Obwohl wir mittlerweile schon an unserem Ziel Rotterdam angekommen sind, möchte ich gerne zuerst noch über unseren gestrigen Tag schreiben.
Nachdem wir vorgestern eine unserer längsten Etappen hinter uns gebracht hatten, bestand Beate darauf die gestrige kürzer zu planen. Wenn wir den offiziellen Rheinradweg gefüllt wären, waren es von Tricht nach Dordrecht fast 90km gewesen. Als Alternative gab es eine Komoot-Tour mit knapp 55km, die jedoch größtenteils an vielbefahrenen Straßen (aber auf separaten Radstraßen) entlangging. Deshalb planten wir, zuerst die Komoot-Tour zu nehmen, die sowieso an unserer Unterkunft vorbeiging, und wenn diese den Rheinradweg trifft, dann auf jenem weiterzufahren, die großen Schleifen durch die schönen Naturschutzgebiete aber auszulassen, was wir dann auch (zu meinen Leidwesen) taten und deshalb ungefähr 60km gefahren sind, abzüglich zweier Fährfahrten.
Überhaupt Fährfahrten, bei der Planung unserer Tour war mir gar nicht bewusst, wie viele Fähren wir benutzen müssen. Irgendwie habe ich mir vorgestellt, dass wir mehr oder weniger immer an Gleiverbindung Rheinufer entlang fahren bzw. von Zeit zu Zeit mal eine Brücke benutzen. Aber schon zwischen Mainz und Koblenz, die Strecke unserer ersten beiden Etappen, gibt es keine einzige Brücke, so dass wir schon am ersten Tag eine Fähre benutzen mussten. Erst recht hier in den Niederlanden, wo die Landschaft durch viele Rheinarme, Kanäle und weitere Wasserläufe zerteilt ist und nicht überall, erst recht nicht in den noch halbwegs natürlichen Gebieten, Brücken sind, geht es häufig nur mit Fähren weiter. Im Schnitt sind wir so jeden Tag ein- bis zweimal mit der Fähre gefahren. Ich glaube, ich bin in meinem ganzen Leben nicht so oft Fähre gefahren, wie in den letzten 10 Tagen.
Aber zurück zu unserer Fahrt gestern. Nach einigen Irritationen bezüglich der zu fahrendem Strecke, fanden wir dann doch einen Weg, der uns zuerst wie gestern am Ende auch schon am Lingedamm entlang führte. Er führte durch eine Landschaft, die ich, wie die auch gestern Morgen schon, in den Niederlanden nicht erwartet habe. Denn entgegen dem Klischee, dass in den Niederlanden nur geschmacklose Tomaten in Gewächshäusern und Tulpen angebaut werden, fuhren wir durch riesige Birnen-, Apfel- und Kirchbaumplantagen. Und die sind, zumindest dem hauseigenen Apfelsaft, den wir in unserem Quartier auf dem Obsthof getrunken haben, nach zu schließen, alles andere als geschmacklos.
Im weiteren Verlauf führte der Weg nach Leerdam, einem Städtchen, das nicht nur etwas mit dem Käse gleichen Namens zu tun hat, sondern vor allem als Glasstadt bekannt ist, was mir bislang noch nicht bewusst war. Aber schon gleich am Ortseingang warb die Stadt mit dem Beinamen Glasstadt und auf dem Platz vor der Kirche war kein großes Käserad aufgebaut, sondern ein Glasbläserdenkmal.

Auf der weiteren Strecke hab es einige Forts und Schlösser und immer mal wieder eine Windmühle.


Aber mein Thema heute sollten ja die Gegensätze sein. Der nächste war der Nationalpark „De Biesbosch“, der im Gegensatz zu dem Nationalpark am Vortag nicht von Wald geprägt war, sondern vor allem von Wasser, Feuchtwiesen mit weidenden Rindern oder Schafen, viel Gebüsch und Wasservögel, die dort ihre Brut- und Rastgebiete haben.



Nach dem Biesbosch fuhren wir dann auf mehr oder weniger direkten Weg nach Dordrecht, der ersten Großstadt seit Arnhem und nach all den kleinen Städtchen und Dörfern bzw. der unbesiedelten Landschaft der vorherigen zwei Tage ein ziemlicher Kontrast mit all ihren Verkehr und Lärm. Auch das Hotel, in dem wir die Nacht verbrachten, war das genaue Gegenteil unser vorherigen Unterkunft. Während wir vorgestern ein Zimmer auf einem abgelegenen Bauernhof hatten, der selbst vom nächsten Dorf einige Kilometer entfernt war und um den eine billige Ruhe herrschte, Siegen wir gestern in einem Business-Hotel ab, das verkehrsgünstig (und entsprechend laut) an einem Autobahnkreuz lag. Während dort jedes Zimmer individuell und liebevoll eingerichtet war und, passend für einen Obsthof, einen Obstnamen hatte, wahren es hier Standardzimmer mit Standardeinrichtung und einer einfachen Zimmernummer.
Zum Abschluss des Tages, bitte nicht lachen, sind wir tatsächlich noch im nahegelegenen McDonald’s abendessen gewesen, da ich mal wieder Lust auf Pommes Frittes hatte und neugierig war, die vegetarischen Burger dort zu probieren. Aber die Pommes waren nicht besonders lecker und auch der vegetarische Burger riss mich nicht vom Hocker. Das nächste Mal nehmen wir doch lieber wieder das Hotelrestaurant.
Heute morgen ging es dann weiter nach Rotterdam, unserem Endziel, aber darüber werde ich erst morgen erzählen. Hier noch unsere gestrige Tour: Tricht-Dordrecht






































