Wieder unterwegs/On the Road Again

Short English Summary: After one day of rest we continued our cycling tour with a nice stage on which we saw a lot of wunderful nature sceneries. It started with the peatland „Stadtbruch of Anklam“. Then we cycled along the coast of the Stettiner Haff (Lagoon of Stettin) and reached the German-Polish border once again, which we will follow till the end of our tour. The night we will stay in a small village directly at the border.

Nach so einem Ruhetag ist es schön, wieder unterwegs zu sein. Vor allem, wenn man eine so schöne Strecke durch ursprüngliche Natur und ruhige Gegenden wie heute fährt, die auch noch relativ kurz war. Das ist dann ein willkommener Wiedereinstieg ins Fahrradfahren und erlaubt die Erholung vom Ruhetag noch etwas fortzusetzen. Außerdem gab es wenig Wind und den auch noch von hinten (wir sind wieder in Richtung Osten unterwegs), keinen Regen und auch die Temperaturen sind noch moderat (um die 24°C), wenn es auch die nächsten Tage immer etwas wärmer werden soll, morgen schon 29°C, aber in Heidelberg soll es noch bedeutend heißer sein. Also genießen wir das Radeln und erfreuen uns an unserem Urlaub.

Anklamer Stadtbruch

Obwohl die Tour heute eher kurz war (57km) war sie sehr abwechslungsreich. Nach Anklam ging es zuerst durch das Naturschutzgebiet „Anklamer Stadtbruch“, ein Torfmoor, das Teil des Naturparks „Flusslandschaft Peenetal“ ist und das nach der Aufgabe der Entwässerung nach einem Deichbruch wieder zunehmend vernässt und sich so einem natürlichen Zustand wieder annähert (siehe Wikipedia). Damit haben wir doch noch etwas Natur gefunden, was mir gestern bei Laufen nicht so richtig gelungen ist. Ich bin also einfach in die falsche Richtung gelaufen, obwohl ich auch nicht durch das ganze Gewerbebebiet, das wir vorher durchfahren haben, hätte laufen wollen.

Dann fuhren wir durch ein Waldgebiet, durch das der Radweg, wie Beate sich ausgedrückt hat, hindurch mäandert ist und auch wieder ein paar radtechnische Herausforderungen, wie Wurzeln und tiefen Sand, bereit hielt. Aber das kann uns nicht mehr erschüttern. Dafür konnten wir auch ein gutes Stück auf einer neuen, breiten, wenig befahrenen Straße fahren, die den in unserem Reiseführer speziell markierten „Spurplattenweg“ umging.

Blick vom Ueckermünder Strand nach Usedom/View from the beach of Ueckermünde to Usedom

Außerdem konnten wir immer mal wieder Blicke auf das Stettiner Haff werfen, das hier auch schöne Badestrände bietet, und, nachdem wir am Samstag die Insel verlassen hatten, auf Usedom. Es ist schon interessant, wie, durch die Wegführung oder auch topographische Gegebenheiten, immer wieder Orte auftauchen, die wir schon hinter uns gelassen haben. Ganz extrem war das natürlich in Stralsund, wo wir gleich dreimal an exakt der gleichen Stelle vorbeikamen, oder am Fehmarnsund, wo der Hinweg über die Halbinsel nur 400m vom Rückweg vorbeiführte, was Beate dazu nutzte, den Weg um 20km abzukürzen. Aber auch an anderen Stellen ergaben sich immer wieder Bezüge, so am Greifswalder Bodden, wo wir mehrmals nach Rügen schauen konnten, das wir ein paar Tage vorher umrundet hatten und das nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt lag, oder heute eben Usedom. Manchmal denkt man sich auch, warum wir überhaupt so viele Kilometer fahren, wenn eigentlich alles so nah ist. Am Samstag sahen wir z.B. nach zwei Tagen Usedom und vielleicht 100km Fahrt einen Wegweiser „39km Wolgast“. Das hätten wir also auch bedeutend kürzer haben können, hätten dabei aber natürlich nicht wo viel von Usedom gesehen. Und Ziel unserer Tour ist es auch nicht, möglichst schnell durch Deutschland zu kommen, sondern möglichst viel zu sehen und zu erleben. Hätten wir möglichst schnell von Heidelberg nach Ostritz fahren wollen, hätten wir das sicherlich locker auch in zwei Wochen schaffen können statt in sieben, aber dabei sicherlich auch interessante Regionen, Städte und Landschaften gesehen, aber bei weitem nicht so viele wie auf unserer jetzigen Tour. Deshalb nehmen wir gerne Umwege in Kauf in der Erwartung immer wieder neue Überraschungen zu erleben.

Blick auf die Zecheriner Brücke vom Stadtbruch/View from the Stadtbruch to the bridge of Zecherin

Heute Abend sind wir auch wieder an der polnischen Grenze angekommen, die wir jetzt für den Rest unserer Reise nicht mehr verlassen werden. An die Oder, eine der Namensgeberinnen der Grenze, werden wir aber erst morgen Abend in Mescherin kommen, ab wo die Grenze dann durch die Oder (und später durch die Lausitzer Neiße) verläuft, da bei der Etablierung der Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg es Polen und der Sowjetunion wichtig war, dass sowohl Swinemünde als auch Stettin nicht bei Deutschland bleiben und deshalb die Grenze weiter westlich der Oder gezogen wurde.

Nachdem wir heute durch Ueckermünde gefahren sind, sind wir auch ein bisschen in der Wildnis angekommen, denn bis Schwedt wird das die letzte Stadt gewesen sein, die wir durchqueren werden, was auch bei der Quartierssuche für heute und die nächsten Tage etwas Schwierigkeiten bereitete, da es hier nicht so viele Hotels und Pensionen gibt, aber wir haben für alle Nächte etwas gefunden. Aber deswegen haben wir auch die Gelegenheit genutzt am Campingplatz in Grambin die letzte Waschmaschine bis Frankfurt/Oder zu nutzen,um unsere Wäsche zu waschen, was in Anklam am Wochenende nicht möglich war. Jetzt haben wir also die Chance am Sonntag in Ostritz nicht völlig stinkig und dreckig anzukommen, sondern nur ein bisschen.

Marktplatz von Ueckermünde/Market Square of Ueckermünde

Das war es auch schon wieder, was ich vom ersten Tag der siebten Woche unserer Tour zu erzählen weiß, morgen geht es wieder weiter. Aber zuletzt noch wie immer unsere heutige Tour zum Nachvollziehen.

Ein kleiner Nachtrag

Wie heute Morgen schon angekündigt war der heutige Tag ein Ruhetag mit Wellness und ein paar organisatorischen Aufgaben. Deshalb gibt es eigentlich nicht viel zu berichten. Nach dem ausgiebigen Frühstück habe ich meinen Bericht von gestern geschrieben, dann haben wir noch ein paar weitere Unterkünfte für die nächsten Tage gebucht, bevor ich dann mal wieder eine kleine Laufrunde eingelegt habe. Leider habe ich keinen so richtig schönen Weg gefunden, wie ich mir vorgestellt habe. Ich dachte mir, dass ich irgendwie durch den Naturpark „Flusslandschaft Peenetal“ laufen könnte, aber immer kam ich an Sackgassen an. Den Weg, den ich dann in der anderen Richtung an der Peene entlang gelaufen bin, ging dann relativ lange an der Bundesstraße entlang und als der Weg von der Straße abbog, hatte ich schon fast genug.

Wie auch immer, jedenfalls war es schön auch mal wieder eine andere Bewegung als immer nur Radfahren zu machen. Den Nachmittag verbrachten wir dann in der Sauna bzw. ein paar Runden im Swimming Pool bin ich auch noch geschwommen.

Das wichtigste ist aber, dass Beate mich daran erinnert hat, dass ich gar nichts darüber geschrieben habe, wie tapfer sie gestern gegen den Westwind angekämpft hat, der uns die ganzen 60 km entgegen geweht hat. Ausgerechnet auf der einzigen Etappe, die uns gegen Westen führt, hatten wir gestern recht frischen Westwind. Aber nach 6 Wochen Training haben wir auch das gemeistert und sind, wie schon erzählt, gut in Anklam angekommen.

Morgen geht es dann weiter Richtung Oder am Südufer des Stettiner Haffs entlang und damit wieder nach Osten.

Der letzte Anfang/The Last Beginning

Short English Summary: Yesterday we started the last part of our tour, the Oder-Neiße-Trail, through Germany at Swinemünde (Świnoujście) in the Polish part of the island of Usedom. We left the island near Zecherin and crossed the Peenestrom once again. The destination of our yesterday’s tour was Anklam, an old but nowadays rather small town with a rich history which is the native town of Otto Lilienthal, a pioneer of human flying. Here we will have the last day of rest during our tour and relax in a hotel with sauna and swimming pool.

Start in Swinemünde/Start in Swinemünde

So langsam geht unsere Tour schon wieder zu Ende, wenn uns auch noch eine Woche bevorsteht, aber nach sechs verradelten Wochen, beginnt sich schon etwas Wehmut einzustellen und es beginnen die letzten Male: Gestern das letzte Mal am Meer, es sei denn man ist etwas großzügig und zählt, das Stettiner Haff, das wir erst am Dienstag verlassen werden auch noch dazu, seit gestern sind wir außerdem auf unserem letzten Fernradweg, nämlich dem Oder-Neiße-Radweg, unterwegs, heute haben wir unseren letzten Ruhetag vor Ostritz, wo wir dann nach aktueller Planung am nächsten Sonntag, in genau einer Woche, ankommen werden.

Peenestrom

Aber noch steht eine Woche vor uns, die sicherlich auch noch eine Reihe von tollen Erlebnissen, schönen Landschaften und interessanten Städten bieten wird. Anklam, wo wir seit gestern Abend sind, ist auch wieder einer dieser Städte, von denen ich bis vor Kurzem kaum den Namen gekannt habe, geschweige denn, dass ich etwas über sie gewusst hätte, noch sie auf der Karte hätte lokalisieren können. Hier angekommen konnte ich feststellen, das auch Anklam eine alte Stadt mit reicher Geschichte ist und heute hauptsächlich als Geburtsort des Flugpioniers Otto Lilienthal bekannt ist, woran man hier auch allen Ortes erinnert wird. Außerdem wird sie, wie auch Wolgast, das wir am Freitag durchfahren haben, als „Tor zur Insel Usedom“ bezeichnet, was letzten Endes auch der Grund ist, warum wir hier sind, nachdem wir zwei Tage über die Insel Usedom gefahren sind. Übrigens hatten wir an der Zecheriner Brücke, neben der in Wolgast die einzige Brücke nach Usedom, einen ähnlichen Effekt wie am Freitag in Wolgast. Nur dass sich gestern der Verkehr auf die Insel staute und nicht wie in Wolgast von der Insel.

Zecheriner Brücke über den Peenestrom/Bridge of Zecherin across the Peenestrom

Interessanterweise sind wir auf dem Oder-Neiße-Radweg unterwegs, haben bislang aber weder die Oder noch erst recht nicht die Neiße gesehen. Es sei denn, man betrachtet das Stettiner Haff, das auch Oderhaff genannt wir, als Teil der Oder. Aber eher heißt der Radweg wohl Oder-Neiße-Radweg, weil er an der deutsch-polnischen Grenze entlang geht, die etwas vereinfachend als Oder-Neiße-Grenze bezeichnet wird, obwohl sie mitten durch Usedom und das Stettiner Haff geht, und deshalb eher Usedom-Haff-Oder-Neiße-Grenze heißen müsste, was aber nicht so griffig wäre.

Vögel am Peenestrom/Birds at the Peenestrom

Jedenfalls sind wir nicht mehr an der Ostseeküste unterwegs und damit auch nicht mehr auf dem Iron-Curtain-Trail, der seit Travemünde identisch mit dem Ostseeküsten-Radweg war und der auch noch weiter an der Ostsee entlang geht, an der polnischen, russischen (Kaliningrader), litauischen, lettischen, estnischen und dann wieder russischen (Petersburger) Küste bis zur finisch-russischen Grenze, der er dann bis hoch in den Norden bis zur norwegisch-russischen Grenze folgt (von der ich bis gerade eben noch gar nichts gewusst habe). Ab Travemünde in der anderen Richtung führt er entlang der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze, dann weiter an der deutsch-tschechischen, österreichisch-tschechischen und österreichisch-sklowakischen Grenze, weiter an den Grenzen Ungarns, Sloweniens, Kroatiens, Serbiens, Rumäniens, Bulgariens, Nordmazedoniens, Griechenlands und der Türkei bis ans Schwarze Meer, also an der Grenze des ehemaligen Ostblocks bzw. Eisernen Vorhangs entlang. Das wäre bestimmt auch eine interessante Tour, aber große Teile sind wahrscheinlich eher auf der Karte zu finden als tatsächlich gut ausgebaute oder wenigstens halbwegs sicher zu befahrende Radwege und teilweise wahrscheinlich momentan gar nicht zu erreichen (die russischen Teile).

Deswegen bleiben wir dieses Jahr hauptsächlich in Deutschland, wo zwar auch nicht alles gut ist, aber wahrscheinlich immer noch besser als zum Beispiel auf dem Balkan. Gestern hatten wir in Swinemünde diesen typischen Grenzeffekt, den man an den unterschiedlichstens Grenzen, sei es zwischen Staaten, Bundesländern oder manchmal auch zwischen Landkreisen oder Gemeinden, immer wieder finden kann: Von Swinemünde bis zur deutschen Grenze war der Radweg gut ausgebaut und endete genau an der Grenze dann plötzlich, wo ich dachte: Typisch deutsch, die Nachbarländer bauen eine Straße, Zugstrecke oder eben auch einen Radweg und auf deutscher Seite fehlt der Anschluss. Nach 200m fing der Radweg dann auch auf der deutschen Seite wieder an, war aber in einem deutlich schlechteren Zustand. Schade.

Blick auf Anklam/View to Anklam

Manchmal sind aber auch gut ausgebaute Radwege nicht so schön zu fahren, wie gestern der an der B110 entlang nach Anklam, der zwar schön glatt war und auch angenehm durch den Wald ging, aber leider parallel zu der, zumindest gestern, sehr stark befahrenen Straße nach Usedom (siehe oben), was nach einigen Kilometern doch nervig war. Zum Glück ging ein großes Teilstück zwischendurch dann abseits von der Straße durch den Wald, was wir dann wieder sehr genossen haben und auch für unsere Mittagspause genutzt haben.

Markplatz von Anklam/Market Square of Anklam

Zur Belohnung für unsere viele Radfahrerei haben wir uns hier in Anklam übrigens ein Hotel mit Wellness-Bereich mit Pool und Sauna für unseren Ruhetag geleistet, was wir gestern mit einem Saunagang auch gleich genutzt haben und ich denke, heute werden wir das auch noch einmal machen, um für die letzten gut 500km gestärkt zu sein. Aber vielleicht werden es ja sogar noch ein paar mehr. Wir sind gerade dabei zu überlegen, ob wir nicht noch einen Epilog von der Neißequelle nach Ostritz anhängen, was auch in einem Tag machbar wäre. Aber hier sind wir noch im ersten Planungsstadium.

Was wir schon gemacht haben könnt ihr wie immer auch hier sehen.