nicht kam. Aber dank der modernen Kommunikationstechnik und gutem Mobilfunkempfang konnten wir das Missverständnis schnell aufklären, woraufhin ich wieder zurückfuhr, auch auf die andere Weserseite wechselte und Beate wiederfand. Wie geplant machten wir dann unsere Mittagspause dort und fuhren dann wieder zurück auf die rechte Weserseite, wo der Weg dann weiterging.

Bad Karlshafen

Vereint, müde und verschwitzt kamen wir dann am Nachmittag in Höxter an, wo wir wieder in einem Hotel in einem historischen Gemäuer nächtigen werden. Während ich dies geschrieben habe, hat Beate angefangen bei Spotify eine Playlist zu unserer Tour anzulegen, in der wir Musikstücke sammeln, die uns beim Radfahren so in den Sinn kamen. Wenn ihr mithören wollt, hier die Playlist.

Und wie immer zum Schluss unsere heutige Etappe.

Endlich wieder radfahren/Finally Cycling Again

Short English Summary: After our day of rest we cycled from Melsungen via Kassel to Hann. Münden today, where the rivers Fulda and Werra merge to become the river Weser, which we will follow till Bremerhaven at the North Sea cost. In Kassel I had to buy a new saddle, because the old one was completely broken. We again enjoyed the peacefulness of the Fulda valley and found another half-timbered city in Hann. Münden.

Nach unserem Ruhetag ging es heute wieder weiter. So ein Ruhetag ist zwar ganz schön, aber man kommt eben nicht voran, so dass es auch schön ist, nach dem Ruhetag halbwegs ausgeruht wieder weiter zu fahren und etwas neues zu sehen. Wobei es heute erst einmal nicht so viel Neues zu sehen gab. Wir fuhren weiter im Fuldatal mehr oder weniger den Mäandern der Fulda folgend Richtung Kassel, das so fast 40km von Melsungen entfernt war, während es auf der direkten Straße eher 25km gewesen wären. Aber so konnten wir noch etwas Natur, Ruhe und das schöne Wetter genießen.

Mein alter Sattel nach der provisorischen Reperatur/My Old Saddle after the Temporary Fix

Gestern habe ich ja meinen Sattel notdürftig repariert und er hat fast bis Kassel gehalten, aber auf den letzten 10km wurde er dann wieder locker. Aber glücklicherweise haben wir in Kassel den vorher per Google Maps ausfindig gemachten und am Montag Morgen geöffneten Radladen fast auf Anhieb gefunden, wo ich mir dann endlich einen neuen Sattel kaufen konnte. Leider war die Auswahl nicht so groß, wie ich mir gewünscht hätte. Ich hätte mir am liebsten wieder den gleichen oder wenigstens ähnlichen Sattel gekauft, was es aber dort nicht gab. So habe ich mir eben den ähnlichsten gekauft und hoffe, dass ich damit bis Ostritz kommen werde. Aber die ersten Kilometer bis Hann. Münden (die Stadt heißt tatsächlich offiziell so, nicht Hannoversch Münden, wie ich dachte, und auch nicht nur Münden, wie es bis 1990 der Fall war) waren doch etwas gewöhnungsbedürftig und heute Abend tut mir der Po weh.

Mein neuer Sattel/My new Saddle

In Kassel musste ich ja etwas an meine Arbeit denken, schließlich wohnt mein Teammitglied Nabil (Viele Grüße an dich Nabil, falls du das liest) dort und unser Team hat sich nach dem Herkules von Kassel „Team Hercules“ genannt. Aber am Herkules sind wir deswegen nicht extra vorbeigefahren, der Umweg wäre zu groß gewesen. Aus Kassel stammt übrigens auch unsere Freundin Ortrun, auch an dich viele Grüße auf diesem Weg. Es ist schon interessant, wie sich entlang des Weges immer wieder persönliche Bezüge zu den durchfahrenen Städten oder Gegenden ergeben. Dabei fällt mir gleich noch ein weiterer Bezug zu meiner Arbeit ein. Wir sind hier im Landkreis Göttingen, wo auch mein Kollege Dirk wohnt. Leider weiß ich gar nicht so genau wo. Vielleicht kommen wir ja ganz nah bei im vorbei. Falls du das liest, Dirk, melde dich mal, dann denken wir ganz speziell an dich beim Vorbeifahren.

Friedrichsplatz mit Fridericianum in Kassel/Friedrich’s Square with Fridericianum in Kassel

Mittlerweile haben wir also mit dem Landkreis Göttingen Niedersachsen und damit das vierte Bundesland auf unserer Deutschlandtour erreicht. Bislang war es ja eher eine Hessentour gewesen, da wir schon am ersten Tag nach dem Stadt in Baden-Württemberg ein kleines Stück durch Hessen gefahren sind, bevor wir dann am zweiten Tag nur durch Baden-Württemberg gefahren sind, am dritten und vierten Tag auch Bayern geschnitten haben, aber seit dem Abend des vierten Tages bis heute in Hessen geblieben sind. Ab morgen werden wir dann immer mal wieder zwischen Hessen und Niedersachsen wechseln bzw. zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, was dann unser fünftes Bundesland sein wird, worauf noch sechs weitere folgen werden. Als kleines Ratespiel könnt ihr euch ja mal überlegen, welche es noch sein werden.

Hann.Münden

Den Abend und die Nacht verbringen wir, wie schon erwähnt, in Hann. Münden, was wieder eine der zahlreichen Fachwerkstädte ist, die sich an unserem Weg aufreihen. Wir hätten gar nicht gedacht, dass es so viele überhaupt gibt und auch noch viele davon auf unserer Tour liegen. Ganz im Gegensatz dazu erscheint Kassel weniger schön, wobei es dort sicherlich auch schöne Gegenden gibt, z.B. die Fuldaauen sind auch sehr schön. Aber kurz nach der lauten Großstadt Kassel kamen wieder friedlich, ruhige Landschaften, in denen man am sanft dahinfließenden Fluss die Seele entspannen konnte und die Stille genießen konnte. Leider konnte ich von der friedvollen Stille keine Bilder machen …

Nach drei Tagen an der Fulda fahren wir ab morgen an der Weser entlang, die hier in Hann. Münden aus dem Zusammenfluss von Fulda und Werra entsteht. Ihr werden wir dann an den nächsten sechs Tagen die nächsten ca. 450km bis Bremerhaven folgen, bevor wir dann an der Nordseeküste entlang nach Osten weiterfahren werden.

Zum Schluss noch einen Dank an alle Kommentare auf den verschiedenen Kanälen, die mich spüren lassen, dass das, was ich schreibe, nicht nur von mir selbst gelesen wird, sondern noch ein paar andere Leute interessiert. Aber ich glaube, ich würde meine Erlebnisse und Gedanken auch nur für ich aufschreiben. Das hilft mir zum einen das Erlebte zu reflektieren und zum anderen wird es mir später als Erinnerungshilfe dienen können. Trotzdem ist es schön, zu wissen, dass ihr uns alle auf unserer Tour auf diesem Weg begleitet.

Und hier wieder unsere heutige Etappe als Komoot-Track.

Ruhetag/Day of Rest

Short English Summary: Today was our first day of rest after 6 days and about 450km of cycling. In addition to a temporary fix of my bike and some cleaning of bike and clothes, I did a small forest run and a tour through the city, which is very beautiful with all its well restored half-timbered buildings in the picturesque Fulda valley.

Heute war unser erster geplanter Ruhetag nach sechs Tagen und ungefähr 450 km Radfahren. Nichtsdestotrotz möchte ich heute ein paar Gedanken und Erlebnisse niederschreiben, denn auch am Ruhetag ist nicht nichts passiert.

Zuerst habe ich heute mein Fahrrad wieder flott gemacht, hauptsächlich indem ich meinen Sattel notdürftig geklebt habe, so dass es hoffentlich bis Kassel halten wird. Außerdem habe ich den gröbsten Schmutz von den Regenfahrten der letzten Tage entfernt und die Kette wieder geschmiert, so dass morgen hoffentlich wieder alles wie geschmiert läuft. Außerdem haben wir auch unsere Wäsche gewaschen, was nach einer Woche dringend nötig war.

Rathaus von Melsungen/Melsungen Town Hall

Und zu guter Letzt haben wir auch noch einen Spaziergang durch Melsungen unternommen, das sehr malerisch am Ufer der Fulda liegt und mit über 350 meist schön sanierten Fachwerkhäusern aufwarten kann. In der Altstadt gibt es fast kein Nicht-Fachwerkhaus. Außerdem ist Melsungen auch noch als Sitz des Medizintechnik- und Pharmaunternehmen B. Braun bekannt, das außerhalb der Altstadt die Stadt mit seinen Werken und Verwaltungsgebäuden prägt, und als Namensgeber für den Handballbundesligisten MT Melsungen, der aber in Kassel seine Heimspiele austrägt. Alles in Allem ist Melsungen eine sehr schöne Stadt und sicher eine Reise wert, wenn man einen Eindruck bekommen will, wie deutsche Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit ausgesehen haben.

Blick vom Fuldaufer auf die Bartenwetzer-Brücke/View from the Fulda banks to the Bartenwetzer Bridge

Nach einer Woche Unterwegssein ist es auch an der Zeit ein erstes Zwischenfazit unserer Reise zu ziehen. Bislang hat alles im Großen und Ganzen gut geklappt, wir haben unsere geplanten Etappen geschafft und sind vor größeren Pannen und anderen Unfällen verschont geblieben. Wenn auch das Wetter nicht immer ideal war, teilweise sogar richtig schlecht, war es nie so schlimm, dass wir nicht weiterfahren konnten oder wollten (außer am ersten Tag, als wir kurz vor unserem Ziel in die S-Bahn gestiegen sind, da wir zu durchnäßt und unterkühlt waren). Wir haben viel schöne Landschaft gesehen und genausoviele schöne Städte (ich wusste gar nicht, in wie vielen Städten es noch so viele gut erhaltenen bzw. restaurierte Fachwerkhäuser gibt). Auch ein paar sportliche Herausforderungen hielt unsere Tour für uns bereit und sogar ein paar Überraschungen, wie die handbetriebene Seilfähre über die Fulda gestern. Viele Erinnerungen an vergangene Urlaube oder Erlebnisse, die wir in den durchfahrenen Regionen erlebt haben, wurden wieder geweckt und der räumliche Zusammenhang verschiedener Orte, die wir zu unterschiedlichen Gelegenheiten kennengelernt haben, wurde uns klarer. So ist z.B. die Nachbarstadt von Melsungen Hessisch Lichtenau, in der mein Schulfreund Thomas bei der Bundeswehr war (Viele Grüße an dich, Thomas, falls du das liest). Eigentlich wusste ich nie so genau, wo das liegt, außer „irgendwo in Hessen, ganz weit weg“. Nachdem ich gestern einen Wegweiser „20km Hessisch Lichtenau“ gesehen habe, kann ich das viel besser einordnen. Also kurz gesagt, alle Erwartungen wurden erfüllt und wir erwarten freudig die zweite Woche unserer Deutschlandtour.

Noch eine kleine Bitte: Meine Motivation zu schreiben, würde noch größer sein, wenn ihr von Zeit zu Zeit einen Kommentar oder wenigstens ein Like hinterlassen könntet, damit ich merke, dass das hier auch gelesen wird.

Collage von Melsungen

Statt einer Radroute heute meine Laufrunde zum Nachlaufen: Laufrunde Melsungen.

Dem Gewitter entronnen/Escaped from Thunderstorm

Short English Summary: Today we cycled from Schlitz along the river Fulda to Melsungen. In the morning we had really summer weather but in the afternoon we were followed by a thunderstorm but managed to reach Melsungen dry. On our way we passed Rotenburg a nice typical German city with half-timbered buildings. Another attraction was the ferry over the Fulda, which is manually driven by the passengers.

Um bei meinem Lieblingsthema zu bleiben, starte ich heute wieder mit dem Wetter. Wenn wir nur bis Mittag gefahren wären, hätte ich geschrieben: Heute war der erste richtige Sommertag, wir fuhren bei strahlendem Sonnenschein durch die Fuldawiesen, genossen die Landschaft und erfreuten uns an den angenehmen Temperaturen. Was aber natürlich immer noch wahr ist, aber leider nicht den ganzen Tag betraf, sondern nur den Vormittag. Aber immerhin, die Tendenz ist positiv. Wie jedoch gestern schon erwähnt, waren für heute Nachmittag Gewitter angesagt, weswegen wir auch schon früher als sonst losgefahren sind.

Landschaft an der Fulda/ Countryside upon Fulda

Aber nicht nur wegen des Wetters sind wir früh aufgestanden, sondern auch weil wir in Rotenburg an der Fulda ein Buch abholen wollten, das wir per Internet zur Abholung in Rotenburg bei einer Buchhandlung bestellt hatten, die aber Samstag nur bis 13 Uhr aufhat. Ihr werdet euch vielleicht fragen, warum wir ein Buch bestellen, das wir während der Fahrt dann abholen müssen. Da aber Beate die bikeline Radtourenbücher so mag, ich aber dagegen war die 8 Bücher, die wir für unsere ganze Tour brauchen, die ganze Zeit mit uns zu schleppen, bestellen wir jedes Buch in eine Buchhandlung an unserem Weg, kurz bevor wir es brauchen. Deshalb haben wir heute das Buch für den Weser-Radweg, den wir am Montag erreichen werden, in Rotenburg gekauft und mussten deshalb die etwas mehr als 50km bis kurz vor 13 Uhr schaffen, was uns auch locker gelang.

Rotenburg an der Fulda

In Rotenburg, das auch sehr schön an der Fulda gelegen mit vielen Fachwerkhäusern aufwarten kann, fand gerade ein Stadtfest statt mit einer Riesendartscheibe, die ich extra für dich, Luca (ich hoffe, du liest das, oder wenigstens Edina, um es dir zu zeigen), fotografiert habe. Das Fest nahmen wir dann auch zum Anlass, gleich unsere Mittagspause zu machen, die aber recht kurz geriet, da schon dunkle Gewitterwolken aufzogen und wir deswegen, möglichst schnell weiterkommen wollten, um die Wahrscheinlichkeit zu vergrößern, trocken in Melsungen, unserem heutigen Zielort, anzukommen, was uns tatsächlich gelang. So fuhren wir also immer mit den dunklen Wolken im Rücken mit frischem Wind von der Seite dem Gewitter davon. Aber auch in Melsungen blieb es erst einmal trocken, da das Gewitter tatsächlich südlich an uns vorbeizog. Nur nach dem Abendessen wären wir fast noch nass geworden, aber es regnete nur ein paar Tropfen, so dass wir heute endgültig von Regen verschont blieben.

Riesendartscheibe/Giant Dart Board

Was haben wir heute sonst noch so erlebt? Wie schon oben kurz erwähnt, führte die erste Hälfte unserer heutigen Etappe durch Natur an der Fulda entlang, weite Wiesen, sanfte Hänge und immer wieder der Fluss. Unterwegs sahen wir diese schöne Verbindung von Natur und Technik, in der ein Storchenpaar einen Funkmast als Nestplatz genutzt hat (Extra für dich, Bernhard):

Storchenpaar im Nest auf einem Funkmast/Stork Couple in a Nest on a Cell Phone Mast

Aber das ungewöhnlichste Erlebnis heute war sicherlich die Fährfahrt über die Fulda. Bei der Planung wunderten wir uns schon, warum es bei so einem kleinen Fluss eine Fähre gibt, deren Unterhalt doch viel zu aufwändig für den Nutzen ist. Aber es war keine normale Fähre von einem Menschen bedient mit einem Motorschiff bedient, sondern eine Seilfähre mit manuellem Selbstbetrieb. Sie bestand aus einem Metallkäfig, der an einem Stahlseil aufgehängt war, das über die Fulda gespannt war. Die Fahrgäste mussten mitsamt ihren Rädern in den Käfig einsteigen, den Käfig schließen und dann kräftig kurbeln, was die Fähre langsam in Bewegung setzte und sie dann in Zeitlupe über den Fluss trieb.

Manuell betriebene Fähre über die Fulda/Manually Driven Ferry over the Fulda

Das war der spaßige Teil der Überfahrt. Leider gab es auch einen etwas weniger angenehmen Teil: Wir, d.h. ich (Stefan), mussten den ersten Schaden an unseren Rädern verdauen. Wie schon vor unserer Abfahrt befürchtet ging heute mein Sattel endgültig kaputt. Eigentlich wollte ich ihn noch letzte Woche austauschen, aber kam dann nicht mehr dazu, weswegen ich mit dem schon etwas angeknacksten Sattel losgefahren bin. Heute unterwegs stellte ich schon fest, dass der Bruch größer wurde. Deshalb beschloss ich, am Montag in Kassel definitiv zum nächsten Radladen zu gehen, um einen neuen zu kaufen. Leider hat der alte nicht mehr so lange gehalten. An der Fähre fiel er beim Verladen des Rades einfach ab. Nach der Überfahrt konnte ich ihn zwar notdürftig wieder feststecken, aber so richtig gut hielt es nicht mehr, auf den letzten 10km ist er ungefähr drei mal wieder abgefallen. Leider machen in Melsungen alle Radläden samstags um 13 Uhr zu und erst am Dienstag Morgen wieder auf, so dass ich tatsächlich am Montag erst in Kassel mich um einen neuen Sattel kümmern kann. Da muss ich mir morgen noch etwas einfallen lassen, denn nach Kassel sind es fast 40km, da möchte ich nicht alle paar Kilometer den Sattel wieder einstecken.

Nun wie (fast) immer zum Abschluss: Unser Weg heute zum Nachradeln.

Ein anstrengender Tag/An Exhausting Day

Short English Summary: Today we had an exhausting day with several long and steep rises in the Rhön, another of the German Mittelgebirge. We crossed the divide between Rhein and Weser and will follow the river Fulda, one of the headwaters of the Weser, for the next days. The endpoint of our today’s stage is Schlitz, a city with many castles.

Vielleicht schreibe ich zu viel über das Wetter, aber wenn man den ganzen Tag draußen ist, spielt das Wetter eben eine sehr große Rolle. Heute haben wir es tatsächlich das erste Mal geschafft, den Tag ohne Regen zu verbringen. Teilweise war es richtig angenehm zu fahren, etwas Sonne, nicht zu viel, kein Regen und angenehme Temperaturen. Das war heute auch besonders wichtig, denn wir hatten eine der anspruchsvollsten Touren geplant durch die Rhön, unser nächstes Mittelgebirge auf unserer Tour, mit ein paar sehr langen und sehr steilen Steigungen. Insgesamt waren es zwar nicht die meisten Höhenmeter, aber die steilsten Anstiege. Ab jetzt geht es erstmal tendenziell abwärts (hoffentlich nur von der Höhe), wie auch heute auf der zweiten Hälfte. Dazwischen wird es zwar immer mal wieder kleine Anstiege geben, aber nicht so lange und steile.

Steiler Anstieg/Steep Rise

Heute hat sozusagen unsere Fahrt an der Weser begonnen. Nach dem längsten und steilsten Anstieg überquerten wir nämlich die Wasserscheide zwischen Rhein und Weser. Ab jetzt fließt alles Richtung Weser, wie auch wir in diese Richtung fahren, angefangen mit der Fulda, einer der Quellflüsse der Weser, an der wir heute und die nächsten Tage entlang fahren werden, bevor wir dann ab Dienstag an der Weser bis Bremerhaven fahren werden.

Schutzhütte an der Rhein-Weser-Wasserscheide/Refuge at the Rhein Weser Divide

Aber bevor wir losfuhren, haben wir erst noch ein leckeres Frühstück in unserem Bett & Bike & Breakfast genossen. Dann ging es quer durch die Gemeinde Sinntal, die sich über viele Dörfer erstreckt, so dass wir gut 1 1/2 Stunden gebraucht haben. Einige Teile kannten wir noch von unserem Kurzurlaub vor ein paar Jahren in Sterbfritz, das auch zu Sinntal gehört. So haben wir z.B. die Burg Schwarzenfels erkannt, die wir damals besucht haben.

Beim Frühstück/At Breakfast
Burg Schwarzenfels/Castle Schwarenfels

Auch die Fulda haben wir vor ein paar Jahren schon besucht, als wir mit unseren Dresdner Freund*innen eine Paddeltour auf ihr gemacht haben. Falls ihr das lest, ihr Dresdner*innen: Erinnert ihr euch noch? An die Ausstiegsstelle in Pfordt konnten wir uns noch erinnern, das Cafè dort hatten wir aber etwas ruhiger in Erinnerung. Heute haben sich dort viele Motorradfahrer niedergelassen.

Die Fulda/The River Fulda
Motorrad-Treff in Pfordt/Biker Meeting in Pfordt

Das Ziel unserer heutigen Etappe war Schlitz, die Burgenstadt, in der ich auch schon einmal gewesen war, als meine Schwester dort ihr freiwilliges soziales Jahr gemacht hat. Und in einer der Burgen von Schlitz übernachten wir heute und schauen gerade Fußball (gerade hat Deutschland das Viertelfinale gegen Spanien verloren).

Die Burgenstadt Schlitz/The city of castles Schlitz

Mal sehen, wie es morgen weitergeht. Um wieder über mein Lieblingsthema Wetter zu sprechen, sind für morgen Nachmittag Gewitter angekündigt, weswegen wir morgen mal früher aufbrechen wollen, in der Hoffnung, noch vor dem Gewitter in Melsungen zu sein, wo wir dann zwei Tage bleiben werden, um uns mal nach fast 500 km einen Tag auszuruhen.

Heute gibt es auch wieder Links zu unserer Tour:

Teil 1

Teil 2

Zwei Flüsse, ein Tag / Two Rivers, One Day

Short English Summary: Today we cycled our longest tour so far, 90 km from Eßfeld via Würzburg, along the river Main to Gemünden, and then along the small river Sinn to Altengronau. Again we had a lot of rain, but also some sunny moments. We were accompanied by our friend Bernhard, who also plans a longer cycling tour through big parts of Europe. We saw a lot of beautiful cities and villages, typical for this region of Germany, on our way.

Gerade habe ich den gestrigen Tagesbericht noch beendet und jetzt möchte ich auch noch etwas über unseren heutigen Tag schreiben. Dieser brachte uns die bislang längste Etappe von Eßfeld  über Würzburg, entlang des Mains bis Gemünden und dann Sinn aufwärts bis Altengronau,  wo wir heute übernachten. Insgesamt fast 90km und auch wieder einige Höhenmeter. Im Unterschied zu den vorherigen Tagen fuhren wir aber nicht zu zweit, sondern in Begleitung von Bernhard, der übrigens auch eine noch größere Tour als wir quer durch Europa von Schottland nach Griechenland plant. Da kam ihm eine kleine Trainingstour mit uns gerade recht.

Gruppenbild mit Bernhards Mama/ Group Picture with Bernhard’s Mum

Leider begleitete uns heute außerdem auch noch unser alter Bekannter der Regen wieder. Kurz nachdem wir losgefahren waren, fing es wieder zu regnen an, so dass wir Würzburg wieder im Regen erreichten. Man könnte fast den Eindruck haben, es regnet immer in Würzburg. Der Regen war zwar nicht so stark, aber nach einiger Zeit wurde es dann doch ungemütlich. Zum Glück hat es dann auch irgendwann wieder aufgehört. Aber nachdem ich heute gelesen habe, dass es dieses Jahr soviel geregnet hat, wie schon seit 140 Jahren nicht mehr, wird es wohl so weitergehen. Aber andererseits, wenn es auch nervig ist bei Regen Rad zu fahren, wäre es zwar anders, aber wahrscheinlich auch nicht angenehmer, wenn wir bei 35°C und stechendem Sonnenschein fahren müssten. Vielleicht ist es so doch angenehmer, aber sicherlich weniger belastend für den Körper. Aber morgen soll es komplett trocken sein und erst am Samstag wieder regnen. Mal sehen, ob das stimmt.

Karlstadt

Jedenfalls hörte es irgendwann wieder auf zu regnen und wurde dann richtig angenehm, trocken und nicht zu warm. In Karlstadt, immer noch am Main, hatten wir ungefähr die Hälfte unseres heutigen Wegs geschafft und nahmen in der für die hiesige Gegend typischen Kleinstadt mit Fachwerk-Altstadt und Burg einen kleinen Imbiss ein. Danach ging es dann weiter nach Gemünden, wo wir wieder vor einem kurzen Regenschauer Unterschlupf suchten, und dann in das Sinntal, das zweite Flusstal unserer heutigen Etappe. Aber welch ein Gegensatz zum Maintal. Während das Maintal eher groß und hektisch ist mit großen, lauten Straßen, mehr oder weniger großen Städten, wobei es auch ein paar idyllische Stellen gibt, ist es im Sinntal regelrecht still trotz zweier Zugtrassen, aber auch viel Natur und nur gelegentlich ein Dorf. Aber natürlich ist der Main auch viel größer und wird als Schifffahrtsstraße genutzt, während die kleine Sinn noch frei ihrem Lauf folgen kann, was auch wir taten.

Am Main / At the River Main

Interessanterweise haben viele Dörfer im Sinntal „Sinn“ im Namen, wie Untersinn, Mittelsinn, Burgsinn, Obersinn etc. Auch der Ort Altengronau, in dem wir gerade sind, gehört mit einigen anderen Orten zur Gemeinde Sinntal, zu der übrigens auch Sterbfritz gehört, wo wir vor ein paar Jahren mit Beates Geschwistern ein paar Tage Urlaub gemacht haben. Ganz in der Nähe werden wir morgen vorbeifahren.

Im Sinntal / In the Vallay of River Sinn

Hier angekommen tranken wir im einzigen geöffneten gastronomischen Betrieb des Ortes, den Bäcker im Netto, mit Bernhard noch einen Kaffee bzw. Tee, bevor Bernhard wieder nach Gemünden zurückfuhr und wir den Tag in unserem Bett + Bike + Breakfast beschlossen.