Short English Summary: After we left the island of Rügen yesterday, we went onshore from Stralsund via Greifswald to Lubmin. A big part of our stage today led over a cobbled road, which was hard to travel on, but nevertheless a wonderful alley with a lot of old trees. In addition, we saw the nature reserve Lanken and took a bath in the Greifswalder Bodden, a part of teh Baltic Sea.
Blick aus unserem Hotelzimmer auf Rügen und Greifswalder Bodden/View from our hotel room to Rügen and Greifswalder Bodden
Mit Blick auf den Greifswalder Bodden und Rügen schreibe ich heute meinen Tagesbericht aus Lubmin, dem Endpunkt unserer heutigen Etappe. Auch wenn wir gestern Rügen verlassen haben, lässt es uns noch nicht so richtig los, von Stralsund aus haben wir es natürlich gesehen, aber auch unterwegs heute konnte man es immer wieder sehen. Aber morgen werden wir dann auf Usedom sein, dann werden wir Rügen endgültig hinter uns gelassen haben.
Blick nach Rügen vom Naturschutzgebiet Lanken/View to Rügen from Nature Reserve Lanken
Unsere erste Zwischenstation auf dem Weg nach Lubmin war Greifswald, aber der Weg dorthin war alles andere als ein Zuckerschlecken. Denn er führte auf einer wunderschönen Allee mit alten Bäumen entlang, deren einziger aber entscheidender Nachteil für uns der Straßenbelag war, der aus historischem Kopfsteinpflaster bestand. So sind wir also 15 km auf Kopfsteinpflaster nach Greifswald gehoppelt, was zwar nicht ganz so schlimm war wie befürchtet, aber trotzdem ganz schön anstrengend. Leider habe ich dabei mal wieder ein Teil meines Fahrrads verloren, diesmal die Abdeckung meiner Federgabel, was aber wahrscheinlich nicht wesentlich für die Funktion ist, außer dass ich die Dämpfung jetzt nicht mehr justieren kann, was ich aber sowieso nie gemacht habe. Anstatt der Abdeckung habe ich jetzt ein Stück Panzertape darübergeklebt, damit kein Dreck eindringen kann. Wenn wir mal bei einem Radladen vorbei kommen, kann ich mal nachfragen, ob sie ein Ersatzteil haben.
Allee zwischen Stralsund und Greifswald/Alley from Stralsund to Greifswald
Nach Greifswald war der Weg dann erst einmal wieder gut zu befahren und führte weiterhin schön auf dem alten Treidelpfad am Ryck, der Fluss an dem Greifswald liegt, nach Wiek, wo der Ryck in den dänischen Wiek mündet. Diesen umrundeten wir und durchfuhren dann noch das Naturschutzgebiet Lanken, was auch sehr schön war, aber eigentlich gar nicht erlaubt war, da dort der Radweg gerade neu gemacht wird und deswegen gesperrt war. Aber wir sind dann einfach durch die Baustelle gefahren, da wir lieber dort langfahren wollten als über die Straße.
Treidelpfad am Ryck/Towpath alongside river Ryck
Jetzt sind wir, wie schon erwähnt, in Lubmin eines der vielen Seebäder an der Küste, das auch in der Vergangenheit als Standort des größten DDR-Kernkrafwerks „Greifswald“ bekannt war, das immer sich immer noch im Rückbau befindet. Diesem haben wir aber keinen Besuch abgestattet, sondern stattdessen ein Bad im Greifswalder Bodden genommen, da der Strand und die Seebrücke von Lubmin direkt vor unserem Hotel sind.
Short English Summary: After three days of inactivity because of bad internet connection and my tiredness, I pick up blogging again. We are all fine and continue our tour. Today we stay in the world heritage city of Stralsund, a former city of the Hanse. Yesterday, we did an excursion to another small island near Rügen which is called Hiddensee, an island with a rich diversity of landscapes and without any motorized traffic beside e-bikes. On Monday we cycled through the national park „Jasmund“ with its beech forests and saw the Königsstuhl (king’s chair), a famous cliff of Rügen and Cap Arcona.
Nachdem wir gerade noch einen Stadtrundgang mit Niels durch Stralsund gemacht haben, schreibe ich endlich mal wieder ein paar Zeilen auf, auch wenn ich schon recht müde bin. Da ich aber die letzten zwei Tage nichts geschrieben habe, nicht weil nichts passiert wäre oder weil, noch schlimmer, etwas Schlimmes passiert wäre und wir krank oder verletzt wären, sondern ganz banal, weil kein stabiles Internet verfügbar und ich ziemlich k.o. war, möchte ich euch heute doch wieder kurz berichten, was wir so erlebt haben, damit nicht wieder besorgte Anfragen kommen, ob noch alles in Ordnung mit uns ist. Auf alle Fälle sind wir gesund und munter und radeln jeden Tag fleißig weiter.
Rathaus von Stralsund/City Hall of Stralsund
Stralsund ist übrigens die erste und wahrscheinlich auch letzte Stadt, die wir auf unserer Tour zwei Mal angefahren sind, abgesehen von Sassnitz, wo wir auch zweimal waren, aber einmal mit dem Zug. Durch Stralsund sind wir am letzten Donnerstag schon einmal gefahren, bevor wir unseren einwöchigen Urlaub im Urlaub auf Rügen begonnen haben. Aber diesmal übernachten wir auch hier und haben uns die Zeit genommen, diese sehr sehenswerte Stadt unter Niels Führung anzuschauen. Zusammen mit Wismar, das wir letzte Woche schon besucht haben, ist Stralsund UNESCO-Welterbe und man kann auch viele Ähnlichkeiten erkennen. Was aber komplett anders ist und mich auch überrascht hat, ist, dass die Stadt nicht nur am Meer, oder genauer dem Strelasund, liegt, sondern auch von Teichen und Parks umgeben ist.
Teiche in Stralsund/Ponds in Stralsund
Den Weg nach Stralsund begannen wir heute Morgen in Gingst, ein Städtchen, über das es nichts weiter zu berichten gibt. Danach fuhren wir aber über noch eine weitere kleine Insel, nämlich Ummanz, die aber über eine Brücke erreichbar ist und die vor allem bei Vogelfreund*innen beliebt ist. Vor allem Kraniche soll man dort sehen können, die wir aber nicht gesehen haben, dafür aber viele andere. Der Rest des Weges war dann wieder unter der Rubrik „herausfordernde Wege“ abzuhaken. Landschaftlich schön am Meer entlang und am Ende mit schönen Blicken auf Stralsund war der Untergrund teilweise nur sehr schwer zu befahren und wir wurden ordentlich durchgerüttelt.
Blick auf Stralsund/View to Stralsund
Durchgerüttelt wurden wir auch gestern während unseres Ausflugs auf Hiddensee, den wir außerplanmäßig noch eingeschoben hatten, da wir bislang schneller unterwegs waren als geplant. Wir fuhren so ziemlich jeden so halbwegs befahrbaren Weg der Insel ab und auch einige eigentlich nicht mit Fahrrädern befahrbare. Nur vor dem Steindamm „Schwarzer Peter“, auf dem wir doch zu sehr durchgeschüttelt wurden, schreckten wir dann zurück. Besonders auch, weil wir dort mal wieder eine kleine Panne hatten: Durch das Gerüttele ist nämlich mein Scheinwerfer abgebrochen, was ich aber glücklicherweise wieder reparieren konnte. Den Alternativweg, den wir dann wählten, um an das Südende der Insel zu kommen, war aber auch nicht viel besser, anstatt über grob verfugter Steine, mussten wir durch tiefe Schlammfurchen und am Ende durch tiefen Sand fahren, haben es aber geschafft, am Leuchtturm in Gellen anzukommen.
Leuchtturm Gellen auf Hiddensee/Light House Gellen on Hiddensee
Hiddensees Landschaft ist übrigens trotz der Kleinheit der Insel sehr vielfältig, von der Steilküste im Norden, über Heidelandschaft in der Mitte bis zu Sandlandschaft im Süden wird viel geboten, was neben uns auch viele weitere Tagestourist*innen anlockte. Aber trotz der vielen Menschen, die sich von den Fähren auf die Insel ergossen, war die Insel, abgesehen von den Hotspots, an denen sich viele Menschen treffen, angenehm ruhig, was wohl auch daran liegt, dass es dort keinerlei motorisierten Verkehr, abgesehen von E-Bikes, gibt.
Blick über Hiddensee/View over Hiddensee
Nachdem wir zurück auf Rügen in Schaprode an der Fähre noch einmal Jens, Manuela, Charlotte und Daniel getroffen hatten, die auch gestern einen Hiddensee-Ausflug gemacht hatten (Schade, dass sie uns nichts davon gesagt hatten, dann hätten wir sie auch auf Hiddensee treffen können), mussten wir leider ganz im Gegenteil ein paar Kilometer auf einer viel befahrenen Landstraße fahren, was vor allem bei knappen Überholmanövern, die immer mal wieder vorkommen, teilweise sehr furchteinflößend war. Aber auch das haben wir gemeistert und kamen für unsere Verhältnisse, und auch für deutsche Orte auf dem Land, recht spät in Gingst an, wo uns aber der örtliche Dönerladen, der entgegen seiner offiziellen Öffnungszeiten auch noch nach 20 Uhr Pizza und Falafel verkaufte, vor einer hungrigen Nacht rettete. Das bestätigt wieder eine der Erkenntnisse, die wir auf unserer Tour über Deutschland gewonnen haben: Auf Döner ist immer Verlass, wenn es auch nicht immer ein kulinarischer Höhepunkt ist.
Buchenwald im Nationalpark „Jasmund“/Beech Forest in the National Park „Jasmund“
Höhepunkte ganz anderer Art haben wir am Montag erlebt, nachdem wir Sassnitz nach fast vier Tagen Mini-Urlaub verlassen hatten. Zuerst mussten wir nämlich den Berg hoch fahren, was zwar kein richtig hoher Berg war, sondern nur der Nationalpark Jasmund mit seinem auch zum Welterbe zählenden Buchenwäldern, aber gleich am Anfang noch mit dem Frühstück im Magen und kalten Muskeln war es doch eine kleine Herausforderung. Belohnt wurden wir dann mit einem Ausblick auf den Königsstuhl, nein nicht dem in Heidelberg, sondern den berühmten Kreidefelsen gleichen Namens im Nationalpark. Weiter gingen die Höhepunkte dann mit dem Fischerdorf Vitt am Fuße des Kap Arkona und dem Kap an der Nordspitze von Rügen selbst.
Fischerdorf Vitt mit Blick auf Kap Arkona/Fishermen’s Village Vitt with View to Cap Arcona
Ein Tiefpunkt war aber folgendes Schild, bzw. die Kombination von Schildern, die mich auf unserer Tour schon oft aufgeregt haben:
Was soll das?/What does that mean?(Please, push your bike)
Ist das ein Radweg und ich darf dort fahren, oder ist es kein Radweg und ich muss mein Fahrrad schieben? Aber ein Radweg, auf dem man sein Fahrrad schieben muss, gibt für mich keinen Sinn. Leider findet man so etwas immer wieder.
Das war jetzt in aller Kürze die Zusammenfassung der letzten drei Tage. Nach unserer einwöchigen Rügenrundfahrt geht es morgen und übermorgen auf dem Ostseeküsten-Weg weiter bis Usedom, von wo dann mit dem Oder-Neiße-Radweg der letzte Abschnitt unserer großen Deutschlandtour startet.
Hier sind zum Abschluss noch die Routen der letzten Tage:
Short English Summary: On a rainy day we do our second day of rest in Sassnitz. Yesterday we cycled from Putbus to Sassnitz, which we had already done on Thursday by train. On the way, we crossed several nature reserves, including the „Kleiner Zicker“ a small headland with cliffs. We also saw the spas Sellin and Binz and the huge complex of Prora, a former Nazi spa and later GDR army barracks.
Wir haben mal wieder alles richtig gemacht. Während ich gemütlich im warmen und trockenen Haus unserer Freunde in Sassnitz sitze und diese Zeilen schreibe, schaue ich dem ergiebigen Regen draußen zu und freue mich, heute nicht Fahrrad fahren zu müssen. Wie vorgestern schon geschrieben, sind wir am Donnerstag zwei Abschnitte gefahren, die ursprünglich als zwei Etappen geplant waren, damit wir hier zwei Ruhetage machen können. Nach Konsultation der Wettervorhersage für dieses Wochenende entschieden wir uns, die Ruhetage nicht am Stück zu machen, sondern gestern zu fahren und uns heute noch einmal auszuruhen und damit zum Einen dem Regen zu entgehen, den es jetzt tatsächlich gibt, und zum Anderen auch noch etwas Zeit mit Jens, Charlotte und Niels zu verbringen, die erst gestern Abend hier eingetroffen sind.
So sind wir also gestern zuerst wieder mit dem Zug nach Putbus gefahren, wo wir am Donnerstag aufgehört hatten, und dann wieder nach Sassnitz, diesmal aber mit dem Rad, gefahren, wo wir dann gestern Abend nach einem schönen Tag mit idealem Fahrradwetter, wenig Sonne, milde Temperaturen, kein Regen und wenig Wind, ein zweites Mal angekommen sind.
Während das Wetter sehr gut für uns war, setzte sich die durchwachsene Qualität der Wege von Donnerstag fort. Während wir teilweise selbst daran Schuld waren, wie z.B. kurz nach Anfang unserer gestrigen Tour, wo wir statt der Straße den Waldweg durch das Naturschutzgebiet Goor-Muglitz genommen haben, der aber noch halbwegs gut zu befahren war, gab es an anderen Stellen keine Alternativen, so dass wir ordentlich durchgeschüttelt wurden und manchmal auch eine Vollbremsung im Sand machen mussten. Aber das unangenehmste Stück war ein Stück Straße, das wir nicht umgehen konnten und auf dem gerade am Donnerstag ein Fahradfahrerin zu Tode gekommen ist. Aber auch das haben wir gut überstanden. Eine letzte Herausforderung hielt das Finale der gestrigen Tour noch für uns bereit, als wir hier in Sassnitz über Kopfsteinpflaster vom Hafen den Berg hochfahren mussten, was somit gleich zwei Schwierigkeiten auf einmal bedeutete.
Aber nicht nur das Wetter war gestern schön, auch die Insel bot uns gestern wieder viel Abwechslung und interessante Fortbewegungsmöglichkeiten. In Moritzdorf gab es eine Ruderfähre über den Baaber Bek, die aber gestern nicht mit einem Ruderboot sondern mit einem Motorboot betrieben wurde, da der Verkehr zu stark war. Aber an manchen Tagen rudert der Fährmann wohl tatsächlich Menschen und Fahrräder mit reiner Muskelkraft die ungefähr 50m von Ufer zu Ufer. Aber auch mit dem Motorboot war es eine schöne Abwechslung.
Fähre über den Baaber Bek/Ferry across the Baaber Bek
Kurz nach der Ruderfähre gab es mal wieder eine dieser kleinen, giftigen Steigungen, die zwar nur 30 Höhenmeter überwinden, das aber auf einer Strecke von nur wenigen hundert Metern, was dann auch eine Steigung von 13% bedeutet, was mittlerweile aber für uns nach all dem Training der letzten Wochen keine Problem mehr bereitet. Belohnt wurden wir dann bei einem Abstecher zum Kleinen Zicker, einer kleinen Landspitze mit schönem Ausblick auf Meer und Felsklippen.
Rügener Berge/Mountains on RügenKleiner Zicker
Zwei weitere Höhepunkte, zumindest was die Topographie betraf (immerhin 70m über dem Meer), erklommen wir dann im Wald zwischen Sellin und Binz, was landschaftlich sehr reizvoll war, aber (siehe oben) schwierig ohne Mountainbike zu bewältigen war. Damit sind wir dann übrigens doch nach Binz und anschließend auch durch Prora gefahren, was mir vorher nicht so ganz klar war. Aber wenn wir einfach die Küste entlang fahren, ist es dann wiederum doch nicht überraschend auch dort vorbei zu kommen. Vor einigen Jahren, als wir noch keine Kinder hatten (ich glaube, Beate war damals gerade mit Nadjeschda schwanger), also vor sehr vielen Jahren, haben wir schon einmal in Binz Urlaub gemacht und waren damals auch in Prora. Ich hatte den auch als „Koloss von Rügen“ (siehe auch Wikipedia) bekannten Gebäudekomplex, der im dritten Reich als KdF-Ferienkomplex angelegt wurde und zur DDR-Zeit als Kaserne genutzt wurde, aber gar nicht mehr so riesig in Erinnerung, jedoch erstrecken sich die übrig gebliebenen Teile auf über 2,5km Länge, während er ursprünglich sogar 4,5km lang war.
Teilkomplex in Prora/Parts of Building Complex in ProraRuinen von Prora/Ruins of Prora
Und am Ende des Tages nach dem letzten Anstieg waren wir dann wieder, wie schon am Donnerstag Abend, in Sassnitz, wo wir uns heute freuen, nicht in den Regen raus zu müssen, sondern bei Tee, Spielen und angeregten Gesprächen den Tag verbringen werden. Morgen werden wir dann Sassnitz endgültig verlassen und in drei Tagen die Umrundung der Insel beenden, worin jetzt doch ein Ausflug auf die Insel Hiddensee eingeschlossen ist. Wir haben doch noch eine halbwegs bezahlbare Möglichkeit gefunden mit der Fähre nach Hiddensee und wieder zurück zu kommen und eine entsprechende Übernachtung.
Hafen von Sassnitz/Port of Sassnitz
Die gestrige Tour gibt es in zwei Teiltracks wegen eines technischen Problems bei der Aufzeichnung:
Short English Summary: Today we make another day of rest. Yesterday we cycled from Barth over Stralsund to Putbus on the Island of Rügen, which is the biggest German island. Here we stay a couple of days with friends and do some more trips around the island. Over two third of our tour through Germany is done, we will need only about two weeks to our final destination.
Nachdem wir den gestrigen Abend mit Manuela und ihren Eltern damit verbracht haben, Geschichten aus der untergegangenen DDR auszutauschen, wobei ich mangels Erfahrung eher Zuhörer war, melde ich mich jetzt zu ungewohnter Zeit am frühen Nachmittag mit meinem Tagesbericht. Bevor ich heute zum Schreiben kam, haben wir jedoch erst einmal Ruhetagsaktivitäten absolviert, wie Wäsche waschen, Fahrräder auf Vordermann bringen und einkaufen, und administrative Tätigkeiten erledigt, wie z.B. Rechnungen bezahlen, die auch im Urlaub eintreffen. Außerdem habe ich mir einen neuen Helm gekauft, nachdem bei meinem alten Rissspuren zu sehen waren. Jetzt sind wir wieder bereit, morgen zu unserer nächsten Tour über die Insel Rügen zu starten, auf der wir seit gestern sind.
Obwohl wir jetzt seit fast drei Wochen an Nord- oder Ostsee entlang fahren ist Rügen tatsächlich die erste Insel, die wir befahren, da wir die nordfriesischen Inseln links liegen gelassen haben und uns auch die eigentlich vom Ostseeküsten-Radweg vorgesehene Tour über Fehmarn gespart haben. Dafür werden wir hier gleich 6 Tage, inkl. zweier Ruhetage, bleiben, schließlich ist Rügen die größte deutsche Insel, deren Umfahrung 4 Tage braucht und außerdem Wohnort unserer Freunde Manuela und Jens ist, weswegen wir gleich zwei Ruhetage, nämlich heute und am Sonntag, eingeplant haben. Der Ruhetag am Sonntag war eigentlich so nicht vorgesehen, da aber die gestrige Etappe mit knapp unter 50km doch eher kurz gewesen wäre, und die ursprünglich für morgen eingeplante mit noch nicht einmal 40km sehr kurz gewesen wäre, haben wir beide kurzerhand zu einer Tour von fast 90km zusammengelegt, was gerade noch in unserem Tagespensum liegt, und uns damit noch einen weiteren Ruhetag am Sonntag verschafft, an dem wir dann auch Jens treffen können, der im Moment gerade nicht zuhause ist.
Bevor wir gestern nach Rügen kamen, sind wir aber erst einmal von Barth bis Stralsund gefahren, was zwar eine schöne Tour bei weiterhin angenehmem, nicht zu heißem Sommerwetter war, worüber es aber nicht viel zu berichten gibt, außer dass wir immer wieder schöne Ausblicke auf den Bodden oder die Ostsee hatten und gut vorankamen, da es so gut wie keine Steigungen gab und auch der Wind uns nicht unangenehm aufgefallen ist. Durch Stralsund sind wir einfach nur durchgefahren, da wir am Dienstag nach unserer Umfahrung von Rügen noch einmal durch Stralsund kommen werden und dann auch dort übernachten werden.
Blick auf Stralsund/View to Stralsund
Nach Passieren des Rügendamms waren wir dann auf der Insel und haben uns, wie oben schon erwähnt, entschieden noch bis Putbus weiter zu fahren. Auf der Insel hat sich die Landschaft mal wieder signifikant geändert: Während die letzten Tage fast komplett flach waren, wurde es auf Rügen wieder zunehmend hügeliger und auch erst einmal kein Wald mehr, sondern riesige Felder ohne Schatten, was dann doch etwas anstrengend war bei der heißen Augustsonne. Und auch der Straßenbelag oder besser die Oberfläche des Weges, denn von Straße konnte man nur selten reden, hat sich wieder start geändert bzw. wurde sehr vielfältig. Das Stück von Barth nach Stralsund war bis auf ein paar Stücke Kopfsteinpflaster in Barth und Stralsund doch weitgehend asphaltiert, während auf Rügen von gut ausgebauten, asphaltierten Radwegen bis vollkommen unbefestigten Waldwegen und geschotterten Feldwegen alles vorhanden war. Aber am beängstigendsten waren die schmalen Landstraßen mit gutem Belag, die aber sehr stark von riesigen Traktoren mit großen Anhängern befahren wurden, vor denen man kaum ausweichen konnte. Und just gestern wurde hier in der Nähe von Sassnitz tatsächlich eine Radfahrerin von einem Traktor tot gefahren, was uns zeigte, dass unsere Angst nicht ganz unbegründet war. Dann lieber doch völlig kaputte Wege, auf denen man kaum vorankommt, als lebensgefährliche gut asphaltierte Straßen. Wir sind aber glücklicherweise gut in Putbus angekommen, von wo wir dann mit dem Zug nach Sassnitz gefahren sind und von wo wir dann morgen wieder mit dem Rad noch einmal nach Sassnitz fahren werden. Das hört sich etwas umständlich an, ermöglicht uns aber die Zeit hier in Sassnitz bei Freunden zu verbringen und nicht zuletzt die leidige Quartierssuche, die doch immer einen gutes Quäntchen Zeit beansprucht und meist nicht mit einem Schnäppchen endet, zu umgehen.
Brücke nach Rügen/Bridge to Rügen
Aber immerhin sind wir jetzt schon nach einem Monat in Rügen angekommen und haben immer, auch hier an der Ostsee in der Hochsaison, noch eine halbwegs bezahlbare Unterkunft gefunden, wovon wir nicht so überzeugt waren, als wir vor jetzt über einem Monat in Heidelberg gestartet sind. In diesem Monat haben wir jetzt insgesamt 2100km mit dem Rad zurückgelegt, waren an 28 Tagen auf dem Rad und sind dabei durch 8 Bundesländer gekommen, haben unzählige Welterbe und andere schöne Städte und Landschaften gesehen, sind durch Nationalparks gefahren und konnten ein sehr guten Einblick in die Vielfalt Deutschlands gewinnen (siehe auch unsere Komoot-Collection).
Unsere gemachten Touren in der Übersicht/Overview of our done trips
Und sind noch nicht am Ende. Gestern haben wir jedoch festgestellt, dass wir gar nicht mehr so viele Etappen vor uns haben, in gut zwei Wochen können wir an unserem Ziel in Ostritz sein, eine halbe Woche früher als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem daran, dass wir Hamburg, entgegen unseren ursprünglichen Planungen, übersprungen haben, damit Beate besser nach Heidelberg kam, und an manchen Tagen, wie gestern, doch mehr gefahren sind, als ursprünglich gedacht.
Aber vielleicht ergibt sich unterwegs auch noch die Chance für einen lohnenswerten Umweg, für den wir jetzt auch noch Zeit hätten. Eine Idee war, einen Abstecher nach Hiddensee zu machen, angesichts der damit verbundenen Kosten für Fähre und Unterkunft haben wir davon jedoch wieder Abstand genommen. Aber vielleicht findet sich auch noch etwas anderes. Das ist der Vorteil, wenn man noch nicht alles bis ins Details im Voraus geplant hat, man hat immer mal wieder die Möglichkeit, neue Ideen umzusetzen.
Bevor ich meinen Zweitagesbericht beende noch eine kleine Ergänzung in der Rubrik lustige Ortsnamen: Gestern sind wir durch den kleinen Ort „Schabernack“ gefahren und das war tatsächlich kein Witz (siehe oben).
Das Ende von Schabernack/“See you“ in the village Schabernack (Schabernack means joke in German)
Zu allerletzt wie immer die gestrige Tour als Komoot-Track zum Nachradeln.
Short English Summary: Today we reached the threshold of 2000km on our tour through Germany. We travelled from Warnemünde, near Rostock, over Fischland-Darß-Zingst to Barth, a small, nice town at the coast of one of the Boddens (briny bodies of water at the Baltic coast), for which the federal state of Mecklenburg-Vorpommern is famous.
Ich befürchte, heute wird es eher wieder ein kurzer Bericht werden, da ich doch schon recht müde bin und mir die Konzentration schwer fällt. Aber da es insgesamt wieder ein so schöner Radfahrtag war, möchte ich doch ein paar Zeilen schreiben. Dabei fing der Tag etwas zäh an, da es in unserem Hotel in Warnemünde zwei Frühstücksschichten gab und wir uns für die spätere entschieden haben, um nicht beim gemütlichen Frühstücken den Teller unter dem Mund weggezogen zu bekommen und wir deshalb erst nach 10 Uhr mit Frühstück fertig waren. Bis wir dann unsere Taschen gepackt hatten, noch ein bisschen Wasser und Obst eingekauft hatten, die vergessenen Handschuhe von Beate im Hotel noch abgeholt hatten und mit der Fähre über die Warnow gefahren waren, war es schon fast 12 Uhr, als wir endlich die heutigen fast 80km in Angriff nehmen konnten.
Fahrt über die Warnow/Ferry trip across the river Warnow
Das erste Stück ging dann heute hauptsächlich durch Wald, die Rostocker Heide, bis nach Graal-Müritz, womit ich wieder Erinnerungen verbinde. Denn dort war ich mit Edina und Sanja 2008 zur Kur gewesen, aber das habe ich, glaube ich, gestern schon erwähnt. Ich konnte mich auch noch ein bisschen an die Gegend dort erinnern und besonders an den Kampf, den ich mit den beiden immer ausfechten musste, wenn wir an den Strand gehen wollten, der vielleicht 1km vom Kurheim entfernt war. Da zu der Strecke auch oft noch unangenehmer Gegenwind hinzukam, wollten die beiden nie so richtig und ich musste alle meine Überzeugungskraft aufwenden, um sie zu überreden, doch mitzukommen. Aber viel anderes konnte man dort nicht machen, als wenigstens einmal am Tag einen kleinen Spaziergang zum Strand oder in den Wald zu machen. Aber ich kann mich auch an verschiedene Ausflüge am Wochenende erinnern, in den Zoo nach Rostock, zum Vogelpark in Marlow und eine Schifffahrt auf der Ostsee. Und dass Sanja immer einfach in das Schwimmbecken gesprungen ist, obwohl sie noch gar nicht schwimmen konnte (sie war damals fast drei jahre alt), darauf vertrauend, dass ich sie schon wieder rausfischen werde, was ich natürlich auch tat, aber anstrengend war das schon, weil man sie keinen Moment aus den Augen lassen durfte.
Weg durch die Rostocker Heide/Trail through the Rostock Woods
Nach Graal-Müritz fuhren wir wieder an der Ostsee entlang aber weiterhin durch den Küstenwald bzw. durch das Ribnitzer Moor. Während ich aber gestern noch die Beschaffenheit des Radwegs gelobt habe, habe ich das getan, bevor ich mir die heutige Strecke angeschaut hatte. Ich hatte mich zwar schon gewundert, warum Komoot sie als schwer klassifiziert hatte, während sie nicht übermäßig lang, noch mit großen Steigungen ausgestattet war (ganz im Gegenteil, sie war fast durchgängig flach), aber in die Schwierigkeit geht auch die Untergrundbeschaffenheit ein und da war heute alles vertreten, von einfach zu fahrendem Asphalt, über auch noch akzeptablen Kies, und weniger schönen Kopfsteinpflaster, uralten Betonplatten, Schotter, Waldwegen und Sand. Teilweise wurden wir ganz schön durchgeschüttelt, aber wenigstens sind die großen Dreckklumpen von unseren Rädern dabei auch abgeschüttelt (und durch eine Staubschicht ersetzt) worden.
Landzunge durch den Saaler Bodden/Tongue of Land in the Saaler Bodden
Die zweite Hälfte unserer Etappe führte uns dann über Fischland, Darß und Zingst mittenhinein in die Vorpommersche Boddenlandschaft, die auch Nationalpark ist und ein Paradies für Vögel und ihre Beobachter*innen. Zum Vögelbeobachten hatten wir aber keine Zeit, konnten aber das Fahren auf dem schmalen Landstreifen zwischen Ostsee und Bodden genießen. Besonders bei so schönem Wetter sind die Farben ein Fest für die Augen: Das Blau des Himmels und des Wassers, das Grün der Wiesen und Wälder, das gelbe Glitzern der Blumen, das Rot der Backsteinhäuser und das Weiß des Sandes. Schade, dass ich auch nicht so richtig Zeit hatte, um das in Fotos angemessen abzubilden.
Unser Tagesziel war mit Barth wieder auf dem Festland, noch eine dieser vielen kleinen, nicht so bedeutenden, aber doch auch schönen Städte, die wir auf unserer Tour kennengelernt haben. Außerdem ist Barth wegen der Barther Bibel bekannt, eine Bibel in Niederdeutscher Sprache aus dem 16. Jh.
Barth
Morgen geht es dann weiter nach Rügen, wo wir unsere Freunde Manuela und Jens besuchen werden und auch mal wieder einen Ruhetag einlegen werden. Aber vorher noch unsere heutige Tour: Warnemünde-Barth. Übrigens sind wir jetzt insgesamt über 2000km gefahren, haben also schon ungefähr 2/3 unserer gesamten Deutschlandtour geschafft.
Short English Summary: Today was a peaceful day at the Baltic coast, on which we cycled from Wismar to Warnemünde, one the many spas here. The weather was splendid and we enjoyed the whole day and the wonderful sceneries.
Hafen von Warnemünde/Port of Warnemünde
Wahrscheinlich wird es heute ein eher kurzer Artikel werden, da heute eigentlich nicht viel Berichtenswertes passiert ist, was nicht heißt, dass es heute langweilig war, aber es war einfach ein ruhiger, entspannter Tag. Es gab immer wieder schöne Ausblicke. z.B. auf die Insel Poel, auf das Salzhaff und natürlich auf die Ostsee, die Steigungen hielten sich in Grenzen, Wind gab es auch kaum und selbst die Sonne, die den ganzen Tag ununterbrochen schien, sorgte nicht für zu große Hitze. Wir fuhren gemütlich und entspannt unseren Weg und waren am frühen Nachmittag schon in Warnemünde, was aber, wie auch die anderen Ostseebäder, die wir heute passierten, wie Kühlungsborn und Heiligendamm, alles andere als ruhig war, sondern voller Menschen, die um die Wette Fischbrötchen und Ostsee–Souvenirs kauften.
Unser Hotel in Wismar/Our Hotel in Wismar, called „Kittchen“ (prison)
Nachdem wir uns aus unserem Kittchen haben entlassen lassen, fuhren wir noch ein Stück durch Wismar, dann halb um die Insel Poel auf dem Festland herum, bevor wir dann durch Rerik kamen, wo wir, wie gestern schon erwähnt, vor vielen Jahren schon einmal Urlaub gemacht hatten. Ich hatte den Eindruck sogar ein paar Dinge dort wieder zu erkennen.
Noch ein Blick auf Poel/Another View to Poel
Da ich vor einiger Zeit über die Qualität des Radwegs und vor allem über die Beschilderung von Umleitungen geschimpft habe, muss ich heute ganz im Gegenteil ein Lob aussprechen. Seit wir in Mecklenburg fahren, war der Ostseeküsten–Radweg fast immer in sehr gutem Zustand, meist asphaltiert oder mit festem Kies und nur hin und wieder, vor allem in Wismar, Kopfsteinpflaster. Und außerdem war die Umleitung, die wir heute wegen eines Hangrutsches an der Küste machen mussten, vorbildlich ausgeschildert. Übrigens war die Baustelle, die mich auf dem Weg nach Eckernförde am Freitag so aufgeregt hat, sogar schon in unserem bikeline-Radführer mit Umgehung beschrieben, wie auch die heutige Umfahrung, so dass nichts schiefgehen konnte.
Genießen der Aussicht/Enjoying the View
Wir kamen heute so gut und zügig voran, dass wir neben unserer obligatorischen Mittagspause noch eine kleine Zwischenpause an einem idyllischen Plätzchen mit grandiosem Blick auf die Ostsee bis Fehmarn kurz vor Warnemünde machen konnten und einfach den schönen Tag genossen haben, bevor wir uns wieder in den Trubel gestürzt haben.
Morgen wird es wahrscheinlich so weitergehen wie heute, wettermäßig sicherlich, und auch landschaftlich vermute ich. Wir werden durch Graal-Müritz fahren, wo ich mit Edina und Sanja vor mittlerweile 16 Jahren zur Kur war und dann über Darß und Zingst nach Barth fahren, wo wir übernachten werden.
Zum Schluss mal wieder der Komoot-Track von heute.
Short English Summary: Since I didn’t have time yesterday to write something because we spent a lot of time on planing the next days, I summarize two days today. Yesterday we went from Kiel to Gremersdorf, a small village on the highway to the island of Fehmarn, and today from Gremersdorf to Neustadt in Holstein. We had two days of good weather with sunshine and no rain. Today, Beate and me cycled partly different ways because the planned way was to long for Beate so that she did a shortcut. I cycled about 20km more and had a challange to catch her up which I failed, but then realized that I passed her nevertheless. The night we stay at Neustadt, a beautiful small town near the Baltic Sea.
Während Beate ihren obligatorischen Sonntagabend-Tatort schaut, versuche ich noch ein paar Gedanken und Erlebnisse über die letzten beiden Tage aufzuschreiben. Den gestrigen Abend nutzten wir mal wieder zu weiteren Planung unserer Reise, die jetzt bis nächsten Montag weitgehend steht. Leider stellte sich das wieder als nicht so einfach dar, zum einen, weil nur noch wenige bezahlbare Quartiere dort frei sind, wo wir sie gerne hätten, zum anderen, weil dann auch noch solche Zusatz-Erschwernisse wie am nächsten Wochenende nicht fahrende Fähren auf Rügen hinzukommen. Letzteres mag für Autofahrende ärgerlich sein, wenn man 50km Umweg machen muss, für uns als Radfahrende ist das aber ein k.o.-Kriterium, weil dann plötzlich die mit 80km geplante Tour 130km lang wird. Deshalb mussten wir die Abfolge unserer Rügen-Etappen umdrehen. Wir fahren jetzt nicht im Uhrzeigersinn um Rügen, sondern im Gegenuhrzeigersinn und hoffen, dass dann die Reparatur an der Fähre, wie angekündigt, am Montag Nachmittag fertig ist und wir sie am Dienstag Morgen nützen können.
Diese ganze Planerei und Umplanerei hat uns dann den ganzen gestrigen Abend gekostet, obwohl wir in Ermangelung von Alternativen in Gremersdorf sowieso nichts anderes machen konnten. Das Hotel in Gremersdorf war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer mal wieder auf unserer Reise erleben, diesmal aber eher eine negative, nach den vielen positiven. Eigentlich hatten wir uns ein kleines gemütliches Dorfhotel vorgestellt, fanden dann aber ein unpersönliches Autobahnhotel mit überfordertem und überlastetem Personal vor, in dessen Restaurant (das einzige im Dorf) ist bis auf Vorspeisen nichts vegetarisches zu essen gab. Außer dem Hotel, einer Tankstelle und einem Autohaus gab es in diesem Dorf nichts weiteres, so dass wir nach dem schnellen Abendessen genügend Zeit für unsere Planung hatten. Aber wie schon erwähnt, hat das dann so lange gedauert, dass ich zu müde war, um noch etwas zu bloggen.
Neustadt in Holstein
Heute dagegen sind wir in Neustadt in Holstein, ein süßes, kleines Städtchen, das im Gegensatz zur Nachbarstadt Grömitz, in der wir ursprünglich übernachten wollten, nicht so überlaufen ist und in dem wir ein Brauhaus gefunden haben, in dem wir gut Abend essen konnten. Und trotz unseres Stadtbummels habe ich jetzt noch ein bisschen Zeit, euch zu erzählen, was wir so erlebt haben.
Hafen von Neustadt/Harbor of Neustadt
Aber generell ist die Ostseeküste eine eher ambivalente Sache, auf der einen Seite landschaftlich sehr reizvoll, abwechslungsreich, mit Sandstränden am Meer, sanften Hügeln im Binnenlanden, schönen Städten, aber auf der anderen Seite hoffnungslos überlaufene Ostseebäder mit riesigen Hotel- und Ferienwohnungskomplexen und Trubel ohne Ende. In Heiligenhafen konnte man z.B. sehen, dass Plattenbauviertel wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal von osteuropäischen Städten sind, wenn sie auch im Osten eher noch größer sind.
Blick auf Heiligenhafen/View to Heiligenhafen
Grömitz scheint auch eher in die Rubrik überlaufenes Ostseebad zu fallen, während Neustadt, wie schon gesagt, eher übersichtlich und ruhig ist, aber deswegen haben wir hier auch noch ein halbwegs bezahlbares Hotel gefunden, was in Grömitz nicht möglich war. Der Nachteil dabei war nur, dass wir deswegen 20km mehr als ursprünglich geplant fahren mussten, was sich dann am Ende mit einigen zusätzlichen Kilometer aufgrund von Verfahren zu 100km summierte. Glücklicherweise gab es für Beate aber eine Abkürzung, da der Hinweg zur Fehmarnsuntbrücke nur 200m vom Rückweg entfernt verlief, so dass Beate die Abkürzung nehmen konnte, während ich noch bis zur Fehmarnsuntbrücke gefahren bin, was ungefähr 20km mehr waren. Für mich hatte das auch den Vorteil, dass ich heute mal mein eigenes Tempo fahren konnte, ohne auf Beate warten zu müssen. Da ich so schneller als sie war, rechnete ich damit, sie ungefähr nach 2 1/2h wieder einzuholen. Als ich nach dieser Zeit Beate noch nicht eingeholt hatte, rief ich sie an, um herauszufinden, wo sie wäre, und musste dabei feststellen, dass ich sie schon überholt hatte, ohne sie eingeholt zu haben. Wahrscheinlich sind wir geringfügig unterschiedliche Wege gefahren, so dass wir uns nicht gesehen haben. So habe ich dann noch ein paar Minuten gewartet, bis Beate wieder bei mir war.
Fehmarnsunt mit Brücke/Fehmarnsunt and Bridge
Während ich am Freitag so frustriert ob des schlechten Wetters war, haben die letzten beiden Tagen mich wieder versöhnt: Kein Tropfen Regen (zumindest am Tag, letzte Nacht hat es ziemlich viel geregnet), Sonnenschein und zumindest gestern Wind aus der richtigen Richtung. Heute dagegen war der Wind teilweise ziemlich heftig, vor allem ein langes Stück auf dem Deich, auf dem wir voll im Wind waren, mussten wir ganz schön gegen den Wind ankämpfen.
So, jetzt ist der Tatort gleich fertig und auch ich mit meinem heutigen Artikel. Morgen werden wir nach Wismar fahren, wo wir in einem ehemaligen Gefängnis übernachten werden. Ich bin gespannt, wie das sein wird. Zum Abschluss noch wie immer unsere heutige Tour bzw. meine Tour, Beates ist ohne den Schlenker zum Fehmarnsunt: Gremersdorf-Neustadt, und auch noch die von gestern: Kiel-Gremersdorf.
Short English Summary: Today we went from the Flensburg Fjord to the Kiel Fjord, where we only cycled to Eckernförde and took the train for the remainder to Kiel. Unfortunately, it was bad weather with a lof of rain the whole day. The night we will stay with Klara, one of our nieces, in Kiel.
Diesmal zögere ich etwas über den Tag zu schreiben, weil ich fürchte, dass es insgesamt eher wenig erbaulich werden wird. Aber mal sehen, vielleicht fällt mir beim Schreiben doch etwas schönes ein. Heute war wieder so ein Tag, an dem man hofft, dass der Wetterbericht nicht richtig ist, dann aber betrübt feststellen muss, dass er doch ziemlich genau das Wetter vorhergesagt hat. So begann der Tag also mit leichtem Regen, wobei wir beim Frühstück noch hoffnungsvoll waren, da es nur ein paar Tropfen regnete. Doch bis wir dann endlich losgefahren sind, hatte es sich richtig eingeregnet, so dass wir gleich unsere komplette Regenkleidung anzogen und dann in strömenden Regen starteten.
Nachdem wir gestern die Flensburger Förde fast umrundet hatten, führte uns der Weg heute entlang der Ostseeküste über die Schleimündung und die Eckernförder Bucht zur Kieler Förde, was, wie gestern schon angekündigt, fast 120km gewesen wären. Aber ziemlich bald wurde uns klar, dass wir das nicht bis 18Uhr schaffen würden, die Zeit, zu der wir uns mit Klara in Kiel verabredet hatten. Vor allem da zu dem Regen auch noch bei Nässe schwer zu befahrende, durchnässte Schotterwege als Untergrund dazukamen, so dass wir nur sehr langsame vorankamen, was außerdem auch keinen besonderen Spaß machte. Manchmal hatte man den Eindruck, der Weg wurde absichtlich auf möglichst schlechtem Untergrund geführt, so dass ich für mich die Regel aufstellte, wenn an einer Kreuzung unklar ist, wo es weitergeht, ist es bestimmt der weniger gute Weg.
Durchnässter Weg am Ostseestrand/Wet Way at the Beach of the Baltic Sea
Aber ich wollte ja auch etwas positives schreiben: Der Matsch von vorgestern wurde heute komplett vom Regen abgespült, dafür aber durch Sand und anderen Dreck ersetzt. Irgendwann gegen Mittag wurde es dann aber heller und es hörte dann auch auf zu regnen, so dass ich in Kappeln an der Schleimündung, dann doch auch ein paar Bilder machen konnte.
Kappeln an der Schleimündung/Kappeln at the Mouth of the Schlei
Leider wird hier der Ostseeradweg (und andere touristische Radwege) bei der Baustellenplanung nicht so richtig Ernst genommen. Wiederholt standen wir plötzlich vor gesperrten Wegen ohne Hinweis auf eine Umleitung oder andere weiterführende Informationen, so z.B. auch in Damp, wo der Strandweg einfach gesperrt war und als einzige sichtbare Alternative der Sandstrand selbst vorhanden war. Zum Glück sind wir mit modernen Kommunikationsmitteln und entsprechenden Apps ausgestattet, so dass wir uns eine eigene Umleitung erstellen konnten. In anderen Regionen, z.B. an der Tauber und auch an der Weser, haben wir aber durchaus erlebt, dass explizite Umleitungen beschrieben und auch ausgeschildert waren. Wie auch immer, wir haben einen Weg gefunden und mussten unsere Räder nicht durch den Sand schieben.
Ende des Radwegs/End of the cycle way
Zu guter Letzt erreichten wir dann, nach mehreren neuen Regenschauern, Eckernförde, was übrigens bei schönem Wetter bestimmt auch schön ist. Dort entschieden wir dann endgültig, das letzte Stück nach Kiel mit dem Zug zu fahren, obwohl ich mir bis zuletzt offen gehalten hatte, doch noch wenigstens alleine mit dem Rad zu fahren. Aber da es schon nach 16 Uhr war und ich die verbleibenden 35km heute wahrscheinlich nur mit Mühe in zwei Stunden gescahfft hätte und einfach heute keine Lust mehr hatte, vor ich dann auch mit Beate im Zug, so dass jetzt in unserer Route eine kleine Lücke sein wird. Trotzdem sind wir bislang 1600km gefahren und haben damit die Hälfte der geschätzten 3200km für die ganze Tour geschafft.
Der Hafen von Eckernförde/The Habor of Eckernförde
Und jetzt sitzen wir bei Klaras Familie auf dem Sofa und erholen uns erst einmal von dem Tag und hoffen, dass nicht mehr viele ähnliche folgen werden. Trotzdem hier unser aufgezeichneter Track.
Aus dem Fenster unseres Hotelzimmers blickend sehen wir Kühe auf der Weide vor dem Hintergrund der Ostsee bzw. der Flensburger Förde. Nachdem ich Beate vom Zug abgeholt hatte, sind wir noch zu einer kleinen Nachmittagstour in das Dörfchen Hunhoi aufgebrochen. Aber auch wenn es nur eine relativ kurze Strecke war (nicht einmal 50km) hatte sie es doch in sich. Wie gestern schon ging es ständig bergauf und bergab, so dass wir am Ende doch wieder über 450 Höhenmeter waren. Aber die Mühen jeden kleines Aufstiegs von 0 auf 50m über dem Meer wurden durch einen mehr oder weniger grandiosen Ausblick auf das Meer und eine anschließende kurze Abfahrt belohnt. Ganz im Gegenteil zum ständigen auf und ab an der Nordsee, das immer nur auf den Deich führte und wieder hinunter und man meistens auch oben nur flaches Land gesehen hat.
Leider waren die Wege dafür nicht immer so gut zu befahren, aber so schlimm wie gestern war es nicht. Aber wir sind gespannt, wie es sich die nächsten zwei Wochen entwickeln wird, die wir planen an der Ostsee entlang zu fahren. Morgen wollen wir dann nach Kiel fahren, das aber fast 120km von hier entfernt ist. Ursprünglich waren zwei Etappen von ungeführ 85km geplant. Da wir aber heute nur knapp 50km gefahren sind, müssten wir morgen eigentlich wie gesagt 120km fahren. Aber ich habe mir schon ein paar Abkürzungen ausgedacht bzw. wir können auch ab Eckernförde mit dem Zug fahren und damit 30km einsparen. Das werden wir vom Wetter abhängig machen, das leider nach zwei sonnigen Tagen pünktlich zu Beates Rückkehr wieder regnerischer geworden ist. Besonders für morgen ist den ganzen Tag REgen angekündigt. Aber noch haben wir Hoffnung, dass es nicht so schlimm werden wird.
Viel mehr gibt es heute auch nicht zu berichten, außer dass ich schon ziemlich müde bin und deswegen gleich ins Bett gehen werde. Aber zum Schluss noch unsere heutige Tour.
Short English Summary: Today I stayed alone in Flensburg and used the time for an excursion on the Ochsenweg (oxen way or Hærvejen) from Flensburg to Schleswig. There I saw the castle Gottorf, one of the most prominent buildings in the state of Schleswig-Holstein, the city Schleswig with its remarkable cathedral, and Haithabu, an old city of the Vikings in middle age.
Für die, die wissen, wo wir gerade sind, mag diese Überschrift etwas seltsame klingen, aber in der Tat habe ich heute Beates Abwesenheit ausgenutzt, einen kleinen Abstecher ins Binnenland von Schleswig-Holstein zu unternehmen, und bin dabei ein Stück auf dem Ochsenweg, einem historischen Weg durch die kimbrische Halbinsel, der früher ein bedeutender Weg für den Viehtrieb war (deswegen sein Name), aber schon seit der Bronzezeit besteht und auch Heerweg genannt wird, unter anderem durch die Fröruper Berge gefahren. Die höchste Erhebung war zwar 60m ü.NN, aber durch das ständige Auf und Ab kam ich am Ende doch auf 400 Höhenmeter.
Singletrail auf dem Ochsenweg/Single Trail on the Ochsenweg (Oxen Way or Hærvejen)
Irgendjemand hat mal von diesem Weg geschwärmt, so dass ich die Gelegenheit nutzen wollte, wenigstens ein Stück davon zu fahren. Leider hat dieser jemand vergessen zu erwähren, dass es eher ein Mountainbike-Weg ist, es ging nämlich über Stock und Stein durch den Wald, Single-Trails entlang und immer wieder durch matschige Abschnitte, so dass mein Rad jetzt nicht mehr grau sondern braun ist. Ich war nur froh, dass ich froh, dass ich vor unserer Abreise meine profillosen Sportreifen noch durch etwas robustere Tourenreifen ausgetauscht hatte. Mit den alten hatte ich schon auf dem Weg zwischen Heidelberg und Walldorf öfter mal einen Platten. Aber heute ging, bis auf den Dreck, alles gut.
Schloss Gottorf/Castle Gottorf
Da ich natürlich heute keine Zeit hatte, den ganzen Ochsenweg zu fahren, schließlich werden das so um die 450km sein, habe ich mir nur den Abschnitt von Flensburg bis Schleswig herausgepickt. Und Schleswig war wieder eine dieser Überraschungen, die wir immer wieder auf unserer Tour erlebt haben und hoffentlich weiter erleben werden. Bis auf die Tatsache, dass Schleswig dem Bundesland Schleswig-Holstein den ersten Teil des Namens gegeben hat, wusste ich nichts über diese Stadt. Um so überraschter war ich, als ich als erstes das Schoss Gottorf, einem der bedeutendsten Profanbauten Schleswig-Holsteins (Wikipeadia), erblickte, noch bevor ich Schleswig erreichte.
Schleswig mit Dom und Schlei/Schleswig with Cathedral and Schlei
Aber damit noch nicht genug, malerisch an der Schlei, einem schmalen Meeresarm der Ostsee, gelegen, hat Schleswig auch noch eine schöne Altstadt und vor allem einen Dom, mit einem prächtigen Holzschnitzaltar zu bieten. Ich weiß nicht, wie viele Figuren dort zu sehen sind, aber man kann gar nicht mehr aufhören, immer wieder neue zu entdecken. Schon allein dafür hat sich die Fahrt gelohnt.
Altar im Schleswiger Dom/Altar in Schleswig’s Cathedral
Und am Ende meines Ausflugs bin ich auch noch an der alten Wikingerstadt Haithabu und dem Danewerk, der mittelalterlichen dänischen Grenzbefestigung, die beide zusammen als UNESCO-Welterbe anerkannt sind, vorbeigefahren. Von dem Danewerk kann man auch heute noch den Verlauf der Erdwälle erkennen und in Haithabu gibt es ein Museum und ein paar nach archäologischen Funden rekonstruierte Häuser zu sehen.
Alles in Allem war heute also wieder ein sehr abwechslungsreicher, überraschender und lehrreicher Tag für mich. Da ich gestern nichts geschrieben habe, jetzt aber noch eine Kurzzusammenfassung. Gestern morgen habe ich erst Beate zum Bahnhof gebracht, dann eine kleine Laufrunde durch die Marienhölzung, einem kleinen Waldgebiet in Flensburg und gleichzeitig ihre höchste Erhebung, gemacht und war dann noch im Kino in der Vorabendvorstellung. Leider habe ich danach nichts mehr zu essen bekommen, da ich mich erst nicht so richtig entscheiden konnte, auf was ich Lust hatte und dann plötzlich um 21 Uhr alles zugemacht hat bzw. in den noch geöffneten Restaurants auch die Küchen schon aufgehört hatten zu arbeiten. Deshalb habe ich noch ein schnelles Eis in der auch gerade schließenden Eisdiele geholt und damit meinen Tag ohne richtiges Abendessen beschlossen. Aber so richtig Hunger hatte ich sowieso nicht und zur Not hätte ich auch noch Brot und Käse gehabt.
Morgen kommt dann Beate wieder nach Flensburg zurück und wir werden dann den vierten Abschnitt unserer Deutschlandtour mit dem Ostseeküstenradweg beginnen. Dabei bin ich tatsächlich gespannt, wie das vor allem mit den Unterkünften weitergehen wird. Für morgen haben wir schon ein Hotel, am Freitag werden wir bei unserer Nichte Klara in Kiel schlafen und für Samstag habe ich auch schon ein Hotel zwischen Oldenburg und Heiligenhafen gefunden. Aber für Sonntag, wenn wir eigentlich bis Grömitz fahren wollen, habe ich noch nichts gefunden, weder bei Bett&Bike noch bei booking.com noch bei Komoot. Es bleibt also spannend. Falls also jemand, der oder die das liest, eine Idee hat, lasst es uns bitte wissen.
Und hier meine gestrige Laufrunde und meine heutige Fahrradtour: