Short English Summary: Today we stay in Bremen. The day before yesterday we reached the „norddeutsche Tiefebene“ (northern German lowlands) and left the German Mittelgebirge. Not only the landscape changed (no hills and mountains anymore) but also the architecture (no half-timbered houses, but red-brick buildings). And, a little bit annoying for us, we face some wind, sometimes from the front, sometimes from the back. The road surface is not always good for riding bycicles, but nevertheless we managed to cycle about 900km in the last two weeks.
Heute habe ich hoffentlich etwas mehr Zeit, um aufzuschreiben, was wir heute erlebt haben und nachzutragen, was in den vergangenen zwei Tagen passiert ist. Ich sitze gerade im Intercity Hotel Bremen mit Blick auf den Bahnhofsvorplatz und beobachte die ein- und ausfahrenden Straßenbahnen und die Leute, die hier so rumlaufen. Wie wir schon bei unserem letzten Besuch in Bremen festgestellt haben, laufen hier ganz schön viele abgewrackte Typen herum, aber das ist ja in vielen Städten in Bahnhofsnähe so. Als BahnBonus-Kunden haben wir hier ein Zimmer-Upgrade bekommen, so dass wir jetzt im Business-Zimmer sind, in dem ich an einem richtigen Schreibtisch sitzen kann.

Spätestens seit Nordhessen merkt man zunehmend, dass wir nach Norddeutschland kommen, zuerst sprachlich, indem man mit „Moin“ statt „Hallo“ oder sogar „Servus“ gegrüßt wurde, dann auch daran, dass die Berge immer niedriger bzw. die Täler immer breiter wurden, so dass wir auch jeden Tag ein paar Höhenmeter weniger bewältigen mussten. Spätestens seit der Porta Westfalica mit ihrem Kaiser-Wilhelm-Denkmal sind wir jetzt aber endgültig in der norddeutschen Tiefebene angekommen, was man nicht nur (stark vereinfachend und pauschalisierend) landschaftlich merkt und Deiche statt Hügel und Schafe statt Kühe sieht, sondern auch baulich mit Backsteinhäusern statt Fachwerkhäusern, Windrädern statt, ja was eigentlich, vielleicht PV-Anlagen, und im Bau befindlichen Höchstspannungsleitungen statt geplanten Gastrassen. Außerdem hat sich uns in den letzten Tagen noch ein neuer Begleiter zur Seite gesellt, neben unserem alten Bekannten Regen, begleitet uns neuerdings auch der Wind, der gestern ungewöhnlicherweise aus Nordosten kam, gerade an einem Tag, an dem wir hauptsächlich nach Nordnordost fuhren und er uns deswegen kräftig ins Gesicht blies. Heute wehte der Wind zwar etwas heftiger, aber, wie in Mitteleuropa üblich, aus Südwesten kommend, so dass wir ihn eher von der Seite hatten als von vorne, manchmal aber doch auch von schräg vorne, was dann wieder anstrengend wurde.

Anstrengend ist auch manchmal der Weg selbst. Obwohl der Weser-Radweg sicherlich landschaftlich schön und auch abwechslungsreich ist, was die vielen unterschiedlichen Städte und Dörfer in seinem Verlauf betrifft, so ist der Straßenbelag (wenn man überhaupt von Straße reden kann kann) doch häufig sehr radungeeignet, hier in Bremen z.B. war der Radweg extra gepflastert, dass man ihn gut von der asphaltierten Straße unterscheiden kann, nur kaum mit dem Rad befahren kann, und manchmal so schmal, dass man kaum alleine durchkommt, geschweige denn der Gegen- oder Überholverkehr. Da gibt es sicherlich noch viele Ausbaumöglichkeiten. Das häufigste Schild am Weg ist, neben den eigentlichen Wegweisern, sicherlich das Schild „Achtung! Radwegschäden“, einmal wurde man sogar dankenswerterweise darauf aufmerksam gemacht, dass man jetzt über „historisches Kopfsteinpflaster“ fährt!

Aber nichtsdestotrotz sind wir jetzt nach ungefähr 900km schon gesund und ohne Schäden (außer meinem alten Sattel) in Bremen angekommen, und werden morgen mit der Ankunft in Bremerhaven die Nordsee erreichen und damit den ersten großen Abschnitt unserer Reise vollenden.
Und das trotz des nicht immer einladenden Wetters. Gestern hatten wir z.B. die kuriose Situation, dass wir sicherlich eine halbe Stunde lang bei strahlendem Sonnenschein durch strömenden Regen gefahren sind (leider haben wir keinen Regenbogen gesehen, den wir eigentlich bei dieser Konstellation erwartet hätten). Und als die Sonne hinter den Wolken verschwunden war, hörte auch der Regen wieder auf. Fing dann aber später wieder, als wir aber glücklicherweise schon im Hotel waren, wieder um so heftiger an.
Manchmal ist es schon frustrierend, wenn man sich auf den Wetterbericht verlassen kann. Für gestern war für den ganzen Tag Regen angekündigt mit wachsender Intensität. Als wir aufwachten und keinen Regen hörten, dachten wir, vielleicht war der Wetterbericht falsch, leider hat sich der Beginn nur etwas nach hinten verschoben, und wie angekündigt, fing es bald nachdem wir losgefahren sind, zu regnen an und wurde erst einmal immer heftiger. Die Zeit des stärksten Regens verbrachten wir dann in Nienburg an der Weser in einem Bäcker-Cafè mit unserer Mittagspause und fuhren erst weiter, als es wieder etwas nachgelassen hatte und die Sonne rauskam (siehe oben).
Aber wir können natürlich auch immer etwas Natur sehen. So sind wir gestern mehreren Vogelarten begegnet, mehreren Gruppen von Wildgänsen (fliegend und auf der Wiese rastend), Graureihern, Störchen, Rebhühnern und ich meine einen Fasan gesehen zu haben, bin mir da aber nicht so sicher. Nur den Rotmilan, den es dort auch geben sollte, haben wir nicht gesehen. Und ein Stück des Weges ist uns ein Hase vorangehoppelt, der aber natürlich kein Vogel ist.

Und von noch einer kleinen Kuriosität, die uns vorgestern begegnet ist, möchte ich erzählen. Nachdem ich am Mittwoch geschrieben habe, dass wir bei unserem Bundesländerhopping, Hessen endgültig hinter uns gelassen hätten, muss ich das teilweise revidieren. Das betrifft zwar das Bundesland an sich, aber am Donnerstag fuhren wir durch die niedersächsische Stadt „Hessisch Oldendorf„, die, wie ich nachgeschaut habe, seit 1905 so heißt, als sie Teil der preußischen Provinz „Hessen-Nassau“ war.
So, jetzt ist es doch schon wieder spät. Deswegen mache ich nun Schluss, bevor ich nur noch Unsinn schreibe. Übrigens, unsere Playlist wird ständig erweitert. Hört doch einfach mal wieder rein und ratet, welche Ereignisse, Begebenheiten, Orte etc. uns zu diesen Musikstücken inspiriert haben. Ich habe z.B. gerade die Titelmelodie der Fernsehserie „Nils Holgerson“ aus meiner Kindheit hinzugefügt, an die ich beim Anblick der Wildgänse denken musste.
Und wie immer zum Abschluss noch der Link zu unserer heutigen Tour.

