„Oberlausitz, geliebtes Heimatland“/“Upper Lusatia, my Beloved Home“

Short English Summary: Today we did our second to last stage on our big trip through Germany. It went from Guben (Lower Lusatia) to Bad Muskau (Upper Lusatia), where we visited the UNESCO world heritage park „Fürst Pückler“. Furthermore, Upper Lusatia is the home of Beate, therefore the header which is part of the refrain of the Upper Lusatia anthem. The river Neiße flows quite naturally through the landscape which makes cycling pleasant because of its various views.

Endlich sind wir fast zum Abschluss unserer großen Tour durch Deutschland nach 7 Wochen und 3000km auf dem Rad in der Oberlausitz, Beates „Geliebtem Heimatland“ angekommen. Heute haben wir mit dem Überfahren der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen kurz vor Bad Muskau außerdem das letzte Bundesland unserer Reise erreicht. Damit kommt unser großes Abenteuer mit großen Schritten seinem Ende entgegen, nach so vielen Stunden im Sattel, so vielen schönen und auch einigen weniger schönen Tagen, Städten, Dörfern, Landschaften kommt jetzt doch etwas Wehmut auf, dass es schon wieder fast vorbei ist, obwohl ich mich in den letzten Tagen auf darauf gefreut habe, nicht jeden Tag Rad fahren zu müssen, sondern auch einfach mal nichts tun kann.

Landschaft an der Neiße/Scenic View of the Neiße

Heute jedoch war noch einmal ein richtig schöner Tag zum Radfahren, zwar noch immer um die 30°C, aber aufgrund wechselnder Bewölkung und auch abwechslungsreicher Landschaft, die auch immer mal wieder Schatten bot, und nur leichtem Wind war das Fahren sehr angenehm. Darüber hinaus war auch der Weg so gut, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu fahren. Kurz nach Guben wollte ich nämlich mal wieder etwas schneller fahren, weil der Radweg gerade so schlön glatt war und die weitere Strecke auch ziemlich klar. Ich dachte, wenn der Weg wieder schlechter wird oder eine unklare Abzweigung, kann ich dann auf Beate warten. Aber der Weg wurde nicht schlechter, die Ausschilderung war klar und so bin ich immer weiter gefahren, bis ich dann in Forst (Lausitz) doch einmal angehalten habe, um nicht gleich die ganze Strecke bis Bad Muskau durchzufahren. Da war ich dann aber schon ungefähr 40km gefahren.

Unterbrochene Brücke in Forst/Broken Bridge in Forst

Forst ist für mich übrigens die Stadt der abgebrochenen Brücken, denn dort gibt es immer noch mehrere Brücken, die wohl im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht zerstört wurden, danach aber nie wieder aufgebaut noch komplett abgerissen wurden. Außerdem gibt es aber dort noch den „Ostdeutschen Rosengarten“, einen Park mit vielen verschiedenen Rosensorten, den wir aber nicht besucht haben, sondern an dem wir nur vorbei gefahren sind.

Neues Schloss im Fürst-Pückler-Park/New Castle in the Park „Fürst Pückler“

Besucht haben wir aber heute Abend noch den Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau, der wirklich einen (oder sogar mehrere) Besuch wert ist. Vor allem bei dem schönen Wetter heute ist es eine wahre Pracht die ganzen Blumen, Bäume und modellierten Landschaften mit Wasserläufen, Seen und Hügeln zu sehen. Wir sind nur reichlich eine Stunde durch den Park gewandelt, hätten aber sicherlich noch viel länger dort bleiben können, wenn nicht unser Hunger und unsere Müdigkeit ihren Tribut verlangt hätten und wir uns dann nicht lieber etwas zum Abendessen gesucht hätten.

Blumen und Bäume im Fürst-Pückler-Park/Flowers and Trees in the Park „Fürst Pückler“

Interessant ist auch, dass die Neiße, die ja, wie gestern schon geschrieben, ein eher kleiner Fluss ist, mitten durch den Park geht, so dass er in einen polnischen und einen deutschen Teil geteilt ist, aber seit jetzt ungefähr zwanzig Jahren durch wieder aufgebaute Brücken im Park wieder als ein Park zu genießen ist. Auch daran sieht man, wie beliebig die Grenzziehung mit der Neiße als Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg war, Städte wurden zweigeteilt, Beziehungen zwischen Dörfern und Handelsrouten unterbrochen und auch Parks und Wälder geteilt. Aber wenn man die Vorgeschichte betrachtet, kann man nur sagen, selber schuld, schließlich hat das Deutsche Reich noch viel schlimmere Verbrechen begangen als nur willkürliche Grenzen gezogen.

Brücke über die Neiße im Fürst-Pückler-Park/Bridge over the River Neiße in Park „Fürst Pückler“

Aber abgesehen von der Geschichte ist die Neiße ein schönes Flüsschen und es macht Spaß an ihr entlang zu fahren. Da sie so klein ist und nicht als Wasserstraße begradigt wurde, schlängelt sie sich weitgehend natürlich durch die Landschaft, durchfließt Wiesen und Wälder, vorbei an einzelnen kleinen Städten und Dörfern, so dass das Fahren doch sehr abwechslungsreich ist.

Wald an der Neiße/Forrest at the Neiße

Morgen steht uns dann unsere allerletzte Etappe bis Ostritz bevor, die aus zweierlei Hinsicht herausfordernd zu werden droht. Zum einen ist sie mit fast 90km eine von unseren längsten, da wir nicht in Görlitz 20km vor Ostritz nicht noch einmal übernachten wollten, und zum Anderen ist nach einer Woche schönen Wetter und Hitze schlechtes Wetter mit Abkühlung, was ja noch angenehm wäre, aber auch viel Regen und Gewitter angekündigt. Mal sehen, wie wir das überstehen werden, aber vielleicht wird es ja gar nicht so schlimm. Jedenfalls haben wir uns zum Kaffee bei Beates Bruder in Görlitz angemeldet, so weit sollten wir also mindestens kommen.

Wer sich übrigens über die Überschrift gewundert hat, sie ist ein Zitat aus dem Refrain des Oberlausitz-Lieds. Und hier gibt es auch noch den Link zu unserer heutigen Tour.

Ein Tag im Oderbruch/A Day in the Oderbruch

Short English Summary: Our today’s stage headed from Zollbrücke in the Oderbruch, a former marshland which was drained in the 18th century to create land for agriculture, to Frankfurt (Oder), the birth place of Heinrich v. Kleist and place of studies of C.P.E. Bach, the most famous son of Johann Sebastian Bach.

Nach der Hitzeschlacht gestern war das Fahren heute wieder eine schweißtreibende Angelegenheit, es war zwar nicht mehr ganz so heiß wie gestern, aber immer noch knapp über 30°C und sehr schwül. Der Regen in der Nacht hat kaum zur Abkühlung geführt, aber die Luft sehr feucht gemacht, so dass es am Morgen als wir in Zollbrücke losfuhren schon 24°C war und das große Schwitzen gleich losging.

Kulturhafen Groß Neuendorf/Port of culture Groß Neuendorf

Landschaftsmäßig ging es auch wieder, wie es gestern aufgehört hatte: Fluss, Deich und Felder und der Radweg entweder auf dem Deich oder hinter dem Deich. Es ist schon faszinierend, wie lange man hier im Oderbruch fahren kann, ohne ein Gebäude, geschweige denn eine Siedlung oder sogar eine größere Ortschaft zu sehen. Es ist hier sehr dünn besiedelt, vor allem direkt an der Oder gibt es wenig Abwechslung. Wahrscheinlich muss man mehr von der Oder in das Oderbruch hineinfahren, um die Dörfer dort zu sehen, die auch durchaus sehenswerte Orte und Gebäude bieten sollen. Davon haben wir aber nichts gesehen, stattdessen nur landwirtschaftliche Nutzfläche, die im 18. Jahrhundert durch die Trockenlegung des Oderbruchs und die Verlegung der Oder an dessen Ostgrenze entstanden ist und damit Lebensraum für neue Kolonist*innen bot. Es muss in dieser Zeit schon ein riesiges Unternehmen gewesen sein, eine so große Fläche einzudeichen, den Fluss und seine Nebenflüsse zu verlegen und damit das Gebiet trockenzulegen. Vor der Trockenlegung muss das Oderbruch wohl so ähnlich wie der Spreewald ausgesehen haben. Teilweise wird heute wohl auch wieder diskutiert aus Hochwasserschutzgründen dem Fluss wieder mehr Raum zu geben und Flächen wieder vernässen zu lassen.

Universität Viadrina/University Viadrina

Unser Ziel heute war am Südende des Oderbruchs die Stadt Frankfurt (Oder), die neben der Namensgleichheit mit dem Wohn- und Studienort unserer Tochter Nadjeschda auch noch weitere Highlights zu bieten hat. Zum einen ist sie Geburtsstadt von Heinrich v. Kleist, was hier überall zu sehen ist, und außerdem auch Studienort von Carl Philipp Emanuel Bach, worauf auch an jedem Laternenmast hingewiesen wird. Davon abgesehen ist Frankfurt Sitz der Europa-Universität Viadrina und besitzt ein paar schön restaurierte bzw. rekonstruierte Gebäude.

Erinnerung an C.P.E. Bach/Memento of C.P.E. Bach

Morgen geht es dann erst weiter an der Oder aufwärts, bevor wir dann mit der Neiße den letzten Fluss unserer Reise erreichen werden, den wir dann noch bis zu seiner Quelle folgen wollen. Aber bis dahin müssen wir noch ein paar Tage radeln. Was wir heute geradelt sind, könnt ihr hier sehen.

Rathaus von Frankfurt/City Hall of Frankfurt

Endlich an der Oder/Finally at the Oder

Short English Summary: Today we finally reached the river Oder, or more precisely the Western Oder, since the river branches here and the two branches unite in Stettin (Szczecin) again. With the Oder we also reached the next federal state on our tour, which is called Brandenburg. In addition to the change of the state also the type of landscape changed. From the coastal forrests which were dominant at the coast to a highly agriculturally used hill land. Tomorrow, we will cycle through the national park „Unteres Odertal“ (lower valley of the Oder).

Hinweisschild auf die Westoder/Information Sign for the River Westoder (Western Oder)

Nachdem ich schon seit drei Tagen davon rede, haben wir heute endlich die Oder erreicht, wenn auch erst am Ende unserer Etappe in unserem Zielort Mescherin, und werden jetzt die nächsten drei Tage an ihr entlang fahren. Um genau zu sein, ist es die Westoder, die wir heute erreicht haben, da sich die Oder ein paar Kilometer oderaufwärts von hier in zwei Arme aufspaltet, die sich dann bei Stettin wieder vereinen. Unsere Pension ist direkt am Oderufer und wir haben einen schönen Blick auf den Fluss von unserem Zimmer aus.

Alter Bahndamm durch Kiefernwald/Old railroad through pinewood

Damit haben wir jetzt endgültig die Ostsee bzw. das Stettiner Haff verlassen und sind jetzt richtig im Binnenland, was man auch an der Veränderung der Landschaft merken konnte. Während wir am Vormittag noch durch einen typischen Kiefernwald, den wir von der Küste jetzt reichlich gewohnt waren, fuhren, führte unser Weg dann hauptsächlich durch landwirtschaftlich genutzte, leicht hügelige Landschaft, so dass die heutige Tour auch aufgrund des am Ende uns entgegenwehenden Windes doch auch recht anstrengend wurde, vor allem auch, weil die Hitze jetzt auch uns erreicht hat. Außerdem betrug die Länge unserer Etappe heute ungefähr 85km, was eine der eher längeren für uns war. Deshalb waren wir dann bei unserer Ankunft in Mescherin auch ziemlich k.o. und mussten erst einmal schlafen.

Landschaft in der Uckermark/Landscape in Uckermark

Morgen soll es dann noch etwas heißer werden, aber dann müssen wir 10km weniger fahren, aber der Wind soll auch etwas auffrischen und wieder auf Südwest drehen, wenn auch wir wieder nach Südwest fahren. Alles in allem wird es wohl wieder anstrengend werden. Aber da wir durch den Nationalpark „Unteres Odertal“ fahren werden, hoffen wir, als Entschädigung dafür wenigstens tolle Natur zu sehen.

Wenn ich übrigens gestern geschrieben habe, dass Ueckermünde die letzte Stadt vor Schwedt war, die wir morgen erreichen werden, war das nicht ganz richtig. Wir sind heute durch Penkun gefahren, das zwar weniger als 2000 Einwohner hat, aber trotzdem eine Stadt ist (eine der kleinsten Deutschlands), ein sehenswertes Schloss hat und von einigen Seen umgeben ist, was aber nichts daran ändert, dass die Gegend hier eher dünn besiedelt ist und hauptsächlich kleinere Dörfer anzutreffen sind. Das macht aber das Radfahren auch manchmal ganz angenehm, weil es lange Strecken ohne Unterbrechung durch Siedlungen oder Kreuzungen und insgessamt wenig Verkehr gibt, so dass man auch mal eine halbe Stunde schnell fahren kann, was ich heute auch ausgenutzt habe.

Schloss von Penkun/Castle of Penkun

Mit Penkun haben wir übrigens auch Mecklenburg-Vorpommern verlassen und befinden uns jetzt im nächsten Bundesland auf unserer Reise, nämlich in Brandenburg und dort im Landkreis Uckermark. Interessanterweise ist die Uckermark nach dem gleichen Fluss benannt worden wie Ueckermünde, der jedoch in Brandenburg Ucker und in Vorpommern Uecker heißt.

Damit ihr nachvollziehen könnt, was wir heute geleistet haben, hier noch der Link zu unserer heutigen Tour.